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1878.
Dienstag den 15. October. M122.
Oberhessischer
lnzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und f Freitag Abend ausgegeben.
Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
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Amtlicher Theil. Bekanntmachung.
etreffend: Die Herbstübungen der Truppen in 1878. Nachstehendes Schreiben des Commandos der Großh. Hess.(25.) Diviston wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß der Kreisangehörigen gebracht.
Friedberg den 14. October 1878.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg, J. V. d. K.: Küchler, Kreis ⸗Assessor.
Es gereicht mir zur besonderen Genugthuung, dem Großberzoglichen Ministerium auch in diesem Jahre mittheilen zu können, daß alle schriftlich die mündlich zu meine: Kenntniß gekommenen Berichte der Truppen der Großh. Division, sowie der ihr für die Herbstübungen unterstellt gewesenen Truppentbeile anläßlich der socben beendeten größeren Uebungen in Bezug auf Unterbringung, Verpflegung und sonstige Leistungen sich voller Aner- nnung über die Bereitwilligkeit und das Entgegenkommen aussprechen, welches ihnen sowohl seitens der betheiligten Kreise und Gemeinden, als auch wr einzelnen Landesbewohner des Großherzogthums zu Theil geworden ist.
Der Dank hierfür, welchen ich Namens
der Truppen der Division abzustatten mir erlaube, gebührt aber nächst dem Einzelnen und nicht zum
leinsten Theile den Bemühungen der Großh. Behörden, insbesondere aber der gefälligen Einwirkung des Großh. Ministeriums selbst, welches sich in semerkenswertber Weise den diesseitigen Wünschen entgegenkommend gezeigt hat und bitte ich ganz ergebenst, in geeignet erscheinender Weise den be— veiligten Großb. Kreisämtern 1c. 1c.— in Sonderheit den am Meisten betroffenen Kreisen Friedberg, Gießen und Alsfeld— sowie deren Bewohnern
servon gencigtest Kenntniß geben zu wollen.
von Wichmann, Generallieutenant und Divisions-Commandeur.
g Die Großherzoglichen Bürgermeistereien benachrichtige ich hiermtt, daß die Landkalender für 1879 angekommen sind und bitte die bestellte Anzahl gelegentlich „i mir abholen zu lassen. Gleichzeitig erlaube ich mir um baldgefällige Zusendung der noch nicht zurückerhaltenen Bestellzettel zu bitten.
Friedberg am 12. October 1878.
Kreuder, Kreisamts⸗Gehülfe.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 12. Oct. Prinz Christian von Schleswig-Holstein und seine Frau Prinzessin selene von Großbritannien, eine Schwester der Croßherzogin, sind heute Morgen zu mehrtägigem Lesuch im neuen Palais eingetroffen.
Berlin, 11. Oct. Reichstagssitzung. Fort. stzung der zweiten Lesung des Socialisten-⸗Gesetzes. zu F. 1a(Kassenwesen) sprach Schulze ⸗ Belutzsch zu Gunsten der Genossenschasten, die
urch das Gesetz nicht getroffen werden dürsten.
Ur befürwortete sein Amendement, betreffend die (rimirung der eingetragenen Genossenschaften und dir registrirten Hülfskassen von den Bestimmungen es F. 1a. v. Goßler räumte die segensreiche Virksamkeit der Schulze'schen Genossenschaften ein; ( glaube aber nicht, daß dieselben von dem Gesetz ewas zu befürchten hätten. Lasker trat für dus auf größere Sicherstellung der Genossen- syaften ꝛc. abzielende Amendement Gareis ein. Welbeck vertheidigte ein der Regierungsvorlage sh näherndes Amendement, welches die socia— Istischen Genossenschaften absolut unschädlich zu nachen bezweckt. Minister Graf Eulenburg sapfahl den Commisstons-Vorschlag. Es sei in er That eine ganze Anzahl socialdemokratischer Genossenschaften und eingetragener Hülfskassen vor— hunden und gebe es eine ganze Reihe von Ein— ichtungen, welche der socialistischen Bewegung Lorschub leisten. Die Commission zeige den ge- igneten Weg, den er allen übrigen Anträgen berziehe. Delbrück trat für Schonung der Ge— nnssenschaften ein und empfahl das Amendement Jareis. Schulze ⸗Delitzsch zog sein Amende— ment zu Gunsten des Amendements Gareis zurück. 9 12 wurde hierauf nebst dem Amendement Careis mit erheblicher Majorität, und§. 1 b dene Debatte angenommen. Ohne erhebliche Lebatte wurden ferner die§§. 2, 3 und 4 in ur Commisstonsfassung angenommen. Zu§. 5 lg ein Amendement Brüel vor, welches Ver- emmlungen zum Zwecke der Wahlen von den darch das vorliegende Gesetz einzuführenden Be— schränkungen auszunehmen bezweckt. Windt⸗ go enst wendete sich gegen die Ausführungen von kannigsen's, somle gegen Lasker und Gneist. Man hätte die gefährlichen Momente, welche sich in der Swoclaldemoktatie finden, desiniren und diese unter
das Strafgesetz stellen sollen, wie es Hänel ver- verbreitet sich über die verderblichen Wirkungen sucht habe. Zur wirksamen Bekämpfung der des atheistisch⸗revolutionär-skeptischen Geistes, der Socialdemokratie bedürfe es einzig der christlich⸗[nicht nur in der socialdemokratischen, sondern auch religiösen Grundlage; diese sei durch den Gang in der liberalen Presse hervortrete, will aber den oer heutigen Bildung eernichtet. Redner erörterte Velwaltungebehörden nicht noch weitere Repressiv⸗ die Stellung des Centrums zur Regierung und Befugnisse einräumen. Bamberger wendet sich schloß mit den Worten: wir sind nicht gegen eine gegen die Haltung des Centrums dem vorliegen Regierung, aber gegen diese Regierung.— 12. Oct. den Gesctze gegenüber und verweist auf die Wahl Zu§ 5. erklärt sich v. Stauffenberg bündnisse desselben mit den Social Demokraten. gegen das Amendement Brück, Schutz der Eine zeitweise Einschränkung der Preßfreiheit halte Wablversammlungen betreffend, und für den Com- auch er für bedauerlich, aber nothwendig. Für missions Beschloß, da die Wahl- Versammlungen das Unteramendement Hägel zu§. 5 des Socia- nach den bestehenden Landes- Wahlgesetzen und listengesetzes stimmten das Centrum, die Fort- Reichstags Wahlgesetzen ohnehin geschützt seien. schritts⸗ Partei, die elsaß lothringischen Abgeordneetn Reinders(Social-Demokrat) gegen den Para- mit Ausnahme von North und Rack und 14 graphen. Derselbe äußert im Verlaufe seiner National-Liberale, darunter Braun, Bamberger, Ausfübrungen, daß er gegenüber der Behauptung Lasker, Stauffenberg, ferner Berger(Gruppe Kleist⸗Retzow's, die Social-Demokraten bereiteten Löwe) und Bühler(Reichspartei).
in ihren Versammlungen den Hochverralh vor,— Der Kaiser und die Kaiserin werden vor- seinerseits alle Diejenigen, welche für das vor- aussichtlich gegen den 20. d. M. Baden-Baden liegende Gesetz stimmen würden, als Landeever- verlassen, um sich auf einige Wochen, der Kaiser räther bezeichnen müsse. Großer Lärm. Rufe: nach Wiesbaden, die Kaiserin nach Coblenz zu Zur Ordnung! Der Präsident ertheilt den begeben. Ueber die Rückkehr des Kaisers nach Ordnungsruf. Dieser ersucht, eventuell das Amende-, Berlin ist noch noch Nichts bekannt.
ment Brüel anzunehmen. Brüel tritt für sein Dresden. Wie die„Volks-Zeitung“ hört, Amendement ein. Minister Graf Eulenburg bat im Königreich Sachsen die Tabak-Enquete- erklärt dasselbe für unannehmbar. Die Betheilig- Commisston ihre Arbeiten fast beendet. Nach der ung an den politischen Wahlen sei den Sotial- Mehrzahl der Zeugen Aussagen hat die Tabak- Demokraten nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Monopolfrage weite Kreise der sächsischen Be—
Zweck behufs Verfolgung ihrer besonderen Theorien völkerung mit großer Unruhe und Besorgniß er- und Tendenzen. Hieran müßten sie überall und füllt. Das Kleinbürgerthum fürchtet für seinen unter allen Umständen verhindert werden. Die Erwerb und der Mittelstand klagt mit den Fabri— Beschränkung von Wahl Versammlungen solle kanten und Kaufleuten über Verluste wegen der übrigens nur unter den in§. 5 bezeichneten Be- seit Jahren herrschenden Unsicherheit binsichtlich dingungen erfolgen. Hänel beantragte ein Unter-[der Tabak- Besteuerung. Es wurde von allen Amendement, wonach das Brüel'sche Amendement Seiten bervorgeboben, wie dringend nothwendig lauten würde:„Auf Versammlungen zum Be- eine baldige Entscheidung über die Art der Tabak- triebe von den Reichstag- oder die Landes- Ver- Besteuerung sei. Uebrigens wird bezweifelt, ob tretung betreffenden Wahl- Angelegenheiten nach die am 4. November hier wieder zusammentretende ausgeschriebener Wahl finden die bisherigen reichs-]Tabak- Enquete Commission das nöthige Material und landesgesetzlichen Bestimmungen unverändert zur Beurtheilung der Frage vorfinden wird. Anwendung.“ Der Hänel'sche Unterantrag wird
darauf in namentlicher Abstimmung mit 200 gegen Ausland.
167 Stimmen, das Amendement Brüel sodann Oe sterreich⸗-Ungarn. Wien, 11. Oct. gleichfalls abgelehnt, dagegen der§. 5 nach dem Durch ein von der„Amts Ztg.“ veröffentlichtes Commissions-Beschlusse angenommen, ebenso§. 5a. kaiserliches Handschreiben an den MinisterPrä⸗ Der§ 6(Verbot von Druckschristen betreffend) sidenten Auersperg wird der Reichsrath auf den wird von v. Hertling bekämpft. Derselbe l 22, d. einberufen. Die Minister Andrassp,


