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Deutsches Reich.
Darmstadt. Das Regierungsblatt, Bei— lage Nr. 27, enthält:
1. Bekanntmachung über die neue Organisation der Oberförstereien Nidda und Ortenberg. 5
11. Bekanntmachung über die Wittwen⸗ und Waisen⸗ kasse der Volksschullehrer vom Jahre 1878.
111. Bekanntmachung über die Erhebung einer nach⸗ träglichen Umlage für die israel. Relgem. Staden mit Stammheim für 1880. i
Iv. Bekanntmachung über die für 1880 in der Ge— markung Philippseich zu erhebende Umlage.
V. Bekanntmachung über die Abänderung der Ueber⸗ ficht der für 1880 genehmigten Umlagen der is r. Relgem. des Kr. Bingen.
VI. Abwesenheitserklärung.
VII. Ordensverleihungen.
VIII. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
IX. Namens veränderungen.
X. Dienstnachrichten. Es wurde der prov. Werk— meister Steiger zum Werkmeister an dem Arbeits hause zu Dieburg ernannt; dem Feldwebel Stork zu Gießen die Stelle eines Hausbeschließers an der Landes ⸗-Universttät übertragen; der auf die 1. Lehrerstelle an der Stadt⸗ mädchenschule zu Gießen präs. Schullehrer Fuhr zu Wieseck bestätigt; dem Schulamtsasp. Leitner aus Rüdenhausen eine Lehrerstelle zu Schaafheim, dem Schullehrer Fried zu Windecken die Lehrerstelle zu Massenheim übertragen; dem A. Dang aus Bretzenheim das Patent als Geometer 2. Kl. für den Kreis Mainz ertheilt; der Wachtmeister Speyer aus Wieseck zum Kreis diener in Friedberg, der Rentamtsdiener Knöpp zu Langen zum Kreisamtsdiener in Bensheim ernannt; dem Schullehrer Sauerwein zu Groß⸗Zimmern die Lehrerstelle zu Groß-Steinheim über⸗ tragen; dem Qu. Kuhn aus Jugenheim das Patent als Geometer 2. Kl. für den Kreis Bingen ertheilt.
XI. Charakterertheilung.
XII. Ruhestandsversetzungen. Es wurden der evanv. Pfarrer Christ zu Stumpertenrod, der Schullehrer Kisse⸗ berth zu Dexheim auf Nachsuchen, der Schullehrer Guyot zu Heubach auf Nachsuchen, der Schullehrer Muth zu Geiß⸗Nidda auf Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.
XIII. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: eine Lehrerstelle zu Neu-Isenburg, Gehalt 1000 M.; eine Lehrerstelle zu Wieseck, Gehalt 1000 M.; eine Lehrerstelle zu Viernheim, Gehalt 1000 bis 1600 M.; eine Lehrer⸗ stelle zu Geiß⸗Nidda, Gehalt 900 M.; die Lehrerstelle zu Laudenau, Gehalt 900 M.; dem Grafen zu Erbach— Erbach steht das Präsentationsrecht zu; an der Volks— schule zu Mainz: 10 Lehrerstellen mit einem Gehalt von je 1300 M., von diesen Stellen sind 7 mit katholischen und 3 mit evangelischen Lehrern zu besetzen, und 6 Lehrer— innenstellen mit einem Gehalt von je 1200 M., von diesen Stellen sind 4 mit kath. und 2 mit ev. Lehrerinnen zu besetzen; die Lehrerstelle zu Dornberg, Gehalt 900 M., die Lehrerstelle zu Ober-Sensbach, Gehalt 900 M.; dem Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu; eine Lehrerstelle zu Butzbach, Gehalt 1000 bis 1600 M.; dem in Betracht kommenden Bewerber werden die Dienstjahre in Anrechnung gebracht; eine Lehrerstelle zu Nieder-Mörlen, Gehalt 900 M.; die ev. Pfarrstelle zu Ober⸗Mossau, Gehalt 1290 M.; das Präsentations— recht steht dem Grafen zu Erbach-Fürstenau zu.
XIV. Sterbefälle. Gestorben sind: der Canzlei-Aceessist Zehfuß zu Darmstadt; der Oberlehrer Schulz zu Offen— bach; der ev. Pfarrer Kißner zu Crumstadt; der evang. Pfarrer Schnittspahn zu Bessungen; der Hofküchenwärter Christ zu Darmstadt; der evang. Pfarrer Sander zu Beuern; der Kanzlei- Inspeetor Grebe zu Darmstadt.
Stuttgart. Der„Staatsanzeiger“ meldet: Der König und die Königin werden am 29. Dec. nach Cannes abreisen, um in Südfrankreich mehrere Monate Aufenthalt zu nehmen. Die— selben werden im Laufe des Monats Mai nach Stuttgart zurückkehren.
Berlin. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ erklärt, daß Zeitungsmeldungen über angebliche Unter— redungen des deutschen Gesandten v. Radowitz mit dem König von Griechenland und dem griechischen Minister auf Authenticität keinen Anspruch haben, vielmehr in das Gebiet pub— licistischer Fiction gehören.
— 9. Dec. Im Abgeordnetenhaus fand heute die Berathung des Cultusetats statt. Die Einnahmen werden ohne Debatte genehmigt. Bei Cap. 100 der dauernden Ausgaben brachten Wiundthorst und seine Freunde wiederum ihre Klagen vor. Titel bis 10 werden angenommen, bei Titel 11 werden 1200 Mark gestrichen.
— 8. Dec. Der russische Botschafter v. Saburoff begibt sich heute nach Friedrichsruhe.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Pest, 9. Dec. Unterhaus. Der Antrag Madarasz, die Ver— zehrungssteuervorlage erst nach den Weihnachts— feiern zu verhandeln, wird mit 7 Stimmen Majorität angenommen, obwohl der Minister— präsident sich gegen den Antrag ausgesprochen
und jenen Apponyi's befürwortet hatte, wonach
die bezügliche Verhandlung auf nächsten Mitt⸗ woch anberaumt werden sollte.
Frankreich. Paris, 9. Dec. Die Kammer der Deputirten berieth heute über das Einnahme— Budget.
— 9. Dec. Nach dem„P. B.⸗Bl.“ hatte die Subscription auf Panama⸗-Actien das brillanteste Resultat. Es wurden zwei Millionen Francs Gold bei der Bank eingezahlt.
Großbritannien. London. Die„Morning Post“ erfährt, daß eine neue sehr ernste Schwie— rigkeit im Schooße des Cabinets entstanden sei. Die letzte Rede Parnell's habe viele Mitglieder der Regierung überzeugt, daß eine Reform der Bodengesetze allein Irland nicht befriedigen werde. Die Fürsprecher der Politik des Zwanges, au deren Spitze Forster steht, erneuern das Verlangen der sofortigen Anwendung von Ge— walt zur Aufrechterhaltung des Gesetzes.
— 9. Dec. Ein Gerichtsexecutor wurde während der Vornahme einer Pfändung bei einem Pächter unweit Cookstown(Grafschaft Tyrone) erschossen. Der Moͤrder hat sich ge— flüchtet.
Dublin, 7. Dec. Eine Versammlung der Landliga in Brookeborough wurde gestern ver— boten; trotzdem versammelten sich heute 5000 Per— sonen in der Nähe des Dorfes, wurden aber von der Polizei und Dragonern leicht ver— trieben. Drei Verhaftungen wurden vorge— nommen und die Aufruhrsacte im Dorfe verlesen.
Italien. Rom. Wie verlautet, werden der Handelsvertrag mit der Schweiz, die Handels— und Schifffahrts-Verträge mit Belgien und Eng— land, sowie der Schifffahrtsvertrag mit Frankreich demnächst auf ein Jahr verlängert. Bezüglich Deutschlands dürfte sich Italien, da die Ver— längerung des italienisch-deutschen Handelsver— trages nicht zu Stande gekommen, mit Festsetzung der Reciprocität auf Grundlage des Verhält— nisses der meistbegünstigteu Nationen begnügen.
Türkei. Constantinopel, 8. Dec. Die Pforte hat heute den Text einer die griechische Frage betreffenden Note festgestellt; die Pforte hält als äußerste Territorialzugeständnisse die in der Note vom 3. Oct. angebotenen Concessionen fest, wonach Larissa, Metzowo, Janina und Tschamurli von der Abtretung an Griechen— land ausgeschlossen sein sollen. Die Pforte verlangt wirksamen Beistand der Mächte gegen die offenkundigen Rüstungen Griechenlands, welche die Pforte zu gleichem Vorgehen zwingen.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. In der Turnvereins-Versamm⸗ lung vom 8. d. M. fand die Neuwahl des Vorstandes statt, welche die nahezu einstimmige Wiederwahl der bis— herigen Vorstands- Mitglieder ergab. Der Turnverein zählt gegenwärtig 179 Mitglieder, 41 mehr wie Ende 1879. Im Laufe dieses Jahrs traten ein 76, aus 36 (meistens durch Abgang von hier veranlaßt.) Die dem- nächstige Weihnachts-Abend-Unterhaltung des Turnvereins wird den Besuchern allem Erwarten nach einige vergnügte Stunden bereiten. Auch in anderer Richtung sucht der Vorstand den Mitgliedern Genüsse zu verschaffen, indem an einem der ersten Sonntage des Januar Reallehrer Fr. Schwabe von Gießen im Turnverein einen Vortrag über das deutsche Volkslied in seiner Blüthe⸗ zeit zu halten die Güte haben wird.
M. Friedberg. Zu dem Verein der Mathilden— Stiftung zur Rettung verwahrloster Kinder sind in dieser Woche 46 weitere Mitglieder beigetreten. Zu dem Kapital⸗ vermögen wurden von zehn Mitgliedern, welche dadurch das Recht der bñebens länglichen Mitgliedschaft er— worben haben, zusammen 100 M. gestiftet. Die Stiftung zählt bis jetzt 87 Mitglieder.
Gießen. Verzeichniß der Sitzungen des Schwurge⸗ richts der Provinz Oberhessen pro 4. Quartal 1880: Donnerstag, 9. Dec., Vorm. 9 Uhr, gegen K. Funk von Romrod wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg.
t.-A. Zimmermann. Verth. R.⸗A. Baist. Nachm. 3 Uhr gegen H. Petri von Reiskirchen wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit. St.⸗A. Jöckel. Verth. R.⸗ A. Dr. Reatz. Freitag, 10. Dec., Vorm. 9 Uhr, gegen K. Nickel von Feldkruͤcken wegen Bankerott und Meineid. St.⸗A. Zimmermann. Verth. R.⸗A. Steinberger. Montag, 13. Dec., Vorm. 9 Uhr, gegen Forstwart K. Sommer von Ettingshausen wegen Verbrechen im Amt. St.- A.
Jöckel. Verth. R.⸗A. Dr. Eckstein. Dienstag, 14. Dec., Vorm. 9 Uhr, gegen J. Habicht Eheleute von Brauer⸗ schwend wegen Vervortheilung der Gläubiger und Meineid.
St.⸗A. Dr. Lahr. Verth. R.⸗A. Dr. Schwarz.
Allerlei.
sich hier ein Offizier a. D., der im besten Mannesalker stand, und gestern vergiftete sich ein junges, den besseren Ständen angehörendes Mädchen. Ueber das Motiv beider Thaten ist bis jetzt nichts bekannt geworden.
Dortmund, 8. Dec. Die Mälzerei in der hiesigen Kronenbrauerei ist mit reichen Vorräthen heute Vormitkag vollständig ausgebrannt. Der Schaden beträgt etwa eine halbe Million Mark.
Königsberg i. Pr. decke belegt und die Schifffahrt geschlossen.
Agram, 8. Dec. Heute Nacht 12½ Uhr erfolgte eine ziemlich heftige wellenförmige, zwei Secunden an⸗
haltende Erderschütterung mit dumpfem Rollen, ohne
Schaden zu verursachen.
Handel und Verkehr.
Wir glauben in Erinnerung bringen zu sollen, daß bei dem hiesigen Postamte auch außerhalb der gewoͤhn— lichen Dienststunden für den Verkehr mit dem Publikum Einschreibe-Briefsendungen gegen 20 Pf. besondere Ge— bühr aufgeliefert werden können.
Lebensversicherung.
Alle Blätter sind seit Monaten voll davon, wie man Jedem im Volk, auch dem in den bescheidensten Verhältnissen lebenden Arbeiter, durch Lebensversicherung und Alters— versorgung sein Dasein erträglicher machen, die Familie vor Noth und Elend schützen könne — und um dieß zu ermöglichen, wird selbst die Hilfe der Gesellschaft, des Staats angerufen. Wenn dermalen nun auch noch über die Mittel und Wege, welche die wirthschaftlich so wichtige Justitution der Lebens-Versicherung möglichst Allen zugänglich zu machen hätten, die Mein— ungen auseinandergehen, so ist doch nachgerade alle Welt darüber einig, daß die höchsten Ziele einmal werden erreicht werden und aus social— politischen Gründen erreicht werden müssen. Bei dieser Erkenntniß der Vortheile der Lebens— versicherung für den Einzelnen, die Familie, das Gemeinwesen, die heute schon beinahe eine all— gemeine ist, bleibt es eine auffällige Erscheinung, daß gerade in Deutschland— im Gegeunsatz zu Amerika und England, in welchen Ländern ins— besondere dem Bemittelten und Wohlhabenden eine Lebensversicherung so selbstverständlich ist wie die Feuerversicherung— verhältnißmäßig noch so Viele, die aus persönlicher Initiative, aus selbstständiger Kraft, aus eigenen Mitteln sich des Segens der Lebensversicherung theil— haftig machen könnten, dieß unterlassen. Die immer noch andauernde Ungunst der Erwerbs— verhältnisse mag daran ihren Antheil haben, obwohl gerade diese sehr oft den intelligenten Geschäftsmann veranlassen, mittelst einer Lebens— versicherung— auch dann wenn die Aufbringung der Prämie durch gesteigerte Sparsamkeit bedingt wäre— Verlust oder doch entgangenen Ge— winn auszugleichen und so für alle Fälle seine Pflicht gegen Frau und Kinder zu erfüllen. Aber auch die Beamten ꝛc. die mit ihren festen Ein⸗ nahmen gegenüber vom Geschäftsmann dermalen wesentlich besser daran sind, könnten sich noch viel zahlreicher betheiligen. Bei dem den Deutschen eigenen Familiensinn feiert er das Weihnachtsfest, das in wenigen Wochen
begangen wird, mit den Seinigen in besonders.
inniger Weise, man verschönert sich dasselbe durch Gaben, keine aber kann dem Familienvater selbst als Geber größere Genugthuung bereiten und ihm zugleich bleibend den Dank von Frau und Kindern eintragen, als wenn er sie mit einer Lebensversicherungspolice beschenkt und er so für ihre weitere Zukunft auf alle Faͤlle ebenso sicher als zweckmäßig sorgt.
Airchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. 3. Advent. Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Diegel. Gottesdieust in der Stadtkirche: Nachmittags 1½ Uhr: Herr Candidat Köhler. Gottesdienst in der Burgkirche: Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Baur. Abends 5 Uhr: Herr Pfarrer Diegel. 8 Katholische Gemeinde. Samstag 4 Uhr: Beicht. Sonntag 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 2 Uhr: Andacht. 0
Wies baden, 8. Dee. Vor einigen Tagen erhängte
Das Haff ist mit einer Eis⸗
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