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wage und der Jahrmärkte, sowie die Lieferung von Oel, derungen durch die Stadt zu beginnen; bald
Kreide und Schwämme für 1881 und das erste Quartal 1882 genehmigt. Zur Zurückzahlung der städtischen An⸗ leihe von 1878 wurden die Obligationen 8, 12, 16, 17, 19, 20, 21, 22, 25, 26, 27, 28, 29, 32, 33, 34 der Serie E. à 500 Mark ausgeloost und erfolgt die Aus⸗ zahlung derselben vom 1. Januar 1881 an. Auf eine Eingabe des Chr. Eich um Verlängerung des Pachtes der städtischen Fischerei in der Usa wurde beschlossen, die Fischerei demnächst öffentlich zu verpachten. Einer Ein⸗ ladung zu einer am 23. d. in Hungen stattfindenden Sitzung des Comité's, welches den Bau einer Sekundärbahn von Grünberg nach Friedberg betreibt, soll keine Folge ge⸗ geben werden, da es sich dabei nur um eine Schlußrech⸗ nung über die Vermessungskosten handelt, dagegen soll schriftliche Mittheilung über das Ergebniß der Versamm lung erbeten werden. Die auf Grund des für die hie⸗ sigen Lehrer festgestellten Regulativs dem Lehrer Zang dahter vom 10. October an zustehende Dienstalterszulage fand die Zustimmung des Gemeinderathes. Ein auf un⸗ bestimmte Zeit mit Georg Magnus dahier abgeschlossener Pachtvertrag über ein Stück städtischen Geländes an dem neuen Brunnen wurde genehmigt, ebenso einige kleinere Kostenbeträge. Nachdem der Situationsplan betreffend Anlage einer neuen Straße nächst des Fauerbacher Thores nach den neuen Lagerplätzen der Main⸗Weser⸗Bahn während der gesetzlichen Zeit offen gelegt war, ohne daß Rekla⸗ mationen dagegen eingelaufen sind, wurden die mit den betreffenden Grundbesitzern bezüglich der Geländeabtretung geführten Verhandlungen dem Gemeinderathe vorgelegt und von demselben die vereinbarten einzelnen Forder— ungen genehmigt. 871. 5
Friedberg. Unter den für vorzügliche Leist⸗ ungen in Oppenheim prämiirten Lehrlingen befindet sich aus Oberhessen noch Ph. Faulstich, Schreiner, bei Reitz in Groß⸗Karben. Häuser, Möller und Faulstich besuchen einer Mittheilung der Großherzoglichen Buͤrgermeisterei zufolge die hiesige Gewerbeschule.
Friedberg. Bei dem Unglücke bei Gensungen wurden außer dem Postschaffner noch 2 Personen verletzt. Der Locomotivführer ist arg verbrüht und überdies an der linken Seite schwer verletzt; ebenso hat der Heizer erheb— liche Verletzungen erhalten, während solche von Passa— gieren bis jetzt nicht bekannt geworden sind.
Ranstadt, 20. Dez. In der Nähe unseres Ortes wurde gestern bei dem starken Sturme ein auf dem Neben⸗ geleise stehender leerer Güterwagen in das Fahrgeleise getrieben und stieß mit dem um 5 Uhr 10 M. von Nidda abgegangenen Frühzuge zusammen. Es wurde dadurch die Maschine beschädigt, so daß von Gelnhausen eine Reserve-Maschine herangezogen werden mußte, welches eine Zugverspätung zur Folge hatte.
Allerlei.
Kassel, 18. Dec. In der Nähe der Station Greben— stein der Bergisch-Märkischen Bahn kam gestern Nachmittag ein ziemlich erheblicher Erdrutsch in demselben Augen⸗ blicke vor, als der Köln-Kassel-Leipziger Schnellzug die betreffende Stelle passirte. Die im vollsten Laufe be⸗ findliche Maschine vermochte sich indessen durch die Erd— massen zu arbeiten und den Zug, ohne daß derselbe Schaden nahm, fortzuziehen. Nach der„B. B. Z.“ ist es dem Umstande, daß sich unter den Erdmassen kein Gestein befand, allein zuzuschreiben, daß der Zug nicht entgleiste.
Wolfach, 21. Dez. Das Wolfachthal zeigt heute große Verwüstungen. An 30 Stellen fanden Erdrutsche statt, an 6 Stellen ist die Chaussee unfahrbar. Bei Oberwolfach erlitt die große eiserne Brücke starke Be— schädigungen. Aus dem Renchthale kommen noch betrübendere Nachrichten. Bei dem Bodeort Petersthal wurden durch einen Erdrutsch 2 Häuser verschüttet und mehrere Menschenleben gingen verloren.
E. Betzdorf, 22. Dez. In Folge der anhaltenden Regengüsse ist abermals ein Eisenbahnunglück von schreck— lichen Dimensionen zu verzeichnen. Zwischen hier und Wissen ist bei der Ausfahrt aus dem großen Tunnel heute Nacht um 11 Uhr der Personenzug total ver— schüttet worden. Um 3 Uhr heute früh, als Einsender die Stelle passirte, war die Locomotive herausgegraben, und der Locomotivführer, der Heizer, der Packmeister und zwei Schaffner hervorgeholt, alle mehr oder weniger verletzt. Am Ende des Zuges sind nur 2 Packwagen sichtbar, sonst ist der ganze Zug verschüttet.
Agram, 17. Dez. Man meldet aus Warasdin: „Heute Nacht zwischen 11½ und 11¾ Uhr wurde hier ein ziemlich heftiger Erdstoß in der Richtung von Süd nach Nord, von ungefähr 1½ Seeunden Dauer, verspürt. Schaden ist keiner zu verzeichnen. Die Witterung ist sehr lau, der Himmel leicht bewölkt.“ Zahlreiche weitere Meldungen von dem Flachlande lassen darauf schließen, daß die Intensität der Erschuͤtterung eine überaus große
war. Einigen Berichten zufolge war dieser Stoß der zweitheftigste. Falb begibt sich auf Einladung des Car—
dinals morgen nach Schloß Gradee.
Weihnachtsfeiertage in Spanien*).
Eine Reise-Erinnerung von A. Oertel. Original-Artikel für den„Oberhess. Anz.“) (Fortsetzung und Schluß.)
Am andern Morgen weckte mich unauf— hörliches Feiertagsgeläute und ich beeilte mich, um nach eingenommenem Frühstück meine Wan—
*) Im Oberhess. Anz. Nr. 150 muß es beißen: Zeile 8 von oben„Ferro-carril del norte“ und Zeile 10 von unten muß das Komma binter dem Worte„Cadiz“ wegfallen.
fesselte eine schöne Kirche meine Aufmerksamkeit, ich trat ein und hörte eine ganz gediegene Kirchenmusik und einen Theil der Messe mit au; bald darauf gelangte ich an den Hafen, und eine Gondel mit Führer im Puerto de la paz(Friedenshafen) war bald gefunden; im herrlichsten Sonnenschein, die köstliche milde Luft des Mittelmeeres einathmend, ruderten wir hinaus, wo sich bald ein reizendes Pano— rama entfaltete; das war wirklich das schöne Spanien, von dem die Deutschen so viel singen und machte auf mich einen um so über— raschenderen Eindruck, als ich seit zwei Monaten an die monotonen Conturen der castilianischen Hochebene in der Umgebung von Madrid ge— wöhnt war; links auf hohem, steilem Berge das mit Kanonen gespickte Castell, rechts der Hafen mit einem ganz respektablen Mastenwald, in der Mitte die Stadt mit schönen Häuserfagaden, umgeben von unzählbaren, theilweise sehr hoch gelegenen, eleganten Landhäusern und das Ganze umsäumt von den blauen Gipfeln des Küsten— gebirges; in der Nähe des Hafens wucherten riesige Agaven, die hier im Sommer auch wirklich zur Blüthe gelangen und auf allen Mauern zeigten sich die kleinen weißen Blüthen— rispen des Alyssum maritimum, was dem Ganzen ein außerordentlich freundliches, fruͤh— lingathmendes Gepräge verlieh. Wieder an das Land gestiegen, bemerkte ich viele große Barken ganz mit Johannisbrot gefüllt und auf den Straßen sah ich zum ersten Male die, weniger durch deliciösen Geschmack, als durch ihr prachtvolles, in allen Nüancen des Purpurs schimmerndes Colorit ausgezeichneten Früchte des Erdbeerbaums(Arbutus Unedo, spanisch Madronno““) zum Verkauf ausgestellt, die ich in Madrid nur bei den Conditoren in Einmach— gläsern gesehen hatte. In die Stadt zurück— gekehrt, kam ich an das Teatro principal, dem größten und schönsten, an der Rambla del centro, der Hauptstraße Barcelonas, gelegen; riesige Plakate kündigten für heute Verdi's Troubadour an und hatte ich schon beschlossen, bineinzugehen, als ich einige Schritte weiter an das Teatro del Liceo kam; über dem Eingang desselben hing ein ziemlich kleines, eingerahmtes Bild auf Leinwand; dasselbe zeigte eine männliche Figur, die mit beiden Armen einen Baum um— klammerte, während vier andere Personen be— müht waren, aus den posteriorihus der Ersteren ein Objekt auszuziehen, das auch ein in der vergleichenden Anatomie völlig Unbewanderter sogleich als einen grotesken Kuhschwanz zu definiren vermochte; darunter waren die Worte zu lesen: Teatro del Liceo.
Para hoy el 25 de Diciembre de 1869. Funcion de la tarde à las 3 y media: Los Pastoreillos 0 Ele nacimiento del hijo de Dios. Gran espectaculo de fiesta en 2 actos, adornado con todo su corespondiente aparato, de grandes coros, vistosos y diferentes bailes por todo el cuerpo coreografico.
Wer sein Latein noch nicht ganz vergessen hat, dem dürfte es nicht schwer fallen, den Sinn dieser Ankündigung zu verstehen, doch folge für „Uubemittelte“ hier die deutsche Uebersetzung: Für heute den 25. December 1869. Nach— mittagsvorstellung um 3½ Uhr: Die Hirten oder Die Geburt des Sohnes Gottes. Großes Festschauspiel in 2 Akten, ausgestattet mit allen dazu gehörigen Apparaten, großen Chören und verschiedenen prachtvollen Ballets, ausgeführt vom gesammten choreographischen Körper(Balletcorps).
Das war Wasser auf meine Mühle; ich hatte hier augenscheinlich eine volksthümliche Festvorstellung à la Oberammergau vor mir und ging hinein, in der Erwartung, eine Art Marionettentheater zu finden—; wurde ich jedoch
*) Für Heraldiker sei erwähnt, daß die Stadt
Madrid einen Zweig dieses Baumes im Wappen führt.
schon stutzig, als ich ein elegantes breites Treppenhaus ganz aus weißem Marmor betrat, so war ich erstaunt, als ich in das Parket eintrat und ein höchst elegantes und geräumiges Theater sah, das sich mit den größten deutschen Ge— bäuden dieser Art messen kann, obgleich es von Außen nur die Fagade eines Privathauses zeigt. Ein gutes Orchester spielte eine Sinfonia(auf deutsch„Ouverture“), dann ging der Vorhang auf und man sah den Fürst der Hölle, umgeben von seinem gesammten Hofstaat, dessen weibliche Mitglieder jetzt einen Hexentanz in optima forma aufführten; alsdann nahm Se. satanische Hoheit den Vortrag eines seiner Getreuen, wahrscheinlich Minister des Auswärtigen, entgegen; dieser meldete, daß sich in dem armseligen Städtchen Betlehem ein Ereigniß vollzogen habe, das zu ernsten Bedenken Anlaß gäbe und wohl geeignet sei, den alten Thron Sr. Majestät stark zu erschüttern, nämlich die Geburt des Sohnes Gottes; hierauf allgemeines Stirnrunzeln, ernste Gesichter und lebhaftes Debattiren; doch schöpft Satan schließlich Muth, da er sich erinnert, daß der Alcalde(Bürgermeister) von Betlehem ein alter Freund zu ihm ist, mit dem sich reden läßt. Eine andere Scene zeigt die heilige Familie mit dem Christuskind; die Hirten kom— men vom Felde, um es anzubeten und legen ihm schließlich Geschenke zu Füßen, der eine Dies, der andere Jenes und der letzte über— reicht mit vor Rührung erstickter Stimme„una cucharilla“(ein Löffelchen) zum Auffüttern des lieben Kindleins, nämlich einen formidablen hölzernen Kochlöffel von mindestens ½¼ Liter Juhalt. Dann kommt wuthschnaubend der Herr Alcalde, wahrscheinlich zugleich Standesbeamter, wie man ohne seine bürgermeisterliche Ge— nehmigung das Gerücht aussprengen könne, in dieser erbärmlichen Hütte sei ein Sohn Gottes zur Welt gekommen; doch kaum hat er das Christuskind erblickt, so wird er vom heiligen Geist erleuchtet und aus dem Saulus wird ein Paulus, worüber er sodann mit seinem Freund Satan in Feindschaft geräth, so daß dieser schließlich Rache nimmt und ihm einen capitalen Kuhschwanz applicirt; hierauf großer Jammer des armen Mannes, bis sich endlich einige gute Freunde entschließen, einen Aus— ziehungsversuch zu wagen, der aber, unter dem Wehgeschrei des Unglücklichen, nur mit Auf— wendung aller Kräfte, und nachdem sich das unerwünschte Anhängsel bis zu 4 Meter ver— längert hat, gelingt. Hierauf große Freude, und ein glänzendes Fest bei Bürgermeisters macht den Beschluß, wobei aber die höͤllischen Geister allerlei Spuk und Schabernack treiben und Satan schließlich selbst einen, Hauptcoup“ versucht, indem er einen Feuerregen hernieder— fallen läßt, der an Intensität noch zunimmt, als Se. höllische Majestät selbst unter Blitz und Donner aus der Tiefe emporzusteigen ge— ruht; aber da erscheint, Deus ex machina, wahrscheinlich als geladene Gäste, die heilige Familie mit dem Christuskind; der Feuerregen verwandelt sich sogleich in einem Blumenregen und der Füͤrst der Hölle ist genöthigt, mit Feuer und Flammen zu verduften und abzu— dampfen in die Tiefen der— Versenkung.
Ich ging verguügt und zufrieden in mein Hötel, wo die überreich servirte Mensa redonda mit obligatem Kapaun schon im Gang war; auf meinem Serviettenhalter prangte eine, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassende 13. Nicht wissend, daß dies ganz einfach die Nummer meines Zimmers war, zählte ich die Conviven und richtig, 12 saßen da und ich war der drei— zehnte, der zuletzt gekommen war; nicht im Ge— ringsten ließ ich mich aber stören und dachte nicht weiter daran. Nach aufgehobener Tafel machte im mich wieder auf den Weg und durch— streifte die Stadt in einer anderen Richtung; obgleich mir die spanische Sprache geläufig genug war, um überall mit den Leuten fertig zu werden, so machte es immerhin einen guten Eindruck auf mich, hier und da Jemand zu finden, der französisch sprach und ein Apotheker


