222 ˙ A———̃ññ—
Türkei. Constantinopel. Alcko Pascha hat seine Ernennung zum Gouverneur von Ost— rumelien erbalten und wird nächsten Mittwoch nach Constantinopel abreisen.
Serbien. Belgrad. Ein Gerücht über ein angeblich in Nisch gegen den Fürsten von Serbien verübtes Petarden-Aktentat ist vollständig unbegründet.— In serbischen Kreisen verlautet, die Regierung gebe mit der Absicht um, den Zoll⸗ tarif für österreichisch-ungarische Industrie-Erzeug⸗ nisse zu erhöhen.
— 18. April. Türkische Arnauten griffen von Pristina aus die serbische Grenzbewachungs Linie an und drangen in den Distriet von Kurschumlja ein; es entwickelte sich ein Kampf, der noch fort- dauert. Der serbische Minister des Auswärtigen protestirte in Constantinopel, indem er erklären ließ, daß wenn die Pforte solche Uebergriffe nicht hindern könne, von Serbien entsprechende Maß regeln ergriffen werden würden.
— 19. April. Das Gefecht der türkisch⸗ arnautischen Banden mit serbischen Grenzwachen dauerte gestern den ganzen Tag und setzte sich beute fort, nachdem mittlerweile reguläre serbische Truppen den Grenzwachen Hülfe gebracht hatten. Die Nachricht des Vordringens der Arnauten bis Kurschumlja ist bis jetzt nicht bestätigt.
Rußland. Petersburg, 18. April. Ueber die Person des Solowjeff verlautet ferner: er ist der Sohn eines Stalldieners in der Hof— baltung der Großfürstin Katharine, besuchte das Gymnesium und ein paar Jahre die biesige Uni- versität, wo er den Lebrcursus nicht vollenden konnte, wurde Lehrer an einer Kreisschule eines benachbarten Gouvernements, kam in Untersuchung wegen socialistischer Umtriebe, verschwand während der Untersuchung und kam mit dem Attentat wie- der zum Vorschein.— Nach weiteren Meldungen ist außer einem kaiserlichen Ukas, welcher heute den Belagerungszustand über die Gouvernements Petersburg, Charkow, Kiew, Odessa, Warschau und Moskau verhängt, sowie Gouverneure für diese Bezirke ernennt, der kaiserliche Befehl vom 18. v Mts. von Neuem verschärft wiederholt worden, wonach alle Personen in den oben ge— nannten Gouvernements Stödten polizeilich ge⸗ meldet und legitimirt sein müssen. Wer die An- meldung unterläßt, erhält hohe Geld, cventuell Gefängnißstrafen. Besonders bemerkenswertb ist, daß diese Polizeiaufsicht auch auf alle Gebäude der Krone und des Hofressorts ausgedehnt wird. Es verlautet ferner, daß die Person Desjenigen, welcher das Attentat auf General Drentelen verübte, zwar
Volksmasse nahmen solche Dimenstonen an, daß die örtlichen Polizeimittel nicht ausreichten und die Hülse von Truppen nothwendig war. Hun- dertundsechzig aus Novelscherskask herbeigerufene Kosaken, ein Truppen- Commando aus Taganrog und die örtliche Polizei unterdrückten die Aus- schreitung gegen 3 Uhr Morgens. Am 15. April war die Rübe wiederbergestellt. Die Excedenten hatten die Wohnungen des Polizeimeisters des Bezirks und des Stadtaufsehers zerstört und ge— plündert und in den Polizeibureaux alle Polizei“ acten vernichtet. Zur sofortigen Untersuchung des Vorsalles, der Aufrechterhaltung der Ruhe und zur Vermeidung weiterer Ruhestörungen wurden Maßregeln getroffen. Der Minister des Junern sandte den Polizeidirector und Geheimerath Kassa- gowsky nach Rostow.
— Die„P. d. Ztg.“ bringt ein Telegramm von Loris-⸗Melikoff, wonach die Niederbrennung aller insicirten und verdächtigen Häuser in den Dörfern Selitrennoje, Michailowskoje und Üdatsch⸗ moje am 11. April beendigt und der Schätzungs⸗ werth den Besitzern ausbezahlt worden ist. Im Gouvernement Astrachan sind mithin inficicte Häuser nicht mehr vorhanden.
Kiew. Hier haben die Nihilisten den Gou- verneur gefangen genommen. Ueber diese Ent- führung liegt jetzt in polnischen Blätteen ein Be- richt vor, nach welchem der Gouverneur noch lebt, abet in Gefangenschast gehalten wied. Derselbe hat an den Polizeimeister einen Brief geschrieben und ihn beschworen, er möge auf der Suche nach den Mördern Krapotkin's sehr vorsichtig zu Werke gehen; denn sonst müßte er(der Gouverneur), welcher sich als Geisel in den Händen der Nihi— listen befinde, den„Uebereifer“ mit seinem Kopse büßen.(Das geht ja noch über Sitilien. D. R.)
Amerika. New Aork. Nachrichten aus Panama vom 18. April melden, daß daselbst Ruhestörungen ausgebrochen seien und ein vier— zehnstündiger Straßenkampf, in welchem viele Menschen getödtet worden seien, stattgefunden habe. Die Ruhe sei wieder hergestellt,
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Seid einigen Wochen treiben sich Agenten in unserem Lande umber, um junge Mäochen als Köchinnen, Haus- oder Stubenmädchen ꝛc. nach London zu engagiren. Am zweiten Ostertage sollten fünf solchen Mädchen in Frankfurt zusammentteffen, um in Begleitung eines Agenten die Reise von dort sortzusetzen. Ein Agent, welcher angibt, den Auftrag zu haben, vierzig Mädchen zu engagiten, sucht den armen Opfern und deren Ange— hörigen Alles so schön auszumalen, daß es gar nicht zu verwundern ist, wenn er„Geschäfte“ abschließt. Er hal
noch nicht ergriffen wurde, wohl aber festgestellt ist, daß der Thäter den Namen Mirsky fährt.
— Die„Agence Russe“ erklärt wiederholt
die Nachricht, daß Rußland den Zusammentritt einer Conferenz beantragen werde, für vollständig unbegrüpdet.
— Die„Agence Russe“ erklärt die Nach; richt, daß die russische Regierung die Ausliefer⸗ ung der nach London geflüchteten Ucheber der jüngsten Attentate von England verlangt und England die Auslieferung verweigert habe, für vollständig falsch und unbegründet.— Der Kaiser und die Kaiserin treten die Reise nach Livadia am 24. April an.
— Der„Regierungsbote meldet: In Rostow am Don sind am 14. April Abends Unruhen ausgebrochen. Die Excesse der zusammengerotteten
steis Briefe aus London und Hambucg zur Hand, angeblich von Mädchen geschrieben, die er schon nach dorthin ge bracht habe; sodann sprichner von mehreren hundert Mark jährlichen Verdienstes, und wie es so schön sei, wenn sie nach einigen Jahren zurückkämen mie Tausenden von Mark, welch gute„Parthie“ sie dann machen könnten, die Fahrt koste j nur 48 Maik u. dgl., Geld sollien sie nicht viel minehmen, denn der„Geschäfisfreund“ in London sorge für sie; auch wenn sie nicht gleich eine Slelle dort fänden, würde derselbe sie so lange in seinem Hause behalten, bis eine Stelle vacant sei. Ig, das ist es, das „im Hause behalten“! Was ist bas für ein Haus? Was bewegt den Agent in London zu solcher Menschenfreundlich— kat, weiche um so auffallender, als den Mädchen die Weisung gegeben wurde, so wenig Geld wie möglich mit— zunehmen? Die schuftige Absicht solcher Seelenverkäufer ist auf den ersten Blick gar leicht zu erkennen; hat man doch schon Fälle genug erlebt, daß junge unverdorbene Mädchen in der Gewalt solcher Schurken physisch und
*
Allerlei.
lingen in dickem Gebüsche wurde das Gerippe eines Menschen, die Kleider balb versault, aufgefunden. Nassel, 16. April. Heute srüh wurde der Werk⸗ jührer Aßmann, im Dienste der Firma Fröhlich u. Wolff stehend, als er im Zuchthause mit dem Stiräfling Stein aus Darmstabt geschäftlich zu tbun hatte, von diesem rücklings überfallen und mit einem Schlage kodt zu Boden gestreckt. Der Erschlagene hinterläßt eine Frau und 2 Kinder. Als Motiv zur That wird Rache angepeben. Nürnberg, 15. April. Ein Unglücksfall mit selten glücklichem Ausgange kam in einem nahen oberfränkeschen Bergwerk bei Kronach vor. Es wurden nämlich 11 Berg⸗ leute nebst dem ihre Arbeiten leitenden Oberhauer, also 12 Personen verschüttet. Die sofort angestellten Retlungs⸗ arbeiten schienen anfänglich wenig Erfolg zu versprechen; nachdem dieselben mebrere Tage fortgesetzt wurden, hörte man plötzlich einen Ruf der sich durch Entgegenarbeiten eine Bahn suchenden Bergleute, und so gelang es, nach fast 4 Tagen, gestern die bereits Todtgeglaubten wieder lebend aufzufinden.
Brüssel, 18. April. Nach Meldungen aus Frameries sind von den 240 Arbeitern in der Kohlengrube von Agrappe bisher 89 gerettel. Die Rettungsarbeiten werden auch ferner energisch fortgesetzt.
Tiflis. In der Gegend zwischen Teheran und Tauris bat, wie der„Tiflisen Kawkas“ berichtet, vor wenigen Tagen ein so starkes Erdbeben staltgefunden, daß in Folge desselben die Häuser von mehr als dreißig Dörfern völlig eingestürzt sind.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 19. April. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 1 M. Eier per Stück 5 Pf.
Gießen, 19. April. Wochenmarkt Butter per Pfd. 80— 95 Pf., Eier per Stück 5 Pf., 2 Stück 9 Pf., Käse per Stück 5—10 Pf. Tauben das Paar 80 Pf., Hühner per Stück M. 1.50, Hahnen per Stück M. 2.—, Kartoffeln per 100 Kilo M. 7.—.—, Zwiebeln per Ctr. M. 11.—12., Ochsenfleisch 70 Pf. per Pfd., Kuh⸗ und Rindfleisch 56 60 Pf. Schweinefleisch 5860 Pf., Kalbfleisch 46—50 Pf., Hammelfleisch 60 70 Pf.
Frankfurt, 19. April. Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qual. per Centner M. 2—2 70., Stroh M. 2— 2.30, Auf dem Vietualienmarkt kostete Butter im Großen 1 Qualität 80 Pf. 2 Qualität 70 P., im Detail 1 Qualität M. 1.10, 2. Qualität 90— 95 Pf, Eier das Hundert deutsche M. 4.50. italienische M. 5.50, Der Preis für geschälte Erbsen stellte sich per 100 Ktlo auf M. 24 28. für ganze Erbsen M. 22— 25, für Speise⸗ Bohnen M. 20—24, für Linsen auf M. 24—32., Kartoffeln M. 6.50—7., Roggenmehl Vorschuß M. 23.50—24.50., Schrot M. 21— 22. Ochsenfleisch per Pfd. 58— 70 Pf., Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 50—60 Pf., Kalbfleisch 5065 Pf., Hammelfleisch 48—65 Pf., Schweinefleisch 56—70 Pf., Poularden M. 4— 7. Schnepfen M. 2 50, Welsche M. 7.50., Hahnen M. 1.70— 2, Enten M. 5, Hühner M. 2—2 50., Tauben 50 Pf., Kopfsalat das Hundert M. 14, das Stück 15—20 Pf., Weißkraut das Stück 20 Pf., Kohlkraut 15 Pf., Rothkraut 30—35 Pf., Spinat die Mahne M. 2 Radischen das Bündel 3 Pf.
Mainz, 19. April. Markt und Fruchtpreise. Butter per Pfund— M. 95 Pf., bis 1 M. 10 Pf., in Part. — M. 80 Pf.— M 85 Pf., Eier ½ Hundert 1 M. 15 Pf., bis 1 M. 20 Pf., Kartoffeln per 100 Klg. 7 M. 15 Pf., bis 8 M. 25 Pf., Kornstroh per Centner 1 M. 35 Pf., bis 1 M. 60 Pf., Heu per Ctr. 2 M. 20 Pf., bis 2 M. 45 Pf., Waizen(100 Klgr.) 20 M. 40 Pf., Korn(100 Klgr.) 16 M. 25 Pf., Gerste(100 Klgr.) 16 M. 70 Pf., Hafer(100 Klgr.) 15 M. 50 Pf.
Marburg, 19. Ape. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfd. 80 bis M. 1., Eier per Stück 9— 10 Pf., Käse per Stück 8— 10 Pf., Zwiebeln per Pfd. 10—12., Pf., Tauben das Paar 60— 80 Pf, Hahnen das Stück M. 1.20—1.50., Hühner das Stück 80 bis M. 1.
moralisch zu Grunde gingen.
Geld ⸗Cours.
Frankfurt am 19. April 1879. 20⸗Frankenstücke M. 16 20—24 Englische Sovereigns„ 20 39—44 Russische Imperiales„ 16 11 Diegten 5 9 54— 59 Ducaten al marco 7 9 59—64 Dollars in Gold. 5 4 1720
Bekanntmachung.
1377 Die unterm Heutigen in dem Gräflichen Revier Wickstadt abgehaltene Holzversteigerung ist genehmigt und der erste Abfahrtag auf Montag den 28. April ll. J. festgesetzt worden. Wickstadt den 16. April 1879. Gräfliche Oberförsterei Schall
Assenheilm. a 8.
Oeffentliche Bekanntmachung. Das Fahren durch das Bodenroder Feld mit Holz,
der sogenannte Grüneweg, ist bei 3 Mark Strafe ver⸗
bolen, welches zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Bodenrod den 18 April 1879.
Großherzogliche Bürgermeisteret Bodenrod. W
1380
30 rm Buchen-Prügelholz I. Cl., 130 1 II. Cl., 220 0 Stangenreiser,
40 rm Buchen-Prügelholz I. Cl., 68„
* 73 75
Eichen⸗Prügelholz II. Cl.,
Holzversteigerung.
In dem Forstrevier Gedern sollen versteigert werden: 1. Montag den 28. April im Revier Ranstadt, Distriet Rühlswald:
96 rm Buchen-Astreiser, 155 Buchenstangen, 4 bis 5 m lang, 6 bis 10 em dick, zu Längwieden geeignet.
2. Dienstag den 29. April im Revier Usenborn, Distriet Küchwald:
1660 rm Buchen-Stangenreiser, 220 Astreiser.
0
7 7
Zusammenkunft Morgens um 10 Uhr und zwar an dem ersten Tage bei Gastwirth Stiebeling in
Gedern den 21. April 1879.
Ranstadt und am zweiten Tage bet Gastwirth Landmann in Hirzenhain. Förster Semper in Ranstadt und Forstschüz Henkel zu Luisenlust sind beauftragt, über das kaufende Holz, welches sämmtlich in den betreffenden Wirthshäusern versteigert werden soll, Auskunft zu ertheilen.
zu ver⸗
Der Gräfliche Oberförster. Kirchner.
Frankfurt, 19. April. Im Wald bei Sprenb⸗
—


