1878. M 51.
8 Oberhessischer Anzeiger.
Wird hier und in Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.
Dienstag den 7. Mai.
Erscheint dreimal per Woche und zwar Dienstags, Donnerstags und Samstags.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
Die einspaltige Petitzeile wird bei Annoncen mit 11 Pf. berechnet, bei größerem Tabellen- oder Ziffersatz mit 14 Pf., bei Reclamen mit 22 Pf.; ein Beleg kostet 9 Pf. Annoneen von auswaͤrtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahres-Conto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets per Post nachgenommen. 0 10 eee N e! d 0 2 maren e, en
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Amtlicher Theil.
Betreffend: Die angeblich an Epilepsie leidende Marie Goldbach aus Finkenhain im Kreise Fulda. Friedberg am 3 Mai 1878. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Von dem nachstehend abgedruckten Ausschreiben Großherzoglichen Kreisamts Büdingen geben wir Ihnen zu Ihrem Bemessen Kenntniß. bra d en.
Schon seit mehreren Jahren treibt sich die dermalen 37 Jahre alte unverebelichte Marie Goldbach aus Finkenhain in dem hiesigen, sowie in anderen Kreisen der Provinz Oberhessen und auch in den angränzenden Gebietstheilen des Königsreichs Preußen, theils als Taglöhnerin, theils auf dem Müßiggang und der Bettelei berum. Ist letzteres der Fall, so sucht sie das Mitleid der Ortsbehörden und Privaten sehr häufig dadurch zu erregen, daß sie sich stellt, als leide sie an epileptischen Krämpfen. Da die Genannte als gewandte Simulantin in einer Reibe von Fällen, welche zu unserer Kenntniß gelangt sind, bewirkt hat, daß die Ortsarmenverbände mitunter nicht unbedeutende Pflege- und Traneportkosten für sie aufgewendet haben, so sehen wir uns dierdurch veranlaßt, dieses als Warnung mit dem Anfügen zu Ihrer Kenntniß zu bringen, daß, falls sich die
Ortsbebörden durch die genannte Person täuschen lassen sollten, von einem Ersatz der entstandenen Kosten aus Mitteln des Landesarmenverbands
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nicht die Rede sein kann.
Büdingen, 18. April 1878.
Im Uebrigen bemerken wir Ihnen, daß, falls dieselbe in einer Ihrer Gemeinden erscheinen und als fallsüchtig sich benehmen sollte, uns stets sosort Anzeige zu erstatten sei, damit gerichtliches Einschreiten wegen Betrugs von uns veranlaßt werden kann.
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— f Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
Darmstad i den 30. April 1878.
Bekanntmachung.
Es werden deßhalb alle im
* Konrad Haag von Burg Gräfenrode ist als Feldschütze für die Gemarkung Burg Gräfenrode ernannt und verpflichtet worden. aue n e Georg Dörr ven Bönstadt wurde als Feldschütze für diese Gemarkung ernannt und verpflichtet. l Adam Meisinger von Ober- Wöllstadt ist als Feld schütze für diese Gemarkung ernannt und verpflichtet worden.
In Folge der durch die Kaiserliche Normal- Eichungs Commission erfolgten Aufhebung der F.§. 89 und 91 der Eichordnung für das deutsche Reich ist im öffentlichen Verkehr det Fortgebrauch aller nach den früheren Landesgesetzen gestempelten Gewichte und Waagen, welche nicht mit dem vorgeschriebenen nꝛuen Eichungsstempel versehen sind, untersagt. Personen aufgefordert solche bei den betreffenden Eichämtern umstempeln zu lassen.
Besitz solcher Gewichte und Waagen befindlichen
Großherzogliche Eichungs-Inspection. Pfannmüller
Deutsches Reich. Darmstadt, 3. Mai. Der Gro an beute Vormittag von der Auerhahnjagd bei Als „ seld hierher zurückgekehrt.
„ E Das Fianzministerium hat den Ständen letzt den in Aussicht gestandenen Entwurf eines
* Tilgungs-Kasse als besondere Abtheilung mit der Haupt- Staats-Kasse vereinigt werden soll. Der 1 Entwurf führt
2 und enthält acht Artikel. 10
Als eine wesentliche Vorbedingung für die Vereinigung der beiden Haupl- Kassen wird bezeichnet, daß die zwei l Neben-Kassen der Haupt. Staats Kasse, die eta Chaussee- und Fluß- Bau Kasse und die Criminal— und Polizei- Kasse, wieder aus derselben entfernt werden. 0— Die zweite Kammer ist auf Dienstag den Mai Vormistags 9 Uhr einberufen. — Dem nächsten Landtage soll, wie erlautet, nunmehr die schon lange zugesagte Vorlage wegen Revision unserer Collateralsteuer-Gesetzgebung unter- breitet werden. Darmstadt. Militärdienstnachrichten. Rau, Hauptm. vom 2. Großh. Inf. Regt. Nr. 116, wurte zum überzähligen Major besördert; des- gleichen Pennrich, Hauptm. vom Leibgren. Reg. Nr. 8; Frhr. v. Follensus, Rittm, und Es.-Cbef. vom 1. Großh. Drag. Reg. Nr. 23, der Charakter als Major verliehen; Kraker v. Schwarzenfeld, 99 Prem. Lieut. à la suite des 1. Großh. Drag.“ Regt. Nr.23 und comm. zur Diensileistung beim Rriegsministerium, unter Entbindung von diesem 7 Commando, in das Hus. Regt. Kaiser Franz Josef — Er. 16 versetzt; Prinz, Prem. Leut, vom 16. pus.-Regt. unter Belessung in dem Commando eis Ati. der 30. Kab. Brig, als aggr. zum 1. Großh. Drag.-Regt. Nr. 23 versetzt.
0 14.
Gesetzes zugehen lassen, wonach die Staatsschulden⸗
1 die Ueberschrist„betreffend die Organisation der Verwaltung der Staataschuld“
Berlin, 3. Mai.
über die Gewerbe Gerichte. Das Amendement von Fritzsche zu§. 7, betreffend die gleichmäßige Vergütung der Reisekosten und Zeitversäumniß für Arbeiter und Arbeitgeber wurde mit 119 gegen 112 Stimmen angenommen. F. 8, wozu neun verschiedene Amendements gestellt waren, wurde schließlich in der Commissions fassung mit uner— heblichen Abänderungen genehmigt, und der Rest des Gesetz-Entwurss nach mehrstündiger, wenig erheblicher Debatte gemäß den Commissions-Be— schlüssen mit unwesentlichen Abänderungen ange— nommen.— 4. Mai. Zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung der Gewerbe- Ordnung. Zu den§§. 105 und 105a gemachte, auf die Beschäftigung der Arbeiter an Sonn- und Festtagen bezügliche Abänderungs⸗ Vorschläge rufen eine längere Debatte hervor. Die Commissions- Anträge bezüglich der obligatorischen Feier der Sonn und Festtage sind weitergehend, als die Regierungs- Vorlage, welche die Sonn— und Feiertags Arbeit für die Arbeiter facultativ macht. Bei der endlichen Abstimmung wird unter Ablehnung mehrerer Amendements§. 105 unver— ändert in der von der Commission vorgeschlagenen Fassung,§. 105a mit einer unwesentlichen Ab— änderung in der Commissions-Fassung genehmigt.
Königsberg i. Pr. Der„Ostpr. Ztg.“ zufolge hätte der Reichskanzler Fürst Bismarck die Ausfuhr derjenigen Pferde gestattet, welche auf dem diesjährigen Königsberger Pferde-Markt (vom 25. bis 29. Mat) nach dem Auslande verkauft werden,
Stuttgart, 4. Mai. Der König ist nach Ouchy bei Lausanne abgereist, wo er mit der aus Nizza zurückkehrenden Königin zusammentrifft. Am 14. Mai treffen der König und die Königin hier wieder ein.
Der Reichstag fuhr heute ßherzog ist fort in der zweiten Lesung des Gesetz- Entwurfs
Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 2. Mai. Das„Tagblatt“ will wissen: Autbentische Berichte ließen keinen Zweisel darüber, daß die russische Armee bei Bukarest und an der siebenbürgischen Grenze zusammengezogen würde; für die öster⸗ reichische Regierung ergebe sich daraus trotz der freundlichen Beziehungen zum Petersburger Cabinet die Nothwendigkeit, militärische Vorsichtsmaßregeln
zu ergreifen. Gutem Vernehmen nach würde die Aufstellung einer Armee in Siebenbürgen in ernste Erwägung gezogen. — 3. Mai. Der„Lloyd“ meldet aus Agram: Feldzeugmeister Philippovich wurde angewiesen, 25,000 Mann ihm unterstehender Truppen bei Sissek in strategischer Aufstellung zu concentriren; darin wird der Beginn der militärischen Beweg- ungen behufs der Occupation Bosniens erblickt. Die Blätter fassen die Situation momentan etwas friedlicher auf.
— 4. Mai. Die„Presse“ meldet, von dem 60 Millionen Credit, welchen die Delegationen der Regierung bewilligten, würden vorerst 30 Millionen als schwebende Schuld aufgenommen.
Pest, 4. Mai. In dem heutigen Kronrathe, welchem eine längere Berathung der beiderseitigen Minister bei dem Fürsten Auersperg voronging, wurden die schwebenden Ausgleichs- Differenzen durch gegenseitige Compromisse endgültig aus- geglichen. Das Einigungs-Resultat wird in Form einer Vorlage den Parlamenten in Wien und Pest unverzüglich vorgelegt werden.
Großbritannien. London. Man meldet aus Calcutta vom 2. d.: Der politische Agent Englands zu Bhamo(Birma) sowie zwei Sipabts wurden durch Sipahitruppen ermordet; die Mörder sind verhaftet; das Motiv ihrer That ist nicht bekannt, man glaubt, daß es der Politik fernliege.


