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Allerlei.

Frankfurt, 18. Aug. Gestern Abend geriethen zwei Bremser von der Weserbabn in den Anlagen in Wortwechsel; im Verlauf desselben stieß der eine dem andern ein Messer in den Hals. Noch während die herbei⸗ gerufenen Aerzte mit dem Verbinden beschäftigt waren, stard der ltödtlich Getroffene.

Szegedin, 17. Aug. Ein gestern in einem Möbel- magazin ausgebrochener Brand konnte erst, nachdem mehrere anliegende Häuser mitergrissen waren, bewältigt werden. Der Schaden ist nicht unerheblich.

Der Nervenkrankheiten Ursachen und Häufigkeit. Wenn wir uns erklären wollen, weshalb die Nerven, zumal das Centralnervenspstem, Gehirn,

Rückenmark und lymphatisches System, so bäustg wir uns den äußeren Verhältnissen anzupassen ver-

erkranken, trotzdem letztere durch ihre verschiedenen e ü r 5 u. verstehen, müssen wir noch etwas näher auf

Umbüllungen und ihre geschützte Lage scheinbar äußeren Schädlichkeiten so wenig ausgesetzt sind, so müssen wir uns an die anatomischen Verhält- nisse zuvörderst erinnern und in Betracht ziehen,

daß die Centralorgane durch eine ungemein aus

gedehnte Verzweigung ihre Ausläufer, die Nerven, in systematischer Anordnung an die Körperober⸗ fläche senden, und zwar in einer solchen ung, daß man auf dieser überall auf Nerven⸗ zweige oder deren Endorgane trifft. Aehnlich wie ein von oben bis unten von blätterreichen Zweigen bedeckter Baumstamm durch eben diese Blätter eine unendlich viel größere Berührungsfläche der Luft darbietet, als der Stamm und wie die atmo- sphärischen Einflüsse diese Blätter in viel ausge- dehnterem Maaße treffen müssen, als ihn selbst, durch ihren Zusammenhang mit ihm aber ihn be einflussen werden, so bietet die gesammte Haut- oberfläche mit ihrem großen Nervenreichtbum auch eine ungemein ausgedehnte Berührungsfläche für die Atmosphäre und kann so zurück auf die Cen- tralorgane, den Baumstamm des Nervenspstems, wirken, und diese unter Umständen krankmachend beeinflussen. Sehen wir also einmal genauer hin, welche Pflichten die Haut gegen den ganzen Or- ganismus zu erfüllen hat, ob sie denselben immer nachkommt und nachkommen kann und was der unverständige Mensch häufig genug thut, um ihr diese Pflichten recht herzlich zu erschweren. Denken wir zugleich daran, daß die Haut, wenn auch in unserem Klima durch Kleider geschützt, doch stetig

und am unmittelbarsten mit der Luft in Berühr⸗

ung kommt, und daß eben diese Luft durch ihre chemische Zusammensetzung, durch den Druck, den sie ausübt, durch ihren Feuchtigkeitsgehalt, durch

ihre mehr oder minder große Bewegung(Winde)

zu verschiedenen Zeiten, endlich durch die Verbreit- ung der Wärme die wesentlichsten Bedingungen für das Gedeihen alles organischen Lebens abgibt. Insofern die Haut auch Athemorgan ist, können wir sie hier übergehen, denn ihr diesbezügliches Geschäft beim Menschen ist nur gering; sie liefert kaum 1 pCt. der Kohlensäuremenge, welche die Lungen bei der Athmung liefern. Auch der Ein- fluß, welchen der größere oder geringere Feuchtig keitsgehalt der Luft auf die Haut und deren Thätigkeit ausübt, obwohl von nicht geringer Be⸗ deutung und von hohem Interesse, soll hier über- gangen werden, da wir keineswegs auf eine er schöpfende Behandlung unseres Themas Anspruch machen und nicht zu weitläufig werden wollen. Dagegen müssen wir die Wärme Aufnahme und -Abgabe des Körpers näher betrachten, da hier- bei die Haut eine hervorragende Rolle spielt, und weil durch Störung gerade dieser Funktion unserer Ansicht nach ein großer Theil der Nervenkrank⸗ heiten entsteht.

Der menschliche Organismus hat nämlich, wie bekannt, von Natur die Fähigkeit, unter den ver⸗ schiedensten äußeren Bedingungen, z. B. in Bezug auf die Temperatur, in verschiedenen Klimas zu leben; die äußersten Unterschiede der Lufttemperatur, in welcher der Mensch noch leben kann, mögen an 1000 Celsius betragen, und hier ist es die Wärmeregulirung der Haut, welche dies ermöglicht. Ueberall nämlich, sei es in der Nähe des Nord- pols, sei es am Aequator, ist die Eigenwärme des Körpers die gleiche; sie beträgt, in der Achsel- höhle gemessen, ca. 37½ Grad Celsius, während die inneren Körpertheile etwas wärmer sind, und das Blut 390 zeigt. Nun kann wohl der Mensch

auf kurze Zeit eine höhere oder niedere Temperatur aus balten, und zwar eine tiefere Temperatur besser und länger, als das Gegentheil. Dies gilt aber nur für eine beschränkte Zeit und für gewisse Grenzen, da schon bei 42½ gewisse Eiweißstoffe im Blute gerinnen, und Thiere, welche man unter einer bestimmten Temperatur abkühlt(etwa 200), sterben; nur die Winterschläfer ertragen ohne Schädigung ihres Lebens ein Sinken der Eigen

Ausdehn⸗

wärme bis auf 80. Abgesehen von der Kleidung nun, durch welche wir uns gegen zu niedrige Temperatur zu schützen suchen, verdanken wir es den Funktionen der Haut und ihrer Nerven, daß

mögen. Um die Wichtigkeit dieser Einrichtung den Gegenstand eingehen. Der menschliche Körper, der seine Wärme durch die in ihm vorgehende chemische Verbrennung der Nahrungsmittel em- pfängt, wie der Ofen diejenige durch das ver- brannte Heizmaterial, verbraucht diese Wärme für sich selbst nur zu einem Theile, und gibt den andern nach außen hin ab. Das Letztere kann er aber, und dies ist für ihn sehr wichtig, auf drei Wegen thun, nämlich durch Strahlung, wie ein Feuer, durch Leitung, d. h. durch unmittelbare Be- rührung anderer Körper, und durch die an seiner Oberfläche fortwährend vor sich gehende Wasser⸗ verdunstung. Diejenige Wärmemenge, welche er auf diese Weise nicht abgibt, verwendet er zum größten Theile zu seiner eigenen Erwärmung und zur Erhaltung seiner Temperatur auf gleicher Höhe. zum kleineren Theile setzt er sie in mechanische Bewegung um. Durch Strahlung verlieren wir ca. 500% der disponibeln Wärme, und zwar in 24 Stunden ungefähr anderthalb Millionen Wärmeeinheiten.(Man versteht bekanntlich unterWärmeeinheit oderCalorin diejenige Wärmemenge, welche erforderlich ist, um ein Gramm Wasser einen Grad Celsius wärmer zu machen) Diesen Verlust durch Strahlung fühlen wir fast nur, wenn wir in die Nähe kalter Gegen- stände kommen, an kalten Wänden ꝛc., aber die Verhinderung der Wärmestrahlung wird von uns viel öfter und ebenso unangenehm empfunden, so in von vielen Menschen erfüllten Lokalen, in Concertsälen, im Theater ꝛc., sobald man anein- ander gedrängt steht oder sitzt; hier braucht die Temperatur an sich gar nicht hoch zu sein, um uns doch das Gefühl zu geben, als müßten wir ersticken, weil wir von lauter warmen Körpern umgeben sind und einer dem andern Wärme zu⸗ strahlt. Durch Leitung verlieren wir etwa 25 pCt., die wir zunächst an die uns unmittelbar Tungebene Luft abgeben. Warme Luft ist aber leichter als kalte, und die bereits erwärmte macht daher aufsteigend stetig einer kälteren Luftschicht um uns Platz. Daher kommt es, daß der Ver- lust an Wärme durch Leitung um so größer ist, je geringer die Temperatur der Luft und je be⸗ wegter die letztere ist. Wind kühlt uns daher in heißen Sommertagen ab, und die Damen wissen sehr wohl, weshalb sie den Fächer in den Ball- saal mitnehmen. Zum Glück ist die Luft kein guter Wärmeleiter, sonst würden wir weit größere Wärmeverluste zu erleiden haben; im Wasser da- gegen, das die Wärme gut leitet, frieren wir selbst in der Kleidung bei einer Temperatur, die wir in der Luft sehr gut ertragen, und würden dort durch den Wärmeverlust erfrieren. Den Wärmeverlust durch Verdunstung, bei dem die Lungen ebenfalls eine Rolle spielen, und der auf beiden Wegen zusammen einige 20 pCt. beträgt, wollen wir hier übergehen; er ist natürlich, dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft entsprechend, bald größer, bald geringer.

Obwohl nun die äußeren Verhältnisse, unter denen der Körper sich befindet, so ungemein schwankend sind, ist doch der letztere durch die wunderbaren Vorrichtungen seiner Nerven im Stande, die Größe der Wärmeabgabe von der Haut so zu reguliren, daß er die gleiche Eigen- wärme immer behält. Wie wichtig dieser Apparat ist, leuchtet also von selbst ein und ebenso, wie eine jede Störung desselben das Allgemein-

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befinden zu beeinträchtigen im Stande ist. Den

sehr wechselnden Verhältnissen, denen er zu dienen hat, angemessen, ist er sehr empfindlich, d. h. auch geringen Veränderungen schon folgend, etwa wie eine empfindliche Waage oder ein gutes Thermo⸗ meter; aber ebenso wie die erwähnten Instrumente auch um so sorgfältiger behandelt werden müssen, wenn sie ihre guten Eigenschaften nicht einbüßen sollen, verlangt auch der nervöse Regulirapparat eine gewissermaßensachverständige Behandlung und wo er ste nicht findet, da versagt er, d. h. in diesem Falle: er erkrankt, und durch seine Er⸗ krankung führt er die des übrigen Nerven- systems herbei. Worin besteht nun dieser Regulirapparat? Im Wesentlichen ist er folgendermaßen konstruirt: Die kleinsten in der Haut verlaufenden Blutgefäße sind dicht von feinen Nervenfäden umsponnen, die mit und neben den gewöhnlichen, die Empfindungen, das Tastgefühl z. vermittelnden Nerven verlaufen, sich zu Stämmen vereinigen und schließlich mit dem Rückenmark und durch dieses wieder mit dem Gehirn zusammen⸗ hängen. Diese Nervenfäden,vasomotorische Nerven genannt, stehen aber sozusagen unter einer eigenen Direktion, die in einem sogenannten, im verlängerten Mark gelegenenCentrum ihren Sitz hat und von dort ibnen Befehle zukommen läßt. Auf Grund dieser Ordres veranlassen diese Nerven sofort eine erhebliche Zusammenziehung oder umgekehrt eine Ecweiterung der Blutgefäße, die fie umspinnen. Im ersteren Falle fließt weniger, im zweiten mehr Blut in der Zeiteinheit zur Haut; es entsteht Blässe oder Röthung derselben. Das Centralbureau dieses Nervensystens steht aber andererseits mit vielen anderen Distrikten undBe- hörden des körperlichen Organismus in Verbindung. Es empfängt von diesen Nachrichten über die Tempe⸗ ratur der Luft, über deren Feuchtigkeit, ja sogar über die Gemüthsstimmung des Individuums, und nach diesen Berichten ertheilt es seine Befehle. So ziehen sich denn zu gleicher Zeit, wie die kleinen in der Haut verlaufenden Muskelbündel bei Kälte sich zusammenziehen und die bekannte Gänsehaut bilden, auch die Blutgefäße der Haut zusammen, vermindern dadurch die Zufuhr warmen Blutes nach außen und hindern auf diese Weise eine zu große Wärmeabgabe an die Luft. Das Umgekehrte geschieht, wenn das Centrum zu warm meldet; die Gefäße dehnen sich aus, die Haut röthet sich, strotzt von Blut und gibt Wärme nach außen ab, wobei zugleich noch durch den Schweiß und dessen Verdunstung Kühlung gebracht wird. Daß auch unser Gemüth mit diesem Centralbureau Verbindungen unterhält, sehen wir an dem Erröthen und Erblassen unseres Gesichtes bei gewissen psychischen Erregungen. Die Verbindung aber zwischen dem Nervennetze und seinem Centrum ist keine einfache und direkte; der Weg, welchen die Benachrichtigungen der Centralstelle und rückwärts deren Befehle zu laufen haben, ist ein ziemlich komplizirter, so daß ver⸗ schiedene Abtheilungen des Nervensystems berührt werden. Dadurch erklärt es sich auch, daß bei einer Erkrankung eines der Theile dieses Apparates so leicht andere, zumal dem Centralsystem angehörige in Mitleidenschaft gezogen werden. So unentbehr⸗ lich für das Wohlbefinden des Menschen dieser Regulirapparat ist, so begrenzt ist doch auch ander⸗ seits seine Wirkung und es gibt Verhältnisse, unter denen er nicht genügend wirken kann, z. B. beim Sonnenstich, der deshalb so leicht tödtlich wird. Ferner werden an den Apparat Anforderungen ge stellt, die er nicht erfüllen kann und hier kommen wir direkt auf eine der Ursachen der nervösen Erkrankungen Man denke an die vielen gewerb⸗ lichen Thätigkeiten, bei denen der Arbeiter direlt den hestig einwirkenden außergewöhnlichen Tempera, turen oder großen Schwankungen letzerer ausgesetzt ist, an die Heizer, die Schmiede, die Arbeiter auf dem Felde 1. Apparat durch Ueberarbeit zeitweise unfähig ge. worden ist, eine Erkrankung und zwar zumei unter der Form derErkältung zuerst. Das Wesen der Erkältung ist noch keineswegs voll⸗ kommen aufgeklärt; aber daß die vasomotorischen Nerven und in zweiter Reihe die Empfindungs

und Bewegungsnerven dabei eine hervorragende

Hier erfolgt, wenn der erwähnte

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