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Deutsches Reich.
Darmstadt, 17. Sept. Der Großherzog kam gestern, begleitet von dem Erbgroßherzog Ernst Ludwig und den Prinzessinnen Irene und Alix, an Bord des Dampfbootes, Prinzeß Marie“ in Queenborough an, woselbst er von Oberst Lindsay im Namen der Königin empfangen wurde. Darauf setzte er die Reise nach London fort.
— Miüilitärdienstnachrichten. Generallieute— nant Frhr. v. Schlotheim, Führer des XI. Armee— Corps, wurde, unter Ernennung zum comman⸗ direnden General dieses Armee-Corps zum General der Cavalerie, Oberstlieut. v. Rosen, Commandeur des 4. Großh. Juf-Regts. Nr. 118, zum Obersten, Major Senkel, Bataillons-Com⸗ mandeur im 2. Großh. Inf.-Regt. Nr. 116, zum Oberstlieutenant befördert. v. Bismarck, Prem.⸗Lieut. vom 2. Hans. Juf.⸗Regt. Nr. 76, unter Bef. zum Hauptmann und unter Belassung in seinem Com. als Adj. bei der 50. Inf. Brig. à la suite des Kaiser Alexander Garde-Gren. Regts. Nr. 1 gestellt; v. Rode, Sec. Lieut. vom 2. Großh. Inf. Regt. Nr. 116 in das 3. Pomm. Inf.⸗Regt. Nr. 14 versetzt; die außeretatsmäßigen Sec.-Lieuts. Credé, Scheibe und Lang vom Großh. Feld.-Art.-Regt. Nr. 25 zu Artillerie— Offizieren ernannt; v. Beczwarzowsky, Oberst— lieut. vom 4. Großh. Inf.-Regt. Nr. 118 nach Berlin als Inspect. der milit. Strafanstalten commandirt; v Hesse, Oberst und Commandeur des Schlesw. Juf.-Regts Nr. 84, als General— Major der Abschied bewilligt; Schulz, pens. Wachtmeister, bisher im 2. Großh. Drag. Regt. Nr. 24, der Charakter als Sec. Lieut. verliehen.
— Der Amtsrichter Thaler in Worms wurde zum Landrichter in Mainz und der Amtsrichter Laist in Oppenheim zum Amtsrichter in Worms ernannt; dem Amtsanwalt bei den Amtsgerichten Gernsheim, Lorsch, Wimpfen und Zwingenberg, Fabricius, wurde die zeitweilige Wahrnehmung der Geschäfte eines Amtsrichters in Oppenheim übertragen.
— 21. Sept. Der hessische Parteitag der Fortschrittspartei war von 34 Ortschaften be— sucht. Die Kasseler Resolutionen wurden an— genommen.
Berlin, 20. Sept. Der Kaiser ist durch
leichtes Unwohlsein verhindert, die Reise zu den Manövern in der Rheinprovinz zu unternehmen; sein Befinden gibt indeß zu keinerlei Besorgniß Veranlassung und ist bereits wieder in der Besserung begriffen. 20. Sept. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Die Conjecturen, als ob der Reichs— kanzler durch die Uebernahme des Handels— ministeriums einen bisher nich besessenen Einfluß auf die Handelsverträge gewinnen wollte, zeugten von gründlicher Unkenntniß des Geschaͤftsganges. Der Einfluß des Reichskanzlers auf die Handels— verträge war auch bisher ein unbestrittener und maßgebender. Wenn der Reichskanzler mit der Uebernahme des Handelsministeriums ein anderes Ziel als eine zweckmäßige Vereinfachung des Geschäftsganges verbinden sollte, so werde das muthmaßlich nur die allmälige Ueberführung der Geschͤͤfte auf wirkliche Reichsbehörden sein. „Wir kennen im Reiche keinen sächsischen, preu— ßischen, mecklenburgischen, sondern nur einen deutschen Handel.
Ausland. Holland. Haag, 20. Sept. Der König hat heute die Session der Generalstaaten eröffnet. Frankreich. Paris, 19. Sept. netskrisis ist heute Vormittag wieder ausge— brochen in Folge der Meinungsverschiedenheit
zwischen Freycinet und Constans über die Aus—
fuͤhrung der Maͤrz⸗Decrete. Grevy ist daher abermals genöthigt, seine Abreise hinauszu— schieben. Das Entlassungs-Gesuch Freycinet's ist angenommen. Grevy ließ Constans, Cazot und Farre in den Elyséepalast berufen. Jules Ferry ist mit der Bildung des neuen Cabinets betraut. Die Krisis hat, der„Agence Havas“ zufolge, lediglich ihren Ursprung in Fragen der inneren Politik.
Die Cabi⸗
EH Sept. Alle Morgenblätter sprechen sich für die Aufrechterhaltung der bisherigen friedlichen Politik aus. Einige verlangen die vorzeitige Einberufung der Kammern. Es scheint jedoch die Einberufung derselben bis jetzt un⸗ wahrscheinlich. Unmittelbar nach der Constituir— ung des Cabinets soll, wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, ein sehr friedlich gehaltenes Rundschreiben an die Vertreter Frankreichs im Auslande gerichtet werden.
— 21. Sept. 2000 Tischlergesellen haben die Arbeit eingestellt.
— Fast sämmtliche auswärtigen Blätter be⸗ urtheilen Freycinet's Sturz sehr erust. Die „Nationalztg.“ meint, gleichviel welches die Motive des ausgebrochenen Conflicts gewesen sind, eine Folge desselben scheint schon in naher Zeit au's Tageslicht treten zu müssen. Die Stellung, welche Gambetta gegenwärtig ein— nimmt, wird nicht mehr haltbar sein. Die Franzosen werden es auf die Dauer nicht er— tragen, daß ein unverantwortlicher Kammer— präsident Minister ab- und einsetzt. Gambetta wird entweder heraustreten müssen in eine ver— antwortliche Stellung, oder auf den Einfluß Verzicht leisten, den er bisher auf das politische Leben Frankreichs ausübt.
Italien. Rom, 21. Sept. Durch könig— liches Decret ist eine Amnestie für Preßvergehen erlassen.— In Pesaro versuchten 40 Anhänger der Internationale vorgestern eine Demonstra— tion; 10 wurden verhaftet, die Uebrigen entflohen.
Türkei. Constantinopel, 21. Sept. Graf Hatzfeld hat gestern der Pforte die stattfindende Flottendemonstration officiell notifieirt.
— Hiesige Zeitungen stellen in Abrede, daß die Lage Riza Pascha's Seitens der albanesischen Liga gefährdet sei. Derselbe sei noch in Dul⸗ eigno und verhandele noch wegen der Uebergabe.
— Dem„Standard“ wird gemeldet: Ein türkischer Unteroffizier hat den österreichischen Consul in Jauina brutal angegriffen. Ohne das Einschreiten einiger einflußreicher Einwohner der Stadt würde die Ausschreitung zu beklagens— werthen Ruhestörungen geführt haben.
Montenegro. Cettinje, 21. Sept. Das „Tageblatt“ meldet aus Ragusa: Der britische Admiral Seymour, Befehlshaber des vereinigten europälschen Geschwaders, hat an Riza Pascha eine Sommation gerichtet, binnen drei Tagen Duleigno an Montenegro zu übergeben. Die Meldung der„Agence Havas“, daß Riza Pascha Dulcigno verlassen habe und daß 8000 Alba⸗ nesen dasselbe besetzten, ist erfunden. Gestern standen kaum 4000 Albanesen in der Umgebung Duleignos. Riza Pascha selbst ist in Dulcigno anwesend.
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg, 21. Sept. In der gestrigen öffent⸗ lichen Sitzung des Gemeinderathes wurde zuerst ein Antrag des G. Preußer, betr. Herstellung des Feldwegs nächst der Ober-Wollstädter Grenze genehmigt und sollen die Arbeiten hierzu öffentlich vergeben werden. Der Bürgermeister erstattete darauf Bericht über die am 7. d. Mts. in Hungen stattgehabte Sitzung des Comite's, welches die Erbauung einer Secundärbahn Grünberg— Friedberg betreibt. Darnach sind die generellen Ver⸗ messungspläne von den Ingenieuren vorgelegt und die Ansichten der anwesenden Vertreter der betheiligten Oste über Anlage der Ba nhöfe und Haltestellen eingeholt worden. Eine Verständigung hierüber wurde erzielt und werden auf der damit gewonnenen Grundlage nunmehr die Spezialpläne und Kostenvoranschläge ausgearbeitet werden. Das in Södel gelegene im Februar leihfällig werdende Augustinerschulgut soll auf 12 Jahre öffentlich verpachtet werden. Das Gesuch einer Anzahl hiesiger Einwohner auf Errichtung einer Laterne in der Ver— bindungsgasse zwischen Flohr und Holler wurde abge⸗ lehnt. Die bereits mehrfach erwähnte Beschwerde des G. Philippi wegen angeforderten Sprunggeldes wurde, nachdem sich derselbe bereit erklärt bat, für ein Stück Vieh zu bezahlen, als erledigt erklärt. Ueber die von der Friedberg⸗Hanauer⸗Eisenbahnbaubehörde herzustellende Wasserleitung nächst des kleinen Viadukts am Fauer⸗ bacher Thor wurden verschiedene Pläne und Kostenvoran⸗ schläge vorgelegt. Nach längerer Verhandlung wurde beschlossen, der genannten Baubebörde anheimzugeben, auf ihre Kosten und unter ihrer Verantwortlichkeit und unter dem Seitens der Stadt ausdrücklich gemachten Vorbe— balt, daß die Interessen der Stadt und der betheiligten Grundbesitzer vollständig gewahrt und dieselben vor jedem Schaden sicher gestellt werden, die fragliche Anlage aus⸗
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zuführen. Die Stadtrechnung für 1878 wurde vo elegt 9— N
und nach vorausgegangener Prüfung und Bericht 5 ung der Finanzeommission genehmigt. Die Beschwerde
einiger Bewohner der Haagkstraße über Wasserstauung
soll untersucht und Abhülfe geschaffen werden. Einige weitere auf der Tagesordnung befindliche Gegenstände wurden der vorgerückten Zeit halber auf die nächste Sitzung vertagt.
r. Friedberg.„Es herrscht wieder Leben auf dem Turnplatze.“ Diese Worte aus der Ansprache, welche der erste Sprecher des hiesigen Turnvereins, Carl Trapp, am 19. September an die in der Turnhalle Versammelten richtete und worin er in kurzen Zügen die Hauptmomente
des Entwickelungsgangs des Turnvereins seit seiner Grün⸗ dung(1845) schilderte und auf die Bedeutung des Turn⸗ wesens in unseren Tagen hinwies, hatten bei dem Schau Nachdem auf der
turnen Fleisch und Blut gewonnen. Stätte, welche am 14. September 1845 als Turnplaß eingeweiht worden war, Gemeinderath Ruths als altet
Turner den Turnern von heute gesagt hatte, wie es zu
seiner Zeit ausgesehen, welcher Eifer damals die Turner
für die gute Sache erfüllt hätte, begab sich der Zug,
von Musik begleitet, nach dem jetzigen Vereinsturnplaße. Turnwart G. Mahr leitete die Freiübungen, die, von den Meisten sicher und ordnungsmäßig ausgeführt, einen
guten Eindruck bei den Zuschauern hinterließen. Bei dem
Riegenturnen wurde recht Anerkennenswerthes geleistet; auch in dem darauf folgenden Kürturnen machte die ge⸗ lungene Ausführung mancher Uebung dem betreffenden Turner alle Ehre. Bedenkt man, daß erst mit diesem Jahre wieder turnerisches Leben in den Turnverein ein⸗
gekehrt ist, so ist das Gesammtbild des am Sonntage In diesem Sinne hat sich auch der Vertreter des Gaues Hessen, Carl Demuth von Gießen, welcher dem Turnen
Gebotenen als ein recht erfreuliches zu bezeichnen.
von Anfang an beiwohnte, ausgesprochen. Die gesellige
Vereinigung, welche am Abende in der Turnhalle kalen g
war sehr belebt und nahm einen befriedigenden Verlau Die Gesangs-Abtheilung des Turnvereins that ihr Bestes, um die Gemüthlichkeit zu erhöhen; bei Ansprachen, Tänzen, komischen Vorträgen flogen die Stunden dahin und Mitter⸗ nacht war lange vorbel, ehe die letzten Turnbrüder und Turnschwestern daran dachten, den geordneten Rückzug an⸗ zutreten. Allen Theilnehmern wird, so hoffen wir, die N mittag- und Abendfeier eine freundliche Erinnerung bleiben.
Gießen, 21. Sept. Während des Gewitters am gestrigen Mittag schlug der Blitz bei Gleiberg in einen Nußbaum, unter welchem mehrere Personen Schutz suchten, ein. Obgleich in der ersten Zeit betäubt, kamen die Ge⸗ fährdeten glücklich mit dem Schrecken davon.
Darmstadt. Nach den neuesten statistischen Zu⸗ sammenstellungen betrugen Ende 1878 die Einlagen in den Sparkassen unseres Landes 57,012,788 Mk., hatten sich daher im Laufe des genannten Jabres um den an⸗ sehnlichen Betrag von 2,821,165 Mk. vermehrt. Gleich⸗ zeitig stieg die Höhe der Einlagen entsprechend die Zahl der Einleger von 96,121 auf 98,013, wovon allein 52,982 mit 29,760,837 Mk. auf die Provinz Starken⸗ burg entfallen.
Alzey. Das Lehrer-Personal am hiefigen neuen Schullehrerseminar, welches nunmehr wohl kaum vor dem 24. Oktober oder 1. November zur Eröffnung kommen wird, besteht aus den Lehrern: Or. Eisenhut, seitheriger Rector an der Mittelschule für Knaben in Darmstadt(Director); Dr. Weckerle, seitheriger Lehrer in Seligenstadt; Th. Weiske, seitheriger Lehrer in Worms und früherer Schüler des Kgl. Conservatoriums der Musik in Leipzig(Musik); G. Ohly, seitheriger Lehrer der Naturwissenschaften am Großh. Lehrerseminar in Bensheim; Stromberger, seit⸗ heriger Pfarrverwalter in Eberstadt; und Zimmermann, seitheriger Lehrer in Bermersheim(Hülfslehrer).
Allerlei.
Frankfurt. Beim hiesigen Polizeipräsidium ist die telegraphische Nachricht eingetroffen, daß die Brüder Sachs von den chilenischen Behörden ausgeliefert worden sind und in Begleitung zweier Deteetives bereits auf dem Wege nach hier sich befinden. Die bedeutenden Kosten der Ueberführung sollen von den deutschen Behoͤrden übernommen worden sein.
Dresden. Im„Pulsnitzer Wochenblatt“ 8. liest man wörtlich:„Ich mache hierdurch bekannt, da mir kein Gastwirth, wenn ich betrunken bin, etwas ver⸗ abreichen soll, sondern sofort herauszuweisen. Friedr. Wilh. Klotsche, Steinarbeiter in Laußniß.“
Paris, 16. Sept. In Angouleme wurde heute früh der zum Tode verurtheilte Muttermörder Huart guillotinirt. Wie das französische Gesetz für Eltern⸗ mörder vorschreibt, wurde der Delinguent im Hemd, bar füßig und das Haupt mit einem schwarzen Schleier bes deckt, auf die Richtstätte geführt. f
Handel und Verkehr.
Friedberg, 21. Sept. Fruchtbericht. Weizen N. 20.50. Korn M. 8., Gerste M. 16., Hafer M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 22. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete zer Pfd. M. 0.95— 1.10, Eier per Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf.
Gießen, 21. Sept. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.00—1.05, Eier 2 Stück 11 Pf., Käse per Stück 59 Pf., Tauben das Paar 35—60 Pf., Hühner per Stück M. 0.70— 1.10, Hahnen per Stück M. 60— 1.10, Enten per Stück M. 1.45— 1.70, Ochsenfleisch 66—68 Pf. per Pfd., Kuh- und Nindfleisch 48—50 Pf., Kalbfleisch 45 bis 50 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Schweinefleisch 66— 68 Pf. Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00— 5. Zwiebeln per Ctr. M. 5— 6.50, Weißkraut 100 Stück M. 7.50— 11.
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