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Beilage.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Am 11. November wurde dem Gymnasiallehrer Dr. Lips zu Darmstadt der Charakter als Professor verliehen. Am 23. Nov. wurde dem Hofgerichtsadvokat Trapp II. in Fried- berg in Anerkennung seiner 50jährigen lobens⸗ wertben Führung der Advokatur der Charakter alsJustizrath verlieben.

Der evangelischen Landessynode ging von Seiten des Oberconsistoriums der Entwurf eines Kirchengesetzes in Betreff der Wahlen der evange⸗ lischen Kirchengemeinde Vertretungen und evange lischen Kirchenvorstände zur verfassungsmäßigen Berathung und Beschlußfassung zu.

22. Nov. Mit Zustimmung der Landes- synode sind für das Jahr 1875 und 1876 die Pensionen der Pfarrwittwen um je 125 Mark erhöht worden, so daß statt 685 Mark 80 Pf. an sie 810 Mark 80 Pf. ausbezahlt wurden. In einer an die Landessynode gelangten Vorlage des Oberconsistoriums vom 10. d. M. glaubt dasselbe nach detgilirter Darlegung der Verhältnisse der allgemeinen geistlichen Wittwenkasse an die Synode das Ansinnen richten zu können, ihre Zustimmung zur Verwilligung eines Pensions-Zuschusses von je 125 Mark zu der regelmäßigen Pension auch für die Jahre 1877 bis 1879 zu ertheilen. Es sind zur Zeit 166 Pensionen auszuzablen, was, den Betrag von 810 M. 80 Pf. zu Grunde ge⸗ legt, die Summe von 134,592 M. 80 Pf. beträgt.

Der unterm 10. d. M. der Landessynode zugegangene Voranschlag für den evangelischen Centralkirchensond für die Jahre 18771879 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1,851,572 M. 26 Pf. ab. Die Einnahme für die drei Jahre setzt sich zusammen aus: Kassevorrath 70,000 M. Beitrag des Staates für die Bedürfnisse der evangelischen Kirche 522,772 M. 26 Pf., Ueber- schuß des Einkommens besetzter Pfarrstellen 37,500 M., Ueberschuß des Einkommens erledigter, bezw. zusammenzulegender Pfarrstellen 120,000 M., Ertrag der Pfingstcollecte 6300 M., Umlagen auf die evanglischen Kirchen- und Stiftungsfonds 90,000 M., Umlagen auf die Angehörigen der evauglischen Kirche 1,005,000 Unter den Ausgaben erscheinen als Kosten der Landessynode 14,550 M., Oberconsistorium 176,562, M. 87 Pf. Staatsgehalte der evang. Geistlichen 220,797 M., Beitrag zu den Pfarrgehalten 930,000 M., Kosten der Verwaltung solcher Pfarrstellen, deren Inhaber zur Versehung der Pfarrgeschäfte nicht mehr im Stande sind, 54,000 M., für Stipendien 15,300 M. Kosten, welche durch die Veranlagung und Erheb⸗ ung der Umlagen erwachsen, 48,825 M., Unein⸗ bringliche Posten und Nachlässe 18,000 M., ständiger Beitrag zur allgemeinen geistlichen Witt⸗ wenkasse 37,854 M., Zinsen von aufgenommenen Kapilalien 19,200 M., zurückzuzahlende Kapitalien 60,000 M., Reservesond 47,913 M. 39 Pf. und Betriebskapital 100,000 M.

23. Nov. Prinz und Prinzessin Ludwig haben vorgestern Morgen England nach längerem Aufenthalt verlassen und werden Morgen Nachmit⸗ tag um 2 Uhr wieder bier eintreffen.

Militärnachricht. Vom 4. Großh. Hess. Inf. ⸗Regziment(Prinz Carl) Nr. 118 werden der Port. Fähnrich Gutbier zum Seconde-Lieute⸗ nant und der charakterisirte Portepeefähnrich Fink zum Portepeefähnrich besördert.

Gießen. Nach einer hier erfolgten Ver- öffentlichung wird der Reichstags Abgeordnete Liebknecht behufs der Reichstags Wahl in drei Volks- Versammlungen im hiesigen Wahl⸗Kreise sprechen, am 22. Nov. in Gießen, am 23. Nov. in Alt- Buseck, am 25. November in Leihgestern. Liebknecht ist von den Arbeitern als Candidat für den hiesigen Wahl Kreis aufgestellt, und sonach hat auch unser Wahl- Kreis drei Candidaten, den bisherigen Abgeordneten von Rabenau, den Can- vidaten der Deutsch-Conservativen, Zimmer, und dazu nun Liebknecht.

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Hberhessischer Anzeiger.

Berlin, 21. Nov. Fürst Bismarck traf heute Abend 6 Uhr mit Gemahlin und Tochter aus Varzin hier ein und begab sich sofort nach dem auswärtigen Amte.

21. November. Bei der Fortsetzuug der zweiten Lesung des Gerichts versassungs Gesetzes genehmigte der Reichstag nach längerer Debatte die§§. 46 und 47 in der Commisstonsfassung und ferner die an dieser Stelle von der Com- mission eingeschobenen§§. 47b bis k. Gleichfalls angenommen wurde der§. 47a, nachdem die Be⸗ stimmung, wonach ein Untersuchungsrichter, der zwei Jahre als solcher functionirte, eine aber malige Bestellung für zwei Jahre ablehnen kann, auf Befürwortung des Ministers Leonhardt ge strichen war.§. 47b(zeitweilige Vertretung eines Gerichts Mitgliedes und Entschädigung des Vertreters) wurde von demselben Minister wegen der voraussichtlichen Schwierigkeiten der Aussührung ebenfalls bekämpft, schließlich jedoch dem Commissions-Antrage gemäß genehmigt. Hier⸗ auf genebmigte das Haus auch die weiteren Pata: graphen bis§. 58. Es folgte nunmehr der Titel über die Schwur Gerichte. Zu§. 59a (Verweisung der Preß Vergehen vor die Schwur⸗ Gerichte) ward namentliche Abstimmung be⸗ antragt. Minister Leonhardt erklärte sich im Namen der Bundes Regierungen gegen diesen Paragraphen, welcher, nachdem die Schöffengerichte so beschränkt worden seien, eine Anomalte enthalte. Nachdem sodann Frankenburger für den Com- missions⸗Antrag gesprochen hatte, vertagte sich das Haus auf morgen 12 Uhr Mittags. 22. Nov. Reichstag. Forts. der Justiz-Debatte. Es wird in Berathung des§. 58a(Verweisung der Preß⸗ Vergehen vor das Schwur Gericht) fortgefahren. Der sächsische Justizminister Abeken erklärt sich für die Regierungs-Vorlage. Er bemerkt: gerade die gelehrten Richter seien berufen, die Producte der geistigen Thätigkeit zu beurtheilen. Die Geschwo⸗ renen dürften mehr oder weniger ibre Parteistellung in das Urtheil hineintragen. Eine Erweiterung der Schwurgerichts-Competenz könne eine Reaction gegen das ganze Institut hervorrufen. v. Schöning für die Regierungsvorlage; Völck für den Com- missionsantrag. Der Justizminister Leonhardt be- kämpft die Ausführungen Völck's und die gestrigen Argumente Frankenburger's und spricht für die Regierungsvorlage. Gneist gegen den Commissous- Antrag, Lucius und Treitschke gleichfalls gegen den Commissions-Antrag, Hauck und Hänel sprechen für denselben. Nach Schluß der Debatte recht- fertigt Miquel den Standpunkt der Commission. Hierauf werden die§§. 58a und 59 angenommen.

DieNordd. Allg. Ztg. schreibt: die Zeitungs⸗Meldungen von einer angeblichen defini tisen Ablehnung der Betheiligung Deutschlands an der Pariser Ausstellung würden von berufener Seite als zu weitgehend bezeichnet; bis vor wenig Tagen hätte nur Preußen sich schlüssig gemacht, beim Reiche sei die Angelegenheit noch nicht ver- handelt; von einem definitiven Beschlusse könne daher jetzt noch nicht die Rede sein, obschon die gegenwärtig in maßgebenden Kreisen herrschenden Stimmungen von Seiten der Presse richtig be⸗ zeichnet würden.

Es verlautet, daß mit der Ausprägung der goldenen Fünf-Markstücke,(halben Kronen) demnächst vorgegangen, und vorläufig der Betrag von 80 Millionen Mark dieser Münz Sorte her⸗ gestellt werden soll.

23. Nov. Der Marquis v. Salisbury ist gestern Abend 8 Uhr hier eingetroffen. Er wurde, da der englische Botschafter Lord Rufsell unwohl war, von dem Seecretär der Botschaft, Mac Donnel, empfangen, stieg im Kaiserhofe ab und fuhr noch Abends 9 Uhr zum Fürsten Bismarck. Salisbury hatte auch heute Vormittag eine längere Unterredung mit dem Fürsten Bismarck in dessen Wohnung und wurde um 1 Uhr vom Kaiser empfangen; die Audienz dauerte eine halbe

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Stunde. Heute Nachmittag nahm der britische Minister im HötelKaiserhof den Besuch des Reichskanzlers entgegen und wird auch bei Letz⸗ terem diniren.

Königsberg. DieOstpreußische Zeitung veröffentlicht eine Bekantmachung der ostpreußischen Südbahn, wonach für die Stationen der Moskau- Brester Bahn der Frachtgut⸗Verkehr via Proteken⸗ Grajewo wieder freigegeben wurde.

Anclam, 14. Nov. Der oftgenannte Pastor Quistorp in Ducherow ist heute vom hiesigen Kreisgericht der Mafestätsbeleidigung schuldig er⸗ kannt und zum geringsten Strafmaß(nach§. 95 des Strafgesetzbuches), zwei Monaten Gefängniß, verurtheilt worden. Er hatte in seinem Blatte Deutsche Wacht den Landesherrn getadelt, daß derselbe von seiner Gnade gegen zum Tode ver- urtheilte Verbrecher einen zu weitgehenden Gebrauch gemacht habe.

Karlsruhe. Die in großer Anzahl am hiesigen Polytechnikum studirenden Russen sind von ihrer Regierung aufgefordert worden, behufs Ein⸗ tritts in das Heer heimzukehren.

München. Eine officiöse Note in derAllg. Ztg. constatirt, daß, nachdem die Resignation des Stifts Decans Enzler vom König ange nommen worden sei, und das Resignatious- Gesuch des P. Ambrosius Käs aller Wahrschein⸗ lichkeit nach die k. Genehmigung gleichfalls erhalten werde, die bischöflichen Stühle von Speyer und Würzburg wieder als erledigt zu betrachten seien.

Aus einer Ministerrede.

Gelegentlich der Verhandlungen über die Aufbesser⸗ ung der Pfarrbesoldungen im Großh. Baden hielt Staatsminister Dr. Jolly eine Rede, welche im Lande große Sensation machte. Wir theilen daraus unseten Lesern Nachstehendes mit:

Es besteht ein ganz dringendes, öffent⸗ liches Interesse, daß die Diener der Kirche ein ge⸗ nügendes Einkommen beziehen. Die Hüter und Pfleger der Religion, des religiösen Lebens, der religidsen Erkennt⸗ niß und Gesinnung, können eine ganz hervorragende Be⸗ deutung beanspruchen; sie sind, ohne alle Uebertteibung, geradezu unentbehrlich für die Erhaltung der Reinheit, der Kraft und Gesundheit unseres Volkslebens. Die reichsten Blüthen der Humanität und ihre populäre Ver⸗ breitung in den weitesten Massen haben wir vor Allem den Kirchen und ihren Dienern zu verdanken und nament⸗ lich wir in Deuischland sollten nie des Segens vergessen, der aus den deutschen Pfarrhäusern für die Nation hervor⸗ ging. Der Beruf der Kuchendiener ist einer der idealsten, und eben deshalb ist es klar, daß zu allermeist der ganze innere geifige Zug einer bestimmlen Zeit darüber ent⸗ scheidet, ob eine relauv größere oder geringere Anzahl junger Männer diesem Beruf sich zuwendet, ob mehr oder minder begabte Köpfe sich von demselben angezogen fühlen. Die allgemeine Zeitsirmung, die die Leute zu diesem oder jenem Beruf hintreibt oder davon abhält, beruht auf den verschiedensten Ursachen, welche sich der willkürlichen und bewußten Einwirkung der Einzelnen entziehen. Da⸗ gegen ist es unsere Aufgabe, die Existenzbedingungen für diesen Beruf so zu stellen, daß dieser Beruf nicht darunter nothleidet. Die Lebensstellung eines Pfarrers ist der Natur der Sache nach keine glänzende, sie ist der Natur der Sache nach und muß es sein, eine bescheidene. Also eine bescheidene, nicht glänzende Lebensstellung scheint mir in der Natur der Dinge geboien. Den Geistlichen darf nicht eine allzu große Kluft von der Masse des Volks, dessen geistiger Führer er sein soll, trennen. Aber so viel Mutel müssen ihm geboten werden, als nothwendig sind, um, wenn auch in bescheidener, doch in solcher Weise leben zu können, wie es für einen Mann von geißiger Bildung unentbehrlich und die Bedingung für die Ethaltung seiner geistigen Art ist. Es ist der allerschlimmste Zustand, wenn man den Stand der Geistlichen so niedrig stellt, daß man sie aus der dürftigsten Klasse der Bevölkerung nimmt, welchen ein Minimaleinkommen genügt, damit wir an Geld sparen können. Solche Pfarrer können wir nicht brauchen, wir wollen Pfarrer, die die geiflige und gemüth⸗ liche Seite des Volkslebens als die wahren Leiter zu führen im Stande sind; wir wollen Männer, die an dem Leben der Nation Theil zu nehmen vermögen. Diesen müssen wir aber auch die Mittel zuweisen, deren sie de⸗ dürfen, um diese Bildung zu erlangen.

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