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1880.

Dienstag den 22. Juni.

N 73.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil.

Zu publitiren find aus dem Großherzoglichen Regierungsblatt: Nr. 20, Gesetz, Maßregeln gegen die Reblaus betreffend.

Betreffend: Die Bildung der Einschätzungs-Commissionen für die Steuerregulirung pro 1881.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen, welche unserem Ausschreiben vom 3. dieses Monats Oberhessischer Anzeiger Nr. 67 noch nicht nachgekommen sind, werden an die Erledigung desselben binnen 3 Tagen erinnert.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

Der Kiesgrubenverwalter Karl Schmidt von Vilbel wurde auf den Feldschutz verpflichtet. Der Wegwärter Adam

Bad⸗Nauheim wurde auf den Polizeischutz verpflichtet.

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den 20. Juni, wi rige freundlichst eig, r vom Turnplaßz aus ter in Ockstadt. Der Vorstand

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Friedberg, 19. Juni 1880.

J. B. d. K.: Küchler, Kreisassessor.

Schmidt II. von

Deutsches Reich.

Darmstadt, 19. Juni. Zu Ehren unseres Großherzogs fand gestern Nachmittag in Lapen burg eine Spazierfahrt durch den Schloßpark statt, an welcher außer dem Kaiser von Oester reich und dem Großherzog die obersten Hof

cchargen, die Generaladjutanten v. Mondel und

w. Beck, sowie die Suite des Großherzogs theil mahmen. Es folgte hierauf eine dreiviertel stündige Wasserfahrt auf dem Laxenburger Teiche

mind Abends um 8 Uhr die Rückfahrt nach Wien.

Vorher wohnte der Großherzog mit den Erz herzögen Albrecht, Eugen und Rainer der von dem Kaiser vorgenommenen Inspicirung des zweiten Ulanen Regiments Fürst Schwarzenberg auf dem Schnelzer Exercierplatze bei. Das Wetter war sehr schön. Der Kaiser und der Großherzog wurden von einem zahlreichen Publikum begrüßt.

Militärdienstnachrichten. Graf v. Herzberg, Oberst und Comm. des 1. Nass. Inf.⸗Regts. Nr. 87, mit der Führung der 49. Inf. Brigade 1. Großh. Hess.) beauftragt; v. Klüber, Oberstlt.

und Comm. des Westfäl. Drag.⸗Regts. Nr. 7,

zum 1. Großh. Drag.⸗Rgt. Nr. 23 versetzt;

Friedrichs, Pr.⸗Lt. vom 3. Großh. Inf.⸗Regt. Nr. 117, als Adjut. zur 61. Inf.-Brig. comm.;

Schott, Sec.⸗Lt. vom 3. Großh. Inf.⸗Regt. Nr. 117 zum Pr.⸗Lt. befördert; v. Müller, Major wom 2. Großh. Drag.-Regt. Nr. 24, in seinem Commando als Adjut. von der 22. Div. zur 20. Div. übergetreten; Frhr. v. Gillern, Major don der Großh. Train-Comp. zum Bad. Train⸗ Bat. Nr. 14 versetzt; Creter, Sec.⸗Lt. vom Schles⸗ weg⸗Holstein. Train⸗Bat. Nr. 9, unter Versetzung zur Großh. Train-Comp. zum 1. Depot-⸗Offi. Hei ders. ernannt; Baltzer, Vicefeldw. vom Res. Dandw.⸗Regt. Nr. 35, zum Sec.⸗Lt. der Res. des

2. Großh. Juf.⸗Regts. Nr. 116 befördert; Grod⸗

haus, Sec.-Lt. von der Landw.⸗Feld⸗Art. des 1. Bat. 1. Großh. Landw.⸗Regts. Nr. 115 zum Prem.⸗Lt. befördert; v. Sannow, Generalmajor und Commandant der 49. Juf.⸗Brig., Schach . Wittenau, Oberst und Comm. des 1. Großh. Drag.⸗Rgts. zur Disp. gestellt; Fürst, Sec.Lt. vom 1. Großh. Inf.⸗Rgt. Nr. 115, zu den beurl. Offi. der Landw. Inf. übergetreten; Winter, Sec.⸗Lt. von der Landw. ⸗Inf. des 1. Bat. Großh. Landw.⸗Regts Nr. 115, Boerkel, Sec. Lt. von ber Landw.⸗Inf. des 1. Bats. 4. Großh. Landw.

Regts. Nr. 118 der Abschied bewilligt.

Berlin, 19. Juni. Der Kaiser conferirte lestern Nachmittag mit dem Cultusminister. Bei der am Abend erfolgten Abreise des Kaisers waren auf dem Bahnhofe der Stadtcommandant, Fürst Dolgorucki, der Polizeipräsident v. Madai ind die Flüͤgeladjutanten anwesend. Der Kaiser traf heute um Uhr in Düsseldorf ein und

wurde von den Spitzen der Behörden, dem Oberpräsidenten v. Bardeleben, dem Regier ungsprästdenten, dem Divisionscommandanten und dem Oberbürgermeister von Düsseldorf empfangen. Grafen Lehndorf durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Präsidialgebäude, wo Empfang und Dejeuner stattfand. Der Großherzog von

Der Kaiser fuhr hierauf mit dem ur th der ern 0 nicht richtig, daß wir das Centrum vernichten wollen;

Weimar stattete daselbst dem Kaiser einen Besuch

ab. Der Kaiser und die Vormittags ebenfalls eingetroffene Kaiserin besuchten Mittags die Ausstellung. Die Abreise der Majestäten fand

um 4 Uhr statt. in Ems eingetroffen.

Berlin, 18. Juni. Die nationalliberale Fraction machte sich in der gestrigen Abend sitzung dahin schlüssig, in zweiter Lesung des Kirchengesetzes alle jene Amendements zu der ursprünglichen Regierungsvorlage, welche Ver besserungen in sich schließen, anzunehmen. Bischofsparagraph wurde auch in abgeschwächter Fassung, wie die Freiconservativen ihn gaben, derNat. Ztg. zufolge, einstimmig abgelehnt.

Berlin, 18. Juni. Abgeordnetenhaus. Zweite Lesung der kirchenpolitischen Vorlage. Nachdem Referent Grimm über die zu dem Gesetzentwurf eingegangenen Petitionen berichtet, wird die Rednerliste festgestellt; es sind neun Redner für und acht gegen Artikel 1 ange⸗ meldet. Reichensperger(Olpe) bestreitet, daß es der Regierung Ernst mit der Vorlage sei und daß sie wirklich derselben so große Wichtigkeit beilege, wie sie behaupte. Speeiell erklärt sich Reichensperger gegen das sogenannte Culturexamen, dessen Beseitigung ex für dringend geboten hält. Gneist bemerkt: Er spreche nicht im Namen seiner Partei, welche ernste Bedenken hege, ob und wie weit sie der Regierung entgegenkommen könne, ohne die Würde des Staates zu verletzen. Der Kampf sei entstanden durch den Widerstand der Kirche gegen die Anzeigeverpflichtung. Wenn der Staat jetzt sich entgegenkommend zeige, so erkenne er an, der schul⸗ dige Theil gewesen zu sein. Andererseits könne derselbe, obgleich in seinem guten Recht, nicht gleichgiltig bleiben gegen die Uebelstände, welche der Kampf hervorgerufen, könne nicht die Verantwortung übernehmen für die Ver⸗ wilderung der Sitten und die Irreligiosität, welche durch die Verwaisung der Pfarreien entständen. Der Angelpunkt des ganzen Streites sei und bleibe die Frage: hat die Kirche das Recht und die Pflicht, die Anzeige dem Staate zu verweigern? Es sei absolut falsch, wenn behauptet wird, es sei eine erhebliche Concession der Kirche, wenn sie sich zu dieser Anzeige versteben wolle. Unzweifelhaft habe der Staat das Recht, von den Geist⸗ lichen dasselbe zu fordern, was er von anderen Beamten fordere. Mit Artikel 1 sei er einverstanden, da er von der Nothwendigkeit gefordert sei und weil mit demselben Niemand mehr glauben werde, daß der Staat die Kirche bekämpfe und den Glauben unterdrücke, wenn das Centrum den Artikel ablehne. Er und seine Freunde würden für das Gesetz stimmen, wenn die Artikel 4 und g entfernt würden. Der Cultusminister wendet sich gegen die Ausführungen der Vorredner, welche sich gegen das Gesetz aussprachen. Da die Commissionsberathungen pro nihilo gewesen, könne es sich nur um die Regierungs⸗ vorlage handeln. Die Aus sicht, daß die Haltung einer Partei zeige, wie wenig der Regierung an der Vorlage liege, sei vollständig unbegründet. In Württemberg bestehe Frieden mit der Kirche, obschon dort dieselben

Der Kaiser ist Abends 7 Uhr

Grundsätze gelten, wie in unseren Maigesezen. Das Amendement Bruel, wie alle von dem Centrum ein gebrachten, welche die Aufhebung der Maigesetze wollen, sei unannehmbar. Wir haben überhaupt gar nicht mit dem Centrum, sondern mit unserer katholischen Bevölker ung zu thun, der wir gerne helfen möchten. Es ist

wir hoffen allerdings, daß es allmählich verduften werde. Sie sagen ja selbst, wir sollten den Culturkampf fort⸗ schaffen. Das soll die Vorlage bewirken; ob und wie weit das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Strosser spricht für die Vorlage im Sinne der Anträge der Conservativen. Bruel beantragt, dem Artikel 1 eine Fassung zu geben, wonach das für Bekleidung geistlicher Aemter erforderliche sogenannte Culturexamen aufgehoben wird und der Cultusminister befugt ist, von den übrigen gesetzlichen Erfordernissen zu dispensiren, auch auslän⸗ dischen Geistlichen die Ausübung geistlicher Aemter zu gestatten; die Grundsätze, wonach dies zu geschehen habe, soll das Staatsministerium mit königlicher Genehmigung feststellen. Schmidt(Sagan) betont zunächst, daß die freiconservative Fraetion in allen Lagen vollkommen

unabhängig und selbstständig gehandelt habe. Die Anzeige

Der

pflicht und Unterwerfung unter die Staatsgesetze seien conditio sine qua non für den zu erstrebenden Frieden;

darüber seien alle Parteien außer dem Centrum einig,

daß nur von dieser Basis aus die Verständigung gesucht werden könne. Bei der Abstimmung wird der Antrag Stengel zu Artikel 1 angenommen, sodann aber Art. 1 der Regierungsvorlage in der diesem Antrage entsprechenden Fassung mit 206 gegen 180 Stimmen abgelehnt.

19. Juni. Fortsetzung der zweiten Berathung der Kirchenvorlage. Für Artikel 2 sind drei, gegen den⸗

selben sechs Redner eingeschrieben. Anträge wird Artikel 3 ungsvorlage angenommen. 19. Juni. Nachdem heute Vormittag um 11 Uhr die Conferenz-Delegirten zur Berath ung zusammengetreten waren, traten Nachmittags

Nach Ablehnung aller unverändert nach der Regier⸗

um 3 Uhr die Conferenz-Bevollmächtigten zu

einer Conferenz zusammen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 18. Juni. DieTimes erfährt: Oesterreich werde keine Schwierigkeiten betreffs Abtretung von Dulcigno an Montenegro erheben, wenn die Anordnungen des Artikels 29 des Berliner Vertrages, welcher Oesterreich eine gewisse Controle über Montenegro und das Litorale von Antivari einräumt, auf Dulcigno ausgedehnt würden.

Belgien. Brüssel. DieJudep. Belge will wissen, in Folge des Resultats der jüngsten Wahlen werde sich der belgische Episcopat dem neuen Schulgesetze unterwerfen und sich an dem im Angust stattfindenden Nationalfeste betheiligen. Der Vatican mache in diesem Sinne seinen Einfluß geltend, um zugleich auch der Auf hebung der belgischen Gesandtschaft beim päpst lichen Stuhle vorzubeugen.

Frankreich. Paris, 17. Juni. In der Kammer der Deputirten theilt Desroys mit, daß die Commission für den Armeeverwaltungs Entwurf ihren Entwurf zurückgezogen und den jenigen des Senats wieder aufgenommen habe.