Ausgabe 
7.10.1880
 
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München. In Folge des Ablebens des bayerischen Gesandten am italienischen Hofe, v. Bibra, hat der König den Legations-Rath

Dr. Rumpler mit der intermistischen Führung der gesandtschaftlichen Geschäfte beauftragt.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Pest, 4. Oct. Unter haus. Finanzminister Szapary unterbreitet ein aus führliches Exposé über den Staatsvoranschlag für 1881. Der Gesammtabgang für 1881 unter Hinzu rechnung der diesjährigen Mehrausgaben bei Inve stitionen und des auf Ungarn für 1881 entfallenden Mehrerfordernisses für die gemeinsamen Aus gaben im beiläufigen Betrage von 2 Millionen wird auf 24,765,381 fl. veranschlagt, um 463,620 höher als für das Jahr 1880. Als Bedeckung des Abganges dient die aus der Petroleums Steuer und Erhöhung anderer directer und in⸗ directer Steuern zu erhoffende Mehreinnahme von 6,500,000 und die Emission von 7,800,000 in Gold- oder Papier-Rente, zu welcher die Regierung gesetzlich ermächtigt war, welche sie aber nicht in Anspruch nahm. Der Rest von 10,500,000 soll durch weitere Emission von Goldrente gedeckt werden.

Belgien. Brüssel. Generalmajor Nicaise ist zum Kriegsminister ernannt worden.

Brügge. DiePatric veröffentlicht eine Verordnung des Bürgermeisters von Brügge, welche den Oberpolizei-Commissar seines Amtes enthebt, weil er dem von der Regierung mit der Ausweisung der Brüder der christlichen Liebe aus dem innegehabten Gebäude beauftragten Special Commissär polizeiliche Unterstützung geleistet.

Großbritannien. London, 4. October. Granville, Argyl, Harcourt, Northbrook, Childers und Chamberlain kamen heute Nachmittag bei Gladstone in Downingstreet zusammen. Die Botschafter Deutschlands, Italiens and Rußlands hatten heute Unterredungen mit Granville.

5. Oct. DieTimes, die Orientfrage besprechend, gelangt zu dem Schlusse, Europa könne nicht vermeiden, auf der Erfüllung der von dem Sultan übernommenen internationalen Verpflichtungen zu bestehen, so schwierig es auch sein könnte, das beste Mittel hierzu ausfindig zu machen.Daily News bemerkt zu der neuesten Note der Pforte,(s. unten) die britische Regierung könne sich, ohne sich zu diskreditiren, nicht zurückziehen.

Italien. Rom. Der Justizminister theilte den General-Prokuratoren in einem Erlasse mit, daß mehrere Jesuiten aus Frankreich ihre Ordens häuser in Italien wiederherzustellen suchten. Die Regierung könne dies nicht dulden. Die in einigen Provinzen des Reiches seit 1848, in Toskana seit 1774 gegen die Jesuiten getroffenen Verfügungen seien noch rechtskräaͤftig.

Türkei. Constantinopel. Die Pforte er klärte in einer am 4. Oct, den fremden Bot schaftern zugestellten Note, sie sei, um dem fort⸗ gesetzten Drängen der Maͤchte nachzugeben, entschlossen, über alle schwebenden Fragen zu verhandeln. Sie werde bemüht sein, die Alba nesen zur Uebergabe Duleignos unter den den Maͤchten von ihr bereits mitgetheilten Beding ungen zu bestimmen, und schlage zur Regulirung der griechischen Grenze eine Linie vor, welche nördlich von Volo beginnen, südlich von Larissa, Metzowo und Janina laufen und an der Münd⸗ ung des Artaflusses endigen soll. Die zugesicherten Reformen würden in Kleinasien innerhalb dreier Monate eingeführt werden. Die Reformen in der europäischen Türkei könnten nur insoweit verwirklicht werden, als sie mit der Integrität des Reichs verträglich seien. Die ausländischen Besitzer der türkischen Schuldobligationen würden aufgefordert werden, Delegirte nach Constanti nopel zu senden, um bezügliche Vereinbarungen zu treffen. Gewisse Einnahmen des Reiches würden zur Bezahlung der Zinsen den türkischen Gläubigern uberwiesen werden. Die Pforte dringe unter der Bedingung dieser Reformen darauf, daß die Flottendemonstration von den Maͤchten aufgegeben werde.

Montenegro. Cettinje, 4. Oct. Seymour ist heute auf dem DampferHelicon nach Cattaro abgegangen, von wo er unverweilt nach Cettinje weiterreist, um neuerlich nothwendig gewordene Rücksprache mit dem Fuͤrsten wegen einer even tuellen montenegrinischen Action gegen Dulcigno zu pflegen. Sämmtliche Geschwader sind heute nach Teodo abgegangen, mit Ausnahme des italienischen Geschwaders und der deutschen Cor vetteVictoria, welche morgen dahin gehen.

4. Oct. DieAg. Hav. meldet aus Ragusa, Montenegro dränge auf sofortige Unter stützung von Seiten des Geschwaders. Man glaube, Seymour wurde Montenegro rathen, Dulcigno sofort anzugreifen, indem er seine Unterstützung mit oder ohne Beihülfe der Mächte in Aussicht stellen werde.

Rußland. Charkow, 4. Oct. Bei dem hiesigen Militär-Kreisgericht findet heute Prozeß verhandlung gegen 14 Personen statt, welche politischer Verbrechen angeklagt sind. Unter den Angeklagten figurirt ein Docent der hiesigen Universität, Staatsrath Sytzianko und dessen Sohn, ein Gymnasiast.

Amerika. Newyork, 3. Oct. Einer Depesche aus Panama zufolge sollen die Peruaner das chilenische KriegsschiffGavadonga im Flusse Chancay durch einen Torpedo zerstört haben.

Aus Stadt und Land.

S. Friedberg, 5. Oet. In der gestern stattge⸗ habten öffentlichen Sitzung des Gemeinderathes wurde ein Gesuch des Martin Mondigler 1. und Wilhelm Wind um Ueberweisung andrer, statt der denselben zugetheilten Erbbegräbnisse bewilligt. Auf eine Mittheilung des Großh. Kreisamts wonach die Baubehörde der Friedberg Hanauer Eisenbahn die Wasserableitung nächst des kleinen Viaduktes vor dem Fauerbacher Thor in den Chanssee graben führen will und die Abführung des Wassers lediglich als die Sache der Stadt Friedberg erklärt, wird beschlossen, der gedachten Baubehörde für die von ihr ausgeführte Anlage die Verontwortlichkeit zu überlassen und insbesondere auch der Ansicht entgegengetreten, als ob durch die Bahnbauten an der fraglichen Stelle die Wasserabflußverhältnisse sich nicht geändert hätten. Auf die bereits im vorigen Jahre von dem Gemeinderath ge nehmigte Errichtung von Progymnasialklassen an der hiesigen Realschule, wurde eine Entschließung des Großy. Ministeriums des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, mitgetheilt, wonach mit Wirkung vom 1. Oct. an provisorisch an der Realschule eine weitere Stelle für einen academisch gebildeten Lehrer errichtet wird, dessen Renumeration im Betrage von 1700 M. zu nächst aus der Stadtkasse zu bestreiten ist, soweit sie nicht aus dem Mehrertrag gedeckt wird, der sich durch die Erhöhung des Schulgeldes an der Vorschule und der Progymnastalabtheilung ergeben wird. Wegen der defini tiven Errichtung dieser Stelle und Aufnahme derselben in das Staatsbudget der bevorstehenden Finanzperkode behält sich das Ministerium das Erforderliche vor, trägt dagegen gegen die beantragte Errichtung einer zweiten Stelle der bedeutenden Mehrbelastung des Realschulfonds halber Bedenken. Der Vorsitzende der s. Z. zusammen getretenen Commission zur Wahrung der lokalen Interessen der Kreise Hanau und Friedberg bei dem Bau der Fried berg-Hanauer Bahn, hat eine Einladung zu einer am 8. d. M. stattfindenden Versammlung in Frankfurt erlassen. Der Gemeinderath beschloß weil kein Interesse für unsere Stadt vorliege, der Einladung keine Folge zu geben. Bezuͤglich der Straßenbeleuchtung wurden die von dem Stadtbaumeister formulirten Vorschläge bezüglich der An zuͤndungs- und Auslöschungszeit der Gaslaternen ge nehmigt. Die Anschaffung eines neuen Ofens für die Wohnung des Stadtbaumeisters wurde bewilligt. Das dem Augustinerschulfonds gehörige Gut in Soͤdel, welches öffentlich verpachtet worden war, soll dem seitherigen Pachter auf von demselben eingelegtes Nachgebot zu dem jährlichen Pacht von 700 Mark au 12 weitere Jahre belassen werden. Die Fertigung Fr Straßenschilder wurde den wenigst Fordernden, Schlosser F. Rumpf und Lacktrer E. Thum, genehmigt. Ein Bauerlaubnißgesuch des G. Philippi wurde nicht beanstandet.

C. T. Friedberg. Die Versammlung(Volksbad betreffend), welche am 2. Oct. auf Windecker's Felsenkeller stattfand, einigte sich nach längerer Debatte dahin, eine von Buͤrgermeister Seriba beantragte Erklärung zu unter zeichnen, welcher beizutreten weitere Interessenten aufge fordert werden sollen. Die Erklärung lautet:die heute auf Windecker's Felsenkeller Versammelten beschließen durch Gründung einer Genossenschaft zur Förderung der öffent⸗ lichen Gesundheitspflege zunächst die Erwerbung des

Friedberger Volksbades und erklären sich bereit, derselben beizutreten, vorbehaltlich des Zusammentretens einer weite⸗ ren Versammlung, welcher die Beschlußfassung bezüglich der Statuten und endgültige Constituirung der Ge nossenschaft bliegen wird. In de numlung wurden von 29 Personen 71 Geschäfts A à 25 M. ge zeichnet. Weitere Anmeldungen zur Genossenschaft nehmen Dr. Weckerling, Ad. Steinbäußer und Gustav Schwarz entgegen. Einige Bemerkungen, den Geldpunkt be treffend, mögen bier folgen. 8

Das Bau⸗Conto des Volks

bades beläuft sich bis heute auf M. 6409.15(in der Brandkasse ist der Bau mit M. 6370. versichert), das Mobilien⸗Conto auf M. 628.56. Zur Verzinsung sind erforderlich M. 350., der Erlös aus der Verpachtung des Bades 1880 ergab M. 650.

Friedberg. Entgegen den mannigfachen Besorg⸗ nissen vor einem rauhen Winter, wie solche durch die un⸗ freundlichen Herbstpräludien wachgerufen werden, stellen Forstleute und Landwirthe, gestützt auf erfahrungsmäßige Beobachtungen im Thier- und Pflanzenleben, in Aussicht, daß die gefürchtete Jahreszeit diesmal ungewöonlich milde sich anlassen werde.

Darmstadt. Für das Jahr 1879/80 waren in unserem Lande 7784,16 Mark directe Steuern zur Er⸗ hebung überwiesen, wovon auf die Einkommensteuer 3,368,572 M., auf die Grundsteuer 3,502,896 M. und die Gewerbsteuern 912,667 M. entfallen. Von diesen 7,784,136 M. directen Steuern waren auf die Provinz Rheinhessen 3,018,656, auf Starkenburg 2,838,887 und auf Oberhessen, dessen Bahnen jährlich einen Zuschuß von etwa 1,500,000 M. kosten, nur 1,926,592 M. entfallen.

Darmstadt. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Kreis bauämter sind durch den harten Frost des letzten Winters von den an den Staatsstraßen stehenden Alleebäumen im Großherzogthum 7537 Obst- und 1435 Zierbäume völlig abgestorben, die zahlreichen krankenden Bäume sind in dieser Zahl nicht miteinbegriffen.

Allerlei.

2. Köppern. Gutem Vernehmen nach ist in unserer Gemarkung ein reichhaltiges, bauwürdiges Eisen⸗ steinlager(jedenfalls Fortsetzung des Oberrosbacher Lagers) für ein Magdeburger Haus erschürft worden. Hoffen wir, daß durch diese Thatsache der Bergbau in der Wetterau noch mehr gehoben wird.

Frankfurt. DerFrankf. Beob. schreibt:Ueber das Programm zur Eröffnung des neuen Opernhauses sind theilweise ganz unrichtige Mittheilungen in die Oeffentlichkeit gebracht. Folgendes ist, wie wir erfahren, das Richtige: Der Kaiser trifft am 20. Nachmittags 3 Uhr wahrscheinlich in Begleitung des Kronprinzen, des Groß herzogs und der Großherzogin von Baden, sowie des Prinzen Heinrich hier ein; nach Besuch des Palmen gartens und des Panorama's wird der Kaiser mit den ubrigen Herrschaften um ½7 Uhr im Opernhaus er scheinen, wo eine Festouvertüre und ein Vorspiel von Wilhelm Jordan der Aufführung desDon Juan vor angeht. Die Begrüßung des Kaisers wird selbstverständ lich ganz dem Tactgefühl des Publikums überlassen; es sind in dieser Beziehung keineswegs bestimmte Vorschriften gemacht oder beabsichtigt. In einem der Zwischengete wird im Foyer für den Kaiser und seine Begleitung Thee servirt. Der Kaiser fährt Nachts ½12 Uhr mit einem Extrazug wieder von hier ab.

Hanau, 3. Oet. Heute früh war das hiesige Post amt der Schauplatz einer ruchlosen Blutthat, an dem Postdirector Lins verübt. Ein seit einigen Monaten wegen seines ungehörigen groben Benehmens gegen Publlkum und Collegen aus dem Dienste entlassener Briefträger, Spahn, trat, wie das schon einige Mal vorgekommen, im Bureau des Postdireetors vor, um seine Wiederan stellung nachzusuchen. Nachdem im Nebenlocal beschäftigte Bedienstete einen lauten Wortwechsel und einen Knall vernommen, stürzte Lins verwundet aus seinem Dienst⸗ zimmer. Spahn kam verfolgend hinter ihm her und gab dem Zusammenbrechenden einen weiteren Schuß. Man ergriff ihn und fand in seiner Hand einen sechsläufigen Revolver. Der Verletzte hatte eine Schußwunde hinter dem Ohr, eine im Hals, eine weitere in der Gegend des rechten Schlüsselbeins und eine vierte im Rücken. Auch zeigt ein im Zimmer stehender Schrank eine Kugelspur, Im Revolver fanden sich noch zwei Schußladungen. Die Wunden sind theilweis bedenklich, wenn gleich bis jetzt der Verwundete noch so kräftig ist, daß er testiren konnte Staatsanwalt uud Untersuchungsrichter waren schnell zur Stelle. Die Theilnahme ist eine allgemeine und um se berechtigter, als Postdirector Lins gerade ein wegen seine! bumanen Charakters besonders beliebter und geachtetet Mann ist.

München. Der König hat am 3. Oet. doch noc die Passionsspiele für sich allein aufführen lassen. Die Darsteller des Christus, Judas, Kaiphas und andert Träger von Hauptrollen, welche zu dem Octoberfeste hier her gereist waren, mußten deßhalb schleunigst umkehren

Paris, 5. Oet. Der bekannte Operettencomponif J. Offenbach ist heute gestorben.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 5. Oct. Fruchtbericht. Weizen M. 22. Korn M. 20., Gerste M. 16., Hafer M, 15. Alle Preist verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Friedberg, 6. Oet. Wochenmarkt. Butter kostet⸗ ver Pfd. M. 0.95 1.10, Eier per Stück 7 Pf., 2 Stuck 13 Pf.

Gießen, 5. Oktober. Wochenmarkt. Butter per Pft. M. 1.00 1.05, Eier 1 St. 6 Pf., Käse per Stuüt 5-10 Pf., Tauben das Paar 4050 Pf., Hühner pen Stück M. 0.80 1.00, Hahnen per Stück 50 70 Pf, Gänse per Pfd. 4550 Pf., Enten per Stück M. 1.4 bis 1.60, Ochsenfleisch 6668 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Kindfleisch 1850 Pf., Kalbofleisch 4550 Pf., Hammel fleisch 6070 Pf., Schweinefleisch 66 88 Pf., Kar toffeln per 100 Kilo M. 3 4, Zwiebeln per Ctt M. 67., Weißkraut 100 Stück M. 6.7. Srünberg, 2. Oct. Auf beutigem Wochenmark kostete der Centner Weizen M. 10.93, Korn M. 10.15

Gerste M. 7.92, Hafer M. 6.12, Erbsen M. 8.50 [Oelsamen M. 12.75, Kartoffeln M. 1/70.

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