ein wirthschaftliches Bedürfniß. Die Kammer protestirt schließlich im Namen der Handwerker und Gewerbetreibenden gegen jede Verkümmerung des Wechselrechtes.
Stuttgart. Der„Staats⸗Anzeiger“schreibt: Die Taufe des neugeborenen Sohnes des Prinzen Wilhelm findet am 24. August in Marienwahl, dem Landsitze des Prinzen in der Nähe von Ludwigsburg ohne größere Feierlichkeit statt. Der König, welcher seine Freude, über die Ge⸗ burt eines Prinzen und muthmaßlichen Thron— erben auch durch Uebernahme der Pathenstelle ausdrückte, wird bei dem Taufact mit Rücksicht auf die ihm ärztlich angeordnete Cur durch den Obersthofmeister vertreten sein.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. Aug. Einige Socialdemokraten, welche Flugschriften als Gegendemonstraiion zu dem morgigen patrio— tischen Feste verbreiten wollten, wurden festge— nommen. Die zu gleichem Zwecke von dieser Partei einberufene Volks-Versammlung wurde polizeilich verboten.
Pest. Minister-Präsident Tisza wird am 24. d. in Wien vom Kaiser empfangen werden und am 25. d. nach Ostende gehen, wo er bis zum 22. September verbleiben wird.
Belgien. Brüssel, 19. Aug. Der Senat erschöpfte heute seine Tagesordnung und vertagte sich hierauf. Morgen erscheint das Schlußdecret der außerordentliche Session. Heute Abend gibt die Stadt Brüssel den Vertretern der europäischen Hauptstädte ein prachtvolles Banket im gothischen Rathhaussaale.
Großbritannien. London, 19. August. Unterhaus. Dilke antwortet auf eine Anfrage Wolff's, die Regierung sei bereit auf die voll⸗ ständige Ausführung des Berliner Vertrages zu dringen.— 20. Aug. Staatssecretär Har— tington erklärt auf eine Anfrage Tyler's: es sei ihm nicht bekannt über Arrangements mit Ab⸗ durrahman betreffs Empfangs eines Eingeborenen als Gesandten; er glaube, die Ernennung eines regulären Vertreters in Kabul sei für jetzt über⸗ haupt nicht beabsichtigt.— Oberhaus. Staats⸗ secretär Spencer: Die Regierung bedauert die Landagitation als gefährdend für den Frieden Irlands; es seien keine Ausnahmsmaßregeln beabsichtigt, und glaubt die bestehenden Gesetze für hinreichend. Die Regierung sei entschlossen, das Leben, Eigenthum, Gerechtigkeit und Gesetz durch alle zu Gebote stehenden Mittel zu schützen.
— 19. Aug. Einer Meldung aus Simla zufolge, war heute das Gerücht verbreitet, Ayub Khan habe Kandahar von Süden angegriffen. Eine Kanonade sei von drei Seiten der Stadt her von Morgens bis Abends hörbar. Die Verluste der Briten seien unbedeutend.
— 21. Aug. Das„Reuter'sche Bureau“ meldet aus Simla: General Stewart hat sein Hauptquartier in Jellalabad aufgeschlagen. Ein— geborene sagen aus, General Roberts habe Ghazuy unbehelligt passirt. Mahomed Khan und Kashim Kahn bedrohten seine Flanken.— Es verlautet, Ayub Khan habe beschlossen, in Folge der Un— geduld der Stämme Kandahar noch vor dem Eintreffen des Entsatzes anzugreifen.— General Phayre ist nach Khojak abgegangen.
Italien. Rom. Die Nachricht verschiedener Blätter, die italienischen Botschafter in London und St. Petersburg seien nach Rom berufen worden, ist, der„Agencia Stefani“ zufolge, un— begründet.— Die„Agencia Stefani“ erfährt, daß die italienische Regierung dem neuesten Vor— schlage Englands zugestimmt habe, wonach betreffs der hinsichtlich der griechischen Angelegenheit an die Pforte zu ertheilenden Antwort die Einwürfe der Pforte wegen der nenen Grenzlinie entschieden zurückzuweisen seien.
— 20. Aug. In dem heutigen Consistorium ernannte der Papst mehrere Bischöfe für Italien, England und Amerika. Die vom Papste ge— haltene Allocution verbreitet sich nur über Belgien. Der Papst bedauert die Abberufung der belgischen Gesandtschaft, welche die schwerste Beleidigung
sei und beweise, daß der Krieg gegen die Kirche mit erneuter Heftigkeit aufgenommen werde und das belgische Ministerium von antikatholischem Geiste beseelt sei. Die Kirche konnte das bel⸗ gische Unterrichtsgesetz nicht billigen. Der Papst lobt das Verhalten der belgischen Bischöfe und spricht von seiner hierbei bekundeten Langmuth und den den belgischen Bischöfen ertheilten Rath— schlägen zur Mäßigung.
Türkei. Constantinopel, 20. Aug. Die von gestern datirte Antwort der Pforte auf die letzte Note der Mächte in Betreff Montenegros wurde heute den fremden Botschaftern zugestellt.
— 20. Aug. Der neue Generalgouverneur von Oberalbanien Riza Pascha ist vorgestern in Medua gelandet.
— 20. Aug. Die Pforte erklärt sich in ihrer neuesten Antwortnote auf die Collectivnote der Großmächte entschlossen, das Gebiet von Duleigno ohne Gruda und Dinosch an Monte⸗ negro zu übergeben, verlangt aber eine Ver⸗ längerung der gestellten am 24. August ablaufen⸗ den Frist.— Das„Berl. Tageblatt“ ist in der Lage, folgende Analyse der Note zu geben: Die Antwort der Pforte erklärt, der Sultan, sei zur Abtretung Dulcignos entschlossen. Die neue Grenze von Podgorizza bis zum Scutari-See müsse jedoch an Ort und Stelle nach den durch den Berliner Bertrag angegebenen Punkten tracirt werden. Zugleich verlangt die Pforte die Ver⸗ längerung des Ueberlieferungs-Termins, da 12 Tage zur Durchführung der Abtretung unge— nügend seien. Falls die Mächte diesen Vorschlag nicht annehmen und Montenegro mit Unterstützung der Mächte etwa Dulcigno gewaltsam nehmen wollte, so würde die Pforte an keiner derartigen Zwangsmaßregel Theil nehmen. Die„National⸗— Zeitung“ meldet: Gegenüber der Bekundung des ernsten Willens der Pforte in der montene⸗ grinischen Frage, wodurch die Lösung durch An— kunft Riza Paschas und der Truppenlandung in Albanien vorbereitet ist, scheinen Oesterreich und Deutschland geneigt, der Pforte eine weitere Frist zuzustehen. Dagegen soll das Wiener Cabinet auf die Sondirungen der Pforte wegen eventueller Besetzung der Balkanpässe abrathend geantwortet haben.
Rußland. Petersburg, 20. Aug. Officiell. General Loris-Melikoff wurde zum Minister des Innern und General Tscherewin zum Leiter der dritten Abtheilung der kaiserlichen Kanzlei und zum Unterstaats- Sekretär im Ministerium des Innern ernannt.
— 20. Aug. Ein kaiserlicher Ukas publicirt die Aufhebung der höchsten Commission wie dritten Abtheilung nebst Geheimkanzlei, und die Errich⸗ tung eines Ministeriums der Post und Telegraphen.
Kiew, 20. Ang. Die in dem Processe wegen des beabsichtigten gewaltsamen Umsturzes der bestehenden Staatsordnung vom 14. August gegen zwei Angeklagte erkannte Todesstrafe wurde durch den Kaiser in lebenslängliche Zwangsarbeit um— gewandelt.
Amerika. Washingthon. Ein Rundschreiben des Staatssekretärs Evarts an die Seemächte enthält die Einladung zu einer um Neujahr 1881 zu Washington abzuhaltenden internationalen Gesundheits-Conferenz, welche den Zweck habe, für die Mittheilungen über den Gesundheitszu— stand der Hafen und der aus diesen kommenden Schiffe ein System einzuführen. Den Mächten wird eventuell die Wahl eines anderen Zeit⸗ punktes für den Zusammentritt der Conferenz anheimgestellt.
Aus Stadt und Land.
N Friedberg. Man muß bedauern, wenn man sieht, wie wenig Verständniß vorhanden ist fur Bestreb⸗ ungen, die doch nur dahin zielen, unsere Stadt nach und nach einer entsprechenden und für ihre fernere Ent⸗ wickelung nothwendigen Erweiterung entgegen zu führen, hemmende Schranken zu durchbrechen und Raum zu schaffen für die, die dessen für weiteres Streben bedürfen, damit wir nicht in engherziger Voreingenommenheit und Abge⸗ schlossenheit in uns selbst verknöͤchern, und darum ist zu bedauern, wenn„Aus Stadt und Land“ und als „Eingesandt“ in d. Bl. versucht wird, Opposition zu erregen gegen die längst in Aussicht genommene und im Gemeinderath neuerdings wiederholt zur Berathung ge⸗
kommene Angelegenheit der in dem von Großherzoglichem Ministerium genehmigten Stadtbauplan schon längst vor⸗ gesehenen Stadterweiterung durch Eröffnung von vorläufig einer, einestheils dem Bedürfniß an Bauplätzen für Neubauten, anderntheils und vornehmlich aber— und dieß ist die Hauptsache— dem öffentlichen Ver⸗
kehr, insbesondere der Herstellung einer directen und kürzesten Verbindungslinie aus dem Herzen der Stadt nach den bezüglich ihrer Lage nunmehr endlich definitiv festge⸗ stellten neuen Verladeplätzen der Main⸗Weser⸗ Bahn dienenden neuen Straße. Indeß— bei Lichte betrachtet, ist diese gegnerische Agitation vielleicht etwas anders als eine künstlich gemachte, hervorgerufen — weil die Sache nicht Jedem in seinen Kram paßt? In dem Artikel„Aus Stadt und Land“ wird der Kostenpunkt als vornehmlichster Grund gegen die geplante Straßenanlage als etwas Ueberschwingliches hervorgehoben, aber daß die dadurch erzielt werdenden Vortheile der Ver⸗ kehrserleichterung und Zeitersparniß den so sehr betonten Kostenaufwand voraussichtlich mehr als aufwiegen wer⸗ den, davon wird Nichts erwähnt, und bei andern Ge⸗ legenheiten, z. B. als die dem allgemeinen Verkehr wenig nuͤtzende, aber Einzelnen zum wesentlichen Vortheil ge⸗ reichende Verbreiterung der Hospitalstraße auf Kosten der Stadt, trotz der derselben dafür aufgebürdeten unver⸗ hältnißmäßig hohen Opfer durchgesezt wurde, da war von Seiten der heutigen Opposition Alles mäuschenstille. Und was in dem jüngsten„Eingesandt“ durch An⸗ führung von Reden in der Frankfurter Stadtverordneten⸗ Versammlung gefaselt wird, so wird sich der Einsender selbst sagen müssen, daß dieß selbst in Frankfurt noch immer nur schöne Redensarten, aber noch keine That⸗ sachen sind, und für unsere Friedberger Verhältnisse gam gewiß so lange nicht passen dürfte, als es Leute gibt, die wie noch ganz neuerdings bei Gelegenheit einer größeren Straßenumpflasterung, nicht allein die hierdurch an ihrem
angrenzenden Besitzthume nöthig gewordenen kleinen Her⸗
stellungen von der Stadt, als dazu verpflichtet, verlangten und annahmen, sondern sogar die Kosten für weitere in ihrem eigenen Interesse gemachten Arbeiten der Stadt aufzubürden versuchten. Uebrigens und zum Schluß sei noch bemerkt, daß die ganze Angelegenheit der geplanten neuen Straßeneröffnung noch in dem Stadium der Vor⸗ arbeiten und Vorberathungen sich befindet, indem ein früheres Vorgehen in derselben um deßwillen nicht räth⸗ lich erschien, weil die durch Einführung der neuen Hanauer Eisenbahn nöthig werdenden Veränderungen der Bahn⸗ hofsanlagen nicht festgestellt waren, was erst jetzt ge⸗ schehen ist, so daß man auch nun erst im Stande sein wird, die zweckentsprechendste definitive Richtung der neuen Straße feststellen zu können. Ein weiterer Grund, die Eröffnung der neuen Straße nicht zu übereilen, lag in dem Verhalten des größeren Theiles der von dem neuen Straßenzug berührten Grundbesitzer, indem einige der⸗ selben so exorbitant hohe Preise für ihr in die Straßen⸗ linie fallendes Gelände forderten, daß in Betracht dessen, auch ohne die in Seene gesetzte Gegenagitation, von der Sache vielleicht hätt abgesehen und die Auffindung eines anderen, billigeren Auswegs versucht hätte werden müssen. Nachdem aber einige der Bethelligten nunmehr sich bereit erklärt haben, ihre früheren Preise bis auf die Hälfte, theilweise bis auf ein Drittel herabzusetzen, so ist Hoff— nung vorhanden, die in Aussicht genommene Straßen- durchführung ohne durch Uebertheuerung des Geländes der Stadt aufzubürdende übermäßige Opfer, ihrer end⸗ lichen Herstellung entgegen führen zu können. Ob und wie der Gemeinderath sich hierbei, sowie überhaupt in dergleichen städtischen Angelegenheiten bemühen wird, das allgemeine Beste zu wahren und zu fördern, davon sich zu überzeugen, ist Jedermann Gelegenheit geboten, indem die Gemeinderathssitzungen und Verhandlungen öffentlich sind, und der Besuch derselben jedenfalls besser geeignet ist, ein Urtheil darüber sich bilden zu können, als das meistentheils entstellte Hörensagen und Wirthshausgeschwäß⸗
k. Bad Nauheim, 23. Aug. Bei der gestrigen Regatta auf unserem für derartige Festlichkeiten so sehr geeigneten Teiche errangen die Mainzer den ersten Preis und die Offenbacher den Ehrenpreis des Greßheresn Die Betheiligung Seitens des Publikums war diesmal eine größere denn je, wozu auch viel das herrliche Wetter beigetragen haben mochte.
Allerlei.
Lauenberg. Eine sehr interessante Naturersch aasic ist hier zu beobachten. Ein Schwalbenpaar hat nämli drei schwarze und zwei weiße Junge ausgebrütet. Letztere sind wohlauf, sind von den Eltern aufgezogen und tummeln sich in munterm Fluge mit ihren schwarzen Brüdern umher.
Berlin. Im Rechnungsjahre 1879—80 sind in der Reichsdruckerei 106,437,500 Stück gestempelte Postkarten angefertigt worden. Es wurden also das Jahr zu 306 Arbeitstagen gerechnet bei einer zehnstündigen Arbeits⸗ zeit, täglich rund 350,000 Karten geliefert. Zur Her; stellung einer solchen Menge sind durchschnittlich jeden Tag W Personen, 3 Pressen und die erforderliche An⸗ zahl von Hand⸗Schneidemaschinen in Thätigkeit. Wird berücksichtigt, daß die Postkarten nur einen Bruchtheil der insgesammt erford rlichen Postwerthzeichen darstellen, und daß außerdem mehrere hundert Millionen anderer Postwerthzeichen anzufertigen sind— im Jahre 1878 z. B. betrug die Gesammtzahl 753,843,100 Stück— se kann man sich annähernd eine Vorstellung von dem Um⸗ fang der Leistungen der Reichs druckerei für die Zwecke der Reichs⸗Postverwaltung machen.
Pest, 20. August. Die Wassergefahr ist geschwunden. Das Hochwasser verursachte bei St. Andreae bedeutenden
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