Ausgabe 
14.8.1879
 
Einzelbild herunterladen

Publikums abgereist. Der Staats- Secretär für Elsaß Lothringen, Minister Herzog, ist hier eingetroffen, um sich beim deutschen Kaiser zu melden.

Frankreich. Paris. Nach einem im Amtsblatt veröffentlichten Deeret wird Lampert, Generalsecretär des Departements der Ardennen, zur Verfügung gestellt; derselbe hatte in einer bei Eröffnung des Schützenfestes zu Charleville ge- haltenen Rede auf die Möglichkeit einer Revanche angespielt.

Belgien. Brüssel. Der Anklagesenat verwies van Hamme vor das Assisengericht Brabant wegen der Drohplakate. Most ist von London nach Brüssel gekommen, um socialistische Vor lesungen zu halten. Nach erhaltener Auskunft hat ihn die Sicherbeitsbehörde nach Ostende ge- bracht, von wo er sich wieder nach England ein- geschifft hat.

Großbritannien. London, 12. Aug. Das Unterhaus hat die Bill, betreffend die ost indische Anleihe von 5 Millionen Pfund Sterling in dritter Lesung angenommen.

Italien. Rom, 11. Aug. Die katho lischen Blätter veröffentlichen eine umfangreiche Encpelica des Papstes an den gesammten Episcopat über das in den katholischen Seminarien und Schulen für den Unterricht in der Philosophie anzunehmende System. Der Papst bezeichnet als solches die Philosophie des heiligen Thomas von Aquino, indem er dieselbe belobt und ihren Ein fluß auf die Gesellschaft und auf die Künste erörtert.

Türkei. Constantinopel. Die Umge staltung des Ministeriums in liberalem, reforma torischem Sinne wird als unmittelbar bevorstehend betrachtet; es circuliren Gerüchte vom Bevorstehen der Berufung Midhat Pascha's.

Bulgarien. Sofia, 10. Aug. Pertev Effendi ist mit dem Bestätigungsberat für den Fürsten von Bulgarien am Samstag hier eingetroffen.

Serbien. Belgrad, 10. Aug. Heute erfolgte die Ratification sämmtlicher auf die de finitive Abgrenzung zwischen Serbien und Bul garien, sowie zwischen Serbien und der Türkei bezüglicher Protokolle nebst den betreffenden Detail karten. Hier wird officiös versichert, die Pforte habe die serbische Entschädigungs- Forderung an- läßlich des Arnauten⸗Einfalles nicht abgewiesen,

sondern nur zur Bewilligung der verlangten Summen sich bisher nicht verstanden. Griechenland. Athen. Die hiesigen

Blätter erklären die Nachricht derTimes über die angebliche Eröffnung der Verhandlungen zwischen Griechenland und der Türkei für unbegründet., Das Datum des Beginnes der Conferenz sei noch nicht festgestellt. Die Pforte habe den Vertretern der Mächte mitgetheilt, daß die griechische Frage den Wünschen der Mächte entsprechend ihre Lösung finden würde.

Amerika. New⸗Nork, 10. Aug. Der New-Nork Herald meldet: Die Unions-Regierung steht im Begriff, in einem Rundschreiben an die europäischen Regierungen die Aufforderung zu richten, sie möchten die Bekenner des Mormonen thums von der Auswanderung nach den Unions staaten abmahnen, da die Union entschlossen sei, der Polygamie auf's Schärfste entgegen zu treten.

Aus Stadt und Land.

0. Bönstadt, 13. August. Am verflossenen Sonntag Nachmittag ereignete sich dahier anläßlich des Scheiben schießens ein Unglücksfall, indem nämlich der die Schieß scheibe zeigende Taglöhner Wolf dahier von einer ab⸗ prallenden Kugel so schwer getroffen wurde, daß nach kurzer Zeit sein Tod erfolgte. Es ist dieser Fall um so mehr zu beklagen, als der Betroffene ein sehr braver und fleißiger Arbeiter, sowie Vater von sechs zum Theil noch unmündigen Kinbern war. Leider war auch hier wieder große Un⸗ vorsichtigkeit die Veranlassung zu diesem unglücklichen Ausgang, indem nämlich der Aufenthlatsort des Scheiben zeigers sehr mangelhaft geschützt war.

Gießen, 10. August. In der gestrigen Schwurge richtsverhandlung wurde B. Bätz Ehefrau von Wernges wegen Branostiflung zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahr verurtheilt. 11. August. In der heutigen Vormittags sitzung wurde die Ehefrau des J. Schmidt IV. von Ober Ohmen wegen Meineid in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 2 Monat verurtheilt. In der Nachmittagssitzung erhielt W. Slürz von Büdingen wegen Diebstahl 3 Monat und 2 Wochen Gesängniß.

Offenbach, 11. August. Metzger Groh von hier wurde borgestern auf dem Wege von Mühlheim hierher

von einer Fliege in die Haud gestochen. Diese lief etwas auf, so daß er beim Nachbausekommen Bleiwasseraufschläge machte, die aber nicht ausreichend waren. Als er sich hier⸗ von am andern Morgen überzeugte, ließ er sosort den Arzt rufen, der eine bereits weit vorgeschrittene Blutver giftung constatirte, die trotz Anwendung aller noch mög licher Mittel heute früh den Tod des Mannes zur Folge halte.

Griesheim, 12. August. Beim beutigen Schießen des Brandenburgischen Fuß ⸗Artillerie-Regimen s Nr. 3 wurden durch Tlepiren einer Granate ein Kanonier ge tödtet, ein anderer leicht verwundet und ein Offizier leich! contusionirt.

Allerlei.

Frankfurt, 11. August. Treulieb ist endlich in den Niederlanden vorgestern enideckt und verhaftet worden. Der Verbrecher hatie einen Brief aus Utrecht an seinen Bruder nach Stuttgart gerichtet, welcher der Untersuchung auf die Spur half. Er hielt sich unter dem Namen Metzger schon geraume Zeit dort auf. Treulieb ist heute Abend von dem Criminalschutzmann Biermann, welcher zu seiner Empfangnahme schon am Samstag Abend nach Uleeccht abgereist war, hier eingeliefert worden. Bei seiner Verhaftung in Holland hat er alsbald zugegeben, daß er der gesuchte Albert Treulieb von Stuttgart sei.

Prag, 12. August. Vor dem hiesigen Schwurgericht wurde seit 3 Tagen gegen die Familie Wondra, bestehend aus Mutter und 2 Söhnen, verhandelt, die vor einigen Monaten den scheußlichen Massenmord gegen ihre Schwester, ibren Bruder und drei andere Personen verübt haben. Die Unterbandlungen förderten eine solche Masse von unglaub licher Rohheit und geradezu verblüffendem Cynismus zu Tage wie dies in den Annalen der Criminalstatistik kaum zuvor der Fall gewesen ist. Stände es nicht fest, daß sämmtliche Angeklagte ihren vollen Verstand haben, man müßte sie für vom Irrenhause enisprungen halten. Der Hauptthäter wurden zum Tode verurtheilt.

Serajewo, 9. August. Den ganzen heutigen Tag war man noch mit den Arbeiten behufs Localisirung des Brandes beschäftigt. Vereinzelte erneute Ausbrüche der Feuersbrunst wurden schnell unterdrückt. Seitens des Militärs wurden die Löscharbeiten fortgesetzt. Auf An ordnung des Herzogs von Württemberg trat ein Hülfs Comite, bestehend aus Beamten, Militärs und Ge meinderäthen zusammen zur Beschaffung von provi sorischer Unterkunft und Lebensmitteln, sowie zur Organi sicung von Subscriptionen. Der Kaiser von Oesterreich hat 10,000 fl. zur Linderung der Noth angewiesen. Die Hülfe⸗Action ist im vollem Gange.

Alexandria, 12. August Der Wasserstand des Nils hat die Höhe von 19 Ellen erreicht.

Ueber Schulgärten.

(Aus einem Vortrag, gehalten in einer Sektion der XXIII. allgemeinen deutschen Lehrer-Versammlung zu Braun schweig, von Carl Sell, Lehrer an der Hauptschule.)

(Fortsetzung.) Erasmus Schwab idealisirt den Schulgarten in hohem Grade, er stellt ihn in den Mittelpunkt alles

einen einheitlichen Gedanken darstellen. Das den praktischen Erziehungszwecken dienende Gra be⸗ land mit den Gartengewächsen, den technischen

delspflanzen, das Versuchsfeld zur Darstellung von Nutzpflanzen aller Art, deren Verbreitung am meisten wünschenswerth ist, die O bstba um und Rebschule, kurz, die einzelnen Theile des Nutz gartens sollen durch zweckmäßige Anordnung und durch hübsche Dichtpflanzuugen von dem eigent⸗ lichen Ziergarten, welcher vorzugsweise den botanischen Theil enthält, getrennt werden, und in diesem sollen Frühlingsblumen und über⸗ haupt ein bis zum Herbst sich ablösender reicher Schmuck von Blumen, von schönen, perennirenden Pflanzen, von Rosen nicht fehlen. Auf dem Lande wie in der Stadt soll der Schulgarten den Cha rakter einer gefälligen, anheimelnden Anlage haben: der kleine den eines reizenden Hausgartens, der große den eines landwirthschaftlichen Gartens, welcher den naturkundlichen Theil, die Flora der Heimath in schönen pflanzengeographischen Bildern zur Anschauung bringt. Schnurgerade Gänge, die sich rechtwinkelig schneiden, gleich große vier eckige Beete von ermüdender Gleichförmigkeit müssen möglichst vermieden werden. Allerdings dient der Schulgarten der Belehrung, aber er soll belehren, indem er gefällt. Wie der botanische Garten des kaiserlichen Lustschlosses zu Schönbrunn ganz abweichend von den botanischen Gärten der Uni⸗ versitäten durch seinen landschaftlichen Charakter und die malerische Ausnutzung des Bodens fort: während das Auge des Besuchers erfrischt und ihn von Neuem zu belehrender Betrachtung auf munter, so soll in ähnlicher Weise selbst der kleine Schulgarten darnach streben, durch einfache Schön heit zu erfreuen, damit er für die Jugend eine Schule des Geschmackes werde und den Sinn für das Schöne zum Bedürfniß mache; denn die ersten Jugendeindrücke sind bleibend!

ö Mit dieser kurzen Skizze ist der Ideenreich thum Schwabs nur angedeutet, lange nicht er⸗ schöpft und verweisen wir zur näheren Informa- tion auf die vortreffliche Schrift:Der Schul⸗ gacten. Ein Beitrag zur Lösung der Aufgabe der öffentlichen Erziehung. Von Prof. Dr. Erasmus Schwab. 4. Auflage. Wien, Eduard Hölzel, ferner auf dieAnleitung zur Anlage von Schul- gärten, ebendaselbst. Nach Urtheilen von pro funden Pädagogen, Aerzten, Naturforschern und

ungezwungen verbundenes, klar geglievertes Gait

und ökonomischen, den Gift., Arznei- und Han⸗

naturkundlichen Unterrichts, für welchen derselbe 2: 1A 5 Anschauungs- und Beobachtungsmaterial liefert, Männern 1 55 Wien Lebens ist u eber einzige Idee übergangen,

1 Schriften nicht eine zunächst in Bezug auf das Pflanzenleben, dann 5 1 8 aber auch in Rücksicht auf heimische Thiere, auf nne durch den Schulgarten verwirklicht werden Boden- und Mineralienkunde. Der Schulgarten 3 f 0 5 Aber in solch idealer Auffassung ist bei

Thien ua z. ig Sig der Hegel e systematischer Ausnutzung aller erzieh⸗

denn. 2. 8 8 3% lichen und unterrichtlichen Momente, welche er dar⸗

er gewähre in Gebüsch und Hecken ungestörte z; 25 1 5 Nistplätze und Bruthecken, gebe den Kindern Anlaß bietet der Schulgarten nach Schwab in der

zum Anbringen von selbstgesertigten Nistkästchen. Der Thateine Pflanzstätte für lebendige Erkenniniß Schulgarten vermittele Bienenzucht, im günstigsten Falle durch Anlage eines Aquariums auch Kennt' niß der Wasserthiere. Wo es die Verhältnisse gestatten, könne eine Volidre die Vögel der Heimath aufnehmen. Ein geräumiger Platz, umschattet von je einem unserer 20 30 heimischen Waldbäume gewähre Gelegenheit zu Spielen und turnerischen Uebungen der Schüler. Gemeinsame Arbeiten im Garten bilden den Gemeinsinn, Einzelbeete den

nung und Reinlichkeit, regen zur Beobachtung an

Schülern zur Pflege überlassen, erziehen zur Ord-

der Natur und edle Freude an derselben, für Aus- bildung des Verstandes und des Schönheitssinnes, für Erziehung zu Gemeingeist und guter Sitte, für kräftige Entwickelung des Körpers, endlich durch Verbreitung wichtiger Belehrungen für erhöhten Volkswohlstand. Der Schulgarten ist also ein Mittel zur Förderung harmonischer Menschenerzieh⸗ ung, ein idealer Gedanke, welcher dem ganzen vollen Leben zugewendet ist und sich mit dem Realismus verbündet, um die Volkswohlfahrt auf materiellem, geistigem und sittlichem Gebiete mächtig zu fördern.

und nähren den Trieb zum Forschen, welcher demSo sehr auch, fährt Schwab for

Kinde natürlich ist; dem Fortbildungsschüler geben b. 8 dieselben die Möglichkeit zu praktischen Uebungen und wirthschaftliche Vereine den praktischen Werth 5 zu einfachen landwirthschaftlichen und gärtnerischen Schulgartens betonen und mitunter diese materielle Versuchen und dadurch Veraulassung zum Schaffen Seite auschließlich pflegen wollen 8 und so groß und Gelingen, zur Pflege von Arbeitslust, Ur.g 15 0 92 e ee 280 beit g der ulgarten der Landwirthschaft mittelbar zu 1 Selbstvertrauen und Interesse am Fort bieten vermag, so ist doch für den Schulmann

Aber auch die Sh d abe Ge- der Schulgarten in erster Reihe ein Mittel für fühles 5560 Stütze im Schulgarten. Eniburg, e für Berstandesbildung, 80 Denn die Bestandtheile und die Bepflanzung des ke für Beibringung naturgeschichtlicher 85 selben sollen kein wirres oder auch schwerfälliges naturkundliche Kenntnisse und erst in vierter ein Durcheinander bilden, oder planlos in einzelne Mittel 1065 Beibringung praktischer Kenntnisse kleinliche Parthien zerpflückt werden, sondern sie ung Fertigkeiten.(Fortsetzung folgt.)

sollen nach dem Grundsatze der Gartenkunst als

1