Ausgabe 
14.10.1879
 
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Winter Cursus 1879 1880 der Ackerbauschule des landwirthschaftlichen Provinz Oberhessen zu Friedberg.

227 Vereins für

Die Ackerbauschule zu Friedberg wurde im Jihr 1870 von dem landwirth⸗ schaftlichen Verein für die Provinz Oberhessen gegründet. Die Kosten ihrer Unterhaltung werden durch Beiträge des genannten Vereins, sowie durch solche des Keeises Friedberg, der Mathildenstifte Friedberg⸗Butzbach und Vilbel, und der Stadt Fliedberg bestritten. Die Anstalt ist für das Bildungsbedürfniß des lan dwielhschastlichen Mittelstandes be stimmt. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Schulgegenstände, Naturkunde, Landwirtbschaft und die wichtinsten Nebenfächer der Letzteren. Der Lehrplan der Fried⸗ berger Ackerbauschule ist auf 2 Winzer berechnet; dieselbe hal daher eine untere und eine obere Classe. Zum Eintritt in die untere Classe ist Zurücklegung des 13. Lebens⸗ Jahres, Besitz der gewöhnlichen Volksschulkenntnisse und einige Bekannischaft mit der landwirihschaftlichen Praxis erforderlich. In die obere Classe können dagegen nur solche junge Leute aufgenommen werden, welche entweder die untere bereils absolvirt, oder sich anderweitig die in derselben zu erwerbenden Kennimisse angeeignet haben. Das Curatorium übt die obere, der Dirigent die specielle Leitung der Anstalt aus. Für den bevorstehenden Wintercursus sind solgende Einrichtungen getroffen.

Lehrerpersonal.

Professor Dr. Tobisch, 1. Hauptlehrer und Anstalts⸗Dirigent, unterrichtet: Landwirihschaftslehre, Mineralogie, Chemie und Physik. Dr. R. Ludloff, 2. Haupt⸗ lehrer, unterrichtet: Landwirthschaftslehre, Botanik, Physik und Chemie. Vereins⸗ Wiesenbaumeister Greb unterrichtet: Feldmessen, Nivelliren und Planzeichnen. Kreis- Velerinärarzt Dr. Gebb unterrichtet: Anatomie und Physiolo gie der Hausthiere, Extetieur derselben, Zabnlehre und Thierbheülkunde. Dr. med. Becker unterrichtet: Zoologie. Cultur⸗ Ingenieur Völzing unterrichtet: Geometrie. Die übrigen Fächer werden Lehrer anderer biesigen Unterrichtsanstalten übernehmen, doch ist diesbezüglich noch nicht in allen Einzelngeiten Entscheidung getroffen.

Lehrplan. A Untere Classe.

Schönschreiben: Bedeutung und Grundbedingungen der Schöaschrist: Einzel- übungen in deutscher und lateinischer Schrift, sowie in Ziffern; Anwendung des Gelernten auf das Schreiben von Eingaben, Berichten ꝛc. 2 St. wöch.

Deutsch: Wort-, Satz und Interpunctionslehre; Aussätze erzählender und be⸗ schreibender Art, in Brief⸗ und Abhandlungssorm. 3 St. wöch.

Geographie: Das Wichtigste aus der mathematischen Geographie; die Erd⸗ theile und Weltmeere; die bauplsächlichsten Länder, Gebirge, Gewässer und Städte; Europa und insbesondere Deutschland ausführlicher. 2 St. wöch.

Rechnen: Gemeine und Decimalbrüche; einsache und zusammengesetzte Regel de Tri; Procent-, Zins⸗ Gesellschafts⸗ und Mischungsrechnung; Ketlensatz; Poten- ziren und Ausziehen der Quadralwurzeln. 4 S.. wöch.

Geometrie: Von den Linien, der Parallelen und Winkeln, vom Dreieck, Viereck, Vieleck und Kreis; Berechnung der Flächeninhalte verschiedener Figuren. 2 St. wöch. i

Mineralogie: Kennzeichen der Mineralien; Belrachtung der für den Lindwirth wichtigsten Mineralien und Felsarten. 2 St. wöch.

Botanik: Die äußeren Organe der Pflanzen; Bekanntmachung mit den für den Landwirth wichtigsten Familien, Gattungen und Arten. 2 St. wöch. Zoologie: Einteilung des Tyierreichs; genaueres Eingehen auf die haupt⸗ sächlichsten Thiergruppen mit besondecer Berücksichtigung der landwirthschafilich nützlichen und schädlichen Thiere. 2 St. wöch.

Physik, Die allgemeinen Eigenschasten der Materie; von den Kräften im Allgemeinen; Gleichgewicht und Bewegung der festen, flüssigen und lufisöcmigen Körper. 3 St. wöch.

Chemie: Allgemeine Grundlehren der Chemie; Metallekde. 4 St. wöch.

Anatomie und Phystologie der Hausthiere: Bu der Hausthiere im Allgemeinen und ihrer wichtigsten Organe insbesondere; die Functionen der Letzteren im Einzelnen, wie in ihrem Zusammenwirken. 2 St. wöch.

Ackerbau: Bodenbildung; Bestandtheile, Lage, Tiefgründigkeit, Eigenschaften und Zustände des Bodens; Betrachtung der haupfsächlichsten Bodenarten in ihren Cullureigenthümlichkeiten; Bodenverbesserungen; Bodenbearbeitung und Boden⸗ bearbeitungsgeräthe. 4 St. wöch.

Thierzucht: Bedeutung derselben: äußere und Nutzungseigenschaften der Haus

die für den Landwirth wichligslen

Geschichte: Das Wichtigste aus der Geschichte des Altertbums und Mittelalters, sowie neuere Geschichte bis auf unsere Tage. 2 St. wöch. Geometrie: Der Pylhagoräische Lehrsatz; von den Proportion allinien und der

Aehnlichkeit der Figuren; von den Körpern und deren Berechnung. 2 St. wöch.

Botanik: Lebre vom inneren Bau und den Lebensverrichtungen der Pflanzen; Krank⸗ heiten der Culturgewächse. 2 St. wöch.

Pyhysik: Schall, Licht, Wärme, Elektriciiät und Magnetismus; Zusammenhang der Naturkräfte. 4 St. wöch.

Chemie: Die wichügsten Metalle; Grundzüge der organischen Chemie mit besonder et Rücksicht auf Pflanzen und Thierleben, sowie landwirihschaflliche Nebengewerbe.

4 S.. wöch.

Ackerbau und landwirtyschaftliche Maschinenkunde: Düngerlebre; Über Saaigut und Anbau; Pflege der Culturpflanzen; Gente, Aufbewahrung und Zu⸗ vereilung der Früchte; Lehre von den landwirthschafilichen Maschinen. 4 St. wöch.

Thierzuchl: Die landwirtbschaftlichsten Thierracen; rationelle Ernährung der Haus, 9 auf N wissenschaftlicher Forschungen und prattischer Erfahrungen. 3 St. wöch.

Landwirihschaftliche Betriebslehre: Volkswirthschastliche Grundlagen der⸗ selben; das Wichtigste über Güterein richtung und Betriebsführung. Landwirih⸗ schafiliche Buchführung in einer für den mittleren und kleinen Grundbesitz passen⸗ den Form. 4 St. wöch.

Landwirthschaftliches Rechnen: Lösung von Rechnungsaufgaben aus bem Gebiet des Ackerbaues, der Viehzucht, des Haushalts und der landwirihschaftlichen Nebengewerbe. 2 St. wöch.

Thierheilkunde, Zahnlehre, Exterieur: Lehre von den Seuchen der Thier e; Währschafisgesetz; Entwicklungsgeschichte und Geburtshülse. Zahnlehre, insbe⸗ sondere Altersbestimmung nach den Zähnen. Das Aeußere des Rindes und Pferdes in Beziehung zur Leistungsfähigkeit. 2 S.. wöch.

Feldmessen, Nivelliren und Planzeichnen mit praklischen Uebungen. 2 Sti. wöch.

Obst⸗ und Gartenbau: Krankheiten der Obstbäume; Verjün zung derselben; Zucht und Schnitt der Zwergbäume; Obfibenutzung; Oostkunde(Acpfel und Steinobst). Garienbau. 1 St. wöch.

Abends von 7 bis 9 mit Ausnahme des Sonntags, Samstags und jener

Tage, an welchen die Schüler unter Aussicht eines Lehrers die während des Winters von verschiedenen Fachmännern im Raihhause gehaltenen öffentlichen Vorträge besuchen werden im Schulgebäude unter Leitung eines Lehrers schriftliche Arbeiten ange⸗ ferligt, beziehungsweise Repetitionsstunden abgehalten. Schüler, die ihr Nachiquartier nicht in der Stadt selbst, sondern in der Nähe derselben haben, daher über Land nach demselven gehen müssen, können von den Arbeitsflunden, sowie vom Besuch der er⸗ wähnten Abendvorlräge dispensirt werden. Der Unierricht wird durch zahlreiche Lehr⸗ millel, sowie durch den in der Regel Samstag Nachmitnag slaufindenden Besuch inleressanter Gutswirihschaften und gewerbliche Anlagen unlerssützt. In und außer der Schule findet eine sorgsällige Ueberwachung der Schüler in Bezug auf Fleiß, Be⸗ tragen und Wohlergehen slalt. Die Schullocalitälen befinden sich im Seitenbau det Burgkaserne und werden Interessenten gern gezeigt. Wohnung und Kost erhalten die Schüler in angemessener Beschaffenheit und zu mäßigen Preisen in Privathäusern. Die Unterzeichneten sind auch erbölig, in dieser Beziehung bebülflich zu sein. Der specielle Stundenplan und die Schulordnung werden den Schülern bei ihrem Eintritt miigetheilt. Der Unterricht beginnt am 3. November l. J. und wird mit kuczet Unierbrechung zu Weihnachten bis Ende Mäcz k. J dauern. Alsdann sindet ein öffeniliche Prüfung stalt, zu der seiner Zeit besondere Einladungen ergehen werden, Die Schüler der unteren Classe erhalten hiernach ein Interims⸗, die der oberen ein Abgangszeugniß. Um den Stand der mittleren Grundbesitzer möglichst mit den. für sie anwendbaten Verfahrungswetsen des Großbesitzes vertraut zu machen, werden die Unterzeichneten bemüht sein, die abgehenden Schüler, soweit es deren Verhälümisse gestatten, auf gut bewirthschaftelen Großgülern unierzubringen. An Schulgeld sind für den Besuch der unteren Classe 45, für den der oberen 35 Mack vor dem Eintriti an die Anstaltskasse zu entrichten. Anmeldungen können vis zum 31. October l. J. schriftlich oder mündlich bei einem der Unterzeichneten eingebracht werden, doch ist es wünschenswerth, daß dieselben sobald als möglich erfolgen. Zu weiterer Auskunft sind die Unterzeichneten gern bereit. Friedberg, im September 1879.

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thiere; Züchtungslehre. 2 St. wöch. B. Obere Classe.

Deutsch: Geschäftsaufsätze und Abbandlungen über Fachgegenstände. 2 St. wöch.

Das Curatorium:

Dr. Braden, Kreisrath. Schmidt, Kreis⸗Schulenspector. Küchler, Kreis⸗Assessor. Der Anstafts⸗Dirigent: Professor Dr. Tobisch.

Deutsches Reich. Darmstadt. An Stelle des Gutsbesitzers George I. in Büdesbeim, welcher aus Gesund⸗ heitsrücksichten sein Mandat niedergelegt hat, ist J. P. Weitzel II. in Nieder Ingelheim zum Land- tagsabgeordneten für den 9. Wahlbezirk der Pro- vinz Rheinhessen gewählt worden.

Berlin. DasTagblatt erfährt aus Paris:

Gaulois meldet, Fürst Bismarck habe gegenüber dem Botschafter Chancy am letzten Sonntag in Berlin geäußert: Die weise Haltung der Staats männer, welche gegenwärtig in Frankteich am Ruder sind, kann nur zu Erhaltung des Friedens beitragen, aber wenn Waddington demnächst in der Leitung der Geschäfte durch irgendwen ersetzt würde, der weniger als dieser um die wirklichen Interessen Frankreichs besorgt wäre, so würde ich für Nichts einstehen.

DieN. A. Z. enthält einen für Andrassy

sehr sympathischen Artikel, worin es heißt: wie

machtvoll immer die Zukunft Oestecreich Ungarns sich entfalten möge, Adrassy's bleibendes Verdienst ist es, die Basis geschaffen zu haben, von welcher die neue Entwickelung ausgehen konnte. Diese Basis ist das feste, von gegenseitigem Vertrauen getragene Verhältniß zu Deutschland, wie unsere Staatsmänner es von jeher als Endziel der deut; schen Einheitsbewegung betrachteten, der weitere Bund mit Oesterreich in der heutigen beiderseitigen Machtverhältnissen entsprechenden Gestalt.

11. Oct. Das Leiden des Staatsministers

11. Oct. Der französische Botschafter

Bülow hat sich, demTageblatt zufolge, in den Graf St. Vallier ist gesteen Vormitiag hier an:

letzten Tagen bedeutend verschlimmert, so daß die beabsichtigte Reise nach Italien vorläufig noch bat aufgeschoben werden müssen. Ob Bülow jemals wieder so hergestellt werden wird, daß er seinen Posten wieder versehen kann, scheint sehr fraglich, Auch scheint er dies selbst nicht mehr zu beab- sichtigen, was wohl daraus hervorgeht, daß er seiner ganzen Hausverwaltung und Dienerschaft bereits gekündigt hat,

DerN. A. Z. zufolge beginnen dem; nächst im Reichszustizamt commissarische Berathungen über den Vertrag mit Oesterreich Ungarn wegen Regelung der gegenseitigen Rechtshülfe in bürger lichen Rechtsstreitigkeiten. Die österreichisch un- garischen Delegirten Harrassovitz und Zaden sind bereits hier eingetroffen.

11. Oct. Der Kronpeinz des deutschen Reichs und die kronprinzliche Familie sind heute mittelst des königlichen Expreßzuges in Pegli ein- getroffen.

Köln, 10. Oct. Die Generalversammlung der Köln Mindener Bahn genehmigte heute mit großet Majocität den Uebergang der Bahn an den Staat.

Baden⸗Baden, 9. Oet. Der Kaiser und die Kaiserin hatten gestern mit der Kaiserin von Rußland auf deren Durchreise nach Cannes eine Begegnung in Oos.

gekommen, Nachmittags vom Kaiser empfangen, dann bei demselben zum Essen und Abends zu einer großen Hofgesellschaft im großherzoglichen Schlosse eingeladen worden.

Ausland.

Frankreich. Paris. Das Ministerium hat einstimmig beschlossen, bei jedem Versuch, die Amnestlefrage wieder anzuregen, die Cabinets- frage zu stelen. Auf hierher ergangene An. frage über die Begründung von Gerüchten, welche wissen wollen, Minister Waddington habe ein Demissionsgesuch eingereicht, kann bestimmt ver- sichert werden, daß jewede Behauptung von einem Demissionsgesuch Waddington's vollständig falsch ist,

Großbritannien. London. DasR. B. meldet aus Simla: General Roberts ist am 8 Oct. vor Kabul angekommen. Oberst Massy, welcher beordert war, die Flucht der Afghanen nach Bamiau auf der Kohistaner Straße abzuschneiden, erbeutete bei Halpur 78 Kanonen. Die Genetale Baker und Maecpherson wurden mit bedeutenden Streitkräften detachirt, um den von den Balahissar⸗ höhen herabgekommenen Feind anzugreifen. Oberst Jenkins soll nach Gundamuk vorrücken, um dik Verbindung mit General Roberts herzustellen, Die bisherigen Transportschwierigkeiten sind über wunden; die einzelnen Abtheilungen rücken zut'

Unterstützung von Roberts vor. Meldung vom

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Slupsc berufen wähten Ai griffen am 5. gewiest energie müht, und be herbeit it sort

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