einer Amnestie zu beantragen und der Minister— rath hätte beinahe einstimmig zugestimmt.
— Die Deputirten-Kammer hat mit 315 gegen 138 Stimmen die gerichtliche Verfolgung des Herzogs von Padua wegen doppelter Aus— übung seines Stimmrechts in Paris und Ver— sailles genehmigt.
— Dem diesseitigen Bevollmächtigten bei der Berliner Conferenz, Grafen St. Vallier, ist als technischer Sachverständiger der General— stabs⸗Oberst Perier beigegeben. Neben dem deutscherseits zu ernennenden Secretär der Con⸗ ferenz fungirt der bereits beim Berliner Con— greß in gleicher Eigenschaft thätig gewesene Graf Mouy.
— 11. Juni. Deputirtenkammer. Die Vor⸗ lage wegen Erhöhung der Zahl der anläßlich des Nationalfestes vom 14. Juli zu gewährenden Decorationen wird augenommen.— Der Posten des Gouverneurs von Paris wird dem General Clinchant übertragen werden.— Das Gerücht von Absendung einer französischen Flottenabtheil— ung nach der Besika-Bai wird ausdrücklich als unbegründet bezeichnet.
Großbritannien. London, 10. Juni. Unterhaus. Gladstone entwickelt die Finanz— projecte der Regierung und sucht die Ermächti— gung nach, den Weinzoll unter der Bedingung,
daß die Erneuerung und Verbesserung des Handelsvertrages von 1860 von Frankreich
erlangt werde, zu ermäßigen. Die Malzsteuer soll aufgehoben und durch eine Bierabgabe von 6 Schill. 3 P. per Faß ersetzt, die Rückgabe für exportirtes Bier erhöht werden. Gladstone schlägt eine neue Eintheilung und theilweise Erhohung der Gewerbesteuer für den Verkauf geistiger Getränke, sowie die Erhöhung der Einkommeusteuer um 1 Penny per Pfd. Sterl. vor. Das Endresultat ist veranschlagt auf 381,000 Pfd. Sterl. Ueberschuß.— 11. Juni. Unter-Staats-Secretär Dilke theilt auf eine Anfrage Wolff's mit: Der Generalgouverneur von Ostrumelien hat eine Commission ernannt behufs Untersuchung der gegen türkische Bewohner
des Aidosbalkan verübten Greuelthaten; die Commission breche heute auf. Staatssecretär Hartington erklärt auf Befragen Bartlett's:
es sei ihm nicht bekannt, daß der Vicekönig Ripon die sofortige Räumung Kabuls oder die Räumung bis zu einem gewissen Tage auge— ordnet habe.
— Einem hiesigen Telegramm des„Jour. des Debats“ zufolge wären die Präliminarien des englisch-franzoͤsischen Handelsvertrages unter— zeichnet und als die vier Grundlagen der künf— tigen Verhandlungen festgesetzt: Herabsetzung der Weinzoölle; Ausschließung der Thiere und landwirthschaftlichen Producte aus den Handels— verträgen; Aufsuchung der Mittel zur Ver— huͤtung von Defraudationen bei den Declara— tionen; Verbesserung des status quo und Weiter— entwickelung der commerciellen Beziehungen.
— 11. Juni. Der seitherige Gouverneur Sudans, Oberst Gordon, der schon im Kriege gegen die Talying-Rebellen chinesische Truppen commandirte, ist zur Wiederübernahme eines größeren chinesischen Truppen-Commandos von Bombay nach China abgereist.
Spanien. Madrid, 11. Juni. Gerüchte über Veränderungen im Ministerium entbehren der Begründung.
Italien. Rom. Das„Tagebl.“ erfährt 9* 8 von hier: Die paäpstliche„Aurora“ bringt
ihren sechsten Artikel über die Verhandlungen zwischen der Curie und der Berliner Regierung. In diesem Artikel behandelt das genaunte Blatt die Situation nach Abbruch der Verhandlungen, welcher„unerwartet“ erfolgte. Das Papstthum stehe nachher größer da, denn vorher. Schuld läge lediglich an Preußen, welches die Revision der Mai-Gesetze versprach, dann aber das Versprechen brach. Die neue Maivorlage sei unannehmbar, weil sie die Lage der Kirche ver— schlimmere, aber der Papst vertraue auf das katholische Volk Deutschlands. Der Papst konne warten, nicht so die Berliner Regierung.
Die
Türkei. Konstantinopel, 12. Juni. Die identischen Noten der Congreßmächte, betreffend die griechische Grenzregulirungs-Frage, wurden heute durch den ersten Dragoman der Botschafter, Abeddin Pascha, überreicht.— Der Sultan erklärte sich mit der Ernennung Tissot's an Stelle Fournier's einverstanden.
Montenegro. Cettinje, 12. Juni. Die Ortschaften Elbassau, Croia, Cavaja und Tibana sandten Vertreter für die albanesische Liga nach Skutari Die Liga verlangt, Montenegro solle Trincere und Golobasce räumen, widrigenfalls die Feindseligkeiten beginnen würden.
— Nachdem der montenegrinische Commissär Zimonie in Trebinje eingetroffen, beginnen am 12. Juni die Arbeiten zur definitiven Feststellung der herzegowinisch-montenegrinischen Grenze.
Aus Stadt und Land.
Worms, 10. Juni. Der Mörder des Valentin Brodnich, Adam Wohlfahrt von Nordheim, hat sich dem Arme der irdischen Gerechtigkeit entzogen. Gestern Morgen wurde er an einem Nußbaume am Wattenheimer Weg, in der Gemarkung Nordheim, erhängt gefunden.
Wöllstein, 11. Juni. Heute Nacht schlug hier der Blitz zweimal ein und wurden hierbei zwei Scheunen ein Raub der Flammen.
Allerlei.
Frankfurt. Der Aufenthalt der Gebrüder Sachs ist ermittelt. Dieselben befinden sich in Madrid. Mit Spanien existirt leider kein Auslieferungsvertrag und nützt daher die Kenntniß ihres Aufenthaltsortes ihre Gläubiger nichts.
Borken, 8. einzig in seiner
Juni. Ein höchst trauriger, aber wohl Art dastehender Fall hat sich in der Gemeinde Lendorf zugetragen. Ein Mädchen unbe— scholtenen Rufes, aus einer achtbaren Bauernfamilie stammend, welche in guten Verhältnissen lebte, hatte sich vor vielleicht 3 Wochen mit dem Sohne des Nachbars, ebenfalls Bauerngutsbesitzer, verlobt, nachdem sie mit Letzterem ein Liebesverhältniß wohl an 4 Jahre unter— halten hatte. Seit der Zeit ihrer Verlobung war das Mädchen wie umgewandelt, geradezu tiefsinnig. Nachdem der Pfarrer das letzte Aufgebot von der Kanzel herab verkündet hatte, machte sie am 7. d. Mts. ihrem Leben durch Erhängen ein Ende und zwar— aus Furcht vor dem Heirathen.
Warburg, 8. Juni. Gegen den Taglöhner, früher Ziegler, Johann Hagemgier von Willebadessen und den Ackermann August Hibbeln von Kleinenberg, welche dringend verdächtig erscheinen, am Morgen des 31. Mai die beiden im Dienste des Freiherrn v. Wrede stehenden Förster Gieß und Steinträter meuchlings erschossen zu haben, sind nicht nur Haftbefehle und Steckbriefe erlassen worden, sondern es sind ferner 1000 Mark Belohnung seitens der Staatsanwaltschaft für die Ermittelung und Ergreifung der ruchlosen Mörder ausgesetzt.
Elberfeld. Hier sind die schwarzen Menschen— blattern mit großer Heftigkeit ausgebrochen. Im suͤd— lichen Stadttheile allein sind vierzehn Personen von der Krankheit ergriffen.
Berlin. Die sogenannten und Rosen-Kartoffeln sind in vollständig erfroren.
Sechswochen-Kartoffeln der Umgegend Berlins
Metz, 12. Juni. Heute Morgen fand auf dem Außenbahnhofe in Folge falscher Weichenstellung ein
Zusammenstoß zwischen einem Rangirzuge und einem von Pagny kommenden Personenzuge statt. Zwei Personen wurden schwer, mehrere leicht verwundet.
London. Die Parlamentsacte, welche den Bau eines zweiten Tunnels unter der Themse hindurch in Aus sicht nimmt, ist, wie die bei Orell, Füßli u. Comp. in Zürich erscheinende„Neue Alpenpost“ aus London berichtet, rechtskräftig geworden. Das neue Riesenwerk wird zwischen Greenwich und Millwoll gebaut werden. Die Bevölkerung dieser zwei Ortschaften bei London beläuft sich gegenwärtig auf 259,000 Seelen. Wenn bis⸗ her die Fährboote außer Dienst gesetzt werden mußten, was bei Nebelwetter oft der Fall ist, so mußten die Geschäftsleute bis zur London-Bridge hinaufwandern, um an's andere Ufer zu gelangen. Es bedeutet dies einen Umweg von zwölf englischen Meilen. Der neue Tunnel kommt eirca zehn Kilometer unterhalb der London— brücke zu liegen und soll 530 Meter Länge baben.
Handel und Verkehr. Friedberg, 12. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 0.80—0.95, Eier per Stück 5 Pf. Gießen, 12. Juni. Wochenmarkt. Butter per Pfd. 82—90 Pf., Eier 1 St. 5 Pf., 2 St. 9 Pf., Käse per St. 5-10 Pf., Tauben das Paar 70—80 Pf., Hühner ver St. M. 1.20— 1.50, alte Hahnen per St. M. 1.20— 1.60, junge Hahnen M. 1.— 1.40, Wälsche M. 8.—9, alte Enten per Stück M. 1.40—2., junge Enten M. 1.—1.20, Kar- toffeln per 100 Kilo M. 7.50—8., Zwiebeln p. Ctr. M. 25. Ochsenfleisch 68 Pf. per Pfund, Kuh- und Rindfleisch 50 bis 56 Pf., Kalbfleisch 40—46 Pf., Hammelfleisch 60 bis 70 Pf., Schweinefleisch 60 Pf., Kirschen per Pfd. 25—40 Pf. Frankfurt, 12. Juni. Marktbericht. Heu kostete der Centner je nach Qual. M. 2.50— 3.50, Stroh M. 2. bis 3.40. Eier das Hundert M. 4.50- 5.50. Butter im Großen 50 Kg. 90— 100 M., im Detail 1. Qual. 1.20 M. 2. Qual. M. 1.10. Handkäse das Pfund 45,
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bis 50 Pf. Ochsenfleisch das Pfund 70 Pf., Kuh, Rind⸗ und Farrenfleisch 45—60 Pf., Hammelfleisch 45—65 Pf., Kalbfleisch 45—55 Pf. Kopfsalat das Stück 6—10 Pf., Blumenkohl per Stück 50—60 Pf., Kohlrabi das Stück 6—10 Pf., Gelbrüben das Bund 15 Pf., Romainsalat 40 Pf., Kirschen das Pfund 30 Pf., Zwiebel das Bund 6 Pf., neue Kartoffeln das Pfund 25 Pf., Kartoffeln alte 100 Kg. M. 6.50—8.
Mainz, 11. Juni. Marktpreise. Kartoffeln 100 Kilo 7.50—8 M., 50 Kilo M. 3.—3.25, Stroh 50 Kilo M. 2.40 2.60, Butter 1 Pfd. 75—85 Pf., in Parthien 65—70 Pf., Eier ½ Hundert M. 1.15 bis M. 1.30, Handkäse 1 St. 5—7 Pf., Wirsing 15—17 Pf., Meerrettig 10— 12 Pf., Zwiebeln ½ Kilo 18-20 Pf., 1 Hahn M. 1.20— 1.50, 1 Huhn M. 1.30— 1.80, 1 Ente M. 2.20— 2.70, 1 junge Taube 35— 45 Pf., 1 Gurke 25—35 Pf., Blumenkohl 30-50 Pf., Kopfsalat 4—6 Pf., 1 Gans M. 3.—4.— Viehmarkt. Ochsen 1. Qual. M. 68, 2. Qual. M. 60., Kühe 1. Qual. M. 60, 2. Oual. M. 40— 50. Alles per 50 Kilo. Kälber das Pfd. 50—65 Pf., — Fruchtmarkt. M. 23.40. Roggen eff. M. 20.— 21.50, Juli M. 19.10. Hafer eff. M. 14.30— 16., Juli 15.55. Reps eff. M. 28.25 Rüböl M. 29, Oct. 29.35.
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Schweine per Pfd. 56—64 Pf. Weizen eff. M. 24.50— 25.30, Juli
Marburg, 12. Juni. Wochenmarkt. Butter kostete„
per Pfd. M. 0.70—0.80, Eier 9— 10 Stück 40 Pf., Salat per Kopf 4— 10 Pf., Käse per Stück 8— 10 Pf., Hahnen per Stück M. 1.50— 2., Hähnchen das Stück M. 0.— 0.00, Hühner das Stück M. 0.80—., Tauben das Paar 70— 80 Pf. Kohlrabi 8— 10 Pf. Grüne Erbsen 2 Liter 30—35 Pf., Gurken per St. 20—30 Pf. Möhren per Pack 15 Pf. Kirschen per Pfd. 40 Pf. Rettig per Stück 10—15 Pf.
Brodpreise vom 16. bis 30. Juni.
Nach eigener Angabe der Bäcker. 4
Für Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach unverändert. Fleisch⸗ ꝛc. Preise vom 16. bis 30. Juni. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg und Butzbach unverändert. Für Bad-Nauheim. Per 1½ Kilo.
5 Pf.. 15 M. Pf. Ochsenfleisch 68 Schweinefleisch— 60 Kuhfleisch, gem. 50 Keil und Karre— 64
5 ungem.,— Doörrfleisch— 80 Kalbfleisch 50 Solperfleisch— 65 Keil und Karre— Geräucherter Speck— 90 Hammelfleisch 5 Schinken— 90 Keil und Karre— Leber- u. Blutwurst— 72 Nierenfett 50 Schwartenmagen— 86 Hammelsfett— Cervelatwurst 1 600 Schaaffleisch— Fleischwurst— 90 Bratwurst— 00 Schmalz, ausgel.,— 90 7 unausgel.,— 80 Ausnahmspreise: Bei S. Loeb Nierenfett 40 Pf. Bei H. Aletter ausgel. Schmalz 86 Pf. Bei H. Friz Schwartenmagen 88 Pf., Bratwurst 84 Pf. Bei Fr. Langsdorf ausgel. Schmalz 92 Pf. Bei A. Schimpf Dörrfleisch 90 Pf., unausgel. Schmalz 86 Pf. Bekanntmachung. Am 16. Juni dieses Jahres wird in dem, gegenwärtig zum Land bestellbezirk des Postamts in Lich gehörigen, im Kreise Gießen belegenen Orte Langsdorf eine Postagentur
in Wirksamkeit treten, welche die amtliche Bezeichnung „Langsdorf im Großherzogthum Hessen“ zu führen hat,
Als Landbestellbezirk werden der neuen Postagentur die gegenwärtig zum Bestellbezirk des Postamts in Lich gehörigen Orte und Einzelniederlassungen: Bettenhausen, Birklar, Muschenheim, Neumühle, Bahnwärterhäuser 14, 15 und 16 zugewiesen.
Die Dienststunden für den Verkehr mit dem Publikum werden, wie folgt, festgesetzt: 7 an gewöhnlichen Wochentagen: von 9 bis 11 Uhr Vormittags und von 5„ 7 Uhr Nachmittags.
b. an den Sonntagen und den nicht auf einen Sonntag fallenden gesetzlichen Feiertagen; von 8 bis 9 Uhr Vormittags und
von 5„ 6 Uhr Nachmittags.
Darmstadt, den 8. Juni 1880.
Der Kaiserliche komm. Ober-Postdirector. Hagemann.
Eingesandt.
Bad- Nauheim. In einer der letzten Nummern eines hier erscheinenden Blattes befindet sich ein„Einge— sandt,“ in welchem es unter Anderem heißt:
„Wenn wir uns über das eben Mitgetheilte recht freuen(nämlich über die bessere und längere Beleuchtung der Stadt), wenn wir uns freuen, berichten zu können, daß die Bauten auf der Terrasse und das Inhalations— cabinet zur Benutzung fertig gestellt, daß die Spuren der Ueberschwemmung so ziemlich alle beseitigt und gleich⸗ zeitig durch das Verschwinden mancher störenden Schutt⸗ baufen freundliche An- und Aussichten geschaffen worden sind, so können wir dem gegenüber nicht umhin, unserk
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Verwunderung darüber aus zusprechen, daf
das Aufhängen und Trocknen von Wäsche an.
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