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Rußland. Petersburg, 27. Juli. Kalnoky, Vertreter des österreichischen Botschafters Langenau, richtete die Anfrage an das russische Cabinet, ob die Räumung der Balkanhalbinsel bis zum 3. August beendigt sei. Giers, Ver- treter Gortschakoff's, antwortete bejahend, bemerkte, indeß, er müsse noch einmal bei dem Kriegsamt anfragen, ob keinerlei unerwartete Hindernisse ein- getreten seien. Hierüber steht die Auskunft noch aus.
Aus Stadt und Land.
Darmstadt. Ovberpostmeister Pfaltz erhielt aus An- laß seines von uns bereits gemeldeten 50 jährigen Dienst⸗ jubiläums von dem Kaiser den Kronenorden 3 Kl. und von dem Großherzog das Ritterkreuz 1. Klasse des Philippsordens. f
Mainz. Nicht der Bischof von Speyer, sondern der Bischof von Eichstädt wird die Firmung demnächst in der Diöcese Mainz abhalten.
Allerlei. Paderborn, 25. Juli. Der Beisetzung der Leiche des Bischofs Martin wohnten 5000 Menschen bei. Keine Unordnung fand statt. Die Leiche wurde don weftfälischen Adligen und Palriziern getragen.
London, 25. Juli. Volkshausen versuchlen Einlaß in das Freiwilligenlager zu Wimbledon zu erzwingen. Als man ihnen dieses verwehrle, bestrichen sie die Lager— umzäunung mit Petroleum, zündeten dieses an und schossen auf die Freiwilligen. f— 5
Rom, 25. Juli. Auf der hiesigen Corsostraße wurde der Bürgermeister Neapels durch einen entlassenen Muni— cipalbeamten mit fünf Dolchstichen verwundet.
New⸗ York. 26. Juli. In Memphis fiaden kläglich durchschnitlich fünf Todesfälle am gelben Fieber statt. Eine Reituugs⸗Commission bat sich gebildet. Die Miliz hat Besehl erbalten, die zu üͤck vl eib Einwohner zu schützen. Heute ist ein aus Memphis Geflüchteter am gelben Fieber hier gestocben.
nden
N. Die neuen Zollabgaben.
Es ist ganz natürlich, daß der Mann, welcher einen so großen Antheil hat an der Einigung unseres Vaterlandes, es sich angelegen sein läßt, diese Einigung dauerhaft zu machen. Fürst Bismarck sagte auch in einer seiner jüngsten Zollreden:„Ich habe von Anfang meiner „Carriere an nur den einen Leitstern gehabt: „Auf welche Weise kann Deutschland zur „Einigung bringen und so weit sie erlangt ist, „wie kann ich sie befestigen, fördern und so ge— „stalten, daß sie dauernd erhalten wird“.
Ein vortreffliches Bindemittel einer Gemein⸗ schaft gewähren überschießende Jahreseinnahmen. Handelt es sich um einen Bundesstagt, wie Deutsch— land einer ist, so können indirekte Abgaben, Zölle ꝛc. als solche bindende Einnahmequellen bestens dienen. Hätte das alte deutsche Reich eine große Zoll⸗ gemeinschaft gebildet, dann wäre dasselbe wohl nie zur Selbst Auflösung gekommen. Die seit⸗ herigen Zölle des neuen deutschen Reichs waren nicht überschießend, gewährten deshalb keine aus⸗ reichende Sicherung der Einheit Aus diesem Grunde sah sich die Reichsregierung schon vor Jahren veranlaßt, einen Zoll auf Petroleum vor zuschlagen und eine Erhöhung der Abgaben von Tabak in Aussicht zu nehmen. Wäre man hierauf eingegangen, dann konnte Manches anders und der Gedanke einer„allgemeinen Zollpflicht“ fern gehalten werden. Der Reichstag glaubte indessen den Petroleumzoll von der Abschaffung der Salz⸗ steuer abhängig machen zu müssen. Beiderlei Ab⸗ gaben sind mit einander verwandt, indem sie Gegenstände treffen, die allgemein gebraucht werden. Wohl kann man mit einer scheinbar begründeten Entrüstung ausrufen: der arme Mann soll sogar das Solz seiner Suppe und das Oel seiner versteuern! allein man kana auch ohne Entrüstung mit patriotischen Herzen sagen: den allgemeinen Rechten der Bürger an den Staat stehen allge⸗ meine Pflichten gegenüber und die allgemeinste dieser Pflichten ist die Leistung von Beiträgen zu den Kosten des Staates.
darum
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Lampe hinreichenden
Gegenständen mehr braucht, wie der arme. Der Reiche zahlt ja auch Petroleumzoll und Salz- steuer für die Bediensteten seines Hauses. Weiter empfieblt sich der Petroleumzoll ebenso wie die Salzsteuer durch Einfachheit und Feststellung und Erhebung, sowie duich geringe Belästigung des Publikums. Und von einem Druck kann weder bei der einen noch bei der anderen der genannten Abgaben die Rede sein. Wer die
wirthschaftlichen Verhältnisse eines kleinen Haus haltes kennt, der weis, daß für einen solchen
1 Pfund Salz und 1 Liter Petroleum lange aus: reichen. und Petroleumzoll— 5 Pf. das Liter können also, wenn es sein muß, durch kaum wahrnehmbare Einschränkungen ausgeglichen werden. Dennoch wird der Petroleumzoll so unfreundlich besprochen. Viele Menschen raisonniren über die Zölle, als „einer bitterbösen Neuerung“, ohne zu wissen, daß sie seither schon mit dem Preis der Waaren Zollabgaben bezahlt haben. Folgende Uebersicht über die bis jetzt angeordnete Erhebung neuer Zölle möge hierüber belehren:
Für einen Centner:
jetzt früber jetzt also mehr
Kaffee, rober 20,00 17,50 2,50 Kaffee, gebrannter 25,00 21,00 4,00 Thee 50,00 24,00 26,00 Branntwein 24,00 18,00 6,00 Essig 24,00 4,00 20,00 Wein in Fässern 12,00 8,00 4,00 Wein in Flaschen 24,00 8,00 16,00 Getrockn. Datteln, Feigen ꝛe 15,00 12,00 3,00 Tabakblätter 42,50 12,00 30,50 Cigarren und Cigaretten 135,00 60,00 75,00 Andere Tabaksfabrikate 90,00 33,00 57,00 Petroleum und andere
Mineralöle 3,00— 3,00
Ferner geht aus dieser Uebersicht zur Genüge bervor, daß die Gegenstände des Luxus und des unnöthigen Genusses viel stärker getroffen sind als die Gegenstände absoluter Bedürfnisse.
Diese Thatsache wäre wohl geeignet, eine milde Beurthetlung des neuen Zolltarifs herbeizuführen,
wenn derselbe nur Finanzzölle, die lediglich dem
Staate nothwendige Einnahmen gewähren und nicht auch Schutzzölle enthielte, die zugleich inlän— dische Produktion und Fabrikation schützen sollen; und letztere, die Schutzzölle, finden eine mehrseitige Mißbilligung und unter diesen in erster Linie die Getreidezölle. Sachverständige sind überdies der
festen Ueberzeugung, daß die Zölle von landwirth⸗
schaftlichen Produkten unseren Landwirthen nicht zu Gute kommen, denn die Producenten in Amerika,
Rußland ꝛc. arbeiten viel billiger als die deutschen,
so daß die Ausländer den geringen Zoll tragen und doch noch mit Nutzen nach Deutschland ver kaufen können. Bestätigt sich diese Annahme, dann wird der Getreidezoll keinen Einfluß auf unsere Fruchtpreise ausüben.
Wir sehen bieraus, daß nicht geringe, sondern hohe Schutzzölle das Ausland vom inländischen Markte fern halten. vielmehr eine Beeinträchtigung der nationalen Arbeit; denn eine jede Beschränkung des wirth— schaftlichen freien Verkehrs unter Staaten ist eine Herausforderung Gleiches mit Gleichem zu ver; gelten, somit eine Beschränkung des Weltmarktes zum eigenen Nachtheil der schutzzöllnerischen Völker. Ohne den Weltmarkt, den Verkauf ins Ausland, kann indessen ein Culturvolk gar nicht existiren, seitdem die Arbeitstheilung und Anwendung von Maschinen nur noch in der Maschinenproduktion Lohn gewährt. Die inländische Industrit kann sich in der Heimath nur auf zweierlei Art schützen und empfehlen: 1) durch gleiche oder bessere Qualität als die der ausländischen Waarenz 2) durch die Minder-Transportkosten in Folge Minder⸗Transportes. In letzterer Beziehung sollen
N Allerdings sollen die indessen die Eisenbahnfrachttarise eben so sehr von Steuern thunlichst nach dem Vermögen der Bürger] den eigenen Interessen beherrscht werden,
wie die
umgelegt werden, thunlichst, denn keine Steuer schutzzöllnerischen Bestrebungen, welche die patrio
vermag diesem Grundsatze genau zu
Selbst die vielgepriesene Einkommensteuer thut dieses des deutschen
nicht, weil ihre Ermittelung, geschähe diese durch srembe oder durch eigene Schätzung, eben so selten richtig ist, wie der Verbrauch von Salz und Petroleum findet, obschon der reiche Mann immer an beiden
in den Einnahmen eine Bemessungs von dem
entsprechen.] tischen Absichten der volkswirthschafllichen Reformen
Reichskanzlers etwas verdunkeln. Um je mehr die aus den gegebenen Verhältnissen Rechnung tragend, Negiren bloßer Theorien fern bleiben,
Jusofern indessen die neuen Zollabgaben die Con
Billigkeit ihrer
Salzsteuer— 6 Pf. für das Pfund
Allein es ist dieses kein Schutz,
so wirksamer wird die Aufklärung werden, Fortschrittsparteien, der Entwickelung
sumenten etwa veranlassen, den Zollaufschlag durch Einschränkung im Verbrauch auszugleichen, wollen wir diesen Erfolg segnen; denn neben der Ueber⸗ production hat auch die Ueberconsumtion einen
großen Schuldtheil an unserer wirthschaftlichen Neth, der indrustriellen Krisis. Handel und Verkehr. Frledberg, 26. Juli. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 90—95 Pf., Eier per Stück 5 Pf., 2 Stück 11 Pf. Gießen, 26. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete Butter per Pfd. 80— 84 Pf., Eier per Stück 5 Pf., Käse per Stück 4— 8 Pf., Tauben das Paar 70 Pf., Hühner per Stück M. 1.—, alte Hahnen per Stück 95 Pf. junge Hahnen per Stück 70 Pf., Enten per Stück M. 1 60, tartoffeln per 100 Kilo M. 9 bis 10, Zwiebeln per Centn. M. 9—10, Ochsenfleisch 70 Pf., Kuh⸗ und Rindfleisch 56-60 Pf. Hammelfleisch 6070 Pf., Schweinefleisch 56— 60 Pf, Kalbfleisch 46—50 Pf., Kirschen per Pfd. 6 10 Pf. ö Frankfurt, 26. Juli.(Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war ziemlich gut befahren. Heu kostete je nach Qual. der Cent. M. 1.503, Stroh M. 1 bis 2.30., ganze Erbsen 100 Kilo M. 18—23, geschälte Erbsen M 23 28, Linsen M. 2326, Roggenmehl M. 23 50— 24.50. Roggenschrot M 20 21. Weizenmehl M. 29—41, Kartoffeln M. 6, Butter das Pfund im Centner 1. Qualität 90 Pf., 2. Qual. 8085 Pf., im Detall 1. Qual. M. 1.15, 2. Qual. M. 1.510 Eier, das Hundert deutsche M. 4.50, italienische N. 550, Huhn 1 Stück M 1.50— 2. Hahn ein Stück M. 130 bis 70, Ente 2—2 80, Gans M. 4—7. Taube 45—55 Pf., Blumenkohl 30—60 Pf., Weißkraut 20—40 Pf., Wirsing 1020 Pf, Rothkraut 20—50 Pf., Kohlrabt 3-8 Pf., Gelberüben 5—10 Pf., Weißrüben ein Bund 15— 20 Pf., Gurken 12—25 Pf., Erbsen ½ Kilo 15 Pf., Bohnen ½ Kilo 20—40 Pf., desgleichen dicke ¼ Kilo 20 Pf., Zwiebel ein Bund 70—90 Pf., Küirschen 7 Kilo 12 dis 15 Pf., Ochsenfleisch das ½ filo 60—70 Pf., Kuh⸗ fleisch 60 Pf, Kalbfleisch 48—55 Pf., Hammelfleisch 50 bis 65 Pf., Schweinefleisch 60—70 Pf., Nindsleisch 50 Pf., ö Mainz, 25. Juli.(Amtliche Marktpreise.) Butter per Pfd. 75—85 Pf., in Parthien 60—65 Pf., Eier, 14 Hundert, M. 1.20— 1.25, Kartoffeln per 100 Klgr. M. 7.50— 8, Kornstroh per Centn. M. 190 2.20, Heu M. 2.60— 3.(Amtliche Fruchtpreise.) Waizen M. 21.70, Korn M. 14.90, Gerste M 16.30, Hafer M. 14.85(per 100 Kilogr.).
Bekanntmachung.
Vom 1. August d. J. ab tritt in dem zum Land⸗ bestellbezirke des Postamts in Ortenberg im Großh. Hessen gehörigen, im Kreise Büdingen belegenen Orte Stock⸗ heim bezw. auf dem Bahnhofe daselbst eine Post-Agentur in Wirksamkeit, welche die amtliche Bezeichnung Stock⸗ heim im Großherzogthum Hessen zu führen hat und die Portotaze von Ortenberg im Großherzogthum Hessen erhält.
Die Dienststunden für den Verkehr mit dem Publikum werden, wie folgt, festgesetzt:
a. an gewöhnlichen Wochentagen: von 8—12 Uhr Vorm. und „ 3— 6„ Nachm.;
b. an Sonntagen: ö von 8—9 Uhr Vormittags und ö„ 5—6„Nachmittags;
c. an den gesetzlichen Feiertagen, welche nicht f auf einen Sonntag fallen: ö von 8—9 Uhr Vormittags,
„ 12—1„ Mitlags und 0„ 5—6„Nachmittags. Als Landbestellbezirk werden der neuen Postagentur die zum Bestellbezitk von Ortenberg im Großh. Hessen gehörigen Orte und bezw. Wohnplätze Bleichenbach, Bleichen bach Bhf., Hof Leustadt und Hessel⸗Mühle, sowie der zum Bestellbezirke des Postamts in Altenstalt gehörige Ort Glauberg und die Glauberger Mühle zugetheilt. Darmstadt den 22. Juli 1879. Der kaiseliche Ober-Postdirector.
In Vertretung: Husadel.
Literarisches.
Daheim. Die soeben erschlenene Nr. 43 enthält; Ein Duell unter Robespierre. Roman aus dem Nachlaß! von Georg Hilil.(Forts.)— Phystognomische Erinner ungen. Draußen gesammelt für Daheim. Von K. Dielitz. Zur Kenntniß Australieus. Eine Fabrik geistlicher Lieder, ([Von Karl Slorch.— Die Trinkgefäße unserer Altvorderen. Von Dr. J. Stockbauer. Mit 7 Abbildungen.— Det⸗ deulsche Palästinaverein.— Am Familienlische: Bücher schau LIXIX.— Gesundheitsrath. Mit einer illustrirten
Beilage: Rosenoculiren.— Die Centralstellung. Eine (militärische Plauderei vom Vierzehnien. Geld⸗Cours.
Frankfurt am 26. Juli 1879.
0 Franfentüd... Englische Sovereigns 20 36—41 Niussische Impeigle s„ 16 70 75 Ducaten e 9 59—64 Ducaten al mareo— Dollars in Gold 4 18—21
fach Ghtftou⸗ helm 5e Hüte!
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