Ausgabe 
19.8.1880
 
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16. Aug. Unterhaus. In Erwiederung auf eine Anfrage Cowen's erklärt Staatssecretär Hartington; was immer für ein Einverständniß zwischen Abdurrahman und Ajub bestanden haben möge, so glaube er doch, daß jetzt kein solches bestehe, da deren Interessen einander widerstreiten.

Daily News erfährt, daß vor ge⸗ raumer Zeit große Quantitäten von Druckschriften, dazu bestimmt, die indischen Muselmanen gegen die britische Regierung aufzuhetzen, von Konstanti⸗ nopel nach Italien gesandt seien. Die Aufmerk⸗ samkeit der britischen Regierung sei auf Umstaͤnde gelenkt worden, welche andeuteten, daß diese Schriften mit Wissen der Pforte abgefaßt seien.

Rußland. Petersburg. Eine von dem JournalBereg gerüchtweise mitgetheilte Nach⸗ richt, daß die dritte Abtheilung der Kanzlei des Kaisers dem Ministerium des Innern einverleibt werden solle, dessen Leitung Loris-Melikoff über⸗ nehmen würde, während der bisherige Minister des Innern, Makoff, zum Minister der Posten und Telegraphen ernannt werden solle, wird von gutunterrichteter Seite mit dem Bemerken bestätigt, daß diese Personalveränderungen schon demnächst bevorständen.

DieAgence russe weist das von der

WienerN. Fr. Pr. gebrachte Gerücht, Ruß land werde die Ausführung der Entscheidung der Berliner Conferenz übernehmen und hierzu bei Bender 45,000 Mann zusammenziehen, als gänz lich unbegründet zurück. Gerüchte dieser Art sollen nur Mißtrauen gegen Rußland erregen, welches so wenig wie irgend eine andere Macht daran denke, sich von der gemeinsamen Action zu trennen.

Aus Stadt und Land.

S. Frledberg, 17. Aug. In der gestern statt⸗ gehabten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes theilte zunächst der Bürgermeister mit, daß bezüglich der Aus⸗ führung des Gesetzes über Schutz der in fremde Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren Medieinalrath Dr. Lorenz sich erboten habe, die Ueberwachung dieser Kinder frei willig und unentgeltlich zu übernehmen, welches Anerbieten sestens des Gemeinderathes angenommen wurde. Der Bürgermeister machte sodann Mittheilung über das Re sultat der Zählung der in hiesiger Gemarkung erfrorenen und gesund gebliebenen Bäume. Darnach sind im Ganzen 7280 Bäume erfroren und zwar 1674 Aepfelbäume, 36 Birnbäume, 5503 Zwetschenbäume, 2 Nußbäume und 65 Bäume sonstiger Obstsorten. Gesund sind geblieben 16,524 Bäume, und zwar 11,196 Aepfelbäume, 635 Birn⸗ bäume, 4258 Zwetschenbäume, 18 Nußbäume, 25 Kirsch bäume und 392 Bäume sonstiger Obstsorten. Unter den gesund gebliebenen Aepfelbäumen befinden sich 7123 Stämmchen unter 10 Jahren, darunter auch die in den Obstbaumschulen stehenden. Dem Heinr. Schmidt II. soll auf sein Ansuchen ein an seinen Hinterbau stoßendes Stückchen städtischen Geländes käuflich abgetreten werden. Das Gesuch des G. H. Freundlieb an seinem Garten vor dem Fauerbacher Thor den Chausseegraben über brücken zu dürfen zur Ueberfahrt auf einen anzulegenden Lagerplatz wurde gegen einen auszustellenden Revers ge nehmigt. Ein Baugesuch des K. Bendheim soll zur Ver vollständigung des Bauplans zurückgegeben und an die Genehmigung die Bedingung geknüpft werden, daß die Baulinie eingehalten wird. Einige Fristgesuche wurden erledigt. Auf eine dem Bürgermeister mündlich gemachte Mittheilung des Königl. Eisenbahnbaumeisters Francke, bezüglich Ableitung des Regenwassers von der östlichen Seite der Eisenbahn nächst dem kleinen Viaduet nach der Fauerbacher Straße, erklärte sich der Gemeinderath dahin, daß die Ausführung dieses Wasserabflusses ledig lich Sache der Eisenbahnbaubehörde sei, die Stadt zu den betr. Herstellungen und deren Kosten nicht heran gezogen werden konne und die Ausführung so zu ge schehen habe, daß weder die Chaussee, noch die daran grenzenden Grundeigenthümer durch das Wasser Nach theil erleiden, was am Besten durch Benutzung des unter der Fauerbacher Straße durchgehenden Canals und Weiter⸗ führung des Wassers entlang der sog. Langgasse nach der Usa geschehen könnte. Die von dem Stadtbaumeister aufgestellte Berechnung der Kosten, welche für die Terrain erwerbung und Planirung der projeetirten neuen Straße nächst der Eisenbahn erforderlich sind, wurde vorgelegt und an die Baucommission zur demnächstigen Bericht⸗ erstattung verwiesen.

v. Friedberg. Die in Nr. 96 des Anzeigers ent haltene Correspondenz über die projeetirte Anlage einer neuen Straße beruht zum großen Theil auf irrigen Voraus setzungen und Angaben. Vor Allem ist zu bestreiten, daß dadurch eine schwere Belastung der Stadt entsteht, da die Kosten für Erwerb und Planirung des. Terrains für die zunächst zu eröffnende Straße sich angestellter Berech⸗ nung nach auf böchstens 10 11,000 M. belaufen, selbst wenn die jetzt geforderten Preise bezahlt werden müßten. Wenn dieser Betrag durch Ausgabe städtischer Obli⸗ gationen gedeckt wird, hätte die Stadt eine jährliche Verzinsung von 450 500 M. aufzubringen; ob diese Summe im Hinblick auf die durchaus im Interesse der

Stadt und ihrer Bewohner liegende Stadterweiterung zu groß ist, überlassen wir der öffentlichen Beurtheilung. Die von der Baucommission vorgeschlagene Straße ist eine im Stadtplan eingezeichnete und von dem Ministerium genehmigte, kann also nicht durch ein beliebiges anderes Project ersetzt werden. Daß bei Eröffnung neuer Straßen man darauf hält, zunächst so nahe als thunlich an die hier einmündende Eisenbahnen zu bauen, wird wohl ohne Weiteres als das Richtige bezeichnet werden können. Die Behauptung, daß gegenwärtig viele Wohnungen leer stehen, möchte schwerlich richtig sein, dagegen ist es That⸗ sache, daß in den letzten Jahren Familien ihre Absicht hierherzuziehen aufgegeben haben und andere von hier weggezogen sind, weil sie keine passenden Wohnungen erhalten konnten. Einzelne Wohnungen werden immer leer stehen und ist dieses in den größeren Städten weit mehr der Fall als hier, wo namentlich an kleineren Wohnungen thatsächlich Mangel ist. Daß die zeitweise hier leerstehenden Wohnungen gerade diejenigen sind, welche Fremde verlocken könnten, hierherzuziehen, wird kein Kenner der hiesigen Verhältnisse behaupten. Daß durch die Eröffnung des Alzeyer Seminars weitere Wohn⸗ ungen zur Verfügung kommen, ist doch nur insoweit richtig, als es sich um durch ie ganze Stadt zerstreute einzelne Zimmer handelt, welche die Hausbesitzer seither unter eigener Beschränkung zu Miethzwecken frei machten. Wie man die Stundungen von Schulgeldern und Ab gaben, die überall vorkommen und die endliche Beseitig⸗ ung der ekelhaften Winkelabtritte als Grund gegen die Anlage einer neuen Straße geltend machen kann, ist uns schwer begreiflich; letzteres trifft mit einer einmaligen Ausgabe nur Einzelne und zur Beruhigung ängstlicher Gemüther können wir zufügen, daß die städtischen Ab⸗ gaben im Ganzen recht gut eingehen und voraussichtlich eine wesentliche Erhöhung der Communalsteuer nicht so⸗ bald erforderlich werden wird. Wenn man sieht, was andere Städte, z. B. Gießen, Darmstadt u. s. w., für den Durchbruch alter Stadttheile, die Eröffnung neuer Straßen, für öffentliche Anlagen, Wasserleitungen u. s. w. aufgeboten haben und wie wenig hierin bis jetzt in unserer Stadt geschehen ist, so muß man gewiß bedauern, wenn die schon länger als zwanzig Jahre ventilirte Stadt⸗ erweiterungsfrage abermals auf's Ungewisse verschoben würde. Wenn vor einem Jahrzehnt eine geeignete Straße eröffnet worden wäre, würden gewiß die meisten Häuser, welche an den Frankfurter und Fauerbacher Chausseen oder sonst zerstreut gebaut wurden, an diese Straße ge⸗ baut und damit der Anfang eines neuen gesunden Stadt theiles in der für unsere Stadt einzig nöthigen Richtung gemacht worden sein. Das Wohl unserer Stadt wird durch Unternehmungen, welche die Herbeiziehung wohl habender Fremden, Werthsteigerung des Grundeigenthums, Vermehrung der Frequenz und damit Erhöhung der Steuerkraft der Bewohner bezwecken, jedenfalls mehr gefördert werden, als durch ängstliche und kleinliche Scheu vor allen Ausgaben. Im Angesicht der demnäch⸗ stigen Einführung einer zweiten Eisenbahn halten wir es daher für eine unaufschiebliche Pflicht der Stadtvertretung, die berührte Frage endlich, unbeirrt durch grundlose Bedenken und Einwendungen, zur Lösung zu bringen. Wir sind keine Freunde künstlich gemachter Entwickelungen; um eine solche handelt es sich aber hier nicht, sondern um eine längst als nothwendig anerkannte Anlage, welche die Bauthätigkeit unserer Stadt in eine bestimmte und zweckmäßige Richtung leitet und deren Erfolg uns nicht zweifelhaft ist.

Allerlei.

E. Windecken, 13. August. Die in der ganzen Wetterau bekannte und hochangesehene Familie Ströbel wurde von zwei schweren Unglücksfällen betroffen. Der in Vilbel wohnende, schon seit einiger Zeit an Geistesstörung leidende, in Folge dessen auch aus dem Geschäft ausge tretene W. Ströbel suchte am Sonntag Abend den Tod in der Nidda. Derselbe wurde zwar noch lebend aus dem Wasser gebracht, verstarb jedoch alsbald. Sodann brannte in verflossener Nacht die an der Nidder gelegene Ströbel'sche Kunstmühle, welche erst seit dem 1. April d. J. wieder, mit einem völlig neuen Mühlwerk versehen, im Betrieb war, bis auf den Grund nieder. Die Thätig⸗ keit der Feuerwehren konnte sich nur auf den Schuß der nächstgelegenen Gebäude beschränken. Trotz alledem muß doch eins derselben, das sogen. alte Schulhaus, Feuer gefangen haben. Heute Mittag brach in demselben nach⸗ träglich Feuer aus, welches das Gebäude ebenfalls voll⸗ ständig zerstörte.

Frankfurt. In voriger Woche brachten auch wir die etwas mysteriöse Notiz von einem Mädchen, das ver mißt wurde. Zwei Herren hätten es in einer Wohnung am Paulsplatze aufgesucht, es veranlaßt mitzugehen, um ihm eine wichtige Mittheilung machen zu können, und es sei nicht wiedergekehrt. Damit sich Niemand allerlei grausige Gedanken mache, theilt nun dieD. Reichsp. mit, daß dies Mädchen einfach nach dem Willen seiner auswärts wohnenden Eltern abgeholt worden ist, um aus gewissen Verbindungen gelöst und vom Wege des Lasters zur Ehrbarkeit zurückgebracht zu werden. Sie ward einem Magdalenen-Asyl übergeben.

Frankfurt, 16. Aug. Nach einem heute Morgen auf dem Coneursgericht eingetroffenen Telegramm sind die Gebrüder Sachs in St. Jago in Chili verhaftet worden.

Rödelheim, 16. Aug. Gestern verstarb der schon mehrmals todtgesagte älteste Israelit dahier, bekannt unter dem NamenSchlawitzer; derselbe bezog 62 Jahre lang die Messen und Märkte in der Umgegend. Er ward vor 10 Jahren blind und von seiner Tochter treu bis

ans Ende gepflegt. Wer von den im Mannesalter stehenden

Bewohnern der Wetterau erinnert sich nicht noch des köst⸗ lichen Originals mit seinemSchneckeregegg! Glatteis! Glatteis! Es geht alles schleifen!?

Was soll aus meinem Buben werden? (Eine Bauernbetrachtung.) (Schluß.)

Doch ich vergesse fast die Hauptsache für mich heute über Eurem Jörg und nun führt mich in den Stall, weil ich bald heim sollte, ent⸗ gegnete F., als er auf seine Uhr geschaut hatte. Man ging eiligst dem Stalle zu undhier, begann der Joͤrgenbauer,steht das Kalb. F., sich im Stalle selbst etwas umsehend und mit einem Kennerblick das sämmtliche Vieh über schauend, erwiederte,so das ist es und was soll es kosten?Achtzig Mark, rief der Bauerund wenn ich wirklich das Geld nich so nothwendig brauchte, käme es gar nicht auß meinem Stalle.Nun, sagte F.,bevor i

einschlage, sagt mir zuvor, ob seine Muttef

eine gute Milchkuh ist und aus welchem Stalle sein Vater ist? Fragen beantwortet hatte, entgegnete F., die Hand zum Einschlagen reichenddas Kalb ift verkauft, hier das nöthige Draufgeld und morgen lasse ich das Kalb holen und schicke daß Geld! Der Bauer schlug ein,aber jeh b'hüt Euch Gott, denn ich muß jetzt eilen, noch rechtzeitig heim zu kommen, sonst gibt's eine Geschäftsstockung und das ist für Herrschaften und Dienstboten nicht gut.Leben Sie wohl, rief der Bauer F. nach,und wenn Sie er lauben, so besuche ich Sie bald, denn noch Allerlei hätte ich mit Ihnen zu reden.Schon gut, immer willkommen, rief F. noch aus der Ferne zu und der Bauer schloß seinen Stall, ging in seine Stube, erzählte seinem Weibe, das indessen heimgekommen war, sowohl von seinem Verkauf, und daß der Herr nicht ge handelt habe, als auch von seinem Zwiegespräch mit dem Herrn wegen des Joͤrgs. Liese, so hieß die Ehefrau, freute sich sichtlich über des F. Lobrede auf den Bauernstand und sagke: Nun Peter, denn so hieß der Joͤrgenbauer, ietzt ist mir und hoffentlich auch Dir ein Stein vom Herzen gehoben, der schon längst gedrüc hat, und wir wollen den Jorg dem Bauern, stand widmen, für den ich von jeher trotz allet Arbeit und Sorgen doch stets eine besonden Vorliebe gehegt habe und ich denke, daß auch

Jörg selbst damit einverstanden sein werde, aber

wie F. rieth, und wenn es auch Geld kostet, nur ein solcher Bauer soll er werden. Peter nickte beifällig seiner Liese zu, diese verließ dit Stube und Peter zündete seine Pfeife an, setzte sich in den Lehnstuhl und dachte weniger über seineg Verkauf, als über F. nach, theils, was er voß der Landwirthschaft gesprochen hatte, theils un besonders, daß er nicht gehandelt, sondern nit nach den Eltern gefragt und auf seine Antwo sogleich die Hand zum Einschlagen geboten hallt, Da muß etwas Besonderes dahinter stecken meinte Peter, aber er beruhigte sich bald, mehr er sich sagen konnte, ich habe die Wah heit gesprochen und F. wird mir schon einmal, wenn ich bei meinem Besuche ihn um das Ge⸗ heimniß frage, solches mittheilen. Möge daß Kalb in seinem Stalle gut gedeihen und er a Peter erfahren, daß er zwar nicht so viel al er versteht, aber doch eine ehrliche Hauß ist, und was er nicht weiß, soll sein Sohn leren, und wenn derselbe einmal wie F. über Lande wirthschaft reden, oder wie er wirthschaftel könnte, ach! wenn seine Eltern dies noch er; lebten, was wäre das für eine Freude, und schon Luftschlösser sich erheben sehend, wurd! Peter plötzlich aus seinen Träumen durch dei Ruf eines Kindes aufgeschreckt, das in die Stube hereinrief:Vater, sollst hinauskommen es 10 ein Mann da und geht schon dem Stalle zu

Nachdem der Bauer diese

Peter erhob sich plötzlich und eilte in den Stal. wo jener Mann schon stund und das Kalb za sehen begehrte.Hier steht es, erwiederte dei Joörgenbauer, nachdem er den Fremden zuvot freundlich begrüßt hatte,allein es ist kaum vor einer Stunde verkauft worden und so thul

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