habe eingewilligt, daß die Kriegskostenentschaͤdigung in Papier⸗Rubeln gezahlt werde.
— Frankreich, England, Deutschland, und Osterreich stimmten der beabsichtigten Ernennung Rustem Pascha's zum Gouverneur Ostrumeliens zu; Rußland, welches an Rustem's katholischer Confession Anstoß zu nehmen scheint, hat sich bisher noch nicht ausgesprochen.
— 1. Jan. Die Einwobner von Podgorizza telegraphirten dem Sultan, sie seien entschlossen, sich dem ibren Bezirk betreffenden Beschlusse des Berliner Congresses keinesfalls zu unterwerfen. Gleichzeitig ließ die Medschliß von Podgorizza die Wobhnhäuser jener Einwober von Spiz demoliren, welche sich nach Danilovgrad begaben, um Montene gro ibre Unterwerfung anzuzeigen.
Rumänien. Bukarest, 2. Jan. Rosetti bat sich in besonderer Mission nach Rom, Demeter Bratiano deßgleichen nach Wien und Paris begeben.
Aegypten. Kairo. Nach einem Detrete sind die Vorschläge auf Errichtung eines besonderen Departements für die spstematische Verwaltung und Ueberwachung der Canalisirungsbauten, ge- nehmigt werden.
Amerika. New Jork. Im Monat Dec. hat die Staatsschuld um 1,234,000 Doll. zugenommen. Der Baarvorratb des Staatsschatzes betrug am 31. Dee 224,865,000 Doll., der Be stand an Papiergeld im Schatz 4,516,000 Doll.
Aus Stadt und Land.
— Friedberg. In einem„zur Beförderung des Fortschrilts in Wissenschaft, Literatur, Kunst und Industrie“ in Mailand staltgebabten Schriften-Concurs ist dem Director der biesigen Großb. Taubstummen Anstalt Dr. Matthias die goldene Medaille zuerkannt worden.
Friedberg. Nach Erkundigungen an competentet Stelle beschränkt siv der„Einsturz“ der Eckarisbäuser Kirche darauf, daß einige Schraubenmuttern an dem Hänge⸗ werk, das die Decke trägt, absprangen, wodurch sich die
Decke gesenkt hatte. Der ganze Schaden ist bereiis wieder
repatirt.
Friedberg, 6. Jan. In der letzten Nacht wurde bei Gebr. Aaron bier eingebrochen und eine Anzabl werthvoller Felle gestohlen. Dem Thäler ist man auf der Spur.
Bad Nauheim, 4. Jan. Anfangs dieser Woche wurde bei einer hiesigen verwitweten Frau ein Einbruchs⸗ versuch gemacht, mißlang aber durch die zufällige Da⸗ zwischenkunst der Beneffenden; der Dieb halte sich in einem Schrank verborgen gebalten und entisprang, ohne erkannt worden zu sein. Desio besser gelangen zwei Ein⸗ brüche in voriger Nacht, welche sich jedoch auf Diebstahl von Heizungs material beschränkten.
Gießen. In dieser Woche werden vor dem Schwur— gericht vom J. Quartal l. J. nachbemerkte Anklagesachen zur Verhandlung kommen: Den 6. Jan., Vorm. 9 Uhr, gegen J. Kutsch von Ebsdorf wegen Diebstahls; Verih. Adv. Weidig. Dens., Nachm. 3 Ubr, gegen F. Langen⸗ hahn von Eisenberg wegen Diebstahls; Verih. Adv.
Thorwart. Den 7. Jan., Vorm. 8½ Uhr, gegen K. Heus
von Vilbel wegen Kö perverletzung mii tödilichem Erfolg; Verth. Adv. Dr. Eckstein. Den 8. Jan., Vorm. 8½ Uhr, gegen C. Schäfer von Rainrod wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Verth. Adv. Baist. Dens., Nachm. 3 Uhr, gegen F. Scheer von Lauterbach wegen Köcper— verletzung mit tödlichem Erfolg; Verih. Adv. Lauer. Den 9. Jan., Vorm. 8½ Uhr, gegen C. Fuchs III. von Groß⸗Eichen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Verth. Adv. Kraft. Dens., Nachm. 3 Uhr, gegen Hand— lungscommis K. Stohr von Gießen wegen Diebftols; Verlh. Adv. Dr. Dittmar. Den 10. Jan. Vorm. 8½ Uhr, gegen F. Baumbach von Trais⸗Horloff und J. W. Dickel von Freienseen wegen Brandstiftung; Verth. noch nicht bestimmt. Dens., Nachm. 3 Uhr, gegen A. Ködel von Aulendiebach wegen Diebstahls; Verth. Adv. Metz. Den 11. Jan. Vorm. 8½½ Uhr, gegen H. Wagner III. von Schwalheim wegen Körperverletzung; Verth. noch nicht bestimmt. Dens., Nachm. 3 Uhr, gegen K. Lehr und Cons. von Nidda wegen Diebstahls und Hehlerei; Ver th. Adv. Dr. Schwarz und Dr. Raatz.
Offen vach, 2. Jan. Der Main ist heute Nacht bedeutend gewachsen und noch beständig im Steigen.
Mainz, 2. Jan. Ein hier beschäftigt gewesener Con⸗ bitor Namens Just erschoß sich gestern Abend aus Eiser⸗ sucht in der Wirthschaft„Zu den drei Löwen“ und zwar unmittelbar vor dem Eingang zu dem daselbst befindlichen Tanzsaale eines Lehrers der Tanzkunst. Die Pistole, deren sich der Unglückliche bediente, war mii Wasser geladen.
Mainz, 2. Jan. Der Wasserstand des Rheines ist wieder besorgnißerregend; bertiis wird das niedergelegene Ufer zwischen Fisch⸗ und Bocksthor von den Fluthen be— spült, und bei dem fortwährenden Steigen(heute Vormü⸗ tag fast jede Stunde nahezu einen Zoll) wird der Rhein auch das übrige User wieder überschreiten. Die Häuser— bewohner der nieder gelegenen Stadttheile haben bereits mit der Räumung der Keller begonnen, da in manche Keller bereite das Hochwasser eingedrungen ist.— In der Nähe von Castel sank heute Nachteine Baggermaschine auf eine bis jetzt noch unaufgeklärte Weise.— 4. Jan. Der Rhein in wiedetum einen Fuß gewachsen und zeigt heute Morgen
bald 10 Uhr das Pegel 14 Fuß 6 Zoll, auch die übrigen
—.—
Theile des Ufers werden bereits von den Wellen bespült. Ein weiteres Steigen wird vom Oberrhein gemeldet und wurden in Folge dessen heute Morgen bereits Vorricht⸗ ungen getroffen, um in Folge des starken Wasserdruckes einen Unfall bei der Schiffbrücke zu vermeiden. Die Koln⸗ Düsseldorser Dampfboote, sowie die Dampfboote der hol⸗ ländichen Gesellschaft haben ihre Fahrten eingestellt.
Worms, 1. Jan. Heute wurden durch den biesigen Fleischbeschauer bei der Untersuchung von amerikanischem Schweinefleisch, welches zum Verkaufe ausgeboten werden sollte, in einem Seitenstücke Trichinen in großer Menge gefunden.
Worms, 2. Jan. Heute«xplodirte mit furchtbarer Detonalion der Dampfkessel in der Dampfmühle von Baruch und Schoenseld. Das Kesselhaus flog in die Luft, der große Kessel selbst wurde eine Strecke fort quer über den Liebenauerweg geschleudert und hunderte von Schritten in der Umgebung bezeugen Steine und Gebälk die Vebemenz der schreckiichen Explosion. Leider bat u das Unglück auch ein Menschenleben gekostet; sieben Arbeiter waren durch das Geröll und Gebälk verschültet aber der sosortigen Hülje gelang es, fämmtliche berauszuschaffen.
Allerlei.
Frankfurt, 4. Jan. Der Main übeffluthet seit heute Mutag 3 Uhr das rechte Mainufer. Das Wasser wächst rapid.
Fulda, 1. Jan. Den Schneestürmen der letzten und vorletzten Woche sind in unserer näperen und entfernteren Umgegend nicht weniger als fünf Menscheuleben zum Opfer gefallen. Wie groß die Zahl der Unglücksfälle auf der Rhön ist, darüber liegen genauere Angaben noch nicht vor.
Solingen, 30. Dec. Ein Mann hatte kürzlich unweit Glüder einen Hasen geschossen und war eben im Begriff, denselben auszub ben, als plötzlich ein Raubvogel auf den verendeten Meister Lampe zugeschossen kam, augenscheinlich in der Absicht, sich in den Besitz desselben zu setzen. Unser Jäger aber war nicht gewill“, dem be— sederten Diebe seine Beute zu cediten, er verdrängte den— selben vielmehr mit seinem Gewehrkolben. Eben wollie
schriftstellerischen Thätigkeit hingegeben haben, an die eigene Brust, und noch seltener fragen sie sich, ob nicht ein großer Theil der Schuld am Hand- werker selbst liegt. Häufig drückt die berüchtigte Losung„Billig und schlecht“ noch nicht ein- mal die ganze Misdre des Handwerks aus, sondern diese lautet nur zu oft: Theuer, aber schlecht. Selbstverständlich kommt uns nichts weniger in den Sinn, als das ganze deutsche Handwerk über einen Kamm zu scheeren. Es gibt, Gottlob, noch deutsche Handwerker genug, welche wissen, was sie ihrem ehrenhaften Stande schuldig sind, und die ihre Ehre darin setzen, gute Arbeit und preis- werthe Waare zu liefern. Diese Leute klagen auch nicht, es sei denn, daß sie in Mitleidenschaft gezogen worden durch die allgemeine Last der Zeit, welche den Credit erschwert und Niemanden mit Verlusten verschont;— für sie hat im Ganzen auch heute noch das Handwerk seinen goldenen Boden. Wohl mag es sein, daß die Solidität noch immer die Regel bildet und die Unsolidität die Ausnahme, aber diese Ausnahmen sind leider so zahlreich, daß das Ganze dadurch bedenklich beeinflußt wird; und durch die zahlreichen Aus- nahmen einer nicht gewissenhaften Concurrenz leidet auch der anständige Theil der Handwerker, so daß mit der Zeit gar Mancher nicht Stand halten kann und sich in seinen Leistungen mehr und mehr herabstimmen läßt. Das Handwerk selbst klagt zunächst über die Concurrenz der Großindustrie und über den Zbwischenhandel. Richtig ist, daß viele Industriezweige durch Groß- betrieb einzelne Handwerke auf den Aussterbeetat setzen, wie diese nämlich bisher betrieben worden
er sich nun mit dem Hasen entfernen, da schoß von sind; aber es lehrt die Erfahrung, daß neben Neuem der Vogel nieder, dieses Mal aber nicht auf dender Industrie der Handwerker, wenn er nur
Hasen, sondern auf den Kopf des Mannes zu, welcher,„n N 3. 1 durch ben unvertzofften Angeff vollsändig aus det Fassung einigermaßen solider oder künstlerischer arbeitet, bestehen kann. Leider aber hat der
gebracht, durch Krallen und Schnabel des Gegners fürchter- sehr gut 5 0 lich zugerichtet wurde. Der Hinterkopf bluteie aus mebreren Handwerker oft versucht, sich in seiner Art zum niesen Wunden, der Rücken war sörmlich von Kleidern] Kleinindustriellen zu erheben und in Bezug auf
eniblöst und zeigte ebenfalls verschiedene verwundete Stellen. Durch das Hinzukommen einiger Freunde des Uebersallenen ließ der Raubvogel von dem Manne ab.
Bochum, 31. Dec. Gestern Nachmittag durcheilte die Kunde von einem scheußlichen Verbrechen unsere Stad.. Auf dem Wege nach dem nahe gelegenen Grumme fand man den leblosen Köper eines Mädchens, Tochter eines Handwerkers in Grumme. Sie war am Vormittage nach Bochum gegangen, um verschiedene Einkäufe zu besorgen, und auf dem Heimwege einem Unmenschen in die Hände gefallen. Nachdem er ein verabscheuungswürdiges Ver brechen an ihr verübt, batte er sein unglückliches Opfer erdtosselt. Neben der noch nicht erkalteten Leiche lagen die Gegenstände, welche sie eingekauft batte. Zublreiche
Wunden zeugten davon, daß erst ein heftiger Kampf vor
angegangen sein mußte, ehe sie ihrem Mörder unterlegen war. Von letzterem hat man bis jetzt keine Spur. Hoffentlich aber wird er der Strafe nicht enigebhen, um fortan unschädlich gemacht zu werden. Diesem Fall ist vor einiger Zeit ein ähnlicher vorangegangen, aber das Herannahen von Leuien rettetete die angefallene Frau wenigstens noch vor der Erdrosslung. Man vermuthet, dat in beiden Fällen der Thäter derselbe gewesen ist.
Das Handwerk.
Durch die Klagen, welche vom Ministertische wie im Reichstage, von den Großcapitalisten wie von den Detailisten, vom Industriellen wie vom Künstler gegenwärtig gleichlautend ertönen, und deren Echo auch aus den Verhandlungen des deutschen Handelstages erscholl, vernimmt man schon seit langer Zeit auch einen Nothruf des deutschen Handwerks. Es gilt als ein Märchen aus alten Zeiten, daß das Handwerk einen goldenen Boden habe. eine Nothlage klagen, wäre an sich kein schlechtes
wie früher— ist schon übler. Und ganz schlimm ist es, daß das Handwerk selbst sich eine Unmasse
denen es seine geringere Leistungs fähigkeit bemäntelt. Es sind wahre Klagelieder, welche man in den Fachschriften der spetiellen Berufsgenossen eines
teure der Fachschriften, meist Genossen des speciellen Handwerks, welche sich zur Förderung des Standes- bewußtseins irgend eines Handwerks und zur Hebung und Bildung der„Berufsgenossen“ der
Daß die Handwerker selbst über
Zeichen, weil es dem Klager immer noch besser gehen soll, als dem Prahler; daß aber auch das Publicum über die Handwerker klagt, daß das Werk ihrer Hand nicht mehr das Vertrauen findet,
von Entschuldigungen zusammengesucht hat, mit;
Handwerks hört; selten aber klopfen die Redac⸗
Massenproduction, Billigkeit— und leider oft auch Schlechtigkeit der Waare zu concurriren. In diesem ungleichen Kampf siegte natürlich die Großindustrie; die Schund-Erzeugnisse dieses zur Kleinindustrie emporgeschraubten Handwerks ver— mehrten die Ueberproduction und drückten den Markt. Denn es ist thöricht zu glauben, daß die Fabtiken den meisten Schund produciren; er stammt vielmehr zumeist aus jenen Gewerbe- betrieben, welche als Fabriken nicht leben und als Handwerker nicht sterben können. Es war kein Zufall, sondern wahrscheinlich eine wirth— schaftliche Nothwendigkeit, daß auch das Hand- werk von dem allgemeinen Größenwahn nicht unberührt blieb, der sich darin kund gab, daß so Viele, mit den nach ihren Mitteln und ihren Kräften ihnen zugefallenen Wirkungskreisen nicht zufrieden, ohne jede Rücksicht auf die Verhältnisse obenhinaus strebten. Dadurch sind die Mißge⸗ burten der Scheinproduction entstanden, welche sich noch heute in den Wanderlagern, Schwindel auctionen und dergleichen mehr darbieten. Die Polizei kann leider nicht allen diesen Schund fortschaffen, wie man etwa die schlechte Milch in den Rinnstein gießt, obwohl dies für das Publicum wie für eine gesunde Production das Beste wäre. Denn diese Art Industrie, deren Producte Absatz nur unter Dummen finden, stirbt gerade darum so rasch nicht aus, und es leidet darunter nicht nur das solide Handwerk, welches mit den Schein—
producten nicht concurriren kann, sondern auch das allgemeine Wohl, sei es auch nur insofern, als die Zahl der Zwischenhändler in beklagens⸗ werther Weise vermehrt wird. Man könnte nun einwenden, daß die Erzeugnisse des Handwerks, welche, für den Zwischenhandel bestimmt, oft schon
„billig und schlecht“ gefertigt werden, so gut wie
alles Andere den großen Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegen, und daß die Nach- frage nach schlechten, unsoliden Erzeugnissen einmal von selbst aufhören muß. Aber einmal könnte es lange dauern, ehe Jeder einmal getäuscht oder „hereingefallen“ ist, so lange vielleicht, daß in—
zwischen eine neue Generation heranwächst; sodann
aber ist die Angelegenheit nicht nur eine Geld- frage, sondern eine Frage der Ehre und der
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