Ausgabe 
2.1.1879
 
Einzelbild herunterladen

weiter entstehenden Erkrankung ist es hierbei häufig gleich⸗

andere Gegenstände, welche zum Gebrauche von Kranken dienten oder in und bei Krankenzimmern sich befanden, selbst weithin verschleppt. Bezüglich der Heftigkeit der ültig ob der Ansteckungsstoff einer schweren oder leichten Nrantbeitsform entstammte. Erfahrungsgemäß ist das jugendliche Alter vorzugsweise diesen Krankheiten aus⸗ gesetzt; eine mehrmalige Erkrankung an Scharlachfieber gehört indessen zu den hoͤchst seltenen Vorkommnissen und ist derjenige, welcher diese Krankheit einmal überstanden, vor weiterer Ansteckung gesichert; da nun diese Krankheit an allen Orten zeitweise, wenn auch in größeren Zwischen räumen auftritt, so sind Erwachsene, weil bereits durch- seucht oder überhaupt nicht disponirt, im Allgemeinen derselben nicht ausgesetzt und bei der Krankenpflege nicht gefährdet. Bei der Rachenbräune dagegen sichert ein einmaliges Befallensein nicht vor weiterer und selbst wiederbolter Erkrankung gleicher Art, doch sind auch dieser Krankheit erwachsene Personen unverhältnißmäßig seltener unterworfen, wofür insbesondere die Thatsache spricht, daß beispielsweise unter 20 in den Jahren 1869 bis jetzt in Darmstadt und Bessungen vorgekommenen Sterbfällen durch Diphterie nur 11 Erwachsene betrafen; und wenn auch für die die Wartung und Pflege solcher Kranken besorgenden Personen in höherem Maße die Gefahr einer Ansteckung besteht, so gehört doch immerhin eine solche zu den selteneren Vorkommnissen; auch ist die Ansteckungsfähigkeit der einzelnen Krankheitsformen eine sehr verschiedene.

Bei der oben erwähnten Art der Uebertragung des Ansteckungsstoffes von Scharlach und Rachenbräune und der besonderen Gefährdung des kindlichen Alters gibt die Schule sehr häufig Gelegenheit zu einer Weiterverbreitung jener Krankheiten. Die Ansteckung geschieht hier nicht nur durch leicht erkrankte Kinder, welche durch die oft im Beginn und auch im weiteren Verlaufe des Krankseins geringen Erscheinungen, wie leichtes Fieber, unbedeuten den Halsbeschwerden vom Schulbesuche nicht abgehalten werden, sondern auch durch gesunde Angehörige er⸗ krankter Familien, welche den Ansteckungsstoff von Hause insbesondere in ihren Kleidern mitbringen, namentlich dann, wenn die Enge der Wohnung eine Absonderung und Trennung der Gesunden nicht gestattet.

Es erscheint hiernach im öffentlichen Interesse wün schenswerth und nothwendig, daß das Auftreten einer der genannten Krankheiten in einer Familie, vorzugsweise in solchen, in welcher schulpflichtige Kinder sich befinden, alsbald bekannt werde und daß zur Verhütung einer weiteren Verbreitung die letzteren von dem Besuche der Schule ausgeschlossen bleiben und zwar so lange bis die Gefahr einer Ansteckung nicht mehr besteht, also min⸗ destens 23 Wochen nach der Genesung der betreffenden Kranken.

Von Seiten der Ministerial-Abtheilung für Schul⸗ angelegenheiten ist deshalb unterm 13. d. Mts. durch Ausschreiben an die Großh. Direetionen der Gymnasien, der Realschulen, der Schullehrerseminare und Taubstummen Anstalten, die Curatorien der höheren Mädchenschulen und die Großh. Kreis-Schulcommissionen Verfügung dahin ergangen, daß, sobald ein Schüler oder eine Schülerin von Scharlach oder Rachenbräune befallen wird, dem Schulvorstande hiervon sofort Anzeige gemacht und weiter aus Familien, in welchen eine der genannten Krankheiten auftritt, die Kinder vom Schulbesuche fern gehalten werden; ferner ist von jedem solchen Erkrankungsfall dem zuständigen Kreis⸗Gesundheitsamt Mittheilung zu machen, damit in Erwägung gezogen werden kann, ob und welche weitere Maßregeln, wie z. B. Schließung der Schule, zu ergreifen sein möchten, um der Weiter verbreitung vorzubeugen.

Die Anzeige der Erkrankungen von Schulkindern an Scharlach und Rachenbräune fällt hiernach den Eltern oder deren Stellvertretern zu und bedarf es hierbei der Vorlage ärztlicher Zeugnisse nicht, es wird erwartet, daß dieselbe alsbald geschehe, sowie auch, daß der Vorschrift über die Zurückhaltung der Kinder vom Schulbesuche seitens der Eltern sorgfältig nachge⸗ kommen werde. Aufgabe der Aerzte wird es sein, diesen Maßnahmen die wünschenswerthe Unterstützung angedeihen zu lassen.

Außer der Verschleppung des Scharlachfiebers und der Rachenbräune in den Schulen hat eine solche nach⸗ weislich wiederholt dadurch stattgehabt, daß gelegentlich der Beerdigung von an den genannten Krankheiten Ver⸗ storbenen in den betreffenden Sterbehäusern Verwandte in größerer Zahl längere Zeit verkehrten, wobei ins be⸗ sondere auch häufig Kinder zugelassen wurden. Es sind Fälle bekannt geworden, in welchen lediglich durch einen solchen Anlaß diese Seuchen in andere bis dahin völlig verschonte Gemeinden verschleppt wurden, dann dort zu großer Verbreitung gelangten und zu zahlreichen Todes⸗ fällen führten; in einem größeren Ortscomplexe eines oberhessischen Kreises, dessen Bevölkerung vielseitig unter einander in verwandtschaftlicher Beziehung steht, hat die eben gerügte Sitte nachweislich dahin geführt, daß die genannten Krankheiten stets von Neuem wieder einge⸗ schleppt, länger als ein Jahr hindurch andauerten und eine außerordentliche Kindersterblichkeit veranlaßten. Das Verbot der Ausstellung von Leichen, sowie die Anordnung der stillen Beerdigung beim Ausbruch und dem Herrschen der hier in Rede stehenden ansteckenden Krankheiten müssen im Hinblick auf die soeben angeführten Erfahrungen und Thatsachen als durchaus nicht ausreichende Maßnahmen gelten und wird hier eine weiter gehende Vorsicht am Platze sein. Diese läßt sich übrigens nicht durch Polizei⸗ vorschriften und Zwangsmaßregeln erreichen, sondern

Auschauungen von der Ansteckungsfähigkeit einzelner Krank⸗ heiten, wie solche bei einem großen Theile der städtischen und ländlichen Bevölkerung bestehen; diesem Zwecke zu entsprechen ist die vorstehende Belehrung bestimmt.

Bei der im Großherzogthum fast allseitig reichlich gebotenen ärztlichen Hülfe wird auf Veröffentlichung einer Belehrung über die Krankheits-Erscheinungen bei Scharlach und Rachenbräune und über das bei Eintritt dieser Krankheiten zweckmäßige Verhalten verzichtet; an die Aerzte selbst ergeht das Ersuchen, in ihren Kreisen durch Belehrung und Rath in obigem Sinne zu wirken und im einzelnen Falle bei der Ausführung der vorstehend bekannt gegebenen Maßnahmen und den etwa weiter er⸗ forderlichen Anordnungen den Behörden ihre so wichtige Unterstützung nicht zu versagen.

Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger weist für das Geschäftsjahr 1877/78, verglichen mit dem Vorjahr, in unserem Großherzogthum nachstehende Er gebnisse auf:

Hierzu an außerordentlichen Ein nahmen(wohl aus Mainz, das durch seine Thätigkeit und seine Erfolge vor allen Orten des

Landes glänzt))))ʒʒ 32150 sonach Gesammt Einnahme aus dem Großherzogthun in 1877/78 4109 78

Gewiß ein schönes Ergebniß, abür noch langs nicht genug!

Literarisches.

Illustrirte Weltgeschichte. Unter besonderer vrücksichtigung der Cutlurgeschichte neu bearbeitet und dis zur Gegenwart sortgefübrt von Olto von Corvin. Mitherausgegeben von L. F. Dieffenbach. Pracht Aus⸗ abe in 8 Bänden zu je 16 18 Lieferungen à 50 Pf. Mit 2000 Abbildungen, 40 50 To ntafeln, Karten ꝛc. Leipzig, Olio Spamer. Die beiden vor Kurzem erschꝛe nenen Lieferungen 3 und 4 dieses volksthümlichen Ge schichtsweirkes enthalten den Abschluß der al tägyptischen Heschichte, welcher eine Behandlung der ältesten Ge chichtsperioden China's und Indiens bereits vorange gangen ist. In gedrängter Kürze und in anregender Darstellung finden wir alles Wesentliche aus dem eichen Material vereinigt, das die neuere Forschung zu Tige gefördert hat; nicht minder ist den zahlreichen Illuftrattonen ein hervorragend belehrender Werth beizu assen. Die großartigen Baudenkmale des alten Aegyp⸗ ens werden dem Beschauer vor Augen geführt und er erlangt eine Vorstellung von der mächtigen Wiükung jener gebeimnißvollen Tempelhallen, in welchen die ägyplischen Priester ihrem Goite dienten. Den Kultus selpst veran⸗ schaulichen die von Vogel, Peßler, Klimsch u. A. auf Grund bewährter Quellen wahrhaft genial entwor jenen Scenen Bilder; mit denen die vorliegenden Liefer ungen geschmückt sind. Jusbesondere ragt die Illuftration: Todtengerichnüber einen König' nicht nur durch istorische Treue, sondern auch durch ebenso kühne und

Wie machen auch an dieser Stelle auf denLand; kalender pro 1879 aufmeiksam, namentlich weil detselbe die wohl gelroffenen Portraits unseres Fürsten⸗ paares enthält. Namentlich gut und wohlacfefffen ist as Bild der dem Lande so früh enteissenen Grstzherzogin. Der Kalender ist zu 20 Pf. in allen Buchhandlungen zu haben.

Ueber Land und Seer.Eine illustrirte Zeitung im Hause gehört in unseren Tagen, die eine so erstaunliche Menge von Minieln zur Bildererzeugung delet, fast zu den selbstverständlichen Dingen. Man hat sich allmälich daran gewöhnt, ja man könnte sagen, dahin eiwöhnt, das Bild als die nothwendige Ergänzung des erzäblenden und belehrenden Wortes zu fordern. Aus dieser Gewöhnung erklärt sich die Existenz der großen Zahl illustticter Zeilschriften, welche der heutige Literatur markt darbietet. Als eines der besten derjenigen illustrir ien Blätter, die für den Familientisch bestimmt find, ist

vorzugsweise durch Aufklärung über die so vielfach falschen

Ueber Land und Meer zu bezeichnen. Seit 21 Jahren

Mitgliederzahl Mitgliederbeiträge 1877/78 1876/77 1877/78 1876/77 Ae e 92 101 133 218 50 Bensheim. 22. 66.86 Bingen 55 54 157 50 154 50 Darmstadt 255 258 653 31 656 97 Groß-Gerau 63 68 118.69 126.68 Hiltersklingen. 8 2 4.98 4 12 Höchst i. O. 2 3 3.42 513 Lampertheim. 6 6 1484 14 84 ne 6 7 1457 25.32 n 4 4 5.99 5.99 Mainz 281 249 942.15 842.87 Michelstadt 18 20 45. 48. Offenbach. 220 220 634 602. Oppenheim 42 37 109 50 102 50 Pfeddersheim. 17 10 28.56 16.76 Viernheim 5 6 8.55 10.26 Wald⸗Michelbach 11 13 18 78 21.35 Wormd 58 59 165.11 177 44 Wörrstadt 12 13 13 10 23 81 Zwingenberg.. 51 30 132 48 66.61 Assenheiim. 35 27 52 50 40.50 Butzbach 40 45 60 50 69.50 Friedberg. 88 81 178. 166.50 Gießen 95 48 237.75 Bad Nauheim 24 22 46. 42.50 1483 1405 3788.28 3669 27

künstlerische, als dramatisch wirksame Gruppirung hervor.

bestehend, hat das Blatt in literarischer und artistischer Beziehung eine glänzende Entwickelung genommen. Zu allen wichtigeren Tagesfragen gibt ges anziehende Ecläuter⸗ ungen durch Wort und Bild, es bringt eine Menge an⸗ e Aussätze und Miithellungen zum Verständniß 155 Vergangenbeit und der Gegenwart und es sorgt für die Stunden stiller Muße durch eine bebagliche novellistische Unterhaltung. Die Illustrationen, die das Journal bringt, gehbdren zu den vollendetsten, die in der populäcen Tages- literatur geboten werden: es ist das Streben der Redaktion unverkennbar, selbst künsilerisch Befriedigendes zu bieten. Bei Beginn des neuen Jahres empfehlen wir das Blatt der Aufmerksamkeit aller Derer, die es noch nicht kennen

Verloosungen. ö 4p Ct. vorm. Nassauisches Staats ⸗Anlehen von 18622. Ziehung vom 4. December 1878 Heim⸗ zablung am 1. April 1879. Lit. N Nr. 154 323 63 465 1028 933 2021 3001 416 510 613 23 43 849 971 4149 209 495 578 82 786 809 5117 62 213 27 82 800 978 à fl. 100 Lit. 0. Nr 109 570 61 861 1030 337 407 8 73 549 890 à fl. 200. Lit. P. Nr 8 174 1138 484 978 2114 249 66 443 602 715 3168 440 534 85 4003 13 63 832 917 5112 308 14 47 451 61 688 860 920 6136 46 588 884 989 99 7019 41 553 874 à fl 500. Lit. Q. Nr. 706 70 831 37 936 1319 671 750 2014 115 90 à fl. 1000 Heim- zahlung am 1. Oetober 1879. Lit. N. Nr. 167 807 27 1036 80 222 669 901 2007 132 798 818 58 68 3001 327 71 91 633 52 79 895 966 4759 816 994 5099 172 541 790 916 à fl. 100. Lit. O. Nr. 54 77 218 931 62 1263 540 643 763 à fl. 200. Lit. P. Nr. 38 48 58 70 264 334 89 499 782 862 2259 307 17 99 753 63 3319 421 91 511 615 872 932 52 4428 98 974 5061 118 40 6004 96 140 747 7385 432 573 682 918 à fl. 500. Lit Q. Nr. 158 268 417 1086 263 352 432 650 61 768 916 2013 à fl. 1000. Karlsruhe, 30. Dee. Bei der heutigen Gewinn⸗ ziehung der badischen 35 fl.-Loose kamen folgende Num⸗ mern mit je 1000 fl. beraus: 67146 90001 154631 g 160810 190064 267102 312084 314128 338267 399459.

ö Handel und Verkehr.

Friedberg, 30. Dee. Waizen M. 17.50, Korn N. 14. 15.50, Gerste M. 14., Hafer M. 12 12.25.

159 75. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo S 200 Zollpfund.

Frankfurt, 30 Dee. Fruchtvericht. Mehl Nr. 1 M. 39., Nr. 2 M. 35., Nr. 3 M. 31., Nr. 4 M. 27., Nr. 5 M. 21. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 22 co. II.(Berliner Marke) M. 19. Waizen, effectiv hies. ab Bahnhof hier M. 19.25, ab unserer Umgegend M. 18.25 (bis 18.50, do. fremder je nach Qual. M. 18.50 19 50. Roggen je nach Qual. M. 13.50 15.75. Gerste M. 14 bis 18 Hafer M. 12. 13.50. Kohlsamen M. 27. 28. Erbsen M. 19.- 23. Wicken M. 15. 16. Linsen M. 17.23 Rüböl, detatl, M 68. Die Preise ver- stehen sich sämmtlich ver 200 Pfo. Zollgewicht S 100 Kilo.

Frankfurt, 30. Dee. Der heutige Viehmarkt brachte bei geringerer Zufuhr etwas billigere Preise. Angetrieben waren eirca 300 Ochsen und Stiere, 120 Kühe und Rinder, 190 Kälber, 400 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 7072., 2. Qual. M 66 bis 68., Kühe und Rinder 1. Qual M. 64.66., 2. Qual. M. 54. 60, Kälber 1. Qual. M. 65.67., 2 Qual. M. 60.62., Hämmel 1. Qual. M. 62. 64., 2. Qual. M. 54.60.

Geld- Cours. Frankfurt am 30. Dezember 1878. 20 Franfensfücke. M. 16 1418 Englische Sovereigns 20 3843 Russische Imperiales 16 6570 Holländische fl. 10⸗ Stücke. 186 65 G Dudens 5 9 5459 Ducaten al mareo 5 9 5863 Dollars in Gold. 5 4 17 20

Daheim.

Die soeben erschienene Nr. 11 enthält:

Geächtet. Roman von M. Gerhard.(Fortsetzung.) Die Bäder der Römer. Mit Origialzeichnung von Thiersch: Altrömische Thermen. Das moderne An⸗ noncenwesen. Kaiserswerther Festtage. Von Rudolf Koenig. Der neueste Band der Ahnen. Von Th. H. Pantenius. Am Grabe Dürers. Zeichnung von A. Schwarz. Gedicht von Rud. Löwenstein. Aus dem Leben ver Deutschen in Südbrasilten. Von Dr. Wilh. Rotermund in S. Leopoldo. VIII. Ein Bücherwunsch⸗ zettel für Weihnachten. Mit Illustration von Oskar Pletsch.

Mit einer illustr. Beilage: Der Untergang der Pommeransa. Mit einem großen zweiseitigen Bilde Aus dem Untergange der Pommerania. Das Abstoßen der Bote. Nach den Berichten von Augenzeugen gezeichnet vom Marinemaler Fritz Sturm.

Zu Bestellungen empfiehlt sich

Carl Bindernagel in Friedberg.

Bierteljabruch 2 M. Wöchentlich 1 Nummer.

uss zsuppog aun usbunjauvgꝙpng zun mung

He. 18

Deen