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Deutsches Reich.
Berlin. General Drigalski Pascha, General— Adjutant des Sultans, ehemaliger preußischer Officier, ist hier eingetroffen und ermächtigt das Tagblatt zu erklären, daß das in der deutschen Presse verbreitete Gerücht, seine Reise nach Deutschland habe den Zweck, Officiere für die türkische Armee und Gendarmerie zu engagiren, jeden Anhalts entbehre. Der General hat seinen Urlaub nach Deutschland nur erbeten, um einem Familienfeste beizuwohnen. Er ist außer Stande, zahlreichen Gesuchen deutscher Officiere, die in Folge jener Zeitungsnotiz ihm zugegangen sind, zu entsprechen, da er absolut keinen Engagements— auftrag seines Souveräns besitzt.
Frankfurt, 19. Oct. Der Kaiser wird Mittwoch Abend nicht abreisen, sondern die Nacht in der Post zubringen und am folgenden Morgen nach Schloß Philippsruhe fahren, um dem Land— grafen von Hessen einen Besuch abzustatten.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die„Mon— tagsrevue“ erklärt, daß trotz des seitens der Pforte kundgegebenen ernsten Willens, Dulcigno zu übergeben, die Flotte angewiesen sei, bis zur gänzlichen Erledigung der Dulcignofrage bei Cattaro zu verbleiben. Die nächste Entwickel— ung weise nur beruhigende Momente auf.
— Die Hochzeit des Kronprinzen Rudolf mit der belgischen Prinzessin Stephanie findet am 15. Februar nächsten Jahres in Wien statt. Das junge Paar siedelt nach der Trauung nach Schönbrunn über.
Pest, 19. Oct. Die österreichische Delegation wählte Coronini zum Präsidenten. Derselbe betonte in seiner Rede mit Befriedigung, daß der Frieden erhalten bleibe. Das auswärtige Amt habe bisher stets sein Wort in die Wag— schale des Friedens gelegt, welches den Wünschen der Bevölkerung und dem geschichtlichen Berufe der Monarchie entspreche. Czartorysky wurde zum Vicepräsidenten gewählt.
Frankreich. Paris, 17. Oct. Eine Ver— sammlung von Bonapartisten im Circus Fer— nando, welche von der dem Prinzen Jerome Napoleon feindselig gegenüberstehenden Bonapar— tistengruppe veranstaltet war, nahm einen Autrag an, wonach Jerome ersucht werden soll, auf jede Candidatur zu verzichten und seinen Sohn Victor als Erben des Kaiserreiches anzuerkennen. Die Delegirten suchten um eine Audienz bei Prinz Jerome nach. Der Prinz erklärte aber in einem Schreiben, es sei unnöthig, sie zu em— pfangen, es sei nicht seine Gewohnheit, sich ver— hören zu lassen, noch gegen lügenhafte Anklagen sich zu rechtfertigen; er lasse sie frei nach Be— lieben handeln und beklage die Leute, welche sie mit fortrissen, aber er werde nicht ihre Illusionen discutiren; sein und seines Sohnes Namen sei genügend, um die Verschiedenheit seiner Politik und die Politik der Versammlung zu constatiren.
— 18. Oct. Heute wurden keine weiteren Maßregeln wegen der Congregationen getroffen.
— Felix Pyat ist wegen Vertheidigung des Königsmordes in contumatiam zu zweijährigem Gefängniß und 1000 Francs Geldstrafe, der Gerant des Journals„Commune affranchie“ Robert zu sechsmonatlichem Gefängniß und 1000 Francs Geldstrafe verurtheilt worden.
Großbrittanien. London. Gegenüber der Angabe, die übrigen Mächte seien einem weiteren Zwange zum Zwecke der Durchführung der Berliner Verträge abgeneigt, bemerkt die „Times“: daß der Vertrag soweit durchgeführt worden, sei hauptsächlich der Beharrlichkeit und Eutschlossenheit Englands zu verdanken. Das Princip der britischen Politik sei gewesen, im Einvernehmen mit Europa zu handeln. Ohne dieses Einvernehmen werde England nicht weiter gehen, als es jetzt gegangen sei.
Italien. Rom. Die„Italie“ meldet: Papst Leo ließ vom Cardinal Hohenlohe vor seiner Ab— reise nach Deutschland die an ihn gestellte münd— liche Anfrage, ob seine Heiligkeit keine Aufträge nach Deutschland für ihn habe, unbeantwortet.
Türkei. Constantinopel. Das für halb— amtlich geltende Journal„Hakikat“ commentirt die letzte Note der Pforte und sagt: Das Wort Cession bedeute, die Pforte werde Duleigno räumen und sodaun auf die Uebergabe Dulcignos an Montenegro hinarbeiten.— Der Patriarch Hassun reist demnächst nach Rom ab, um den Cardinalshut zu empfangen und wird daselbst verbleiben.
— Nachrichten aus Samos signalisiren wach— sende Erregung der Bevölkerung gegen Adossides; der griechische und der englische Consul ersuchten die Vertreter der respectiven Regierungen in Constantinopel, eine Truppensendung nach Samos zu veranlassen, da ernste Unruhen zu besorgen seien. Die Pforte dürfte Adossides anweisen, nach Constantinopel zu kommen und Auskünfte zu geben.
Rumänien. Bnukarest, 18. Oct. Der Fürst von Rumänien begibt sich zum Besuche des Fürsten von Bulgarien am Mittwoch nach Rustschuk und kehrt am Abend dieses Tages zurück, um am nächsten Tage nach dem Lager von Roman abzureisen. Kein Minister begleitet den Fürsten, da der Besuch nur ein Akt der Höflichkeit ist. Der„Pressa“ zufolge wird der Fürst wahrscheinlich demnächst auch den Fürsten von Serbien besuchen.
Montenegro. Cettinje, 18. Oct. Der von der türkischen Regierung zur Besprechung über die Modalitäten der Uebergabe Duleignos eutsendete Oberst Bedri Bei ist gestern in Rijeka eingetroffen. Der montenegrinische Delegirte Hanko Badumk ist heute nach Rijeka abgereist 19. Oct. Bereits gestern wurde in Rijeka zwischen Bedri Bei und den montene— grinischen Delegirten über die von dem ersteren vorgelegte Convention für die Uebergabe Dul— cigno's verhandelt. Nachdem von montenegrin— ischer Seite zwei Punkte des kürkischen Entwurfes abgelehnt worden waren, erklärte Bedri, die Verhandlungen aussetzen zu müssen, um neue Instructionen einzuholen.
Griechenland. Athen, 18. Oct. Die griechische Regierung beabsichtigt an die Mächte eine Note richten, worin erklärt werden solle, sie werde, falls die griechische Frage nicht binnen einer bestimmten Frist endgültig gelöst werde, gezwungen sein, die ihr zugesprochenen Provinzen zu occupiren. Mit Eröffnung der Kammer am 21. Oct. wird eine bestimmte Aeußerung der Krone über Ausführung der durch die Berliner Conferenz Griechenland zuerkannten Grenzbe— richtigung, resp. über die hinsichtlich dieser Aus— führung zu ergreifenden Maßregeln erwartet. — Die griechische Regierung wird 1½ Mill. Francs zur Begleichung der Ansprüche bayerischer Prinzen als Erben des Königs Otto zur Ver— fügung stellen.
Rußland. Petersburg. Montenegro ver— langte, die Mächte sollten je einen Officier de— figniren, um an den Verhandlungen zum Ab— schlusse der Convention mit Riza Pascha bezüglich Dulcigno's theilzunehmen. Rußland hat dem Verlangen zugestimmt, die übrigen Mächte haben noch nicht geantwortet.
— Die Gesetzsammlung veröffentlicht einen kaiserlichen Befehl betreffend die Competenz der jüngst zur Revision der inneren Gouvernements abgeordueten vier Senatoren. Darnach erstreckt sich dieselbe auf die Revision sämmtlicher Be— hörden ohne Ausnahme, wobei die Senatoren ermächtigt sind, Beamte in Anklagestand zu ver— setzen event. Beamte abzusetzeu.
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg, 19. Oet. In der gestern stattge⸗ habten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde ein Gesuch der Frau Kreisrath Dietzsch in Schotten um Gestattung der Ueberführung der Ueberreste ihres 1853 auf hiesigem Friedhof beerdigten Vaters, Freiherrn v. Rau, in das der Familie gehörige Familienbegräbniß dahier, genehmigt. Eine Eingabe des Vorstandes des Turn⸗ vereins, betreffend Miethentschädigung für Benutzung der Turnhalle als Reeurrenzfieberhospital soll vorerst insoweit berücksichtigt werden, als der Verlust, welcher dem ge⸗ nannten Verein dadurch erwachsen ist, daß die Realschule längere Zeit die Halle nicht benutzen konnte und deßhalb keine Miethe bezahlte, vorlagsweise und unter Vorbehalt
des Regresses an den zur Zahlung verpflichteten Verband ersetzt werden soll. Auf ein an die Kreisschulcommission gerichtetes Gesuch des Vorstandes der israelitischen Re⸗ ligionsgemeinde, bei Anstellung eines Lehrers an der hie⸗ sigen Musterschule diese Stelle einem Lehrer israelitischer Confession zu übertragen, wurde beschlossen über diese Angelegenheit, da zur Zeit keine Lehrerstelle dabier vakant ist, Beschlußfassung vorzubehalten. In der Diskusston wurde bemerkt, daß gegen die Anstellung eines Lehrers israelitischer Confession prinzipiell Nichts einzuwenden sei, jedoch bei Besetzung von Lehrerstellen das Interesse der Schule vor Allem maßgebend sein muͤsse. Ein streitiger, kleiner Unterstützungsposten wurde auf die Stadtkasse übernommen. Zu einer am 24. d. Mts. in Wölfersheim stattfindenden Versammlung, bei welcher die vollendeten Pläne der projeetirten Sekundärbahn Hungen-Berstadt⸗ Wölfers heim-Södel-Melbach-Friedberg vorgelegt werden sollen, wurden die Gemeinderathsmitglieder Ruths und Pfeffer abgeordnet. Der Bürgermeister theilte mit, daß die beiden vor einigen Tagen versteigerten Faselochsen für 660 Mark dem Meistbietenden zugeschlagen worden sind. Eine Aufforderung zu Beiträgen für Errichtung eines Grabdenkmals für den verstorbenen Director Stein— berger in Alzey wurde zur Kenntniß des Gemeinderathes gebracht. Bei Aufstellung des nächsten Voranschlags soll ein Betrag für die Projectirung einer Wasserversorgung der Stadt, ebenso ein solcher für Herstellung eines ange— messenen Bürgermeistereibureaus vorgesehen werden. Zum Schluß gedachte der Bürgermeister der am Sonntag statt⸗ gehabten Inspeetion und Probeübung der freiwilligen Feuerwehr und sprach dem Commandanten derselben, Gemeinderath Hieronimus, die Anerkennung des Stadt⸗ vorstandes für die so rasch und befriedigend bewerk— stelligte Organisation der Feuerwehr aus, wodurch sich das Feuerlöschwesen der Stadt, der Hauptsache nach, in zuverlässiger Hand befinde.
Friedberg. Mit dem Herannahen des Zeit⸗ punktes, an dem unser dies jähriger Herbst-Pferde- und Fohlenmarkt stattfinden soll, vermehrt sich auch von Aus⸗ wärts die Nachfrage nach Loosen zu der mit diesem Markte verbunden werdenden Preisverloosung, obschon unsere Provinz mit den Loosen der vor Kurzem statt⸗ gehabten Frankfurter Pferdemarkt-Lotterie wahrhaft uͤber⸗ schwemmt worden war. Dieser stetig zunehmende Begehr unserer Loose ist wohl vornemlich der bekannten Solididät, welche unserer Pferdemarkt-Lotterie zu Grunde gelegt ist, zuzuschreiben, denn ein vergleichender Blick in die Zieh⸗ ungslisten zeigt, daß unsere Lotterie, deren Loose nur M. 1.50 kosten, abgesehen von den höheren Gewinnsten der Frankfurter Lotterie,(welche beinahe viermal soviel Loose, das Stück zu 3 Mark, ausgibt, wie die hiesige), in Bezug auf die kleineren, sogenannten todten Gewinne, hinsichtlich des Werthes und der Auswahl mit der Frankfurter völlig gleichsteht, wonach also unsere Loose a M. 1.50 dieselben Chancen des Gewinnes bieten, wie die Frankfurter a 3 M.
r. Friedberg, 20. Oct. Ein hiesiges Mädchen, das am Sonntag von Nieder-Wöllstadt hierher zurück⸗ fahren wollte, verunglückte dadurch, daß es, in ein falsches Coupé eingestiegen, wieder aussteigen wollte, als der Zug schon im Gange war. Es wurde ihm ein Fuß gequetscht, so daß die Amputation einer Zehe noth— wendig wurde.
Gießen. Der„G. A.“ schreibt: Daß das, was dem Einen glückt, nicht jedem Anderen glücken kann, mußte vor Kurzem ein hiesiger Ofenputzer erfahren. Derselbe hatte bei einem Sachverständigen gesehen, daß man mit einem kleinen Quantum Pulver ein Ofenrohr hübsch sauber von Ruß befreien kann und gedachte nun sein Wissen auch an einem größeren Ofenrohr, welches durch einen Laden hinzieht und das des Schmutzes balber nicht abgenommen werden sollte, zu probiren. Gedacht gethan. Es wird statt des kleinen Quantums eine richtige Ladung genommen und— pardautz, flogen unter heftigem Knall Ofenrohr, Ofen, Ofenputzer und Zuschauer im Laden umher, billigerweise erstaunt, daß Pulver im Ofenrohr so gründliche Arbeit verrichtet. Hoch und theuer soll sich der Ofenputzer verschworen haben, dieses Radikal— mittel nicht mehr anzuwenden.
Offenbach. Hier ist die Polizei einer vollständig organisirten Diebs und Hehlerbande auf die Spur ge⸗ kommen. gehörig eingezogen, in deren Wohnung man eine Menge gestohlener Waare auffand. Die eingeleitete Untersuchung wird das Weitere ergeben. Einer der Hehler ließ sogar auf die gestohlenen Waaren reisen.
Fürth i. O., 17. Oct. Der hiesige Postgehilfe G. F. ist gestern, nachdem er eine bedeutende Summe Geldes unterschlagen hatte, von hier durchgegangen. Dem Gen⸗ darmerie- Wachtmeister Heckmann, welcher sofort die um⸗ fassendsten Maßregeln zur Verfolgung des Defraudanten ergriffen hatte gelang es jedoch, denselben in Weinheim in dem Momente zu verhaften, als er den von dort ab⸗ gehenden Eisenbahnzug besteigen wollte. Der Verhaftete ist bereits in das hiesige Gefängniß abgeliefert worden.
Alzey. Eine grausige Familientragödie hat sich in der Nacht vom 10. auf 11. Oct. in dem benachbarten Esselborn zugetragen. Man feierte dort gerade Kirch— weihe und ein gewisser Muller von Esselborn kam spät in das Haus eines Verwandten, dessen Kind am Morgen gestorben war; die Leiche stand noch im Haus. Die beiden Verwandten geriethen in Streit und ehe Jemand es hindern konnte, stach jener Müller seinem Verwandten ein Messer in die Brust, so daß dieser lebensgefährlich verwundet ist und sein Tod stündlich erwartet wird. Ein anderes Mitglied der Familie, das zu- interveniren suchte, erhielt ebenfalls einen Messerstich.
Im Ganzen wurden 20 Personen als dazu
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