Deutsches Reich.
Darmstadt. Das Regierungsblatt Nr. 29 enthalt die Bekanntmachung über die Telegraphen⸗ ordnung für das Deutsche Reich vom 13. Aug. 1880.
Darmstadt. Dem Aufseher auf dem Melbacher Bergwerk Georg Bingel wurde das Allgemeine Ehrenzeichen für fünfzigjährige treue Dienste verliehen; ferner wurde dem Rechnungs⸗ rath Ihm der Charakter als„Finanzrath“;— dem Steuer-Commissär Repp in Dieburg der Charakter als„Steuerrath“;— dem Steuer⸗ Commissär Langsdorf in Homberg der Charakter als„Steuerrath“;— dem Obersteuer⸗Inspector Völcker in Offenbach der Charakter als„Steuer⸗ Rath“;— dem Kreisbaumeister Heim in Worms der Charakter als„Baurath“; den Districts— Einnehmern Moter in Bessungen, Walther in Gießen und Dieffenbach in Pfeddersheim der Charakter als„Rendant“, sowie dem? orstwart Küster in Kalkofen der Charakter als„Förster“ verliehen.— Dr. Büchner in Darmstadt wurde auf Nachsuchen unter Anerkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt.
— Der zweiten Kammer der Stände ist in diesen Tagen seitens des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz ein Gesetzentwurf, betreffend das Civildiener-Wittwen-Institut, zu— gegangen, durch den namentlich die Aufnahme der durch die Organisation der richterlichen Be— hörden neugeschaffenen Dienststellen herbeigeführt werden soll.
Berlin, 10. Sept. Letzten Mittwoch hatte der Cultusminister v. Puttkamer und Ministerial— Director Lucanus eine über eine Stunde wäh— rende Audienz beim Kaiser, in der es sich um die Angelegenheit des Kölner Dombaufestes ge— handelt haben soll. Wie man mittheilt, wäre in dieser Conferenz das Programm für den 15. Oct. und die folgenden Tage definitiv fest— gestellt worden. Wie verlautet, werden außer dem Kaiser und königlichen Hause auch noch einige deutsche Bundesfürsten an der Feier theilnehmen, auch das Professoren-Collegium der Universität Bonn wird zu den Festlichkeiten eingeladen werden.
— Es wird mehrfach vermuthet, Rußland beabsichtige, den früher abgelehnten Antrag auf Absendung eines Executionscorps nach der Türkei neuerdings abermals einzubringen. Darauf basiren vielleicht die Gerüchte betreffs einer russischen Truppenlandung im Orient. In hiesigen diploma— tischen Kreisen herrscht die Meinung, daß, falls Rußland wirklich seine Truppen auf türkischem Boden auszuschiffen beabsichtige, dies sicherlich nicht von den zur Theilnahme an der Flotten— demonstration bestimmten Schiffen aus bewerk— stelligt werden durfte.
— Eine Reise des Schatzsecretär Scholz nach Friedrichsruhe wird mit Bismarck's Doppelwäh— rungsplänen in Verbindung gebracht.
Rumpenheim. Gutem Vernehmen nach werden auf Schloß Rumpenheim zum Besuche des Prinzen Georg und der Prinzessin Louise von Hessen am 12. d. die Königin von Däne— mark, am 14. d. die Königin von Griechenland mit Kindern und einige Zeit später die Könige von Danemark und Griechenland, der Herzog von Cam— bridge, der Herzog und die Herzogin von Nassau, sowie die landgräflich hessische Familie eintreffen.
Nürnberg. Die Handels- und Gewerbe— kammer für Mittelfranken beschloß dem„Frank. Kurier“ zufolge einstimmig, in einem Schreiben an das Ministerium sich gegen jede Beschränkung der Wechselfähigkeit auszusprechen.
Leipzig. Die dritte Abtheilung des deutschen Juxristentages sprach sich einstimmig gegen die Beschränkung der Wechselfähigkeit aus.
Ausland.
Frankreich. Paris. Der Conseilpräsident Freyeinet hat auf den 18. d. einen Cabinetsrath zusammenberufen. Derselbe soll über die Frage der Congregationen entscheiden. Der Präsident der Republik wird den Vorsitz führen.
Großbritannien. London. Die„Times“ sagt, indem sie die Gerüchte in Betreff des an— geblichen Separat-Vorgehens Rußlands und
Englands im Oriente erwähnt, es existire nicht allein keinerlei Grund, ein solches Verfahren Seitens Englands zu erwarten, sondern es sei der stärkste Grund vorhanden, es als unmöglich zu erklären.
Türkei. Constantinopel. Es heißt, die Botschafter der Großmächte würden der Pforte als Antwort guf die Anträge der Pforte hin— sichtlich der Reformen in Armenien eine Collectiv— Note überreichen, worin ein großer Theil der Vorschläge der Pforte nicht gebilligt würde.
— Niza Pascha telegraphirte am 7. Sept. an die Pforte, er treffe Anstalten, noch an dem⸗ selben Tage mit vier Bataillonen nach Dulcigno abzugehen, um die Uebergabe des Platzes vor⸗ zubereiten. Zu dem bereits versammelten Ge— schwader stießen vergangene Nacht noch eine russische Corvette und ein russischer Klipper.
— 10. Sept. Nachrichten aus Albanien zu— folge lagerten 3 Bataillone regulärer Truppen, welche von Skutari kamen, letzte Nacht bei Dul⸗ cigno. In der Stadt herrscht große Aufregung. Die Liga hielt in Skutari eine Versammlung und beschloß Widerstand zu leisten. Die Montene— griner stehen längs der Grenze bei Dulcigno. Einer Depesche aus Pera zufolge ist es gestern in Skutari zu einem Handgemenge zwischen türkischen Truppen und einer albanesischen Bande gekommen.
— 11. Sept. Die„Pol. Corr.“ meldet: Das britische Cabinet habe die Mittheilung er— halten, daß der Fürst von Montenegro unter der Bedingung auf Dinosch und Grudo verzichte, wenn die Pforte Dulcigno friedlich und förmlich übergeben würde.— Das„Reuter'sche Bureau“ meldet: Die Flottendemonstration sei auf einige Tage vertagt, da die Botschafter den guten Willen der Pforte und die Schwierigkeiten bei der Ueber— gabe von Dulkcigno berücksichtigen wollten.— Die„Ag. Hav.“ meldet: Albanesische Freiwillige verließen auf einen Augenblick ihre Positionen, worauf diese von regulären türkischen Truppen besetzt wurden. Die Freiwilligen wollten die Positionen wieder einnehmen, wurden aber zurück— gewiesen, wobei einige derselben verwundet wurden. — Riza Pascha versammelte die Notabeln von Dulcigno und legte denselben die Nothwendigkeit der Ausantwortung Duleignos an Montenegro dar. Derselbe theilte ihnen außerdem mit, daß der Sultan die Ausgaben der albanesischen Fübrer für die Befestigung aus eigenen Mitteln zurückerstatte.
Rumänien. Bukarest.„Romanul“ be— dauert in seinem heutigen Leitartikel, daß die Oppositionspresse aus der Thronfolge eine Partei⸗ waffe gemacht habe. Fürst Karl habe mit Regel— ung dieser Frage hohen Patriotismus und Hin- gebung bewiesen, wofür das Land dankbar sein müsse, dessen zukünftiger Herrscher im Lande herangewachsen und bei der Thronbesteigung seine Sprache und Sitten kennen werde. Die Angelegenheit, welche weder in Ischl noch Sig⸗ maringen, sondern in Berlin mit dem Vater des Thronfolgers verhandelt worden sei, werde auf streng constitutionellem Wege geregelt. Die Nation werde glücklich sein, wenn die Thronfolge festgestellt sei, so daß die Zukunft gesichert sei und die Entwickelung des Landes nicht durch Intriguen und Kämpfe werde unterbrochen wer— den können.
— Die französische Diplomatie bietet das Möͤglichste auf, um Rumänien vom Auschlusse an die austro⸗deutsche Allianz abzuhalten. Sie macht geltend: Rumänien sei verpflichtet, seine Unabhängigkeit allseitig zu wahren.
— Zwischen Paschkani und Roman in der Moldau wird in der zweiten Hälfte des Monats September eine Division zusammengezogen, deren Uebungen Füͤrst Karl gleich nach seiner Rückkehr inspiciren wird.
Rußland. Petersburg. Die„Ag. Russe“ veröffentlicht Folgendes: Nach den categorischen Erklärungen Hartington's und Dilke's und der ebenso würdigen wie bestimmten Thronrede der Königin Victoria erscheint jeder Zweifel an dem Einvernehmen der Mächte in der orientalischen
Frage als ungerechtfertigt. Das Einverständniß der Mächte ist vollständiger als jemals vorher. Nur Ungeschicklichkeit und Uebelwollen können die Pourparlers zwischen den Cabineten über einzelne Detailfragen pessimistisch interpretiren. Auch diese Detailfragen dürften einer günstigen Lösung entgegengehen.
— Der„Reg. Bote“ veröffentlicht ein Tele⸗ gramm des Ministers des Innern aus Livadia, welches besagt, der Kaiser habe gestern befohlen, dem Minister-Comite durch den Finanzminister die Frage zur Prüfung vorzulegen, auf welchem Wege ungesäumt der Bau eines Theiles der sibirischen Eisenbahn zwischen Tjumen und Jekate⸗ rinburg in Angriff genommen werden könne, um, abgesehen von der öconomischen Wichtigkeit der Bahnstrecke, der Bevölkerung des Wolgagebietes, welche durch Mißernte gelitten, zu einer ver⸗ dienstlichen Arbeit zu verhelfen.
Aus Stadt und Land.
Rüsselsheim, 9. Sept. Hier sind gestern sechs gefüllte Scheuern nebst daranstoßenden Stallungen abge⸗ brannt. Das Feuer kam im„Mainzer Hof“ zum Aus bruch.
Allerlei.
Limburg. An den Folgen der Tollwuth starb in der Nacht vom 1. September der Amtsgerichtsrath Linz von Katzenelnbogen. Er war im Juni von seinem Hühnerhunde, den er wegen einer Unart züͤchtigen wollte, in die Hand gebissen und hatte diesen Biß nicht weiter beachtet. Erst vor Kurzem stellten sich Symptome det Tollwuth ein, welche seine Ueberführung nach Limburg nothwendig machten. Die letzten Tage waren schreckliche. Linz hinterläßt eine Wittwe mit drei Kindern.
Deutz. Die Bewohner des Dorfes Herne in West⸗ falen sind schon seit längerer Zeit durch eine Reihe fort gesetzter Schandthaten, denen Frauen und Mädchen zum Opfer fielen, deren Urheber aber nicht zu ermitteln waren, in beständiger Aufregung und Unruhe gehalten worden. Man requirirte endlich die Hülfe der Berliner Criminal⸗ polizei, die sich schon in vielen derartigen Fällen bewährt hat, und der List eines der entsendeten Beamten gelang es auch bald, einen der Attentäter dingfest zu machen. Der Criminalbeamte wußte dem Verbrecher eine geschickte Falle zu stellen, indem er sich als Frau verkleidete, un so, auf vereinsamten Wegen allein gehend, einen der Patrone anzulocken. Seine Absicht gelang ihm voll⸗ kommen. Als er auf seinem Wege in die Nähe der Zecht „Hibernia“ gelangt war, wurde ihm plötzlich eine Schlinge übergeworfen von einem Manne, der nun versuchte, die⸗ selbe zuzuziehen. Es kam indessen schleunigst Hülfe herbei; so gelang es, den Schlingenwerfer festzunehmen.
Fulda. Rittmeiste v. d. Goltz vom Rheinischen Dragoner⸗Regiment Nr. 5, commandirt zur Ad jutantur des XI. Armee⸗Corps in Kassel, wurde hier im Duell erschossen.
London, 10. Sept. Von den in Seaham ver schütteten Bergleuten wurden bisher 66 gerettet, wahr scheinlich blieben 170 Menschen todt, mit ihnen 180 Pferde. Drei Feuersbrünste, welche im Bergwerke ausgebrochen, sind bisher noch ungelöscht, die Ursache der Exploston ist unbekannt.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 11. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. M. 1.— 1.20, Eier per Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf.
Gießen, 11. Septbr. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 0.95 1.10, Eier 1 Stück 5—6 Pf., Käse per Stück 5-10 Pf., Tauben das Paar 35—60 Pf., Hühner per Stück M. 0.70— 1.00, Hahnen per Stück 4070 Pf⸗ Enten per Stück M. 1.30— 1.70, Ochsenfleisch 68—68 Pf. per Pf7., Kuh⸗ und Rindfleisch 50 Pf., Kalbfleisch 45 bis 50 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Schweinefleisch 6-68 Pf. Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.—6., Zwiebels per Ctr. M. 6.—7.
Frankfurt, 11. Sept. Marktbericht. Heu kosten je nach Qualität der Centner M. 2.50— 4. Stroh M. 3., Eier das Hundert M. 5.50—7, Butter in Großen 1. Qual. M. 1, 2. Qual. 90 Pf., im Detall 1. Qual. M. 1.30, 2. Qual. M. 1.20, Ochsenfleisch daß Pfd. 65—70 Pf., Kuh⸗, Rind⸗ und Farrenfleisch 45 bis 60 Pf., Hammelfleisch 45-60 Pf., Kalbfleisch 40—55 Pf. Endivien 1 Stück 6—10 Pf., Weißkras das Stück 20 Pf., das Hundert zum Einmachen 15— 18 M. Gurken das Hundert zum Einmachen M. 2, Rothkratnt 20—30 Pf., Zwiebeln das Bund 12 Pf., Kohlrabi 4 bis 6 Pf., Kohlkraut 12— 15 Pf., Blumenkohl 30-70 Pf. Huhn M. 1.90—2.10, Hahn M. 1.80 bis 2.50, Enis M. 2.70— 3.20, Taube 50 Pf., Gans M. 4—6, Reh bock 75 Pf. das Pfund.
Mainz, 10. Sept. Kartoffeln 100 Kilo M. 4.50 bis 5.00, Heu per Ctr. M. 3.00—3.20, Stroh per Eir M. 102.25, Butter ½ Kilo M. 0.95— 1.00, Butter in Parthien M. 0.80 0.85, Eier ¼ Hurdert M. 1.0 bis 1.40, 1 Handkäse 6—8 Pf., Rothkraut 25—30 Pf. Weißkraut 8— 10 Pf., Blumenkohl 30—35 Pf., Wirsing? bis 4 Pf., Gurke 8— 12 Pf., Zwiebel ½ Kilo 8— 10 Pf. 1 Gans M. 5.00—5.50, 1 Ente M. 2.20— 2.50, 1 Haß M. 1.00— 1.50, 1 Huhn M. 11.50, 1 junge Taue 40— 45 Pf., 1 Feldhuhn M. 1.40 1.70, 1 Has N. 3.50 4.00. Fruchtpreise. Waizen eff. M. 20
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