Ausgabe 
11.9.1879
 
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1879.

Donnerstag den 11. September.

M107.

Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.

n te einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 P 5. 0 i ein B tet 9 Wr D 0 5 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reelamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen.

2 Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Philipp Schmidt IV. von Massenheim wurde als Feldschütze für diese Gemarkung ernannt und verpflichtet.

Deutsches Reich. g Darmstadt, 9. Sept. Großfürst Alexis von RNußland ist heute von Jugenheim nach Biarritz

N Darmstadt. nthält: I. Gesetz über die Ausführung des Deulschen Ge ichtskoflengesetzes und der Deuischen Gebührenordnungen Ar Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige. II. Verordnung über die Gerichtskosten und Gebühren. Berlin. DieN. A. Z. schreibt: Unsere euliche Richtigstellung der Notiz derNat.-Ztg., vonach Fürst Bismarck die Initiative zur Send- ung des Feldmarschalls v. Manteuffel nach Warschau ergriffen haben sollte, hat in einheimischen und luswärtigen Blättern eine nach unserer Meinung

Das Regierungsblatt Nr. 40

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ö gesucht. iber die Bedeutung jener Richtigstellung hinaus- 1 d 17 zehende Erörterung wachgerufen. Wir haben keine le

Zeranlassung, auf alle Commentare näher einzu- ehen, welche dazu in der Presse auftauchten; venn man aber, wie hier und da geschehen, die Zuverlässigkeit unserer Information in Zweifel sehen zu müssen glaubte, so müssen wir dem segenüber unsere Angaben in vollem Umfange nufrechterhalten; Manteuffel ist nur in Erfüllung nes von Kaiser Alexander ausgesprochenen Wunsches, velcher preußische Offiziere den Manövern seiner Truppen beiwohnen zu sehen wünschte, an der Spitze einer Deputation preußischer Offiziere nach Warschau gesendet worden und hat, wie wir iußerdem erfahren, dem Kaiser Alexander die Antwort auf einen Brief überbracht, welchen unser Faiser von seinem erlauchten Neffen vorher er- galten hatte.

DieN. A. Z. constatirt das Factum, die russische Presse nachdem sie kurz vor er Reise des Zaren nach Warschau und der Fbeundschaftlichen Sendung preußischer Offiziere unter der Führung Manteuffel's die Angriffe gegen Deutschland auf Weisung der Regierung eingestellt, E nach der Zusammenkunft in Alexandrowo den Fampf wieder aufgenommen zu haben scheine. DerGolos habe in seinen Artikeln vom 4. imd 5. d. M. in einem an die frühere Berliner Reichsglocke erinnernden Tone die gehässigsten Lussfälle gegen den Reichskanzler und die deutsche Politik gerichtet und dieAgence russe habe den rtikel vom 5. d. wörtlich reproducirt.

1 DemD. M. entnehmen wir: Der Courrier d' Italie versichert, daß eine Unter. dung zwischen Bismarck und Monsignor Jacobini in Gastein unter Wahrung des strengsten Geheim- isses trotz aller Dementis stattgefunden habe.

N Nach der Rückkehr des Vice-Präsidenten Stollberg am 15. Sept. beginnen die Staats: r inisterberathungen über die Landtags- Vorlagen. Die Einberufung des Landtags findet Ende October statt.

1 Königsberg, 8. Sept. Nach der Rückkehr n don dem Pferde-Rennen besuchten der Kaiser und , die Kaiserin gestern Nachmittag mit sämmtlichen

5 f Vrinzen und dem Großherzog und Erbgroßberzog bun Mecklenburg⸗Schwerin die Kirche in Inditten-

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ind der Königin Luise). Bei dem Festdiner des Wrobinzialverbandes von Ostpreußen toastete der

Kaiser auf die Provinz und die Stadt Königs- berg in Erwiederung auf den Toast des Vor- sitzenden des ostpreußischen Provinzial Landtages. Abends wohnten der Kronprinz und Prinz Wilhelm dem Studentencommers im Schützenhause bei. Eine Rede des Kronprinzen auf die Ansprache der Studenten brachte eine zündende Wirkung hervor. Beim heutigen Feldmanöver stieg der Kaiser Morgens 9 Uhr bei Preil zu Pferde. Derselbe verfolgte das Manöver von einer Anhöhe nächst Preil und hielt Kritik bei Poleppen. Die Rück. kehr nach Königsberg erfolgte um 1½¼ Uhr. Die Kaiserin besuchte die Wobhlthätigkeits- Anstalten. Abends wohnten der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzen nebst Gefolge dem von der Stadt ge- gebenen Feste in derFlora bei. Die Kaiserin verließ das Fest früber wegen ihrer noch Abends eifolgenden Abreise nach Berlin. 9. Sept. Der Kaiser fuhr heute um 9 Uhr bis Medenau auf der Bahn und wohnte bierauf zu Pferde dem Feldmanöver zwischen Medenau und Katharinen. hof bei. Bei letzterem Orte gab der Kaiser die übliche Kritik unter dem Ausbrucke der höchsten Anerkennung für die Leistungen des Armee Corps. Prinz Wilhelm hat der Preievertheilung des Thierschutzvereins in der Flora beigewohnt und bei dieser Gelegenheit eine Ansprache gehalten. Auf dem Studenten-Commers sprach der Kron prinz auch über Politik sehr freimüthig. Er äußerte u. A.: Der ganze Skandal mit Rußland sei Unsinn. Russische Offiziere, die den Manövern beiwohnen, äußerten sich ebenfalls gegen mich sehr friedfertig. Major Liegnitz von der deutschen Botschaft in Petersburg ermächtigt mich, zu er klären, die Geschichte, welche von ihm durch die Presse läuft, sei eineinfame Erfindung von Wiener Blättern. Es seien ihm Orden und Werthsachen gestohlen, aber keine Papiere; denn, so fügte er hinzu, Dokumente beherberge er nicht in seiner Behausung. Dieses Dementi bezieht sich auf die von der WienerPresse gebrachte Mit⸗ theilung, daß der deutsch russische Preßkrieg haupt- sächlich darauf zurückzuführen sei, daß dem deutschen Militärattachée in Petersburg, Major Liegnitz, vor Kurzem politisch compromittirende Documente gestohlen worden seien, die dann der russischen Regierung in die Hände gekommen seien.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Der Reichsrath wird Ende des Monats mit einer Thronrede eröffnet. Die Regierung sei gewillt, die Consequenzen der Adreßdebatte vorbehaltlos zu acceptiren. Damit müsse aber die politische Campagne jetzt zu Ende sein. Das Budget sei rechtzeitig zu erledigen, auch über die Steuerge- setze und das Weyhrgesetz rasch Beschluß zu fassen. Wenn die Verfassungspartet sehen werde, daß das Ministerium kein Attentat auf die Erxrungenschaften der letzten zwanzig Jahre plane, werde der Moment gekommen sein zur Vollendung des Coalitiouswerkes.!

Der Herzog von Württemberg telegraphirt aus Han Kovacs vom 8. Sept.: Die Colonne des

uisenwahl(Sommersitz Friedrich Wilhelm III. Generals Killte, welche um 6 Uhr früh von Cainica aufbrach, erreichte um [Grenze des Sandschaks Novibazar und bezog um!

10 Uhr Vormittags die

12 Uhr Mittags bein Han Kovacs ein Lager. Die türkischen Posten in Goozd und Han Kovacs hatten sich zwei Stunden früher gegen Plewlje zurückgezogen. Die spärliche Bevölkerung zeigt sich durchaus friedlich. Die Nordcolonne unter dem Commando des Generals Obadich überschritt am 8. d. um 3 Uhr Nachmittags von Visegrad nächst Priboj die Grenze des Sandschaks und wurde von dem nächsten türkischen Militärcomman⸗ danten, dem Kaimakam aus Novovaros und Mudir aus Oriboi aufs freundschaftlichste empfangen, so⸗ wie auch von der Bevölkerung Pribojs freundlich aufgenommen. Der Marsch ging bis über Barja hinaus, woselbst unter Sicherung durch Vorposten das Lager bezogen wurde.

Linz, 7. Sept. Der Kaiser ist hier einge- troffen und von Behörden, Geistlichkeit, Depu⸗ tationen der Corporationen ganz Ober Oesterreichs und von der Bevölkerung enthustastisch begrüßt worden. Vor der Tribüne des Volksfesiplatzes hielt der Präsident des Fest-Comites die mit Be- geisterung aufgenommene Huldigungsrede. Darauf besuchte der Kaiser die Ausstellung.

Großbritannien. Lendon, 8. Sept. Gestern Abend traf ein Telegramm des Vicekönigs von Indien ein, wonach Major Cavagnari, Seeretär Jenkyns, Doctor Kelly, Lieutenant Ha milton und die 67 Mann starke Escorte der eng- lischen Gesandtschaft in Kabul nach verzweifelter Gegenwehr getödtet wurden. Drei Regimenter der aufständischen afghanischen Truppen sollen Kabul verlassen haben; ihre Bestimmung ist unbekannt. Die Haltung der Stämme an der afghanischen Grenze ist bis jetzt den Engländern nicht un günstig. In Regierungskreisen nimmt man an, vaß Ajub Khan und anderen Häuptlingen die Anreizung und Mitschuld zur Last falle.

Reuter's Bureau meldet aus Simla, der Gouverneur von Kandahar habe den Engländern seine Ergebenheit angezeigt.

Italien. Bologna. Das hiesige Zucht- polizeigericht erklärte die Mitglieder der Inter- nationale in Imola für schuldig, einer strafbaren Verbindung anzugehören.

Türkei. Constantinopel, 7. Sept. In der gestrigen Conferenz bezüglich der griechischen Grenzfrage überreichten die griechischen Commissäre die schriftliche Antwort auf die jüngste Erklärung der Commissäre der Pforte, wonach letztere als ungenügend bezeichnet und categorisch Aufklärung gefordert wird, ob die Pforte bereit sei, das dreizehnte Congreßprotokoll als Basis der Verhand- lungen anzunehmen. Schließlich einigte man sich dahin, die türkischen Commissäre sollten in der Sitzung am nächsten Mittwoch die griechische Forderung schriftlich beantworten.

Nachrichten aus Pbilippopel vom 5. Sept. zufolge hat die europäische Commission die Motion des französischen Delegirten Ring bezüglich der Dovanen angenommen; der italienische und der russische Delegirte enthlelten sich der Abstimmung. Die Commission beschloß nach Erschöpfung der Tagesordnung ihre Sitzungen bis zu einer er neuten von der Pforte im Einvernebmen mit den Botschaftern der Mächte zu veranlassenden Einbe rufung zu vertagen. Der griechische Consul richtete