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DiePolitische Correspondenz meldet aus der Herzegowina: In Folge der Zusammen⸗ ziehung starker türkischer Streitkräfte oberhalb Mostars und des Widerstandes, welchen die Mon- tenegriner bei den Blockhäusern vor Nevesinje und Metochia finden, ist die Gefahr eines montene⸗ grinischen Angriffes auf Mostar vorläufig beseitigt. Die Garnison von Trebinje ist durch 2 Bataillone verstärkt und Alles für einen feindlichen Angriff vorbereitet.

DiePol. Corr. erfährt telegraphisch aus Petersburg, daß der türkische Botschafter Cabuli Pascha bei Ueberreichung seiner Creditive von dem Kaiser Alexander persönlich mit aller Auszeichnung behandelt wurde; doch soll der Kaiser sich über die Verhältnisse in der Türkei in einer Weise ausgesprochen haben, welche auf den Botschafter den tiefsten Eindruck gemacht habe. Letzterer habe sich nach der Audienz sichtlich depri⸗ mirt zurückgezogen.

21. Juli. Der russische Botschafter Ge⸗ neral Ignatieff ist am Montag mit Urlaub nach Petersburg abgereist. Eine Depesche Osman Pascha's constatirt, daß an dem Kampfe bei Saitschar 25,000 Serben theilgenommen haben. Das Gefecht am letzten Dienstag bei Izvor hal mit einem glänzenden Siege der Türken geendigt.

(Amtliche Meldung). Am 20. Juli haben 7 Bataillone Infanterie mit 2000 Mann Milizen unter Djelaleddin und Zecky bei Bjelina die Serben angegriffen; letztere wurden vollständig geschlagen und zogen sich nach der Insel Attineja zurück, woselbst sie dem türkischen Artillerie-⸗Feuer ausgesetzt sind. Die Türken haben Verschanzungen eingenommen und vier Kanonen erbeutet.(Siehe unter Belgrad das complete Gegentheil dieser Meldung)

Montenegro. Cettinje. Man schreibt derPol. Corr.:Wenn den seit zwei Tagen aus Scutari in Albanien, hier einlangenden Meldungen zu trauen ist, so bekommt die Pforte mit den am linken Ufer des Scutari- Sees seß⸗ haften albanesischen Stämmen ihre liebe Noth. Wie es beißt, drohen die Miriditen mit ihrem Anschlusse an die Montenegriner, wenn die Pforte nicht den seit acht Jahren in Constantinopel inter- nirten Sohn ihres Fürstenhauses, Bib Doda, freigibt und als Miriditen- Häuptling wieder ein setzt. Man will sogar wissen, daß ein Theil der Miriditen, montenegrinischen Einflüsterungen Gehör schenkend, sich bereits erhoben habe, und die Türken bei Podgoritza bedrohe. Selbst Scutari wäre nach derselben Quelle bedroht. Bis auf Weiteres wird es gut sein, diese montenegrinischen Quellen entstammenden Nachrichten mit aller Vorsicht auf zunehmen.

Serbien. Belgrad, 20. Juli.(Amtliche Meldung.) Gestern hat ein siebenstündiger Kampf zwischen der Truppen Abtheilung unter der Führung von Ducie und 4000 regulären türkischen Truppen zwischen den Flüssen Lim und Uvatz stattgefunden; letztere wurden in regellose Flucht gejagt und bis zu den Verschanzungen bei Novavoros verfolgt. Die heftige Beschießung von Liebovia Seitens der Türken wurde in Folge des serbischen Geschütz⸗ Feuers eingestellt. Die Serben befestigen Klein Zwornik.

(Amtliche Meldung.) Die in Beljina verschanzten Türken griffen am 20. Juli mit 10 Bataillonen regulärer Truppen und einem Corps Baschi⸗Bozuks die serbischen Linien an, um das Armee⸗Corps unter Führung von Ranco Alimpies auf die andere Seite der Drina zu werfen. Der Kampf dauerte sechs Stunden; der wüthende Angriff ward glänzend abgewiesen. Der Feind, nach Beljina retirirend, hinterließ viele Todte und wurde bis Beljina verfolgt; hier unter-

brach ein Platzregen die Verfolgung. Die ge-

fangenen Türken sagen aus, sie seien von Trap nik ber gekommen. Vorgestern erfolgte ein Angriff der Türken auf den serbischen Oberst Ussum Mir⸗ kovic in Gramuda, östlich von Alexinacz: der Kampf dauerte 10½ Stunden und blieb unent⸗ schieden. Gestern erneuerten die von Pirot her

Griechenland. Athen. Nach der Rück⸗ kehr des Königs wird eine außerordentliche Session der Kammern erwartet. Ein Gesuch der türki⸗ schen Regierung, fünf Montenegro gehörige Kanonen auf Korfu mit Beschlag zu belegen, wurde dies. seits abgewiesen. Aegypten. Alexandrien, 22. Juli. Reuter's VBüreau meldet: Die Mitglieder des erstinstanzlichen internationalen Gerichtshofes haben das Verfahren ihres Präsidenten Haakmann ge⸗ billigt. Heute früh sand vor dem Gerichtsgebäude eine Demonstration zu Gunsten des Gerichtshofes statt. Der Justizminister Scherif Pascha ist von Cairo in Alexandrien eingetroffen. Das Richter Collegium ernannte an Haak⸗ mann's Stelle Antoniades zum Vorsitzenden der summarischen Abtheilung des erstinstanzlichen Ge⸗ richtshofes.

Amerika. New⸗Nork, 20. Juli. Don Carlos ist hier angekommen.

Aus Stadt und Land.

I Lauterbach. Die für ben Herbst dieses Jahres in Lauterbach in Aussicht genommene Obst⸗, Gemüse⸗ und Blumenausstellung des Oberhessischen Gartenbauvereins kann leider nicht abgehalten werden, da verschiedene, nicht mehr zu bewältigende Hindernisse eingetreten sind. Die⸗ selbe, nebst der damit zu verbindenden General-Versamm⸗ lung des Gartenbauvereins wird nun jedenfalls im Herbste des nächsten Jahres in Lauterbach stattfinden und ist dann zu hossen, daß eine recht rege Betheiligung an der⸗ selben den Bestrebungen des Gartenbauvereins enigegen kommen wird.

Bingen, 17. Juli. Großes Aufsehen erregte heute die in Creuznach ersolgte plötzliche Verhaftung der Haus hälterin eines alten, sehr vermögenden Herrn von hier, der sich in Creuznach zur Cur befindet. Im Besitze dieses Frauenzimmers, welche im Verdachte steht, den geistes⸗ kranken Zustand ihres Herrn zum Nachtheil seiner Kinder schon seit Jahren auf unerhörte Weise mißbraucht zu haben, befand sich im Augenblicke ihrer Haftnahme eine Summe baaren Geldes von ungefähr 50,000 Mark, außer noch vielen sehr werthvollen Pretiosen, sowie auch wahr- scheinlich zu ihren Gunsten erschlichenen Akten und Testamenten. Hoffentlich wird die bereits eingeleitete Untersuchung die Folge haben, daß die Beschuldigte zur wohlverdienten Strafe herangezogen werden kann.

Allerlei.

Gelnhausen, 21. Juli. Aus dem Vormittags kurz vor 12 Uhr von Gelnhausen nach Gießen abgehenden Zuge der Oberhessischen Bahn stürzte gestern zwischen der Station Mittelgründau und dem Tunnel bei Büdingen ein Knabe von Eckenheim aus dem Wagen glücklicherweise ohne weiteren Schaden zu nehmen. Die Thüre des Wagens soll, wie ein Miireisender versicherte, nicht fest geschlossen gewesen sein und wird dieser Fall mit Kindern reisenden Eltern zur Warnung mitgetheilt. Von den Mitreisenden wurde der Zugführer aufgefordert, halten zu lassen, was derselbe jedoch nicht für angänglich erachte te.

Todinau i. Baden, 20. Juli. Durch eine große Feuersbrunst sind hier 88 Häuser verzehrt worden und 248 Familien des Obdaches beraubt. Auch die Kirche und das Rathhaus befinden sich unter den verbrannten Gebäuden. Das Feuer brach in der Fabrik von Ziegler und Thoma aus.

Hörde, 16. Juli. Ein entsetzliches Verbrechen, welches heute in unserer Stadt verübt wurde, versetzt alle Ge⸗ müther in größte Aufregung. Der Wirth Köddermann, welcher mit seiner Frau schon längere Zeit in Unfrieden leble, bekam auch heute wieder mit derselben Streit und ergriff bierbei in einer an Wahnsinn grenzenden Wuth ein Brodmesser und schnitt seiner Frau fast buchstäblich den Kopf vom Rumpf. Der Verbrecher wurde verhaftet und sieht seiner verdiensen Strafe enigegen.

Basel, 21. Juli. Im Dorfe Albeuve(Canton Frei⸗ burg) brach gestern Nachmillag eine große Feuersbrunst aus, welche innerhalb einer Stunde den Ort in einen Schultbaufen verwandelte; über 100 Gebäude sind ver⸗ brannt, 2 Personen durch Ersticken um's Leden gekommen.

Eine Luftreise über den Ocean.

Am Donnerstag den 8. Juni verließen fünf Luftschiffer auf einem Ballon Philadelphia und langten bereits Samstag den 10. Juni Abends wohlbehalten bei Rennes in der Bretagne an; sie legten mithin die Reise von Nordamerika nach Europa quer über den atlantischen Ocean in nur sechszig Stunden zurück. Von dieser wunderbaren, in den Annalen der Aerostatik ohne Beispiel da- stehenden Luftfahrt gibt eine Pariser Corrtspondenz folgenden interessanten Bericht. Det eigentliche und vornehmste Held des Abenteuers ist Herr Gaspar Louis Flamarin, ein Mann, der sich schon

verstärkten Türken den Angriff, wurden jedoch zu rückgeschlagen.

seit vielen Jahren mit Problemen der Luftschiff⸗ fahrt beschäftigt u. A. während der Belagerung

von Paris wiederholt aufgestiegen ist. 1872 machte er vom Kiystallpalaste zu Sydenham, 1873 während der Weltausstellung von Wien aus eine gelungene Auffahrt. Nach zahlreichen mühsamen Experimenten ist Herr Flamarin vor sechs Monaten endlich dazu gelangt, eine Maschine zur Lenkung der Luftschiffe zu erfinden. Er erwartete mit Ungeduld die Er⸗ öffnung der Weltausstellung zu Philadelphia; hier wollte er die Probe ablegen, daß seine Erfindung eine praktische sei. Wohlgemerkt: Herr Flamarin behauptet nicht wie so viele seiner Vorgänger auf diesem Gebiete daß es ihm möglich sei, mit seinem Apparat elnem Ballon zu jeder Zeit jede ihm beliebige Richtung zu geben. Im Gegen · theile, er versichert, daß dies eine Chimäre sei, die unter keinerlei Umständen realisirt werden kann. Denn nie wird es einem Luftfahrzeuge gelingen, gegen eine herrschende Lustströmung anzukämpfen. Aber was Flamarin sagt, ist dies: Es gibt immer Luftströmungen von genügender Stärke, um einen Ballon mit einer Geschwindigkeit zu bewegen, die mehrfach größer ist, als die der schnellsten Eisen⸗ bahnzüge. In verschiedener Höhe von der Erde haben diese Luftströmungen eine verschiedene Richt⸗ ung. Der Ballon muß nun die Luftschicht auf⸗ suchen, in der eine seiner Reiserichtung günstige Strömung herrscht. Der Apparat Flamarin's gestattet nun sowohl dies als auch ein Steuern des Luftschiffes unter der Wirkung eines günstigen, d. h. nichtconträren Windes. Den Ballon, in welchem Herr Flamarin seine epochale Versuchs⸗ fahrt ausführen wollte, nannte erPhiladelphia, Sein Reiseapparat bestand aus folgenden Dingen: einem ungeheuren, kreisrunden, höchst solid con- siruirten Seidenballon; einem geräumigen ebenfalls sehr solid gearbeiteten Kahne; zwei Rädern nach dem von Flamarin erfundenen Systeme, beide in ihrer Bewegung von einander unabhängig, zugleich als Steuer und Motoren dienend; endlich einer

kräftigen und doch leichten Dampfmaschine von

fünfzehn Pferdekräften, um die Räder in Beweg ung zu setzen. Wie man sieht, bringt Herr Flamarin im Gegensatze zu allen bisherigen Theo⸗ rien den Motor im Kahne und nicht am Ballon an; das ist ein kapitaler Unterschied zwischen ihm

und allen seinen Vorgängern. Die Reisegesellschaft.

bestand aus fünf Personen: dem Erfinder, Herrn Flamarin, einem Maschinisten, einem Matrosen, einem Meteorologen und Herrn Nicholsen, einem Künstler und Mitglied der französischen Jurh in Philadelphia, der eingewilligt hatte, auf diesem gewagten, aber expeditiven Wege die Rückreise in die Heimath anzutreten. Die Reisenden wurden ausdrücklich verhalten, sich mit keinerlei Gepäck zu beladen. Jeder hatte sich sehr warm zu kleiden und außerdem zwei dicke Wolldecken zum Schutze gegen die in den höheren Regionen herrschende Kälte mitzunehmen. Das war Alles. Mit Lebens⸗ mitteln wurde auch kein Luxus getrieben. Sie bestanden aus zwanzig Pfund Schinken und Rauch fleisch, zehn Dutzend hartgesottener Eier und mehreren Flaschen Rindsbouillon; dazu an Ge⸗ tränken fünfzig Liter Boreeaux und fünf Liter Cognac. Die Flüssigkeiten befanden sich in Schläuchen, die an der Außenseite des Kahnes angebracht waren. Die Abfahrt von Philadelphia fand, wie schon gesagt, Donnerstag Morgens um vier Uhr statt. Es gab fast keine Zusch auer, das Ereigniß ging beinahe unbemerkt vor sich; Herrn Flamarin war es diesmal nicht um Lärm und Reclame, sondern um einen ersten großartigen Versuch von entscheidender Bedeutung zu thun. Der Ballon, der während der Nacht gefüllt wor⸗ den war, hob sich, nachdem man alle Stricke gelöst hatte, zuerst mit schwankender Bewegung, langsam, dann immer schneller und schneller empor, bis er eine Höhe von etwa 8000 Fuß erreicht hatte. Das Wetter war berrlich, der Himmel von wunderbarer Klarhest; Stärke und Richtung des Windes war vollkommen günstig. Als die Höhe erreicht war, die Herrn Flamarin geeignet schien, gab er dem Mechaniker einen Befehl, die Maschine pfiff, die Räder setzten sich in Bewegung und der Ballon nahm mit bemerkens⸗ werther Sicherheit und Stetigkeit seine Richtung

gegen Osten. Von den ersten neun Stunden der

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