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dringenden Aufgabe zu machen. Das Blatt gibt sodann eine ausführliche Darstellung des Verhältnisses des Reichskanzlers zu den National— liberalen von Ende 1877 an, wo der Kanzler v. Bennigsen zum Eintritt in die Regierung aufforderte bis zu der im Mai gemachten Vorlage über die Abänderung einiger Theile der kirchen— politischen Gesetzgebung. Der Artikel schließt: Also nicht der Kanzler ist es, der sich von der
nationalliberalen Partei getrennt hat; darum
ist die Hoffnung berechtigt, daß die Partei, so⸗ weit sie national bleibt, das Verständniß der Politik des Kanzlers wiederfinden und sich desto enger an ihn anschließen wird, nachdem sie von Mitgliedern befreit ist, und zwar durch eigenen Entschluß derselben, deren höchstes Ziel nicht die Stärke und Sicherheit des nationalen Ge— meinwesens, sondern vielmehr eine nach einem bestimmten Idol geformte Einrichtung dieses Gemeinwesens ist.
— 30. Aug. Das Programm der neuen liberalen Partei ist heute erschienen. Die Unter— zeichner erklären ihren Austritt aus der national— liberalen Partei. Das Programm betont ferner den Widerstand gegen die rückschrittliche Be— wegung und das Festhalten an den errungenen politischen Freiheiten; nur auf der gesicherten Grundlage wirthschaftlicher Freiheit sei die ma— terielle Wohlfahrt dauernd verbürgt. Nur unter Wahrung der constitutionellen Rechte, unter Ab— weisung der unnöthigen Belastungen des Volks und aller indirecten Abgaben und Zölle, welche die Steuerlast vorwiegend zum Nachtheile der ärmeren Klassen verschieben, dürfe eine Reform der Reichssteuer erfolgen. Das Programm ver— langt kirchliche und religiöse Freiheit, verbürgt durch selbstständige Gesetzgebung und Wahrung der unveräußerlichen Rechte des Staates. Die Schule dürfe nicht der kirchlichen Autorität untergeordnet werden. Unterzeichnet haben das Programm: Bamberger, v. Baumbach, Beisert, Berling, Braun(Glogau), v. Bunsen, Drawe, v. Forckenbeck, Lipke, Meyer(Breslau), Pflueger, Platen, Rickert, Sachse, Schlutow, Seyfarth (Liegnitz), v. Stauffenberg, Struve, Thilenius, Trautmann, Vollerthun, Weißermel, Westphal und Witte(Rostock).
— 31. Aug. Fürst Bismarck und Frau sind heute nach Friedrichsruhe abgereist. Der Fürst und die Fürstin von Rumänien verab— schiedeten sich heute Vormittag von der kaiser— lichen Familie in Potsdam und reisten Nach— mittags nach Dresden ab.
Ausland.
Frankreich. Paris, 31. Aug. Sämmt— liche Jesuiten der hiesigen drei großen Unter— richtsinstitnte haben Paris verlassen. Die Ein— gaͤnge zu den Kapellen der Jesuiten wurden zugemauert und für die Unterrichtsinstitute Civil— directoren eingesetzt. Bezüglich der anderen congreganistischen Schulen, worauf die Dekrete anzuwenden wären, verlautet gerüchtsweise, daß die Regierung und die Congregationen sich über die Abfassung eines Schreibens geeinigt hätten, welches als ein Gesuch um staatliche Autorisirung angesehen werden solle, worin die congreganisti— schen Schulen die Verpflichtung übernommen, sich mit der Politik nicht zu beschäftigen und nichts Feindseliges wider die bestehende Ordnung zu unternehmen. Auf Grund dieses Schreibens würde die Regierung die Congregationen als gesetzlich autorisirte betrachten.
Großbritannien. London, 30. Aug. Der„Standard“ meldet aus Chaman von gestern: General Roberts hat Khelat-i-Ghilzai am 25. ds. verlassen und die ganze britische Garnison mit—
wiederung und haben inzwischen eine Anzahl Kriegsschiffe nach Ragusa beordert, so daß letztere in der Nähe des Gebietes von Dulcigno sind. Granville erklärt ferner: Der Hafen von Ragusa ist von der österreichischen Regierung den Mächten geöffnet, weil derselbe in der Nähe der abzu— tretenden Küste liegt. Die Instructionen für den britischen Admiral sind vorbereitet und den Mächten mitgetheilt. Der bez. Schriftwechsel, mit Ausnahme der Justructionen, wird dem— nächst vorgelegt werden. In der zweiten Collec⸗ tivnote betreffs der griechischen Grenze verweigern die Mächte die Wiedereröffnung von Unterhand— lungen über die Grenzlinie in Constantinopel, drücken aber ihre Bereitwilligkeit aus, jeden Vorschlag der Pforte betr. den Modus der Räumung des bez. Gebietes durch die türkischen Behörden und dessen Aushändigung an Griechen— land zu erwägen. Die Botschafter der Mächte in Constantinopel sind über eine Note an die Pforte bezüglich der Reformen in Armenien übereingekommen. Voraussichtlich wird diese
Note der Pforte sofort überreicht und dann
dem Parlament vorgelegt werden. Die Arbeiten der internationalen Commission sind zu einem befriedigenden Abschlusse gelangt. Die Mächte kamen überein, einen Gesetzentwurf für die europäische Türkei zu empfehlen.
— 36. Aug. Der Vicekönig von Indien meldet: Gestern ist General Phayre in Khaman angekommen. Ajub Khan retirirte mit seiner ganzen Streitmacht und bezog eine Stellung am Argandab, nördlich von Candahar.
Türkei. Constantinopel, 30. Aug. Das russische Kriegsschiff„St. Anna“ mit dem russischen Admiral an Bord ist hier angekommen. Es heißt, Riza Pascha habe sechs Führer der albanesischen Liga verhaften lassen wollen, dieselben seien aber geflohen. Die Einwohner von Dulcigno lagerten in Gemeinschaft mit albanesischen Streikräften bei Abazur um Widerstand zu leisten gegen die Uebergabe von Duleigno; reguläre türkische Truppen fraternisiren angeblich mit ihnen.
Rußland. Petersburg, 30. Aug. Der Kaiser ist gestern Abend von Zarskoe-Selo nach Livadia abgereist.
— Dem Vernehmen nach stehen weitere Aenderungen in den höheren administrativen Kreisen bevor; namentlich ist von solchen auch bezüglich der jetzigen Preßverwaltung die Rede.
Aus Stadt und Land.
Butzbach. Die Aufnahme des Obstbaumbestandes in unserer Gemarkung hat folgendes Resultat ergeben: Aepfelbäume sind abgestanden 2375, gesund geblieben 9502; Birnbäume abgest. 610, ges. 2156; Kirschbäme abgest. 29, ges. 715; Nußbäume abgest. 9, ges. 1593; Zwetschenbäume abgest. 3659, ges. 8193; sonstige Obstbäume abgest. 38, ges. 300. Die Gesammtzahl der abgestandenen Obstbäume beträgt 6720, der gesund gebliebenen 22,459 Stück.
Lich. In unserer Gemarkung sind von 23,253 Obst— bäumen 11,422 erfroren und 11,932 gesund geblieben. Erfroren sind 1821 Aepfelbäume, 466 Birnbäume, 65 Kirschbäume, 66 Nußbäume, 8810 Zwetschenbäume, 170 Pflaumenbäume, 4 Pfirsiche. Gesund blieben 3042 Aepfel-, 1740 Birn-, 519 Kirsch-, 175 Nuß-, 6129 Zwetschen⸗ und 217 Pflaumenbäume.
Allerlei.
Köln, 30. Aug. Heute traf, wie die„K. Z.“ be⸗ richtet, ein Schreiben des Oberpräsidenten der Rhein⸗ provinz hier ein. Dasselbe enthält die Mittheilung, daß laut einer am 25. d. M. erlassenen Cabinetsordre die Feier der Vollendung des Domes auf den 15. Oktober, den Geburtstag unseres verstorbenen Königs Friedrich Wilhelm IV., festgesetzt ist und daß das kaiserlich könig⸗ liche Haus, sowie noch zu ladende Gäste der Feier an⸗ wohnen werden.
Stuttgart, 29. Aug. Eduard v. Hallberger, der bekannte Verleger von„Ueber Land und Meer“, ist in
Tutzing an einer Gehirnentzündung gestorben.
Zug, N. Aug. Die Seestraße nach Arth ist unter⸗
brochen, da ein Wolkenbruch gestern Abend fast sämmtliche zwischen Arth und Walchwyl liegenden Brücken wegge⸗
genommen, welche das Fort räumte und es an schwemmt hat. Bel St. Adrian sind die neue Brücke,
Beamte des Emirs übergab.
General Roberts ein Theil der Capelle, eine Anzahl Wohnhäuser und die
hofft am 30. ds. in Candahar einzutreffen und Säge weggeschwemmt. Dabei sanden zwei Töchter und e
am Tage darauf Ayub Khan anzugreifen.
in Sohn des Cantonsraths Hürli in den reißend daher⸗ strömenden Fluthen ihren Tod.
— 30. Aug. Oberhaus. Staatssekretär Granville erklärt: Die Antwort der Pforte auf Die Lebensversicherung die Collectivnote der Maͤchte bezüglich der mon- in ihrer ältesten und wirthschaftlich wichtigsten tenegrinischen Frage ist unbefriedigend. Die Gestalt hat den Zweck, daß Derjenige, welcher Maͤchte erwägen noch die zu erlassende Er- auf sein Leben die Versicherung nimmt, auch
nach seinem Tode für den Unterhalt der Sei
sorgen will. Die Prämie, welche er der Ver⸗
sicherungsgesellschaft zahlt, ist eine Ersparniß, welche er bei der Gesellschaft niederlegt. Während der Privatmann die kleinen Sparbeträge nicht sofort wieder zinsbringend anlegen kann, ist
dies eine Versicherungsgesellschaft im Stande, weil sich bei ihr stets die Pramien-Sparbeträge
zu Kapitalien in solcher Höhe ansammeln, daß daraus zinsbare Kapitalsanlagen gemacht werden können. weit verbreitete Irrthum, daß der Versicherungs⸗ nehmer, wenn er selbst die Prämien spare, sich das Kapital für die Seinen selbst ansammeln könne; es wird dabei übersehen, daß der Privat⸗
mann keine Zinsen ziehen kann, während dies
die Versicherungsgesellschaft im Stande ist. Aus diesen Zinsen werden von den Gesellschaften die Betriebskosten ebenfalls gedeckt, und man kann
daraus zugleich ersehen, wie irrthümlich der
Hiermit widerlegt sich der noch immer
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Glaube ist, daß die Prämien von der Gesell-
schaft für den eigenen Unterhalt, wenigstens zum Theil verwendet würden. Man moge weiter nicht unberücksichtigt lassen, daß der vertrags— mäßige Zwang zur Prämienzahlung sehr wohl⸗ thätig ist; denn die hierin liegende Ersparniß würde sonst nicht gemacht werden; die Sparbe— traͤge würden bei dem besten Willen zu laufenden Ausgaben verwendet und statt eines gesammelten Kapitals findet sich beim Tode des Familien⸗ vaters ein Deficit in der Kasse. Von der Er⸗— wähnung weiterer Vortheile der Lebensversicher⸗ ung sei für diesmal abgesehen und schließlich nur noch darauf aufmerksam gemacht, daß nach einem soeben ergangenen Urtheil des Reichsge— richts die Lebensversicherungssumme für den jenigen gesichert bleibt, zu Gunsten dessen sie genommen worden war. Hat ein Familienvater sein Leben mit 5000 Mk. versichert, und zwar zu Gunsten seiner Ehefrau und Kinder, so fällt dieser Betrag diesen nach seinem Tode zu, ohne daß seine Gläubiger hierauf Anspruch machen können. Dies ist gewiß ein Vortheil der Lebens— versicherung, welcher jeden vorsichtigen Familien vater veranlassen sollte, sein Leben zu Gunsten seiner Frau und Kinder zu versichern; die Prämienzahlung ist demnach eine bessere Fürsorge als das Sparen im eigenen Kasten.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 31. Aug. Fruchtbericht. Weizen M. 20.50. Korn M. 18., Gerste M. 16., Hafer M. 15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Friedberg, 1. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. im Großen M. 1.20, im Detail M. 1.30— 1.40, Eier per Stück 6 Pf., 2 Stück 11 Pf.
Gießen, 31. Aug. Wochenmarkt. Butter per Pfd. M. 1.5— 1.20, Eier 1 Stück 5—6 Pf., Kaͤse per Stück 4—8 Pf., Tauben das Paar 40—60 Pf., Hühner per Stück M. 0.90— 1.20, Hahnen per Stück 40— 70 Pf., Enten per Stück M. 1.20— 1.80, Ochsenfleisch 66—68 Pf. per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 50 Pf., Kalbfleisch 46— 50 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf., Schweinefleisch 68 Pf., Kar⸗ toffeln per 100 Kilo M. 4.— 5., Zwiebeln per Ctr. M. 6.—7.
Frankfurt, 30. Aug. Viebmarkt. Angetrieben waren
ca. 400 Ochsen, 300 Kühe, 260 Kälber und 250 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 68.—69., 2. Qual. M. 62.— 64., Kühe 1. Qual. M. 58.— 60,
2. Qual. M. 50.—52., Kälber je nach Qual. M. 50.—55.,
Hämmel 1. Qual. M. 58.—60., 2. Qual. M. 48.52. Frankfurt, 30. Aug. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1
4.
M. 41., Nr. 2 M. 39., Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 2
Nr. 5 M. 23., Roggenmehl%(Berl. Marke) M. 28.5029. do. 1.(Berl. Marke) M. 27.— 27.50, do. 2.(Berl. Marke M. 22.50, Weizen, effeetiv hiesiger, ab Bahnhof hier
M. 21.50- 21.75., ab unserer Umgegend M. 20.75—21
Roggen je nach Qual. M. 20., Gerste M. 17.75— 19.
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Hafer M 13.— 13.50, Kohlsamen M. 27.25 27.50, Erbsen
M. 19.—27., Wicken M. 16.—18., Linsen M. 20.—40.,
Bohnen, weiße, M. 23.—25., Rüböl, detail M. 63. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht
= 100 Kilo.
D. Frankfurt za. M., 31. Aug. Die günstige Disposition der Börse hat sich auch heute wieder durch eine sehr feste Tendenz dokumentirt. Anfangs riefen Gewinnstrealisationen und Verkänfe wegen des Ultimo eine Abschwächung hervor. Dieselbe wurde jedoch bald unter dem Einfluß starker Kaufordres und besserer Course des Berliner Montanmarktes überwunden. Es etablirte
sich bei sei sehr lebhaften Umsätzen auf's Neue eine Besse⸗
rung, von der außer den Spekulationspapieren, nament⸗ lich Bankactien, deutsche Bahnen und Rentenwerthe profi⸗ tirten. Die wenig befriedigenden politischen Nachrichten blieben gänzlich unbeachtet. Creditactien, gestern Abend
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