General-Lieutenant v. Voigts⸗Rhetz an die Spitze des Marineministeriums treten sollte. Diese Ge⸗ rüchte sind jedoch bis jetzt unbegründet; deßgleichen die Nachricht, daß die österreichische Regierung die Verlängerung des Handels Vertrags mit Deutschland abgelehnt habe. Nach zwei Richt- ungen hin schweben zur Zeit noch die Verhand- lungen. Dieselben betreffen theils die Verlängerung des jetzigen Vertrages, theils die Herbeiführung eines provisorischen Zustandes bezüglich des Lein- wand Handels an der schlesischen Grenze, sowie bezüglich des Rohprodukten Verkehrs.
Ausland.
Oesterreich⸗ Ungarn. Wien. Der Eingang an directen Steuern stellte sich bis Ende September 1878 auf 66 Millionen fl., um 10 Million günstiger als 1877, das Reiner⸗ trägniß an indirecten Steuern auf 117 N/0 Mil. lionen fl., um 1 Million geringer als 1877; die Mehrerträgnisse an indirecten Steuern wurden durch das fortwährende Steigen des Zuckerexportes und die daraus folgenden höheren Steuer ⸗Resti⸗ tutionen paralysirt.
— 16. Nov. Schuwaloff ist von hier ab- gereist, um zunächst, wie es beißt, Gortschakoff in Baden zu besuchen, woselbst Orloff eingetroffen ist, und sodann nach Friedrichsruh zu Fürst Bismarck sich zu begeben. Verschiedene Andeutungen von guter Seite lassen entnehmen, Schuwaloff habe in Pest außer allgemeinen freundschaftlichen Versicher⸗ ungen keinerlei Zusage erhalten und keinen Erfolg erreicht.
— 16. Nov. Heute fand unter dem Vorsitze des Kaisers ein gemeinsamer Ministerrath statt, an welchem Graf Andrassy, Graf Bylandt, Frhr. von Hofman, Fürst Auersperg, von Pretis und v. Tisza Theil nahmen.
Pest, 15. Nov. Der Kaiser empfing gestern die Deputation aus der Herzegowina. Auf die Ansprache des die Adresse überreichenden Mit- glieds der Deputation erwiederte der Kaiser etwa Folgendes: Er werde für das Wohlergehen und den Fortschritt des herzegowinischen Volkes Alles thun, fordere aber auch, daß dasselbe seinen Be fehlen und den Anordnungen der Behörden Folge leiste. Die Deputation könne seiner wärmsten Gesühle sicher sein; doch werde der Kaiser jede Ausschreitung nach Gebühr ahnden. Alle Con- fessionen des Landes, die gewohnten und begrün⸗ deten Rechte würden Schutz bei dem Kaiser finden. Der Kaiser schloß seine Erwiederung mit folgen- den Worten:„Wenn Sie heimkehren, sagen Sie Ihren Mitbürgern, daß der Kaiser aufrichtigst ihr Wohlergehen wünscht und sein gegebenes Wort hält.“ Die Erwiederung des Kaisers wurde von der Deputation mit begeistertem Zivio be antwortet. Die Depution war Abends zur Hof: tafel gezogen und besichtigte heute die Stadt. Dieselbe besuchte heute Abend die Oper und tritt morgen über Agram und Fiume die Rückreise an.
— 15. Nov. Bei der Generaldebatte über den Adreßentwurf im Unterhause erklärte Minister⸗ Präfident v. Tisza: er finde die laut werdenden Besorgnisse natürlich bei den die Monarchie so nahe berührenden weltgeschichtlichen unaufhaltbaren Ereignissen, die sich nur soweit mobificiren ließen, daß sie die Existenz des Staates nicht gefährden. Die einzige Politik Oesterreich Ungarns seit dem Beginn der Orientwirren habe nur darauf ge— richtet sein können, daß die Integrität der Türkei soweit möglich erhalten bleibe, und wenn dies unmöglich, daß die Türkei nicht zur Beute Ruß- lands werde. Die Begebenheiten der letzten Jahre resumirend legte der Minister dar, daß Oesterreich⸗ Ungarn gegen den russischtürkischen Krieg hätte prolestiren können, dann aber bei der damaligen Isolirtheit der Monarchie ein österreichisch russischer Krieg entstanden wäre; ein solcher hätte, wenn er auch für uns siegreich ausgefallen wäre, uns hun⸗ dertfache Blutopfer und mindestens zwanzigfache Geldopfer im Vergleich zu der Occupation ge- kostet. Tisza sprach die bestimmte Hoffnung aus,
daß der Berliner Vertrag von allen Mächten pünktlich eingehalten werde ohne Störung des europäischen Friedens.
Wenn jedoch irgend eine
Macht die Bestimmungen und die Durchführung des Berliner Vertrags anfechten werde, so„werden wir, die wir unsere Interessen mit den Interessen Europas in Einklang zu bringen verstanden, im eventuellen Kampfe nicht allein stehen.“ Es han- dele sich darum, daß in den orientalischen Klein- staaten und im Herzen der dort wohnenden Stämme der Glaube Wurzel fasse, daß, wenn einmal die Orientwirren unaufhaltbar seien, diejenige Macht, welche auf ihr Schicksal den größten Einfluß zu nehmen vermöge, nicht eine andere Macht, sondern daß dies Oesterreich Ungarn sei.
Dänemark. Kopenhagen, 16. Nov. Der Herzog von Cumberland ist gestern Abend hier an gekommen; am Bahnhof waren zum Empfang der König, der Kronprinz und Prinz Waldemar an- wesend, mit welchen der Herzog sich alsbald nach dem Residenzschlosse Fredensborg begab.
Großbritannien. London. Die„Mor⸗ ningpost“ will wissen, die von der britischen Regier ung beabsichtigte Rectificirung der indischen Nord- westgrenze werde die permanente Besetzung von Quettah und Djellalabad umfassen und die An⸗ stellung britischer Residenten in Kabul, Kandahar und Herat im Gefolge haben.
Spanien. Madrid, 14. Nov. Ein Schreiben aus Tanger berichtet von zwei daselbst vorgekommenen Cholera Sterbefällen und von mehreren Cholera Erkrankungen.— Der Marine- Minister hat bestimmt, daß die Arsenale in Ferrol und Carraca(?) spanische Kohlen in Gebrauch nehmen sollen; fremde Kohlen sollen nur in Cadix zum öffentlichen Gebot zugelassen werden.
Türkei. Constantinopel. Das„Diritto“ in Rom dementirt die Nachricht, daß die Grenz bestimmungs Commission für Ostrumelien ihre Arbeiten in Folge der verzögerten Ernennung der türkischen Delegirten unterbrechen mußte. Die Commission habe im Gegentheile, wie die für die Grenzbestimmung Bulgariens und Serbiens er- nannte Commission, ihre Arbeiten begonnen und setze dieselben regelmäßig fort.
— Die internationale Commission zu Philip⸗ popel nahm das Reglement bezüglich der Ver⸗ waltung Ostrumeliens mit geringen Modificationen nach dem von der Pforte vorgelegten Entwurf an.
— 15. Nov. General Skobeleff benachrichtigte das Commando der türkischen Vorposten der Auf stellung hinter Lüle- Burgas von dem ihm zuge⸗ kommenen Befehle Totleben's, seine Truppen in Höhe der Station Saidler vorzuschieben. Die türkischen Truppen wurden vom Seraskierate an- gewiesen, sich zurückzuziehen, den Ort Saidler jedoch besetzt zu halten. Gleichzeitig ward die Vorpostenstellung der Türken im genannten Orte durch zwei Brigaden verstärkt.
Serbien. Belgrad. Die Wahlen für die Skupschtina sind im ganzen Lande bei größter Ordnung vor sich gegangen und im Sinne der bestehenden Regierung ausgefallen.
Rußland. Petersburg. Die„Agenee Russe“ erklärt formell alle Gerüchte betreffs eines angeblich von Rußland angeregten, von Schuwaloff im Auftrage der Regierung betriebenen neuen Congreß⸗Zusammentrittes für unbegründet.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 18. Nov. Vor etwa 14 Tagen wurde bei Frankfurt ein Gärtner ermordet und beraubt, ohne daß es der Polizei seither gelang, den Thäler zu ermitteln. Gestern Abend nun wurde derselbe in der Person eines einem balerischen Zuchthaus enisprungenen Raubmörders, Metzger Haffner aus Steyern, an hiefiger Post durch die Gensd'armen Lind und Rieck verhaftet. Ferner wur⸗ den verhaftet als wahrscheinlicher Miithäter der Schneider Ranow aus Naumburg, sowie als Mitwisser Buchbinder Ferber aus Dresden und Maurer Winkler aus Königstein. Die vier Gesellen reisten zusammen und führten gemein schaftliche Kasse. Rinow befindet sich in hiesigem Lazareih, da er fußleidend ist.
—g. Friedberg. Für Zahnleidende hiesiger Stadt und Umgegend dürfte es von Interesse sein zu erfahren, daß Zapnarzt Dr. Koch von Gießen auf Zuleden einiger seiner hiesigen Freunde und Patienten von Neujahr ab regelmäßig alle 14 Tage Montags hierher kommen wird. Dabei it hervorzuheben, daß Koch bekanntlich ein sehr llchliger Fachmann ist und doch dem Geldbeutel seiner Patienten nicht zuviel zumuthet.
Lauterbach, 13. Nov. Die„O. N.“ schreiben: Gestern ist der Großherzogliche Steuerpfandmeister Scheer dahier unter Umständen gestorben, welche die Verhaftung
seines einzigen 20 Jahre alten Sohnes zur Folge hatten, Letzterer ist verdächtig, den Tod seines Vaters durch Miß⸗ handlung herbeigeführt zu haben. Die gerichtliche Section der Leiche wurde heute vorgenommen und es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Fall dem Schwurgerichte Übeß, wiesen werden wird.
Schwabenrod. Hler wurde in der Nacht vom 11. auf den 12. d. auf der Straße Heinrich Lerch aus Münch ⸗Leusel erschlagen. Der Thäter soll ein Bursche Namens Konrad Schäfer aus Rainrod sein. Derselbe ist verhaftet. 5
Darmstadt. Am 13. d. Mts. wurde von dem Appellhof dabier ein Urtheil gefällt, welches für die Frage der Strafbarkeit von Lebensmitiel⸗-Fälschungen von großer Bedeutung ist. Bei dem Besitzer einer Gewürzmühle waren erhebliche Quantitäten von Gewürzen vorßefunden worden, die sehr stark mit verschiedenen Zusätzen verseben waren, und von denen er selbst einräumte, daß er solche an Detailisten verkaust habe und zu verkaufen pflege.
Seine Enischuldigung bestand nur darin, daß die Detailisten
die Gewürze in jenem Zustande verlangen, beziehungsweise in voller Kenntniß der Sachlage kauften. Instanz, so wurde auch von dem Appellhof dieser Einwand
verworfen, indem das Strafgesetz den„Verkebr“, bezieh
ungsweise die„Consumenten“ zu schützen beabsichtige und dem Appellanten keine Garantie dafür gegeben sei, daß die Detailisten nunmehr auch ihrerseits dem Publikum die Gewürze als gemischt verkaufen würden, es ihm vielmehz habe bewußt sein müssen, daß nach der Art, wie solche Gewürze regelmäßig verkauft zu werden pflegen, eine solche Mittheilung höchster Wahrscheinlichkeit nach nicht erfolgen werde.
Mainz, 15. Nov. Ein eigenthümlicher Fall von Brandstiftung wurde gestern in unserem Miltlärgefängniß in der Citadelle verübt. Die auf der Citadelle internirten Militärsträflinge verbringen größtentheils die Nacht in einem gemeinschaftlichen Schlassaal. Zu einer bestimmsen Stunde des Morgens wird der Saal geöffnet und die Gefangenen werden alsdann gemeinschaftlich in den Hof gesübrt. Als gestern Vormistag die Gefangenen ebenfalls ins Freie geführt werden sollten, erklärte einer der Arrestan⸗ ten, daß er in dem Saal verbleiben wolle. Als nach Verlauf einer ¼ Stunde die Gefangenen wieder in den Schlassaal kamen, stand derselbe in hellen Flammen, und nur den vereinten Anstrengungen gelang es, das Feuer zu ersticken. Während der Abwesenheit der Gefangenen halte der zurückgebliebene Arrestant die Betten mit Erdöl begossen und diese dann angezündet. Als Motiv dieser That verlautet, daß der Brandstifter erklärt habe, lieber wegen Brandstiftung im Zuchthaus zu sitzen, als wegen eines Militärvergehens auf der Citadelle.
Planig, 15. Nov. Pfarrer Ritter dahier ist heute im 76. Lebensjahr gestorben. Der Verlebie ist als Her⸗ ausgeber des Gustav⸗Adolf⸗Kalenders auch weiteren Kreisen bekannt geworden. 5
Allerlei.
Karlsruhe. Große Heiterkeit rief dieser Tage ein Zwischenfall in der badischen zweiten Kammer hervor. Man debattirte über die Amtstracht der Richter, als welche der bisher übliche Frack in Geltung bleiben soll. Ein dem Richteramt angehöriges Kammermitglied tief im Laufe der Debatte mit antikem Heroismus:„Ich bin bereit, meinen Frack auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern!“ worauf ein gleichf lls das Forum besuchender College zum großen Gaudium des Hauses ganz trocken bemerkte:„Er wird auch darnach sein!“
Altenkessel. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich dieser Tage der„Saarbr. Zig.“ zufolge im biesigen Schlafe hause. Die Frau eines neu hierher versetzten Schlafhaus⸗ meisters halte Rattengift stalt Pfeffer in die Suppe ge⸗ than. Trotz aller Gegenmittel ist der kräftige Mann dem genossenen Gißie bereils heute Nacht erlegen und mehrere andere Familienglieder schweben noch in äußerster Lebens⸗ gefahr.
Weimar, 13. Nov. In dem Städtchen Ostheim, das bekanntlich im Mai d. J. von einer großen Feuers: brunst helmgesucht wurde, ist in dieser Nacht wieder großes Feuer ausgebrochen; es sind drei Scheunen und drei Hintergebäude abgebrannt.
Danzig, 14. Nov. Die Kaimauer an dem Hafen⸗ kanal in Neufabiwasser ißt nach der„Post“ gestern in einer Länge von 52 Meter eingestürzt. Seitens der Regierung sind sofort die umsangreichsten Maßregeln getroffen wor⸗ den, um einen weiteren Einsturz zu verhindern. Unglücks⸗ fälle sind nicht vorgekommen.
Paris. Ohne Sang und Klang ist am 10. November die Pariser Wellausstellung geschlossen worden. Der „Figaro“ erzählt: Die Sonne hatte nicht einmal ein mildes Lächeln für den letzten Tag der Austellung. Das Wetter war kalt und unangenehm, der Wind rauh und eisig. Trotzdem war das Palais des Champ de Macs und der Trocadero von zahlreichen Besuchern gefüllt. Aber es war kein rechter„Zug“, kein rechtes Leben mehr in dem Publikum. Ein wenig vor 5 Uhr wurden die Thüren geschlossen, mußten die letzten Besucher sich zusllckziehen und Einsamkeit herischte rings um die Wunder, die alle Welt während einer Zeit von sechs Monaten angestaunt balte. Die Ausstellung von 1878 hatte aufgehört zu leben. Die Tolaleinnahme der Weltausstellung wäbrend ber sechs Monate beträgt 12,653,746 Frs., die durchschnittliche Ein⸗ nahne per Tag beirägt also 65,408 Frs. Wenn man die Zabl der bezahlten Enttés und die der Freibillets aller Arlen zusammen zählt, kommt man auf eine Ziffer von 16,032,725 gesuchern, d. h. eine durchschnittlliche Besucher⸗ zahl von 82,643 läglich.
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