Ausgabe 
31.7.1879
 
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wegen der woblgelungenen Wabl des Fessiplatzes zu einem höchst seltenen Volkssest im Kleinen gestalleie. Es war die uralle, so reizend gelegene Gerichtsstälte der einstigen Grafschaft Kaichen, um deren steinerne, noch erhaltene Male sich im Schatten der Linde und der Kaslanien ein buntes Bild entfaltete. Ja, Leben war wieder an eine hehre Stätte gezogen, die, eine Perle des Landes, leider seit langer Zeit vereinsamt dalag und nur hin und wieder einen ruhesuchenden Wanderer als Gast begrüßte. War es auch beute nicht eine dem Urtheilsspruch über Leben und Tod lauschende Menge, sondern herrschte feöhlicher Sang, mun⸗ teres Spiel und Tanz und aufjauchzende Freude von Jung und Alt, so gedachte doch der Leiter des Festes, Lehrer Scharmann, der historischen Bedeutung des Ortes in schwungvoller Rede. Paaren sich sosche Gefühle mit der Lust und Freude, dann werden Feste, wie das am 27. Ju li gefeierte, das boffentlich bald wiederkehren möge, in doppelter Weise ihren löblichen Zweck nicht verfehlen. Darmstad t. Gegenwärtig stehen 48 Handwerker schulen mit ca. 3000 Schülern mit dem Landesgewerbe

Verein in Verbindung; hiervon sind 31 Schulen den an

den betreffenden Orten bestebenden Localgewerbevereinen zur speciellen Leitung unterstellt.

Allerlei.

München. Wie von bier berichtet wird, soll Adele Spitzeder bier wieder in alter Weise, wenn auch noch nicht in der früheren Ausdehnung, ihr Wesen treiben. Sie nimm Geld ein und leiht Geld aus, ganz wie früher, zahlt auch wieder 5 bis 60% Zinsen für den Monat und man bält es nach den gemachten Erfahrungen kaum für möglich Geld strömt ihr wieder in reicher Menge zu.

Berlin, 28. Juli. Gestern trat im Gebäude des Abgeordnetenhauses der dritte Blindenlehrer-Congreß zu⸗ sammen, an welchem Vertreler aus England, Frankreich, Oesterreich, Holland, Belgien, Schweden, Norwegen und Dänemark theilnebmen. Cultusminister v. Putikamer be grüßte die Versammelten im Namen der preußischen Staatsregierung.

Berlin, 28 Juli. Die Gasanstalt der Dresdener Bahn gerieih gestern Abend auf bisher noch unerklärliche Weise in Brand und wurde vollständig in Asche gelegt. Wenngleich der Schaden ein verhältnißmäßig geringer ist, so ließ doch die Nähe von mit werthvollen Gütern gefüllien Schuppen und das unmitlelbare Daranstoßen des Gas- kessels, dessen Explosion glücklich verhütet wurde, große Befürchtungen laut werden, weßhalb denn auch die ge sammte Feuerwehr mit einer Dampsspritze sofort zur Stelle war.

JIunsbruck, 27. Juli. Die evangelische Gemeinde in Innsbruck hal heute die feierliche Grundsteinlegung der ersten protestantischen Kirche Tyrols vollzogen.

Triest, 28. Juli. Gestern Abend Rhede ein Orkan aus, welcher im hiesigen Hafen bedeuten⸗ den Schaden an Schiffen anrichtete und mehrere Menschen leben kostete. Im Ganzen wurden 23 Schiffe mehr oder minder erheblich beschädigt. Ein mit Holzkohlen beladenes österreichisches Fahrzeug ging zu Grunde.

New-⸗Yotk, 28. Juli. In Memppis sind drei neue Erkrankungen, aber keine weiteren Sterbefälle am gelben Fieber vorgekommen. In New Orleans trat ein Fall vom gelben Fieber ein.

l. Mode und Gesundheit. Die Kleidung, unsere tragbare Wohnung, unser

brach auf der

sundheitsschädlich und nach klassischen Schönbeils⸗ begriffen lächerlich aber die Mode will es so. Indessen selbst dann, wenn die Mode niemals gegen die Gesetze der Aesthetik verstieße, dürfte ihr Einfluß auf die Praxis unserer Bekleidung doch kein ganz unbeschränkter sein. Dean Ver- schönerung und Wohlgestaltung unseres Körpers sollte bei der Kleidung ja erst in zweiter Reihe in Betracht kommen, deren erster und hauptsäch licher Zweck auf Erhaltung der Gesundheit ab- zielen und in der Regulirung der Eigenwärme des Körpers bestehen muß. Weiter soll die Kleidung derart beschaffen sein, daß sie den Körper nicht benachtheilige durch Hemmung des Voll: athmens, Hinderung der freien Bewegung aller Körpertheile und Unterdrückung der Hautthätigkeit. ö Das Vollathmen, ein Aufgebot sämmtlicher Lungentheilchen, erfolgt durch willenskräftige Aus- dehnung des Brustkorbes nach allen Seiten hin. Wird diese Ausdehnung verhindert durch zu enge Bekleidung oder gar Einschnürung des Oberkörpers, so kommen gewisse Theile der Lungen nicht zu normaler Thätigkeit, werden Behältnisse von Staub, Schleim und schlechter Luft, verkümmern in Folge dessen und geben den Anlaß zu Lungen- schwindsucht. Das Vollathmen, welches außerdem von größter Wichtigkeit für Regulirung der Blut zirkulation ist, muß daher unbedingt durch lose Bekleidung des Brustkorbes möglich gemacht und täglich energisch geübt werden, namentlich von Stubensitzern; denn unwillkürlich erfolgt es nur

bei körperlichen Anstrengungen, wie z. B. beim Bergsteigen, Schwimmen, Laufen, Tanzen ꝛc., nicht aber beim Sitzen, wo die Brust nur mit halber Kraft zu athmen pflegt. Unseren meist nicht sehr kräftigen Salondamen ist es nur deshalb möglich, die nicht geringen Anstrengungen einer Ballnacht ohne großen Nachtheil zu ertragen, weil sie zu den Bällen eine von ihrer sonstigen sehr ab- weichende Tracht anlegen, eine Tracht, welche der Ausdebnurg des Brustkorbes recht freien Spiel- raum läßt und so das durch das Tanzen veran- laßte Vollathmen nicht hindert. Der Hygieniker kann sich daher mit dieserfreien Tracht nur einverstanden erklären, mag der Moralist immer

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hin darob die Hände ringen. Von größter Wichtigkeit ist ferner, daß die freie Bewegung sämmtlicher Köcpertheile nicht durch die Kleidung gehemmt werde. Wie sehr dies aber meist der Fall ist, lehrt jeder Blick auf die modisch gekleidete Herren- und Damenwelt, welche sich möglichst langsam, steif und geschraubt

Schneckenhaus, ist dasjenige Bedürfniß, für welches bewegt, um nur die feine Toilette in Acht zu

heutzutage selbst die niederen Stände einen unver- nehmen.

hältnißmäßig großen Bruchtheil ihres Einkommens auszugeben geneigt sind, dennKleider machen Leute. Der äußere Schein muß gewahrt werden, Keiner will hinter Seinesgleichen zurückstehen, sondern Jeder sucht den Andern zu überbieten. Mit dem Begriffe der Kleidung ist für unsere Anschauungsweise unzertrennlich verbunden der Begriff der Mode, welche dieses Feld als unum⸗ schränkte despotische Gebieterin beherrscht. Mit Unrecht, denn der Hauptzweck der Kleidung ist, wenigstens in unserem Klima, die Gesundheit gegen die Einflüsse der Witterung zu schützen, so daß es in Wahrheit noch eine höhere Instanz gibt als die Mode, von welcher diese sich ver nünftiger⸗ weise corrigiren lassen sollte: das ist die Gesund⸗ heitslehre. Aber leider appellirt fast Niemand an diese höhere Instanz, sondern mit sehr wenigen Ausnahmen begnügen sich Alle damit, die Dekrete der Mode in blindem Gehorsam zu erfüllen. Nur darnach wird gefragt, ob diese oder jene Kleidung modern sei, nicht darnach, ob sie auch dem Körper zuträglich, ja nicht einmal darnach, ob sie nach ästhetischen Begriffen schön sei.

Denn bekanntermaßen kümmert sich die Mode wenig um die Schönheitslehre, sondern verhöhnt sie oft genug, thöticht und launenhaft wie sie ist. Wir lächeln über die Fußbekleidung, welche die Mode in China den Frauen vorschreibt und welche Verkrüppelung des Fußes bewirkt; aber wir ver gessen dabei, daß wir in der künstlich erzeugten Wespentaille unserer Damen ein ebenbürtiges

Gleichmaß und die Schönheit des Körpers erleidet dadurch wesentliche Schädigungen, die man dann

Und nicht nur bei Erwachsenen sieht man das, sondern schon bei Kindern, nicht nur in großen, sondern auch in kleinen Städten; nicht nur zu Hause geschieht es, sondern auch auf der Erholungsreise, in Bädern und Sommerfrischen und wenn es auch die elendesten Gebirgsdörfer sind. Das Sprichwort:Kleider machen Leute wird so auf die Spitze getrieben, als ob der Mensch nur dazu da sei, um seine Toilette spazieren zu führen und mit ängstlicher Sorgfalt zu hüten. So kommt es auch, daß aus Rücksicht auf die Kleidung viele Bewegungen unterlassen werden, ganze Muskelparthieen unbenutzt bleiben und in

Folge dessen erschlaffen und verkümmern. Das

wieder mit allen Mitteln der Kunst zu verdecken sucht. Das Prinzip der allseitigen harmonischen Aus bildung in Knaben- und Mädchenschulen ein⸗ zuführen und die Jugend überhaupt zu gym nastischen Uebungen in frischer, freier Luft und loser Kleidung anzuhalten, das dürfte wohl nicht allzu schwierig sein.

Was den Einfluß der Kleidung auf die Haut thätigkeit und ihre Beziehung zur Hautpflege be⸗ trifft, so kann hier nicht näher auf den anatomischen Bau der menschlichen Haut eingegangen, sondern nur ganz allgemein auf ihre hohe Wichtigkeit für das Wohlbefinden des Körpers hingewiesen werden. Die Haut ist von größter Bedeutung nicht nur als Tastorgan, sondern auch als Athmungs- und Ausscheidungsorgan, da sie die Aufgabe hat, ver

Seitenstück besitzen; es ist ebenfalls durchaus ge

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mittelst der Poren und Schweißdrüsen zersetzte,

unbrauchbare Bestandtheile der Blutflüssigkeit ab⸗(

zuscheiden. Es ist daher von größter Bedeutung für das Wohlbefinden des Körpers, die Hauk nicht nur durch häufige Bäder und tägliche Waschungen rein zu erhalten und abzuhärten, sondern sie auch mit einer Kleidung zu umgeben, die ihre Funktionen nicht stört oder unterdrückt, Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß die Wäsche einen wesentlichen und für die Haupt pflege den wichtigsten Theil der Kleidung aus macht, denn, wie das Sprichwort sagt, Hemd ist mir näher als der Rock. Wie außer⸗ ordentlich schnell aber selbst bei den höheren und wenig arbeitenden Ständen die Leibwäsche schmutzig wird, kann Jeder bei einiger Aufmerksamkeit auf die innere Fläche der betreffenden Stücke beobachten und daß schmutzige Wäsche dem Körper nachtheilig ist, wird der nicht bezweifeln, der einmal den Absud eingeweichter Wäsche unter dem Mikroskop gesehen hat, allwo sich ergibt, daß derselbe von

Bakterien, Pilzen und anderen Unreinigkeiten wimmelt. Wechselt man dagegen die Wäsche häufig, so nützt sie der Hautpflege, indem sie

durch beständiges, fast unmerkliches Reiben bei jeder Bewegung des Körpers die Arbeit des Schwammes und Handtuches fortsetzt. Reine Wäsche ist daher ein sehr gesunder Luxus, viel⸗ leicht der gesündeste von allen, jedenfalls ein solcher, den in gleichem Maße gesunoheitliche wie ästhetische Gründe befürworten.

Handel und Werkehr. Friedberg, 30. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete

per Pfd. 901. Pf., Eier per St. 6 Pf., 2 St. 11 Pf.

Friedberg, 30. Juli. Waizen M. 21, Korn

M. 15.17., Gerste M. 14.15., Hafer M. 14.15. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund.

Gießen, 29. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete Butter per Pfd. 80 84 Pf., Eier per Stück 5 Pf., Käse per Stück 4 8 Pf., Tauben das Paar 70 Pf., Hühner per Stuck M. 1., alte Hahnen per Stück 95 Pf., junge Hahnen per Stück 70 Pf., Enten M. 1.60, Ochsenfleisch per Pfd. 70 Pf., Kuh⸗ und Rind⸗ fleisch 56 60 Pf., Kalbfleisch 4650 Schweinefleisch per Pfd. 56 60 Pf., Hammelfleisch, 6070 Pf, Kar⸗

toffeln per 100 Kilo M. 67, Zwiebeln per Centner

M. 9. Kirschen per Pfd. 1015 Pf. Frankfurt, 28. Juli. Der heutige Viehmarkt war ziemlich gut befahren. Angetrieben waren ea. 390 Ochsen

und Stiere, 210 Kühe 220 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 6869., 2. Qual,.

M. 64 66., Kühe und Rinder 1. Qual. M. 60-62. 2. Qual. M. 5860., Kälber 1. Qual. M. 5456, 2. Qual. M. 4850., Hämmel 1. Qual. M. 6264., 2. Qual. M. 5052 per 100 Pfund Schlachtgewicht.

Frankfurt, 28 Juli. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1

M. 40., Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28.,

Nr. 5 M. 22. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 22.50, do. 1.(Berliner Marke) M. 20.5021., do. 2.(Berliner Marke) M. 15.50 16.50, Waizen, eff. hiestger ab Bahnhof hier, M. 22.50, ab unserer Umgegend M. 21.7522, do. fremder je nach Qual. M. 21. 22.75, Roggen je nach Qual. M. 13.7516., Gerste M. 16 50 17.50, Hafer M. 14.50 15.75, Kohlsamen M. 2427, Erbsen M. 19 bis 27., Wicken M. 1416., Linsen M. 1736., Bohnen, weiße, M. 19.50, Rüböl, detail, M. 62. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht= 100 Kilo.

Brod⸗Preise vom 1. bis 16. August. Nach eigener Angabe der Bäcker. Für Friedberg, Bad- Nauheim und Butzbach unverändert. 5 Fleisch⸗Preise ꝛc. vom 1. bis 16. August. Nach eigener Angabe der Metzger. Für Friedberg und Butzbach unverändert. Für Bad⸗ Nauheim: Pr. ½ Kilo.

Ochsenfleisch 68 Pf. M. Pf, Kuhfleisch, gem, 50 Schweinelleisch 52 1 ungem., Doöͤrrfleisch 86 Kalbfleisch 60 Solperfleisch Keil und Carre Geräucherter Speck 1 Hammelfleisch 60 Schinken 1 Keil und Carre Leber- u. Blutwurst 72 Nierenfett 50 U Schwartenmagen 86 Hammelsfett ie 92 Schaaffleisch Fleischwurst e Bratwurst 86

Schmalz, ausgelassen, 90 Pf., unausgelassen 80 Pf. Schweinen Keil und Carre 56 Pf. Ausnahmspreise: Bei H. Fritz Schweinen⸗ Keil und Carre 60 Pf., Speck, ger., 90 Pf., Schwartenmagen, Fleischwurst und Bratwurst 84 Pf. Bei S. Locb Nierenfett 40 Pf. Bei A. Schimpf Speck, ger., 90 Pf., Schinken 90 Pf., Leber⸗ und Blutwurst 70 Pf. Bei H. Aletter Schinken 90 Pf., Cervelatwurst 1 M. 60 Pf. Bei Fr. Langsdorf Speck, ger., 86 Pf.

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