Ausgabe 
20.5.1879
 
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Dienstag den 20. Mai.

N 59.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Areis Friedberg.

Erscheint dreimal per Woche

0 und zwar Dienstags, Donnerstags und

Samstags.

Die einspaltige Petitzeile wird ber Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bet Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 P'. Annoncen von auswärtigen Einsendern(sowelt Letztere nicht Jahres-Conto bei uns baben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

Amtlicher Theil. Einladung.

̃

Die Mitglieder der landwirtöschaftlichen Section Butzbach und sonstige Freunde der Landwirthschaft werden auf Samstag den 24. Mai,

Nachmittags 3 Ubr, zu einer Besprechung bierher(Joutz'scher Saal) ergebenst eingeladen.

Herr Professor Dr. Tobisch wird dabei einen Vortrag

über den Anbau von Runkelrüben zum Behufe der Zuckerbereitung halten und sich bezüglich der Errichtung einer Zuckerfabrik in der Wetterau aus-

sprechen. gewinnenden Vortheile äußern. Butzbach, 14. Mai 1879.

Bekanntmachung,

Ferner wird Herr Generalsecretär Dr. Weidenhammer sich in ausführlicher Weise über Molkereiwesen, dessen Fortschritte und die daraus zu

Hechler.

den Remonte- Ankauf pro 1879 betreffend.

Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei, und ausnahme welse vier Jahren sind im Bereiche des Großherzogthums Hessen für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anbe

raumt werden, und zwar:

Die von der Remonte-Ankaufs-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf

rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kauspreises

am 10. Juli in Alsfeld, und der Unkosten zurückzunehmen, auch sind Krippensetzer rom Ankauf aus 5 g geschlossen. Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde Nidda, 5 5 g 9. N; 3 eine ntue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine Kopf 16.Nieder Wöllstadt, 5 3 3 a 17 Groß- Bieb halfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens zwei Meter langen 1 ee ee e starken banfenen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. 18. Bickenbach, Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, 19.Groß-Gerau, ist es erwünscht, daß die Deckscheine möglichst mitgebracht werden. 21. Goddelau, Kriegs- Ministerium, Abtheilung für das Remonte- Wesen. FFF gez. von Rauch. von Uslar.

Deutsches Reich. 15. Mai. Der Bundesrath nahm orische Einführung von feeseges(Spergesitz ll⸗ und

1 das Gesetz über die provif Aenderungen des Zolltarif nach dem Antrag des Zo schusses an.

Die vereinigten

Berlin,

N 0

Bundesraths⸗ Ausschüsse

für das Justiz-, Zell- und Steuerwesen berichteten

an den Bundesrath über die strafrechtliche Be handlung der Defrauden bezüglich der Uebergangs abgaben im Großherzogthum Hessen. Ueber die Frage, ob dem Antrage Hessens auf Regulirung der Sache von Reichswegen beizutreten sei, er solgte Stimmengleichheit, weßbalb das Votum des Bundesraths erforderlich ist. Fällt dasselbe bejahend aus, so sind gesetzliche Bestimmungen geboten.

15. Mai. Reichstag.(Schluß.) Bam- berger führt aus, die Eisenindustrie brauche am wenigsten Schutzzölle. Das Verlangen nach Schutz zöllen sei vielmehr nur von der unermüblichen Propaganda und Agitation der großen Eisenindustriellen und Gesellschaften herbeigeführt. Die Einfuhr fremden Eisens habe stets abge nommen; der Export nehme zu; auf vielen Gebieten mache die beutsche Eisenindustrie der englischen

reiche Industrie-Productionezweige, denen das Eisen vertheuert werde, den empfindlichsten Schaden

litten. Dahin gehöre namentlich die Eisenbahn Industrie. Indem ter diese und andere nationale Arbeitsezweige schützen wolle vor

vertheibige er nicht das theoretischelaissez aller, sondern ein praktischeslaissez vivre. Der ganze Kampf, den man jetzt mit dem Zolltarife kämpfe,

der Kampf gegen die Ersparung von Kraft und Stoff, den man schon gekämpft, als man sich einst⸗ mals vergeblich gegen das zunehmende Maschinen- wesen aufzulehnen versuchte. Die Eisenzölle votiren, beiße die Thatsachen verkennen und einen großen

Theil der nationalen Arbeit dem Untergange ent. Roheisen seewärts von Memel bis zur Weichsel⸗ egenführen,

(Beifall linke, Widerspruch rechts).

Justiz- Aus-

dann

Eisen statt.

Rentzsch für Eisenzölle, bekämpftdie Ausführungen Bamberger's- und constatirt ziffermäßto, daß tha sächlich eine schwere Nothlage der drutschen Eisen Industrie vorhanden sei. 16. Mat Einge gangen sind die Gesetz- Entwürfe, betreffend die vorläufige Einführung von Aenderungen des Zell tarifs und betreffend die Errichtung des Reichs tagsgebäudes. Fortsetzung der zweiten Lesung des Zolltarifs bei der PositionEisen und Eisen waaren. v. Wedel l(Malchow) vertheidigt seinen Antrag auf Herstellung der Eisenzölle. Die Eisenzölle stünden nicht in richtigem Verhältnisse zum Werthe.

Durch die Zollsätze der Vorlage würden die Land wirthschaft und Maschinen-Industrie schwer ge

Stumm tritt für die Sätze der Vor- bekämpft die gestrigen Ausführungen sowie von Wedell's Darlegung.

schädigt. lage ein, Bamberger's,

Den kleinen Industriellen seien die Fortschritte der

Technik zu Hülfe gekommen und gerade große Elsenwerke befänden sich in der prekärsten Lage.

Der Nothstand sei einmal durch die Annection reichen

Elsaß- Lothringens veranlaßt, welches plötzlich Millionen CTentner auf den deutschen Markt warf, aber namentlich durch die Aufhebung der Eisenzölle. Die Vortheile der Schutzzölle beweise

das Beispiel Amerikas. Richter(Hagen) beleuchtet, schon gefährliche Concurrenz. Er sei aber namentlich das Verfahren der Coalitionen der Eisenindustriellen Gegner der Eisenzölle, weil durch dieselben zahl Coalition mit und legt die Nachtheile dar, welche durch die Eisenzölle verursacht werden würden. Er wendet sich dann gegen Stumm's Ausführungen und behauptet, die Ursachen der Noth der Eisen⸗ Ausbeutung, Industrie seien wesentlich andere als Stumm an: gegeben, und könnten durch Eisenzölle nicht be⸗ seitigt werden.

gegen Schutzjölle. sel der alte Kampf gegen den Gang der Civilisation, lage, polemisirt gegen Bamberger's und Richter's Ausführungen und bittet, von allen Aenderungen bel der zweiten Lesung noch Abstand zu nehmen und an der Vorlage sestzuhalten. mehr die Abstimmung über die PositionRoh Das Amendement Graf Stolberg's:

Richter theilt darauf inhaltlich die Statuten der

Die Klein-Eisen-Industrie sei

Berger spricht für die Vor

Es findet nun-

mün dung eingehend zollfrei

wird abgelehnt.!

Der Antrag Wedell(Malchow) auf(wesentliche) Herabsetzung aller einzelnen Eisen-Zoll-Positionen wird in Abstimmung mit 192 gegen 125 Stimmen gleichfalls abgelehnt. Es folgt die Abstimmung über Nummer 6a des Tarifs, Zoll auf Roh und Brucheisen pro 100 Klgr. 1 Mk. Die Position wird bei namentlicher Abstimmung

namentlicher

mit 218 gegen 88 Stimmen angenommen. 17. Mai. Zweite Lesung des Zolltarifs. Po- sition: Eisen- und Eisen⸗-Waaren. Wedell

(Malchow) zieht unter Hinweis auf die gestrige Abstimmung seine übrigen Anträge auf Herab setzung der Eisenzölle zurück. Delbrück bringt einen Antrag ein, wonach schmiedbares Eisen zur Kratzenfabrikation gegen Erlaubnißschein und unter Controle nur mit 50 Pfennigen desteuert wird. Der Bundes- Commissär Buchard spricht sich gegen den Antrag aus. Schlieper bringt einen Antrag ein auf Zollfreiheit sür schwedisches Holz- kohleneisen in gewissen Dimensionen. Hierauf wird das Amendement Schlieper abgelehnt, und das Amenbdement Delbrück angenommen. Die Posttionen 6b, 6e und 6d der Tarifvorlage wer den unverändert genehmigt. Zu Position 6e (Eisenwaaren) beantragt Stumm Erhöhung des Zollsaͤtzes von 3 auf 5 M. und von 6 auf 10 M. für gewisse Eisenwaaren. Melbeck beantragt gleichfalls Erhöhung für gewisse Eisenwaaren. Beide Amendements werden abgelehnt und Po sition 6e unverändert genehmigt

Die Tarif-Commisston hat beschlossen, sich in fünf Gruppen zu zerlegen. Die erste für Metall

bat zu Referenten: Bamberger und Frankenberg;

die zweite für Kautschuck, Leder, Wachstuch: Oechelhäuser und Kardorff; für die dritte, die Textilbranche, werden die Referenten erst gewählt werden; die vierte, für Chemikalien Glas, Papier hat Hammacher und Karsten; für die fünfte, für Materialwaaren, werden die Referenten ebenfalls erst gewählt wetden.

17. Mai. Heute Vormittag wurde im Festsaale des Rathhauses der deutsche Städtetag eröffnet. Die Präsenzliste wies 117 Delegirte auf, welche 72 in allen Theilen Deutsch⸗

72 Städte