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war. Der am ersten Festtag Morgen stattgehabte Festzug mit seinen vielen prachtvollen, von ganzen Gemeinden und Corporationen gestellten Wagen, mit seinen mannich fachen und reichen Costümen, welcher einen außerordent⸗ lichen Eindruck machte, war wahrhaft glänzend. Eben⸗ falls am Vormittag fand die Besichtigung des zu prä⸗ miirenden Viehes statt. Es waren durchweg prächtige Exemplare, welche das Herz eines jeden Kenners erfreuten, aber auch das Geschäft der Prämiirungscommission außer⸗ ordentlich erschwerten. Nachdem dies mühevolle Geschäft endlich erledigt, fand nach 12 Uhr die Preisvertheilung statt. Freiherr v. Rabenau, als Präsident des landwirth⸗ schaftlichen Vereins leitete dieselbe mit einer kurzen An⸗ sprache ein, worauf Kreisrath Dr. Braden von Friedberg die Prämien überreichte. An dem Festessen im„Hessischen Hof“, bei welchem die Capelle der Marburger Jäger die Tafelmusik ausführte, war die Betheiligung eine sehr rege. Viele Toaste würzten das Mahl. Um 4 Uhr fand programmmäßig die Eröffnung des Rennens statt; die Bahn wurde von sämmtlichen Reitern mit den Renn⸗ pferden in festlichem Zuge durchritten, worauf die ver⸗ schiedenen Rennen stattfanden, die alle ohne Unfall ab⸗ liefen. Erste Preise errangen: a. im Eröffnungs rennen, geritten von 6 Herren,„Belle Helene“, Besitzer Gutsbe⸗ sitzer Müller vom Neuhof, geritten von dessen Verwalter; b. im Zuchtrennen, geritten von 7 Herren,„Leonore“, Besitzer H. Sames von Dorfgill, geritten von dessen Sohn; ce. im Trabrennen(Herrenreiten), geritten von 7 Herren,„Juliane“, Besitzer Reif von Steinfurth, ge— ritten von dessen Sohn; d. im Schlußrennen, geritten von 6 Herren,„Lea“, Besitzer F. Heuer in Frankfurt a. M., geritten von A. Weisheimer. Das Starteramt hatte Landesstallmeister v. Willich von Darmstadt, das Richter— amt Major v. Rabenau, welche Beiden als Ehrengäste geladen waren, übernommen. Auf dem Festplatz hatte sich inzwischen ein großes Volksfest entwickelt und sorgten Caroussels, Kasperltheater, Schießbuden, Kletterbaum, Sacklaufen, Wurstschnappen für das nöthige Amüsement. Auf den Tanzböden ging es gar lustig und bunt her; neben den Tänzern im modernen Kleide drehten sich Paare, welche an dem Festzug theilgenommen hatten, in ihren kleidsamen, früheren Jahrhunderten entlehnten Volks— trachten und bot hierdurch der Festplatz ein buntes, be⸗ wegtes und höchst malerisches Bild. Die Ausstellungs⸗ halle(480 Quadratmeter gedeckter und 840 Quadratmeter offener Raum), in welcher 74 Aussteller außerordentlich reich ausgestellt(48 Butzbacher und 26 Auswärtige, dar⸗ unter bedeutende Maschinenfabriken Mitteldeutschlands), wurde sehr stark besucht. Abends war Ball im Hessischen Hof; es war daselbst kaum durchzukommen, aber auch auf dem Festplatz wurde getanzt bis zum frühen Morgen. Am zweiten Festtag fand Nachmittags wieder Festzug statt, an dem sich diesmal leider die auswärtigen Wagen nicht mehr betheiligten. Auf dem Festplatz dieselben Ver⸗ gnügungen wie Tags zuvor. Die mit dem Feste in Ver⸗ bindung gebrachte Verloosung begann um 5 Uhr Nach⸗ mittags und endete Abends ½9 Uhr. Das schöne Fest wird Allen, welche demselben beiwohnten, unvergeßlich bleiben.
Worms, 13. Aug. In einem Hause der Sterngasse hat sich gestern Nachmittag ein gräßliches Unglück zuge⸗ tragen. Ein kleiner Knabe, welcher mit seinem Schwester— chen ohne Aufsicht zu Hause gelassen worden war, spielte in der Nähe des Ofens mit Hobelspänen, dieselben fingen Feuer und setzten die Wiege in Brand, in welcher das kleine Mädchen lag. Das arme Kind wurde auf eine schreckliche Weise verbrannt.
Allerlei.
Frankfurt a. M., 12. Aug. Der Feuerwerker Dünges ist am Dienstag aus dem Spital entlassen, aber sofort in Untersuchungshaft genommen worden. Er trägt den Arm noch in der Binde. Die gegen ihn eingeleitete Untersuchung geht nach dem„Int.-Bl.“ auf fahrlässige Tödtung.
Köln, 14. Aug. Die Domthürme sind fertig, der Bau, zu dem am 14. August 1248 der Grundstein gelegt wurde, ist nach 632 Jahren vollendet, die Stadt ist beflaggt.
Lübeck, 13. Aug. Heute erfolgte auf dem Dampfer „Hansa“ eine Benzinepplosion; das Schiff ist verbrannt, 7 Feuerleute und 5 Leute von der Schiffsmannschaft ver⸗ wundet.
Breslau, 13. Aug. Das Mittagsblatt der„Bresl. Ztg.“ meldet telegraphisch aus Ratibor vom Heutigen, daß Hochwasser komme.
Ratibor, 13. Aug. Die Wolkenbrüche im Oppa⸗ und Zinnathale, führten abermals großes Hochwasser herbei. Der Wasserstand ist hier fünf Meter. Die Nie⸗ derungen sind überschwemmt und viele kaum getrocknete Wohnungen wieder unter Wasser gesetzt. Der Schaden ist bedeutend. Das Wasser fällt rasch. Aus der Gegend von Wolkenbrücke bel Leobschütz und Jägerndorf fehlen noch Nachrichten.
Wien, 14. Aug. In Folge eines Wolkenbruchs ist die Wien ausgetreten. Das Wienthal wurde überschwemmt und die Ortschaften Purkersdorff, Preßbaum, Presbau, Weidligen inundirt; Brücken und Stege wurden wegge— rissen, große Quantitäten Holz und Hausgeräthe wegge⸗ schwemmt. Der Schaden ist ein bedeutender. Bis gestern Mittag nahm das Wasser drei Schuh ab. Auch die aus⸗ getretene Schwechat bei Baden ist wieder gefallen; bei Märisch⸗Ostrau und Weißkirchen ist die Gefahr vorüber. Die Donau, welche seit gestern rapid steigt, ist bei Nuß⸗ dorf über ihre Ufer getreten. Aus Mähren und Schlesien werden große Verheerungen durch Hochwasser gemeldet.
Ischl, 13. Aug. In Folge Hochwassers ist der Eisen⸗ bahnverkehr eingestellt. Voraussichtlich wird die Bahn
ist das Wasser noch immer im Steigen begriffen. Einzelne Theile des Ortes sind gänzlich überschwemmt, es ist je⸗ doch keine weitere Gefahr vorhanden. Der Kaiser hat das Inundationsgebiet besichtigt.
Prag, 13. Aug. Bei Hlinsko ist ein Wolkenbruch niedergegangen; der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen und immense Ueberschwemmungen entstanden; selbst die Vor⸗ städte von Chrudim sind inundirt.
Salonichi. In der Nacht vom 9. zum 10. August brach ein wüthender Orkan aus„welcher auf der Linie Salonichi⸗Uskub vier, theils hölzerne, theils auch eiserne Brücken zerstörte. Eine gleichzeitige Ueberschwemmung riß auch die Strompfeiler weg. Die Telegraphenleitung war unterbrochen. Der Personenverkehr ist auf mindestens acht Tage unmöglich. Die ganzen hier einmündenden Linien sind devastirt; eine steht mit einzelnen Unterbrech⸗ ungen total unter Wasser.
Was soll aus meinem Buben werden? (Eine Bauernbetrachtung.)
Der alljährliche Confirmations-Unterricht ist kaum vorüber und es rückt in der Regel jetzt erst bei dem Bauern die Frage heran,„was soll aus meinem„Jörg“ werden?“ Ist dieser der einzige Sohn, so versteht es sich von selbst, daß er ein Bauer werden muß, um des Vaters Nachfolger auf Haus und Hof wer— den zu können; hat der Bauer aber mehrere Söhne, oder ist er gar nur ein Kleinbauer, so ist seine Verlegenheit gegenwärtig keine kleine. Denn, heißt es, wären die Zeiten nicht so gar schlimm, so müßte er auch ein Bauer werden, aber so will ich ihn nicht in sein Verderben stürzen, wenn ich„ihn zum Bauern zwänge“. Doch, wie sieht's im Handwerkerstand aus? Hört man dort nicht dieselbe Klage und wenn er dann, wie Jörg, etwas schwer schon in der Schule gelernt hat, und überhaupt kein be— sonders begabter Junge ist, so thut man mit einem Handwerke dann noch schwerer; oder in die Fabrik? Nein, dahin schicken blos die Aermsten ihre Kinder, aber fur einen Bauern wäre es doch eine Schande!„Wenn mir nur auch Jemand einen guten Rath geben würde, was ich aus Jörg machen soll, dessen Vater ein Kleinbauer ist!“ In dem Augenblick, als Jörg's Vater solches Zwiegespräch mit sich führte, trat F., der Gutspächter, in die Stube, um das schoͤne Kalb zu sehen, das zum Verkauf im Amtsblatt ausgeschrieben war.„Sie kommen mir gerade geschickt heute“, redete Joͤrg's Vater, der Jörgenbauer, F. an,„denn ich besinne mich eben hin und her, was aus meinem Jörg werden soll, der heuer confirmirt wurde.“„Nun, da würde ich mich nicht lange besinnen“, ent— gegnete F.,„er müßte mir troß schlechter Zeiten ein Bauer werden, aber Notabene nicht ein Bauer, wie ehemals, sondern wie jetzt, denn nur dann befindet sich ein Bauer besser als ein Handwerker und ein Kleinbauer sogar besser als ein Großbauer, aber schaffen muß er und denken und hausen und sparen, und überhaupt zu wirthschaften verstehen, und dies lernt man nicht daheim, sondern in den landwirthschaft— lichen Schulen und auf Musterwirthschaften und wer, was hier gelehrt und getrieben wird, dies einmal auf seinem kleineren Gute nachahmt, der verdirbt nicht!“„Aber wie soll das zugehen, da bin ich doch auch begierig zu hören“, fiel der Jörgenbauer F. in seine Rede?„Nun, alter Freund“, sagte dieser,„höre einmal zu, was ich vom Bauernstand immer noch rühmen muß, und warum ich gern ein Bauer bin!“ „Also merke, der Bauer hat es doch in erster Linie mit unserm Herrgott und mit seiner Natur zu thun, und ist und bleibt jener besser als alle Menschen und verläßt den Bauern nie, wenn dieser ihn nicht verläßt, so ist alle Arbeit in dieser oder im Freien doch etwas Anderes, als die innerhalb von 4 Wänden und vollends
in einer Fabrik! Der Bauer produzirt fast
Alles selbst, was er zu seiner Existenz braucht, und was der Nichtbauer erst kaufen muß, aber was er nicht produzirt, das kann er kaufen, weil, wenn er zu wirthschaften versteht, er dann immer etwas von seinen Produkten in Geld verwandeln kann. Der Bauer, wenn er etwas zum Verkaufen hat, wird überall baar be⸗ zahlt und der Kaufmann oder Handwerker,
heute Nachmittag wieder frei. Die Straße nach Ebensee ist unfahrbar.— 14. Aug. In Folge erneuerten Regens
wie lange muß dieser borgen! Der Bauer kann,
wenn der eine Artikel nicht gut im Handel 975 0 geht, dann auf einen andern sich legen, wie c z. B. bisher immer noch die Viehzucht mehr einträgt, als der Getreidebau, und wenn uns in jener, wie man sagt, das Ausland bald Konkurrenz macht, nun so weiß ich wieder etwas Neues, auf das ich mich lege, weil ich an der Eisenbahn liege, nicht sehr weit in die Stadt habe. Da ist mir nicht bange, weil ich die Bedürfnisse der Städter kenne und mich in Stand gesetzt fühle, wenn es sein muß, z. B. einen Gemuͤsebau im Großen anzufangen, oder Milchwirthschaft, oder Geflügelzucht, oder bauete ich diese oder jene Handelspflanze, für die mein Boden oder mein Klima sich eignen und die auf dem Markte gesucht wird. Welche? kann ich noch nicht sagen, weil ich ja noch nicht weiß, wie es mit den Fleischpreisen wird, noch welche Handelspflanze bis dahin gesucht wird.“ Der Joͤrgenbauer staunte nur, wie F. den Bauernstand zu vertheidigen wußte, was ih einleuchtete, aber wie man ein solcher Baue werden kann, was man da Alles wissen und können muß, und daß dies möglich sei, darübe wäre ihm der Verstand still gestanden, wenn er nicht F. hätte reden hören und wenn er dessen Gut nicht schon öfters besehen und seine Wirth schaft bewundert hätte. Nun stand bei ihz jetzt auch fest, Jörg soll ein Bauer werden, war er nur im Zweifel, ob Jörg es auch wer den kann und wie man es angreifen muß, um aus ihm einen solchen Bauer zu machen. Et bat daher F. um Aufschluß und dieser fuhr
se per zwiebeln
fort, indem er sagte:„Wenn Jorg ein solcher bein Bauer werden will, so muß er fort von hier, Fincher meinetwegen könnt Ihr ihn bis Herbst behalten. 1 50 und ihn in Stall und Feld tüchtig arbeiten tas 505 lassen, aber dann sollte er auf eine sogenannte 0 0 Winterschule, den Sommer über auf einen] M. 15 rechten Hof als Dienstbote, den Winter über] Beth noch einmal in dieselbe Winterschule und dannn sucht ihn bei einem Gutsherrn oder Pächter, 5 der rationell wirthschaftet, unterzubringen und Caan. je nachdem er gelernt hat und sich anläßt, so 83 29 bringt man ihn entweder in eine Ackerbauschule] bol oder in eine Gartenbauschule, oder sucht ihn,,— wenn er treu und ehrlich, solid und gesittet
geblieben ist, als Oberknecht unterzubringen,
wofür ich bei meiner ausgedehnten Bekanntschaft 7 schon sorgen will.“„Alles recht und gut, F.. Jun aber“, seufzte der Joͤrgenbauer,„das Geld in indigt eine Winterschule, was mir freilich gefallen“ sütze würde?“„Nun“, erwiederte F.,„soviel könn Mer Ihr schon daranrücken und wenn nicht gleich, 15 so thut Ihr Jörg sogleich in einen Dienst und w er kann so viel in 2 Jahren verdienen, daß er Leun dem Vater nur die Hälfte kostet und was wäre 51 es auch, wenn Ihr das Geld sogar e 0 257 müßtet, das, was Jörg kostet, ist ein hell 0 Gaef seines Heirathsguts, denn wirklich kommt maß aue mit Geld allein nicht mehr fort, sondern nur] dd wenn zugleich ein guter Schulsack damit sicz] f 1 verbindet. Aber Ihr Bauern meint, nur Geld und dann kann man Alles machen! Man sieh] 555 es, wie viele mit sammt ihrem Geld zu Grunde
gehen, aber andere mit Schulsäcken, verstest mich, schwingen sich empor. Wirklich ist um 2290 der Kopf Meister und ohne Kopf kommt freilich 1 wird keiner mehr, wie ehedem, fort und weil Nicht] det im Kopf ist, und Nichts mehr hinein will, 4 1 schimpft man freilich über die Landwirthschast, 1 1 der ich aber Nichts thun lasse, wie Ihr 98 1g
merkt haben werdet!“(Schluß folgt.) Hondel und Verkehr.
Friedberg, 14. Aug. Wochenmarkt. Butter kesten im Großen 90 Pf., im Betall M. 1.10, Gier per Süs 6 Pf., 2 Stück 11 Pf. 8 0
Gießen, 14. August. Wochenmarkt. Butter 50 f. Wbe
1 werk
per Stück 4— 9 Pf., Tauben das Paar 60—— dit Hühner per Stüc M. 0.85— 1.30, Hahnen per Stn M. 0.60—1., Enten per Stück M. 1.20—1.60,
fleisch 68 Pf. per Pfd., Kuh- und Wee 0 5 Kl
Schotten, 12. Aug. Auf dem dies jährigen S
81 Pferde, 151


