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5. Nov. Die Tabaks-Enquete-Commission ist gestern unter dem Vorsitz des General⸗Steuer⸗ Directors Fabricius im Reichstags- Gebäude zu weiterer Berathung zusammengetreten. Der Com- misston ist der Wunsch der Reichsregierung mit. getheilt worden, daß die Enquete Arbeiten bis Mitte December beendet sein mögen.

5. Nov. In der gestrigen Bundesraths sitzung erlangte das Geschäfts»Regulativ für die Recurs- Instanz über die Beschwerden bezüglich der Ausführung des Socialisten-Gesetzes formale Bestätigung. DieTribüne erklärt, daß an dem Entwurfe keinerlei Veränderung vorgenommen wor- den ist. Die Beschwerde-Instanz dürfte nunmehr direct ihre Wirksamkeit beginnen, und es heißt, daß dazu jetzt auch bereits Material vorliegen soll.

Daß die Angelegenheit des sog. Welfen⸗ fonds in der nächsten Landtags Session unter anderm Titel als bisher auf der öffentlichen Fläche erscheinen wird, dafür mehren sich die Anzeichen fast täglich, wiewobl von Seiten des Herzogs von Cumberland bis jetzt noch von keinem ent- gegenkommenden Schritte zu berichten ist. Als Thatsache gilt jedoch, daß ein dänisches Schreiben existirt, worin gebeten sein soll, der preußische Hof möge überhaupt eine Besprechung der Ver mögens-Verhältnisse des Herzogs zulassen, und es werde dann von Kopenhagen aus Alles geschehen, um den Herzog zu einem Verhalten zu bestimmen, das hier für das correcte erachtet würde.

DiePost schreibt, wie gerüchtweise aber aus guter Quelle verlaute, werde Preußen in den nächsten Tagen einen Antrag auf Revision des Zolltarise im Bundesrathe einbringen.

Wiesbaden. Der Kaiser kommt, wie nun- mehr officiell mitgetheilt worden ist, Samstag den 9. November hier an. Obgleich der Monarch alle officiellen Empfangs-Feierlichkeiten unterlassen haben will, so wird doch Seitens der Gemeinde- Vertretung und der gesammten Bürgerschaft eifrig auf die Errichtung von Ehrenpforten und anderen Arrangements, welche dem Empfange desselben dienen sollen, hingewirkt, um der allgemeinen Freude über den Besuch auch äußerlich Ausdruck zu geben.

Augsburg. DerAllg. Ztg. zufolge hat der König die Einberufung der bayerischen Land⸗ räthe auf den 2. December genehmigt.

Stuttgart. Durch k. Verfügung wurde der Landtag auf den 19. November einberufen.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 4. Nov. Im Abgeordnetenhause wurde von der Regierung die Vorlage betreffs Einverleibung von Spizza eingebracht und der Berliner Vertrag auf den Tisch des Hauses gelegt. Der Präsident theilte mit, er werde den Vertrag in Druck legen und zur geschäftsordnungemäßigen Behandlung bringen. Darauf trat das Haus in die Adreßdebatte ein.

Großbritannien. London, 4. Nov. Nach einer als officiell bezeichneten Depesche aus Simla erhielt General Lomakin, Commandeur der russischen Expedition gegen die Turkomanen, an der nördlichen Grenze Persiens vom Kaspischen Meere her Verproviantirungs-Zufuhren; derselbe befestigt die Position von Tekke. Seine Ver⸗ bindungslinien werden durch turkomanische Angriffe beunruhigt. Das JournalPioneer meldet aus authentischer Quelle, daß das Ultimatum an Emir Schir Ali bis zum 20. November eine Antwort fordere, widrigenfalls die englischen Truppen so⸗ fort in Afghanistan einräcken würden.

5. Nov. Nachrichrichten aus Simla zu- folge ist das englische Ultimatum an den Emir von Afghanistan dem afghanischen Befehlshaber des Forts Ali⸗Musjid, Agan, am 2. November zugestellt und eine Abschrift des Actenstücks von

Peschawer aus durch Post-Curier an den Emir[muthmaßlichen des lausenden Ve waltungsjahres; 2) Vor⸗ 5 Afghanische Truppen seien lage und Einsichtnabme der durch den Ausschuß abgehör⸗ ten Rechnung pro 1877/78; 3) Neuwahl des Ausschusses gelassen habe. ö Paris.

ist in Pais der gewiß seltene Fall vorgekommen, daß

abgesendet worden. von Herat in Kandahar angekommen. Der Emir sei entschlossen, die Engländer anzugreifen, falls diese nicht mit dem Angriff beginnen sollten. Die Pischinenstämme hätten ihre Getreidevorräthe in Getreidespeichern zu Quettah untergebracht, damit der Emir ihnen dieselben nicht wegnehmen lasse. Der Finanz⸗Untersectetär im Departement des

Kneis, Oberst Loyd⸗Lindsay, wohnte gestern einem Diner des landwirthschaftlichen Vereins von Abing⸗ don bei und nannte bei dieser Gelegenheit als die Forderungen, welche an den Emir von Afghanistan in dem an ihn gerichteten Ultimatum erhoben worden seien: die Entfernung der russischen Ge- sandtschaft aus Kabul und daß der Emir kein Bündniß mit Rußland schließen dürfe, sondern Neutralität beobachten müsse.

Spanien. Madrid, 3. Nov. Der Proceß Oliva's, der das Attentat auf den König verübte, befindet sich seit gestern Abend in den Händen des öffentlichen Anklägers, welchem nunmehr innerhalb der Frist von 24 Stunden die Er: hebung der Anklage obliegt. Auf Begehren des Vertheidigers Oliva's hat das Gericht telegraphisch eine Untersuchung angeordnet hinsichtlich des an⸗ geblichen dreimonatlichen Aufenthaltes des Ange⸗ klagten im Irrenhause zu Barcelona. Laut Bericht der Aerzte, welche den Angeklagten drei Tage hindurch beobachteten, zeigte sich bei diesem kein Symptom von Geistesstörung.

Griechenland. Athen, 4. Nov. Die Kammer hat den Antrag des neuen Cabinets auf Vertagung ihrer Berathungen mit 88 gegen 79 Stimmen abgelehnt; darauf haben die neuen Minister ihre Entlassung gegeben.

Rußland. Petersburg. DasJourn. de St. Petersbourg schreidt: Die vollständigste Ordnung herrscht in dem von den russischen Truppen otcupirten Rumelien. Die russischen Behörden haben niemals die Bildung von Banden oder eines Comite's érmuthigt. Die Offiziere waren nirgends geneigt, an einer aufständischen Bewegung theilzunehmen. Kein einziger Russe befindet sich unter den Insurgenten von Macedonien. Die Russen haben keinerlei Aufteizung begangen. Der Ober-Commandant hat seinen Befehl an die Grenzbehörden, die Ansammlung von Insurgenten zu verhindern, erneuert und die Gouverneure ange wiesen, die Umttiebe des Comite's zu überwachen, welche übrigens durchaus keinen ernsten Charakter tragen.

Livadia, 4. Nov. Der Großfürst Sergei reiste am 2. Nov. mit der NachtLivadia nach Odessa ab. In Felge dichten Nebels und heftigen Süd- windes gerieth dieLivadig auf den Grund. Der Großfürst Sergei, sowie Ossiziere und Mann- schaft der Jacht wurden wohlbehalten ans Land gesetzt. DieLivadia wurde durch den Wind auf die Klippen geworfen und befindet sich in einer nahezu hoffaungslosen Lage.

Aus Stadt und Land.

Butzbach. Die diesjährige General Versammlung des Thierschutz Vereins für das Großherzogthum Hessen findet Mittwoch den 27. November, Nachmittags 2 Uhr, im Hessischen Hof dahier statt und werden hiermit alle Mit. alleder des Vereins und Freunde seiner Bestrebungen zum Besuch derselben eingeladen. Tagesordnung: 1) Geschäft⸗ liche Mittheilungen. 2) Bericht über die seilherige Thälig⸗ keil und den Pariser Congreß. 3) Rechnungsadlage pro 1877. 4) Kassenvericht pro 1878 und Berathung des Budgets pro 1879. 5) Aenderung der Statuten. 6) Er⸗ neuerung des Ausschusses. 7) Zuerkennung von Prämien und Ehrendiplomen; Ernennung von Ehrenmizaliedern. 8) Berathung etwa gestellt werdender Anträge. 9) Vor⸗ trag des Lehrers Link aus Eich über das Thema:In welcher Beziehung siebt der Thierschutz zur Obstbaumzuchl? In Bezug auf Nr. 8 der Tagesordnung machen wir auf §. 14 der Statuten aufmerksam.

Darmstadt. Im verflossenen Jabre betrug die Zahl der Gebutten im Großherzogtbum 34,740, die der Ge⸗ storbenen einschließlich der Todigeburten 23,843. Ehen

wurden 6945 geschlossen. Die größte Sterblechken herrschte

in den Monaten März und April, während sie im Sep tember und November auffallend gering war. Darmstadt. Für die Generalversammlung der Vieb⸗ versicherungs⸗Anstalt für das Großberzogthum H ssen, welche am 25. d. Mis., Vormittags 11 Uhr, im Hölel Prinz Carl dahier abgehalten werden wird, ist folgende

Justanz; 4) Neuwahl der Direction der Anstalt. wird bemerkt, daß Auträge, welche in dieser Versammlung gestellt werden wollen, 14 Tage vor derselben schriftlich an die Direction zu richten sind.

Tagesordnung vorgesehen: 1) Beticht über die Erfolge der Anstalt, die Rechnungsergebnisse des verflossenen und die

für die Provinz Starkenburg resp. Ergänzung der Recurs Hierzu

Darmstadt. Im Jahr 1876 bestanden in unserem

engeren Vaterland 39 eigentliche Sparkassen die ver⸗ schiedenen Genossenschasten, welche gleichfalls Spareinlagen

die Zabl der Einleger Ende des genannten Jahres 92, gegen 90 435 zu Anfang des Jahres. Die Zumm⸗ Einlagen wuchs von 46,367,389 M. auf 50,511,690 M. Die für etwaige Eventualitäten zur Verfügung stehendeg Reservesonds haben die Höhe von 4,028,248 Mark erreicht Zahlen, welche für unsere Bevölkerung um so ehrender erscheinen, als die Zeitverhältnisse leider trübe genannt wer⸗ den müssen.

Rüsselsheim. Nachdem am Freitag die Hofraithe des Bäcker Bopp abgebrannt und benachbarte Gebäude stark beschädigt worden, brach gestern in der Behausung des Wirths Gütlich wiederum Feuer aus, welches rasch um sich griff und auch diese Hofraithe, wie mehrere Ge⸗ bäude in Asche legte. Während man noch mit diesem Brand zu kämpfen batte, erscholl abermals Feuerlärm, es brannte die Schneider'sche Hofraithe am Mainthor, Bei dem herrschenden Wassermangel griff das verheerende

entgegen nehmen, sind nicht mitgerechnet und 2 der

Haus nebst Nebengebäuden zum Opfer. Die Aufregung der Bevölkerung ist keine geringe, da offenbar böswillige Brandstiftung vorliegt. Ein der That verdächtiger Kerl wurde bereits verbaftet.

Mainz, 4. Nod. In der Nähe des Ludwigs⸗Bahn⸗ hofes wurde gestern ein stcemder Mann verhaftet, welcher im Verdacht stand, falsches Geld verausgabt zu haben. Bei der Visitation fand man bei demselben ungefähr 80 Mark in baarem Geld, darunter nahezu 60 Mark falsche Münzen und zwar Ein- und Zwei Markstücke.

Allerlei.

Hanau, 3. Nov. Gestern wurden von der durch Steuerexekutor Hasselbaum entwendeten Summe(20,000 Mark) 15000 Mark wiederum aufgefunden und in Sicher⸗ heit verbracht. Hasselbaum benachrichtigte von Mainz aus seinen Schwager in Frankfurt, daß sich in einem unbe⸗ wohnten Zimmer, neben seiner Wohnung, unter dem Aschenkasten diese Summe vorfände. Der ehrliche Schwager jedoch(Bruder der Hasselbaum'schen Ehefrau) machte von diesem Vorfall der Behörde Anzeige und es fand sich ber Inhalt des Schreibens genau bestätigt. Von dem Aufent- halte Hasselbaums selbst ist, wie wir hören, noch nichts bekannt.

Kaiserslautern. Dieser Tage kamen bier zwei sranzösische Geheimpolizisten an und bielten mit Genehmig⸗ ung der Behörden Haussuchung nach Werthpapieren bei einem angesehenen Kaufmann. Sie fanden von den ge⸗ suchten Papiecen 80,000 Mark, die der Kaufmann s. 3. füt 30,000 Mark erbandelt haben will. Ge üchte spinnen die Sache dahin aus, in den Jahren 1870/71 sei in Frankreich ein großer Diebstahl von Millionen von Francs vorgekommen. Man habe jahrelang im Geheimen nach den Thätern geforscht und die Spuren hätten u. A. nach Kaiserslautern geführt.

Köln. Das Material zu den beiden Domthürmen ist sast fertiggestellß,, und es handelt sich hauplssächlich noch um die Restauralion des Thurmtheiles, der vor mehr als

500 Jahren gebaut wurde und auf welchem vor ca. 15 Jahren der Krahnen stand, vermittelst dessen man ehemals

das Baumalerial in die Höhe schaffte, während dieses jetzt durch Dampf bewerkstelligt wird. Es könnte nun schon ein großer Theil der Arbeiter entlassen werden, aber wegen der schlechten Zeit sollen diese den Winter hindurch so viel wie möglich Beschäftigung haben. Im Frühjahr indeß muß die Mehrzabl entlassen werden und unsere Bauhütte, gleichsam die Hochschule der Sleinmetzkunst, wird zersplütert und zerstreut sich in alle Welt. Es ist das sehr zu be⸗ dauern, eines Theils wegen der Leute selbst und andern Theils, weil ein zweites so hervorragendes, trefflich geschul⸗ zes Instuut schwerlich auf dem ganzen Erdenrund gefun⸗ den werden kann.

Glogau. Am 1. Nov. ist hier der wegen seines Land⸗ kartenverlags in den weitesten Kreisen bekannte Verlags⸗ buchhändler Carl Flemming im 72. Lebensjahr verstorben.

Elbing. Hier ist dieser Tage ein russischer Kuppler gleich bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof verhaftet wor⸗ den. Er war auf Grund eines zufällig zur Kenniniß der Behörde gelangten Brieses, den er an seine Vermittlerin geschrieben, abgesaßt worden. Das nichtswürdige Treiben dieser Personen charakterisirt sich durch eine Stelle aus diesem Briefe, welche dieAlipr. Zig. mittheilt und in der es heißt, die ihm zu sendende Waare müsse jung, hüdsch, vor allen Dingen aber gesund sein. Bei der letzten Sendung habe er wegen Krankheit 45 Mark verloren.

Bern. Im St. Gotthard-Hosviz wurden vom 1. Oe⸗ tober 1877 bis 30. September 1878 nicht weniger als 10,601 arme Reisende verpflegt, darunter 107 Kranke und Halberfrorene. Rationen wurden im Ganzen 39,470 verabreicht; ebenso eine Anzahl Kleidungsstücke. Die Ge⸗

sammlausgabe betrug 12.935 Fr., die Einnahme 12,395 Fr.,

was ein Deficit von 540 Fr. ergibt. Brüssel, 4. Prozeß Philippart wurde der Angeklagte haute von der Anschuldigung des Virttauensmißbrauchs und det Unter⸗ schlagung freigesprochen, dagegen wegen einfachen Bankerotts

Nov. In dem bekannten Eisenbatn⸗

u 6 Monat Gesängniß ve urthe le, weil er kotz seiner Kenniniß der Lage sich in derartige Unternehmungen ein⸗

Eine Etbschaft im Fiaker. In diesen Tagen

ein Droschkenkulscher beim Reinigen seiner Droschke unter den Kissen nicht nur ein Portemounzie mit einem baaren Inhalt von über 60 Francs, sondern auch alle Ulkunden fand, die zur Erbebung einer Erbschaft von Millionen Francs ausgestellt und von einem jedenfalls sehr zer⸗ streuten Fahrgaste vergessen waren.

Element rasch um sich und siel demselben noch ein weiteres,

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