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Innungen handelt, Abstand genommen werden. Sowohl im Reichekanzleramte als im preußischen Handelsministerium wird die Ansicht getheilt, daß, bevor an Aenderung der einschlägigen Materie berangegangen werden kann, vorerst der Erfolg abgewartet werden muß, welchen die vom Minister Maybach im Januar d. J. erlassene Verfügung betreffend Bildung von Innungen im Allgemeinen hervorbringen wird.
— Der„Corriere Mercantile“ in Genua meldet, daß der deutsche Kronprinz wahrscheinlich einige Zeit im Seebad Pegli zubringen werde. Verschiedene italienische Blätter versichern, daß die deutsche Kronprinzessin den größten Theil des Win- ters in Rom verweilen und daß auch der Kron- prinz wäbrend derselben Zeit vorübergehend in der ewigen Stadt eintreffen dürfte.
— Die hiesigen Blätter veröffentlichen den Wahlaufruf der Nationalliberalen, welcher bis auf den Passus über die Schule mit der bereits bekannten Veröffentlichung der„N. Fr. Pr.“ buch- stäblich üdereinstimmt. Der bezügliche Passus lautet in der heutigen Veröffentlichung: Das Gesetz über die Schulaussicht wollen wir nicht preisgeben. An der Forderung des Unterrichtsgesetzes halten wir fest. Wir werden zu vermeiden streben, daß die Verwaltung der Schule in einem anderen Geiste geführt werde, als demjenigen, welcher die Amts- führung des Ministers Falk beseelte.
— Das Dementi der„Nordd. A. Ztg.“, daß Manteuffel keine politische Mission hatte, findet in der russischen Presse große Aufmerksamkeit. Gort- schakoff's„Journal de St. Petersbourg“ stellt die Echtheit des Dementis einigermaßen in Frage und meint schließlich, diese Reise sowie ihre Beweggründe seien keine Preß-Angelegenheit, sondern eine solche der Regierungen.„Golos“ betrachtet das Dementi als Ausdruck politischer Differenzen zwischen Kaiser Wilhelm und Bismarck.
Königsberg, 5. Sept. Gestern Abend traf der Kaiser, empfangen von den Spitzen der Behörden der Stadt, hier ein. Der Kaiser sprach sehr huldvoll mit fast allen auf dem Perron aufgestellten Herren, ebenso die Kaiserin, der Kron prinz, Prinz Wilhelm. Der Bahnhof wan elektrisch beleuchtet, die Stadt reich geschmückt, beflaggt und illuminirt.
Heute Morgen empfingen der Kaiser und die Kaiserin, ehe sich dieselben zur Parade nach dem Exerzierplatz begaben, die Bewillkomm— nung hiesiger Stadt in einer Deputation von 27 Jungfrauen, geführt vom Oberbürgermeister und den beiden Stadtverordneten-Vorstehern. Die Majestäten nahmen die Huldigung der Stadt mit hoher Befriedigung auf und sprachen dies in tief— gefühlten Worten des Dankes aus. Der Kaiser gedachte dabei der Zeiten schwerer Heimsuchung, die er hier mit seinen Eltern verlebt, hob aber auch die weise Fügung Gottes hervor, der Alles so herrlich binaus geführt habe; an Gottes Segen sei Alles gelegen. Die Parade hat den glänzendsten Verlauf genommen. Der Kaiser und sämmtliche Prinzen ritten die Front der Truppen ab, die Kaserin folgte in vierspännigem Wagen. Sodann fand zweimaliger Vorbeimarsch statt, wo— bei der Kronprinz sein ostpreußisches Grenadier⸗ Regiment zweimal vorbeiführte. Auf dem Hinwege und Ruckwege wurde der Kaiser von stürmischen Kundgebungen der Volksmassen begrüßt; vom Königsthor bis zum Schloß bildeten die Gewerke mit ihten Fahnen und Abzeichen Spalier. Um 4 Uhr fand das Parade-Diner von 300 Gedecken statt. Dem Kaiser gegenüber saß der Kriegsminister, welcher neben fich den commandirenden General des ersten Armee Corps von Barnekow und den General Skobeleff hatte. Der Kaiser besuchte um 8 Uhr das Stadttheater.— 6. Sept. Bei dem heunngen Diner von 380 Gedecken im königlichen Schlosse, zu welchem die Spitzen der Civilbehörden geladen waren, brachte der Kaiser folgenden Trink: spruch aus: Die Kaiserin und Ich haben mit freudigem Gefühle Ostpreußen und die alte Krön- ungsstadt, welche für Uns so reich an Erinnerungen ist, wieder betreten. Mir sind diese Gefühle ver⸗ schiedenster Art und der Wechsel der Geschicke im Leben nirgends lebhafter wie hier entgegengetreten,
denn Ich war hier in der Zeit der größten Noth
des Vaterlandes und dann erlebte Ich hier den höchsten Glanz meiner irdischen Laufbahn. Die Freudigkeit, mit der wir hier empfangen worden sind, gibt Zeugniß von der patriotischen Gesinnung, in welcher Stadt und Land zu allen Zeiten sich in freudiger Opferwilligkeit hervorragend gezeigt haben. Ich erbebe daher mein Glas und trinke auf das Wohl Ostpreußens und der Stadt Königs-
berg. Der Oberpräsident von Horn dankte für die ausgesprochene Huld und Gnade. Ausland. Oesterreich- Ungarn. Wien. Dem
„Fremdenblatt“ und der„Presse“ zufolge sind die Nachrichten von der Recognoscirungs-Commission bisher sehr günstig. Die Bevölkerung in Pribois ließ bereits die Commission ersuchen, die Besetzung durch österreichische Truppen möge in diesem Jahre erfolgen und erklärte sich bereit, die nothwendigen Häuser für die Unterbringung der Soldaten zur Verfügung zu stellen. Auch die Bevölkerung Taschlidschas(Plewje) ist bereit, alle für die Truppen ersorderlichen Materialien zu liefern.
— 6. Sept. Die„Pol. Corr.“ meldet aus Serajewo: Der Feldzeugmeister Herzog von Würt'⸗ temberg ist mit dem Generalstabschef Oberst Alvori heute über Gorazda nach Cainica aufgebrochen um den am 8. September erfolgenden Einmarsch in das Sandschak Novibazar zu leiten.
— 6. Sept. Zu dem heutigen Galadiner zu Ehren des Fürsten von Montenegro waren sämmt⸗ liche Minister zugezogen; der Fürst kehrt morgen nach Cettinje zurück.— Der rumänische Minister Boerescu hatte gestern eine zweistündige Conserenz mit Andrassy und ist heute nach Rom abgereist, von wo er sich nach Bukarest zurückbegibt.
— Die amtliche„W. Z.“ meldet: König Alphons von Spanien hat während seiner An- wesenheit in Arcachon um die Hand der Erzher⸗ zogin Marie Christine geworben; mit Zustimmung des Kaisers, als oberster Chef des Kaiserhauses, wurde die Bewerbung von der Erzherzogin mit freudigster Zustimmung angenommen. Die bevor- stehende Verbindung wird gewiß nicht nur die beiden Regentenhäuser, sondern auch die Bevölker⸗ ung der beiden Reiche mit lebhafter Freude und Befriedigung erfüllen.
Frankreich. Paris. Der„Agence Havas“ zufolge, ist die Nachricht verschiedener Blätter, die Regierung habe beschlossen, den Artikel 7 des Ferry'schen Gesetzentwurfs fallen zu lassen, gänz⸗ lich unbegründet.
Belgien. Brüssel. Das eben bier tagende Institut für Codification des Völkerrechts nahm den Antrag Bluntschli's an, wonach die Regier— ungen ersucht werden sollen, die Bestimmungen des Kriegs rechts durch Verträge zu regeln.
Großbritannin. London. Das„R. B.“ meldet aus Simla: Die englische Botschaft in Cabul wurde am 3. d. Mts. von insurgirten afghanischen Regimentern, welche ihren rückständigen Sold forderten, angegriffen. Die Angreifer wur- den von dem Pöbel der Stadt unterstützt. Der Emir suchte den Aufruhr zu beschwichtigen und sandte seine Söhne und mehrere andere Persön- lichkeiten an die Aufrührer ab. Der Haufe war aber den Vorsiellungen derselben unzugänglich und der Emir selber wurde von den Insurgenten be— lagert. Der Angriff auf die englische Botschaft dauerte den ganzen Mittwoch über an. Am Abend dieses Tages brach zudem eine Frkuersbrunst aus. Das Schicksal des Majors Cavagnari selbst sowie der übrigen zur Botschaft gehörigen Per- sonen ist bis jetzt unbekannt. Es wird Besehl an die britischen Truppen gegeben werden, sofort nach Cabul zu marschiren und findet eine allge-
meine Concentraton der Truppen gegen das afghanische Gebiet statt. Spanien. Madrid. Einer Depesche aus
Havannah vom 3. d. zufolge hat die spanische Regierung dorthin anzeigen lassen, daß ste sofort 20,000 Mann Truppen und die erforderlichen Geldmittel zur Aufrechterhaltung der Ruhe nach Kuba abgehen lassen werde.
Türkei. Constantinopel, 4. Sept. Die für heute anberaumte Conferenz in der griechischen
Wie es heißt, be⸗
Frage ist auf den 6. vertagt. absichtigt Savset Pascha zu beantragen, daß un⸗ verweilt in die Erörterung der Grenzfrage einge⸗
gangen werde. Eine Discussion der Vorbehalte, welche die Pforte an die Annahme der Bestimm⸗ ungen des 13. Congreß-Protokolls knüpfte, sollen die türkischen Bevollmächtigten nicht zuzulassen be⸗ auftragt sein.
Rußland. Petersburg. Die„Agence russe“ schreibt: Die Zusammenkunft in Alexandrowo ist die beste Antwort auf die jüngsten Versuche, die guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland zu stören und ein Beweis, daß im Geiste der beiden Monarchen die Traditionen tief eingeprägt sind, wodurch dieselben, neben den Banden der Verwandtschaft auch durch ihre von den Vorfahren vererbten Erinnerungen und Bei— spiele mit einander verbunden wurden.
— 5. Sept. Der Mörder des Gouverneurs von Charkow ist im Gouvernement Tschernigow verhaftet; derselbe soll durch Bestechung seitens des bereits hingerichteten Lisogub zum Morde ver⸗ anlaßt worden sein, er wird nach Charkow trans⸗ portirt und daselbst abgeurtheilt.
— Der Botschafter in Constantinopel, Fürst Labanoff, ist zum Botschafter in London ernannt. An seine Stelle in Constantinopel tritt der bis- herige Gesandte in Athen, Geheimerath Saburoff.
Brest⸗Litowski, 5. Sept. Der Kaiser von Rußland ist Nachts hier eingetroffen, über⸗ nachtete im Salonwagen, besichtigte am Vormittag die hiesigen Truppen und setzte um 11 Uhr die Reise nach Ooessa fort.
Aegypten. Kairo, 4. Sept. Durch Decret des Khedive werden Baring und Bligniéères zu Finanz- Controleuren ernannt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. In einem Hofe in der Burg befindet sich ein erstaun lich fruchibares Huhn; dasselbe legt jeden Tag zwei Eier hintereinander. Die Eier haben die Größe wie die anderer Hühner auch, die Eierschale jedoch ist nicht hart, sondern fühlt sich weich an und gibt dem Druck des Fingers nach.
Butzbach, 5. Sept. Bei der beute statigehablen Bürgermeister⸗Wahl machlen von 424 stimm berechtigten Wählern 330 von ihrem Stimmrechte Gebrauch. Das Resultat war Folgendes: Fabrikant J. W. Küchel erhielt 161 Stimmen, Conrad Hagemann II. 102 Stimmen, Apotheker H. Vogl 67 Stimmen. Da keiner der Candidaten die absolute Majorität,— 166 Summen erhielt, so muß in Folge dessen eine Stichwahl zwischen Küchel und Hage mann statifinden.
Marienschloß, 2. Sept. Unser Landeszuchthaus wäre beinahe ein Raub der Flammen geworden. Gestern Abend sah man Rauch an der westlichen Seite aussteigen. In der Eigarrenfabrik hatte sich auf eine bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise eine Parthie Tabak entzündet. Schnelle Hülse verhinderte einen größeren Schaden.
Marienschloß. Der vor einigen Monaten wegen Raubmords zum Tode verurtheilte, jedoch zu lebensläng⸗ licher Zuchthausstrafe begnadigte Götlelmann von Uffhofen ist bereiis gestorben.
Bessungen, 6. Sept. Gestern beging ein Dienst⸗ mädchen die nach den vielfachen Unfällen kaum mehr be⸗ greifliche Unvorsichtigkeit, Petroleum in's Feuer zu schütten, wobei sie sich erhebliche Brandwunden zuzog.
Allerlei.
Frankfurt. Beim Auspacken einer Kiste aus dem Auslande wurde in der Verpackung, die aus Gras be⸗ stand, eine Schlange gefunden und dem Zoologischen Garten verehrt.
Frankfurt, 6. Sept. Heute sollte auf dem Stadt Gericht eine Ehescheidung vollzogen werden. Das schon in den Jahren sehr gereifte Paar, dessen Schädel das fünste Decennium umweht, war erschienen, die Richter hatten nur noch ihr Urtheil zu fällen, da muß doch eine sonderbare Regung in den Herzen der Beiden stattgefunden haben, denn plötzlich reichten sie sich die Hand; Aug in Aug standen sie, die Thränen, welche die Herzen erweichen, rolllen über die Wangen. Der Richter hatte kein Urtheil zu verkünden; sie kehrten einig in die Welt zurück.
Homburg v. d. H., 4. Sept. Die in der oberen Kisseleffsraße belegene Behausung der Geschwister Hold wurde gestern früh polizeilich geöffnet und sand man beide Schwestern, welche allein das Haus bewohnten, die Eine ganz entkleidet und die Andere blos mit einem Hemde versehen, besinnungslos im Zimmer liegen. Die ärzlliche Untersuchung ergab den Genuß von allzuvielem Brantwein, in Folge dessen jedenfalls eine Alkoholvergifinng eintrat. Die Schwestern sollen nach dem„T. B.“ schon seit Jahren jenem Genuß in einer maßlosen Weise gefröhnt baben und waren dadurch in eine sehr dürftige Lage gerathen. Die Eine starb gestern Nachmittags, die Andere Abends; die Leichen wurden sofort in das Todtenhaus auf dem luth⸗ Friedhof verbracht.
Petersburg, 6. Sept. Durch heftige Stürme im finnischen Meerbusen schwoll die Newa gestern außer
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