die Fortsetzung der Berathung des Cultus— Etats statt.
— 11. Dec. Der deutsche Botschafter in Constantinopel, Graf Hatzfeld, hat heute seinen Urlaub nach Deutschland augetreten.
— Gegenüber bezüglichen Mittheilung des „Hamb. Corr.“ sagt die„Nordd. Allg. Ztg.“: Ueber den Hamburger Zollanschluß habe man in Berlin niemals Sorgen gehabt. Die Sorgen deßhalb seien ausschließlich Sache der Hamburger Regierungskreise. Die Initiative habe verfassungs— mäßig von Hamburg auszugehen und werde, wenn sie erfolgt sei, hier das bereitwilligste Ent— gegenkommen finden, welche die Antwort des Reichskanzlers auf die Zollanschluß-Adresse aus— drücke; aber man erwarte die Hamburger Ini— tiative ohne jede Ungeduld. Die Andeutung, daß die Arbeiten bezüglich des Altonaer Zollan— schlusses ruhten, beruhe auf Erfindung. Die Arbeiten seien in vollem Gange und würden allen unberechtigten Gegenwirkungen gegenüber in Kurzem zum Abschluß gelangen. Die Weisung, dieselben ruhen zu lassen, habe niemals existirt.
Ausland. n en Oesterreich-Ungarn. Wien, 10. Dec. Abgeordnetenhaus. Reschauer bringt eine Inter— pellation ein wegen der ungleichmäßigen Be— handlung von Holzstofffabrikaten an der deutschen Grenze. N Frankreich. Paris, 10. Dec. Senat. Die Vorlage betr. den Secundärunterricht für Mädchen wird angenommen; Broglie hatte den Artikel, wonach Unterricht in der Moral ohne Beziehung zu irgend einer Religon stattfinden soll, lebhaft bekämpft, Ministerpräsident Ferry ihm erwiedert.
— Das Journal„Armse fraugaise“ ver— sichert, daß Tissot, welcher vom Kriegsgericht, in Straßburg zu dreijähriger Festungshaft verur— theilt wurde, keinerlei Mission erhalten hätte und, wenn er Notizen über die Befestigungen von Diedenhofen zu erlangen gesucht habe, nur seinem eigenen Antriebe gefolgt sei.
— Das Seinetribunal erklärte sich competent für die Beurtheilung der Klagen der Domini— kaner und anderer Ordensgeistlichen auf Wieder— einsetzung in ihr Domicil. Der Präfect wird in Folge dessen das Conflicts-Verfahren einleiten.
— Frankreich soll der griechischen Regierung erklärt haben, sie dürfe auf keine Hülfe Frank— reichs rechnen, wenn sie jetzt einen Krieg begönne. Auch Gambetta würde als Minister nicht anders handeln.
— 11. Dec. Die Deputirtenkammer, welche die Berathung des Einnahmebudgets heute fort— setzte, nahm alle die Anwendung der fiscalischen Gesetze auf die Guter der Congregation betreffen— den Artikel an.— Baudry d' Asson hat eine Klage gegen Gambetta und die Quästoren bei dem Ciwvilgericht und dem Criminalgericht ein— gebracht. Senator Baragnon wird fuͤr ihn plaidiren.— Das Gerücht, wonach Barthélemy St. Hilaire durch Challemel-Lacour ersetzt werden würde, ist nicht ernsthaft zu nehmen.
Großbritannien. London. Ein Rund— schreiben Gladstone's ersucht die Anhänger der Regierung, am 6. Januar zur Stelle zu sein, da dem Parlamente sofort Angelegenheiten von großer Wichtigkeit unterbreitet würden.
— Die„Times“ bespricht den Vorschlag, die griechische Frage einem europäischen Schieds— gericht zu überweisen und glaubt, eine solche Mediation werde die nöthige Kraft besitzen, um deren Entscheidungen Nachdruck zu verleihen. Die griechische Frage durfte nicht länger sich selbst überlassen bleiben. Das einzige Mittel, einen griechisch-türkischen Krieg abzuwenden, wäre die Aufrechterhaltung des europäischen Concerts.
Italien. Rom, 10. Dec. Bei Berathung des Budgets des Auswärtigen erklärt Cairoli in Erwiederung auf Anfragen: Die Regierung erhielt von Frankreich das bündige Versprechen, daß die Ordens-Geistlichen aus Hautecombe (Savoyen) nicht ausgewiesen werden. Cairoli sagt ferner: er werde womöglich die Gesandt—
schaft iu Madrid zur Botschaft erheben. Italiens Vertreter in Belgrad werde demnächst ernannt, der Italiens Freundschaft für dieses junge Land beweisen soll. Massari erinnert den Minister an Recht und Pflicht der Pforte gegenüber aus Höflichkeitsrücksichten die Ernennung eines Bot— schafters statt Gesandten. Das Budget des Aeußern wird angenommen.
Neapel, 10. Dec. Die aus den Schiffen „Svetlana“ und„Askold“ bestehende Russen— escadre ist hier eingetroffen.
Türkei. Constantinopel, 9. Dec. Die türkische Note bezüglich der griechischen Frage ist gestern vom Sultan im großen Staatsrathe genehmigt und wird voraussichtlich am Samstag abgesandt. In der Note werden die Mächte ersucht, Griechenland aufzufordern, binnen be— stimmter Frist kategorisch zu erklären, ob es die Vorschläge, welche die Pforte im October machte, annehme; verneinenden Falles müßte die Pforte die Beziehungen zum griechischeu Hof abbrechen.
Rumänien. Bukarest. In dem Entwurfe zu der Seitens des Senats zu erlassenden Adresse an den Fürsten wird die lebhafte Dankbarkeit des Landes betont für die Regelung der Thron— folgefrage und Anerkennung der bezüglichen Ver— fassungsbestimmungen durch den Vater und die Brüder des Fürsten. Der Senat nehme davon Act, daß in Ermangelung directer Nachkommen des Fürsten die Söhne des Prinzen Leopold von Hohenzollern zu Erben des rumänischen Thrones designirt seien. Die den Kammern vorgelegten Actenstücke ergäben, daß Prinz Leo— pold auf die Thronfolge verzichte und letztere sonach auf seine Nachkommen übergeht.
Galatz, 11. Dec. Die Donaucommission hat gestern die in der vorigen Session ausgearbeitete Zusatzakte zu der die Schifffahrt von Galatz bis zum Schwarzen Meere regelnden Acte mit ge— ringfügigen Abänderungen angenommen.
Bulgarien. Sofia. Das Ministerium ist in folgender Zusammenstellung reconstituirt: Karaveloff Präsidium, Finanzen und interimi— stisch Justiz, Zankoff Inneres, Ernroth Krieg, Slaveikoff Unterricht und Stoitcheff Auswärtiges.
Griechenland. Athen, 10. Dec. Die Kammer nahm die Conventiou betreffs der An— leihe von 52 Mill. mit der Bank von Griechen— land an; letztere wird sich auch bei der aus— wärtigen Anleihe betheiligen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 11. Dez. Gestern Abend zwischen 6 und 8 Uhr wurden von bübischer Hand 15 der neugepflanzten Obstbäumchen am Nauheimer Wiesenweg total abge— brochen. Es ist ein Jammer, die schönen Bäumchen zu sehen. Möchte es doch gelingen, den oder die ruchlosen Buben ausfindig zu machen, damit sie ihrer gerechten Strafe nicht entgehen.
Alsfeld. In Zell, Kreis Alsfeld, ist in neuester Zeit eine Erkrankung an Blattern vorgekommen.
Gießen, 9. Dez. Schwurgericht. In der Ver— handlung gegen K. Funk von Romrod wegen Körperver— letzung mit tödtlichem Erfolg erkannten die Geschworenen denselben, unter Annahme mildernder Umstände für schuldig und wurde er demgemäß in eine Gefängnißstrafe von 2 Jahr und 9 Monat verurtheilt. H. Petri von Reiskirchen ist wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit angeklagt. Die Geschworenen hielten sich von der Schuld des Angeklagten nicht für überzeugt, worauf derselbe auf freien Fuß ge— setzt wurde.— 10. Dez. K Nickel von Feldkrücken ist wegen betrügerischen Bankerotts und Meineids angeklagt. Die Geschworenen erkannten ihn für schuldig, worauf er in eine Zuchthausstrafe von 4 Jahr verurtheilt wurde, auch wurde auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahre erkannt.
Gießen, 10. Dez. Heute Morgen wurden zwei Ar⸗ beiter verhaftet, welche gestern Abend an dem Güter— schuppen der Oberhess. Bahn mehrere Gußrohre gestohlen hatten und dieselben dahier verwerthen wollten. N
Allerlei.
Wies baden, 9. Dee. Verflossene Nacht wurde ein kurzer, aber ziemlich heftiger, wellenförmiger Erdstoß dahier verspürt.
Karlsruhe, 7. Dez. Soeben 5 Uhr Abends wurden wir durch einen weiteren Einsturz in Grüningen in Schrecken versetzt. Während die Arbeiter mit Ausgraben der Ver— schütteten beschäftigt waren, ist von dem oberhalb dem Wider⸗ lager stehen gebliebenen Gemäuer wieder ein Stückzusammen⸗ gestürzt. Zwei Arbeiter wurden verschüttet, jedoch als⸗ bald wieder ausgegraben; der Eine wurde schwer, der Andere leicht verletzt.
Kassel, 8. Dez. Heute Nacht zwischen 2 und 3 Uhr brach in dem Hause Altmarkt Nr. 29 Feuer aus, welches
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rasch um sich griff und viele Menschenleben in Gefahr brachte, denn als man dasselbe entdeckte, hatte es schon im Innern des Hauses große Dimensionen angenommen. Eine ältere Dame, welche ein Feuerwehrmann gerade die Leiter heruntergebracht hatte, gab den Geist in den Armen desselben auf. Ein kleines Kind, welches eine Frau in der Verzweiflung mit Bettwerk umwickelte und so auf die Straße warf, fiel aus seiner Umhüllung heraus und fand ebenfalls seinen Tod. Ein Dienstmädchen, welches einen kühnen Sprung wagte, ist mit einem Arm- und Bein⸗
bruche und einigen Verletzungen am Kopfe davongekommen.
Der umsichtigen Leitung und Thätigkeit der Feuerwehr ist es zu danken, daß die Nachbarhäuser verschont blieben und weiteres Unheil verhütet wurde.
Breslau, 10. Dez. Der Berliner Nachtschnellzug erlitt eine dreistündige Verspätung in Folge der Ent⸗ gleisung eines Kohlenzuges durch Achsenbruch zwischen Siegersdorf und Bunzlau.
Agram, 10. Dez. Heute Nacht 3 Uhr 25 Minuten erfolgte ein kurzer, nicht unbedeutender Erdstoß.
London, 10. Dez. Bei einer Grubenexplosion in Penygraig sind 88 Arbeiter umgekommen.
London. Die hiesige geographische Gesellschaft er— wägt die Pläne einer neuen Nordpol Expedition, deren Hauptzweck sein soll, auf der Route via Franz-Joseph⸗ land, den unbekannten Flächenraum nördlich vom 79sten und 80sten Breitengrade zu erforschen.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 11. Dec. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.10— 1.20, Eier per St. 8 Pf., 2 Stück 15 Pf.
Gießen, 11. Dec. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.15— 1.20, Eier 1 Stück 7 Pf., 2 Stück 00 Pf., Käse per Stück 5— 9 Pf., Tauben das Paar 60-70 Pf., Hühner per Stück M. 0.85— 1.20, Hahnen per Stück M. 0.70— 1.20, Gänse per Pfd. 45—55 Pf., Enten per Stück M. 1.60— 2.00, Ochsenfleisch 66 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 45—50 Pf., Kalbfleisch 45—50 Pf., Schweinefleisch 64—68 Pf., Hammelfleisch 50—66 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 4.00 0.00, Zwiebeln per Ctr. M. 10., Weißkraut 100 Stück M. 4.—6.
Gießen. Auf dem am 7. und 8. Dez. abgehaltenen Markte waren aufgetrieben: 5 Pferde, 800 Stück Rind⸗ vieh und 153 Stück Schweine. Es zeigte sich bei gutem Vieh große Kauflust und stellten sich die Preise denen vom letzten Markte gleich. Nächster Markt Dienstag den 25. Januar. 1881.
Frankfurt, 11. Deebr. Marktbericht. Heu kostete je nach Qualität der Centner M. 2.50— 4.30, Stroh M. 2—3. Butter im Großen 1. Qual. M. 0.90, 2. Qual. M. 0.80, im Detail 1. Qual. M. 1.10— 15, 2. Qual. M. 1.5. Eier das Hundert M. 6—8. Ochsenfleisch das Pfd. 65—70 Pf., Kuh⸗, Rind- und Farrenflelsch 45 bis 55 Pf., Kalbfleisch 40— 55 Pf., Hammelfleisch 40 bis 55 Pf., Schweinefleisch 75—80 Pf. Kartoffeln 200 Zoll⸗ pfund M. 5, Kopfsalat d. St. 6 Pf., Romain-Salat 30 Pf., Blumenkohl 20—50 Pf., Rothkraut das Stück 15— 25 Pf., Endivien 10 Pf., Weißkraut 15—25 Pf., das Hundert M. 8—10, gelbe Rüben das Bund 12 bis 15 Pf., weiße Rüben das Stück 3—5 Pf., Taube 50 Pf., Huhn M. 1.50—2, Hahn M. 1—2, Ente M. 2.40—3, Gans M. 5—9, Welscher M. 6—8, Feldhuhn M. 1—2, Rehbock das Pfd. 70 Pf. und Hirsch 30—60 Pf.
Mainz, 10. Dec. Marktpreise. Kartoffeln 100 Kilo
M. 4.20— 5.40, Heu per Ctr. M. 3.50— 3.70, Stroh per
Ctr. M. 2.80— 3.00, Butter ½ Kilo M. 1.00— 1.10, Butter in Parthien 85—90 Pf., Eier/ Hundert M. 1.90— 2.40, 1 Handkäse 5—8 Pf., Rothkraut 18—20 Pf., Weißkraut 6—8 Pf., Blumenkohl 25—30 Pf., Wirsing 4—5 Pf., Zwiebel ½ Kilo 8— 11 Pf., 1 Gans M. 3.50—6, 1 Ente M. 2.00— 2.80, 1 Hahn M. 1.20— 1.70, 1 Huhn M. 1.30 bis 1.50, 1 junge Taube 50—60 Pf., 1 Feldhuhn M. 1.80— 2.00, 1 Hase M. 3.00—3.20.— Frucht⸗ markt. Waizen effeetiv hiesiger, M. 21.80— 22.50, fremder 22.00— 22.90, Amerikanischer rother Winter-
waizen M. 23.00— 23.88, Roggen, hiesiger und franzö⸗
sischer, M. 21.25— 21.50, Gerste, pfälzer, 17.70— 18.60,
franken M. 18.40— 18.60, Hafer unverändert 13.60 bis 14.80, Reps M. 27— 28.00, Rüböl eff. M. 29.80—30
ohne Faß, per Mai M. 29.90 mit Faß.
Eingesandt.
Geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie, nachstehen⸗ den Zeilen in Ihrem Oberhess. Anzeiger ein Plätzchen im Interesse der öffentlichen Gesundheltspflege zu gönnen.
Seit einiger Zeit sind die Einwohner hiesiger Stadt
gezwungen, sich eine langsame Vergiftung gefallen lassen zu müssen. Das Leuchtgas gelangt in einem so wenig
gereinigten Zustande zur Verbrennung, daß es wirklich kaum mehr auszuhalten ist. Bei dem Verbrennen ent⸗ wickelt sich schwefliche Säure und diese ist ein höchst gefährlicher Feind der Lungen und der Gesundheit im Allgemeinen. Es sind mir Fälle bekannt geworden, daß Arbeiter, die gezwungen sind, bei Gaslicht zu arbeiten, die Arbeit liegen lassen mußten und, mit Kopfweh und Uebligkeit behaftet, sich kaum noch aufrecht erhalten konnten. Hat denn hier das Kreisgesundheitsamt und die Polizei keine Macht einzuschreiten? Dem Unwesen der offenen Aborte ist doch glücklich ein Ende gemacht worden, der langsamen Vergiftung durch ungereinigtes Leuchtgas muß doch auch abgeholfen werden koͤnnen! H.
Ueber Verdauungsstörungen.
Die Organe, durch welche dem menschlichen Körper die Stoffe zu seiner Erneuerung aufnahmsfähig gemacht werden, sind für die Gesundheit natürlich von äußerster Wichtigkeit, jede Störung in den Funktionen dieser Organe,
Leben leiden


