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auf dem Boden der Verfassung beharren und fort⸗ fahren werde, den Radicalismus zu bekämpfen.
Spanien. Madrid. Aus Anlaß eines Vorfalles zu Ignatoraf, wo der Ortsvorsteher bei der gewaltsamen Taufe eines protestantischen Kindes in der katholischen Kirche mitwirkte, ist eine vom Amtsblatte veröffentlichte königl. Verfügung er⸗ gangen, welche das Verfahren des Gemeinde Beamten tadelt und zugleich versichert, die Regierung werde jeder Verletzung des Glaubens vorbeugen.
Türkei. Constantinopel, Reuf Pascha meldet aus Schipka vom 20. d.: Die feindliche Artillerie unterhielt heute eine sehr heftige Be⸗ schießung der türkischen Redouten auf dem äußersten rechten Flügel, verursachte jedoch nur unbedeuten⸗ den Schaden und Verlust. Die Türken dagegen fügten den Russen beim Wasserholen starke Verluste zu. Am Freitag griffen zwei russische Bataillone mit Cavalerie und Artillerie Dedbal bei Thirnova— dere an, wurden aber zurückgewiesen.
— 23. Oct. Das Corps Ismail Pascha's, das bei Igdyr stand, hat das russische Gebiet verlassen, um sich mit Mukhtar Pascha zu vereinigen.
Montenegro. Cettinje, 22. October. Die Fürstin ist mit ihren Kindern und Gefolge heute zum Gebrauche einer Kur nach Neapel ab- gereist. Sie hat sich in Cattaro auf einer zu ihrer Verfügung gestellten kaiserlichen Nacht ein geschifft.
Rußland. Petersburg. An der unteren Donau erbeuteten Kosaken am 17. Oct. auf dem Wege von Tschernawoda nach Silistria bei Seilhk einen türkischen aus 100 Peroviantwagen bestehen- den und von 150 Mann escortirten Transport. Von der Escorte wurden 26 Mann niedergemetzelt, 32 Mann gefangen genommen, die übrigen zerstreut.
— Aus Gorni- Studen, wird über die Einzel heiten eines am 19. d. um eine türkische Redoute bei Plewna ausgefochtenen Kampfes amtlich Fol— gendes berichtet: Nachmittags 12½ Uhr verließen vier rumänische Bataillone die vierte Parallele, um die Redoute anzugreifen, mußten sich aber, da ihnen starkes Gewehrfeuer entgegengesetzt wurde, zurückziehen. Am Abend, 6 ½ Uhr, erneuerte der Führer der vierten rumänischen Division den An- griff gegen die Redoute. Drei voranstürmende Bataillone sprangen in den Graben und verweilten daselbst eine Stunde, sich vergeblich bemühend, die Redoute zu erstürmen. Dieser längere Aufenthalt der bezeichneten Truppen gab Veranlassung zu der verfrühten Nachricht, daß die Redoute genommen wäre. Schließlich mußten sich die Rumänen mit Verlust von 2 Offizieren und 200 Soldaten todt sowie 20 Offizieren und 707 Soldaten verwundet zurückziehen. Die Verluste der Türken dürften auch bedeutend sein, da die zur Redoute hineilen⸗ den türkischen Reserven durch die rumänischen Batterien von der Flanke und in dem Rücken stark beschossen wurden.
— 22. Oct. Das Corps in der Dobrudscha und der linke Flügel der Armee am Lom haben sich in Bewegung gesetzt. Großfürst Wladimir hat das Commando des zwölften Armee-Corps übernommen.
— Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz wurde am 17. d. von Khoper'schen Kosaken unter Oberst⸗ Lieutenant Perin ein türkisches Detachement bei dem Dorfe Saly umzingelt und gefangen genom- men. Das Detachement ergab sich in einem Be⸗ stand von 23 Offizieren und 200 Soldaten mit 3 Gebirgs⸗Geschützen. Seit dem 14. Oct. ist im südlichen Daghestan die Ruhe hergestellt. In Mittel ⸗Daghestan dagegen fanden am 15. und 16. Oct. zwei Gefechte mit den Aufständischen bei dem Dorfe Lowaschi statt, wo Oberst Naka- schidse's Truppen 300 Mann niedermetzelten, viele Fahnen, Pferde und verschiedenes Eigenthum er⸗ beuteten. General Heimann marschirt auf Erzerum. Kars ist seit dem 22. Oct. umzingelt; es sollen Unterhandlungen wegen Uebergabe der Festung eingeleitet sein. Das russische Hauptquartier be- findet sich gegenwärtig in Verzinköl. General Lazareff marschirt gegen Ismail Pascha.
— Der„Golos“ meldet vom 21. Oct.: Unsere Truppen fahren fort, täglich Reste der
zerstreuten Armee Mukhtar Pascha's einzufangen. Das russische Hauptquartier befindet sich in Großtikma.
Amerika. Cuba, 22. Oct. Von hier wird officiell gemeldet, daß die Aufständischen zwei ihrer Führer gehängt haben und zwei andere entflohen sind.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Nach einem Beschluß der Schulcommission sind alle Schüler, welche nachweisen, daß sie den kauf⸗ männischen Cursus von E. Ermus hier besuchen, von dem obligatocischen Besuch der Fortbildungsschule befreit.
Gießen. Das von dem verstorbenen Geh. Oberpost⸗ rath Vauer hinterlassene Herbarium ist von dessen Erben der Laudesuniversiläl zum Geschenke gemacht und bereits bei den Sammlungen des botanischen Gartens zu all⸗ gemeiner Benutzung aufgestellt worden. Dasselbe bildet einen sehr werthvollen Beitrag insbesondere zur Kenntniß der Flora von Hessen, welche der Verstorbene viele Jahre hindurch mit beispiellosem Eifer durchforscht hat.
Gießen, 23. Oct. Gestern Abend wurde die Familie eines hiesigen Einwohners in große Trauer versetzt. Dem jüngsten Kinde war zum Spielen der Knopf s von einer Saugflische übetlassen worden und gerieht derselbe in den Schlund des Kleinen. Ehe Hülse herbeigeholt werden konnte, war dasselbe erstickt. Also Vorsicht bei kleinen Kindern!
Offenbach. Dem Vernehmen nach hat der Unter— suchungsrichter am hiesigen Landgericht, Landgerichisassessoc Küchler, dieser Tage in Neu-Menburg ein großes Diebsnest ausgehoben und bei einer vorgenommenen Haussuchung ein ganzes Lager von gestohlenen Gegenständen aller Art mit Beschlag belegt, das auf eine förmlich organisirte Bande schließen läßt. Die Untersuchung wird Näheres ergeben.
Allerlei.
Frankfurt, 23. Oct. Gestern Mittag wurde der Inspector Todt, welcher erst kaͤczlich von Lahnstein hierher versetzt worden, von der Rangirmaschine auf dem Taunus— Bahnhof überfahren und blieb todt.
Frankfurt, 23. Oct. Das eine Bären-Paar im zoologischen Garten wurde gestern durch die Muniftcenz eines hiesigen Bürgers in große Freude versetzt. Derselbe fützerte oben vom Zwinger berab„Lips mit Frau“, als ihm sein Hut, in dem die Biöochen sich befanden, entglitt und hinabfiel. Die Bäcin bekam leider nur ein Brödchen, während Petz mit Heißhunger über den Hut herfiel und mit sichtlichem Wohlbehagen erst das sette Fuiter des Huts und dann diesen selbst verzehrte.(Ecinnert lebhaft an einen Fall, der s. 3. einem damaligen Friedberger passicte.)
London, 22. Oct. Heute fand in der Kohlengrube Highblanthy e bei Glasgow eine Explosion stalt; die Zahl der Todien beträgt 232. Nur ein Einziger wurde gereitet.
Washington, 12. Oct. Allen darüber eingelaufenen Berichten nach ist die diesjährige Waizenernte die größte, die die Union überhaupt j mals gehabt hal.— Die Vor— stadt von Saint John's(Neu Brandenbura) ist nieder⸗ gebrannt. 230 Häuser sind eingeäschert, 2000 Menschen obdachlos geworden.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 24. Oct. Wochenmarkt. Butter kosteie per Pfund 90 Pf. bis M. 1.—. Eier per Stück 9 Pf.
Friedberg, 24 Oel. Waizen M. 22 70. Koen M. 17.—. Gerste M. 18.—. Hafer M. 14 50-18. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpsund.
Gießen, 23. Ocl. Wochenmarkt. Bulter per Pfund 90 95 Pf. Eier per Stück 7 Pf. Tauben das Paar 60 Pf. Hühner per Stück 55 Pf. Hahnen per Slück 60 Pf. Enten per Stück M. 1.50. Kartoffeln, 100 Kilo, M. 6 50.
Frankfurt, 22. Oct. Ja Folge der Rinderpast, und weil man den hiesigen Viehhof für verdächlig erklärt hat, wird nur so viel Nutzoieh zugelassen, als man eben zur Deckung des Fleischbedarfes in der Stadt braucht, und es sand deßhalb heute ein eigentlicher Viehmalkt nicht stalt. Das Geschäft wurde auf der Mainkur und in Off abach gemacht; hier standen nur 120 Ochsen, 12 Kühe und 116 Kälber zum Verkauf. Daß unter solchen Umständen die Preise sehr hoch waren, ist selbstverständlich. Die Preise stelleen sich per Centner Fleischgewicht: Ochsen 1. Qual. M. 75—80., 2. Qual. M. 70—73. Kübe und Rinder 1. Qual. M. 65—68., 2. Qual. M. 56 58. Kälber 1. Qual. M. 70- 72., 2. Qual. M. 58 60.
Frankfurt, 22. Oct. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 MN. 42., Nr. 2 M. 38., Nr. 3 M. 34., Nr. 4 M. 30. Ni. 5 M. 24. Roggenmehl/(Berliner Marke) M. 25., o. II.(Berliner Marke) M. 21. Weizen ab Babnbof bier M. 23—24 25., ab unserer Umgegend M. 22—23 25., stemder je nach Qual. M. 23— 25.25. Korn M. 17.— bis 18.50. Gerste M. 18—24. Hafer M. 13 17. Kohlsamen M. 36-37. Erbsen M. 21—24. Wicken M. 17.—. Linsen M. 21—30. Rüböl M. 83.—. Die Preise versiehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zoll⸗ gewicht= 100 Kilo.
Manz, 22 Oct. Producten-Markt. Waizen per Nov. M. 22 60. Korn per Nov. M. 15 40. Hafer per Nov. M. 15.45. Rüböl per Oet. M. 4020.
D. Frankfurt a. M., 23. October. Der seuher noch seste Grundion der Tendenz machte heute unter dem Einfluß gewichener auswärtiger Nottrungen einer entschieden matten Haltung Platz. Die Rraction, welche auf sast allen Verkehrsgebieten dominirte, ist indeß weniger das Resultat von Blauconbgaben, als von Realisationen der
Haussters, die durch die seit gestern gemelbeten Wiener werden.
Insolvenzen in der Getreidebranche motivirt Während die erwähnte Partei sich wo möglich vor Ultimo zu degagiren sucht, traten eiwa vorhandene Baisseneigungen nur zaghaft hervor, da man auch auf dieser Seite dem Wetter nicht traute und durch ein unerwartetes, einer Hausse günstiges Ereigniß, abgeschnitten zu werden fürchtet. Von den Hauplispekulationswerthen waren Creditactien heute ausnehmend matt, Staatsbahnactien blieben relativ sester. Lombarden hielten sich gut und fanden auch wieber einige Beachtung. Man will wissen, daß die Lage der Bahn einer Besserung entgegengehe und namentlich eine stärkere Dotirung des Reservefonds in Aussicht siehe. Creditactien bewegten sich zwischen 179½—/—178¾ bis 179/ und 177¾. Staalsbahnactien zwischen 221½¼ bis 221—222 und 221. Lombarden noticten 60/. Von ausländischen Fonds waren österr. Goldrente und Papier⸗ rente etwas schwächer, Silbetrente sest. Unagarische Schatz bons stellten sich niedriger. Loose matter. Oesterr. Bahnen
bröck lien in der Mehrzahl ebenfalls im Course ab. Galizier
ca. ½ fl besser. Oesterr. Prioritäten ziemlich preishaltend. 30% Lom bardische etwas höher. Banken wurden billiger ab⸗ gegeben. Oestert. Nationalbank verloren 8½ fl. Meininger sind ½0% böber. Wechsel theurer, Wien 50 Pf. Prival⸗ disconio 4½0%/.
Landwirthschaftliches und Gewerbliches.
Verfälschung von Cichorienkaffee. Clonet be— richtet über die Vergiftung von vier Persouen durch den Genuß von Cichorienkaffee, welcher aus Lille bezogen war. Ducch die chemische Untersuchung wurde in dem Aufgusse desselben Hyoscyamin nachgewiesen und mit Hilse des Mikroskopes bei 250sacher Vergrößerung unzweiselhafte Reste von Bilsenkcaulwurzeln. Obgleich Bilsenkraut und Cichorie sehr leicht zu unterscheiden find, so haben doch die Wurzeln einige Aehnlichkeit.
Ueber die Ver fütterung des Grünmals. Es ist eine durch Wissenschaft und Erfahrung festgestellie That⸗ sache, daß reine Maisfütterung Verschwendung ist, weil der Mais zu flickstoffarm ist. Derselbe enthält nämlich auf 10 Theile stickstoffloser Theile blos 1 Theil Protekn, wäbrend Klee und Wickhafer dessen 2 bis 3 Theile führt. Wenn daher eine milchende Kuh bei bloßem Kleefutter sich ganz wohl befindet, so wird sie bei bloßem Grünmais mit dem Mangel an plastischem Nährstoff zu kämpfen haben und deshalb in ihrer Milch-, Fleisch- und Kraftproduclion gar bald auf die geringste Leistung reducirt werden. Es ist daher dringend geboten, daß man die lägliche Ration det Thiere nur zur Hälfte aus Mais bestehen läßt; die übrige Hälfte sei guter Grünklee oder Wicksulter. In Er— mangelung desselben beansprucht jedes Stück Großvieh täglich eine preußische Metze Bohnenschrot oder Oelkuchen⸗ pulver als trockenen Zusatz. Unter diesen Bedingungen wird der Mais zum vortrefftichen Milchsutter. Um den Mais auch während des Winters verfültern zu können, schueider man ihn kurz vor dem Froste, bindet ihn mit Weidenruchen in kleine Bündel und stell: dieselben pyca⸗ midensörmig zusammen, 10 bis 15 in eine Pyramide, so daß sie von der Luft durchzogen werden kann. Um die obeten Theile der Pytamide wird, damit dieselbe vom Slurme nicht umgeworfen werden kann, ebenfalls ein Band geleg.
Der Johannisroggen besitzt, nach einer Mittheil⸗ ung der„Rheinischen Wochenschrift“ außer andern des Oeftern hervorgehobenen guten Eigenschaften, auch eine auffallende Widerstandskraft gegen ungünstiae Witlerungs⸗ eiaflüsse. Der harte Winier des Jahres 1871 hatte, wie es in der genannten Zeitschrift heißt, so enormen Schaden bei den Saalen angerichtet, daß der größte Theil des Wintergetreibes ausgepflügt und statt desselben Sommer⸗ geireide bestellt werden mußte. Der Johannisroggen da⸗ gegen halle den Unbilden des Winters vollständig getrotzt und zeichneie sich durch üppigen Stand aus. Schon von Weitem konnte man die bezüzlichen Saaten unierscheiden; kein einziges, mii Johannissoggen benelltes Feld hatte er⸗ heblich von der Kälte gelitten. Die Bestockung desselben wulde eine sehr reiche, verschiedene Stauden hatlen an 50 Halme entwickelt. Der Ecnag der Ernte war ein fehr zufciedenstellender.
Die Phosphorescenz verwesender Organis⸗ men. Die Lichleniwickelung, welche verwesende Seesische zeigen, ist bereus am Anfange des vorigen Jahrhunderts Gegenstand der Beobachtung gewesen, und schon lange war es bekannt, daß dieses Leuchten von dem die verwesenden Fische umgebenden Schleime ausgehe und weder bei noch seischen Fischen auftrete, noch beobachtet werde, nachdem die Zersetzung einen schr hohen Grab erreicht hat, E. Pflüger hal sich glaͤchfalls mu diesem Phänomen be⸗ schäftigt und stellie zunächst sest, daß nur die Oberfläche der phoephorescienden Fische leuchie; kratzt man diese weg, daun erscheint der Körper dunkel. Weitere Versuche zriglen, daß es lebende Materie ist, welche an den verwesenden Fischen die Lichterscheinung hervorbringt.
Geld ⸗ Cours. Frankfurt am 23. October 1877.
20 Frankenstsü ce Mk. 16 22 26 Englische Sovereign„ 20 3638 Russische Imperlales„ 16 70-75 Holländische fl. 10 Stücke„ 16 65 G. Ducaten. 888„? Ducaten al mareo e eee Dollars in Gold. 8 2 4 17 20
Jäckchen, Roͤcke,
Gestrickte Kinderkleider, eee der
121 schuhe und Gamaschen billigst bei K. Friedrich.
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