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Beilage.
Hberhessischer Anzeiger.
M 125.
Deutsches Reich. Darmstadt. Am 4. October wurde der Reallebrer zu Alzey, Weckerling, zum Lehrer an der höheren Mädchenschule zu Offenbach, am 7. Oct. der Gymnasiallehramts⸗Aecessist Dr. For- bach aus Gießen zum Lehrer am Gymnasium zu Darmstadt, die Gymnasiallehramts Accessisten Walter aus Offenbach und Dr. Borhauer aus Mainz zu Lehrern an dem Gymnasium zu Büdingen, und der Gymnasiallehramts-Accessist Dr. Schädel aus Frankfurt zum Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen ernannt.
— 18. October. Die zweite Kammer trat heute unter dem Vorsitz ihres zweiten Präsidenten Weber nach längerer Pause zu ihrer 31. Sitzung zusammen. Nachdem die zahlreichen neuen Ein- gaben verlesen und der Kammer Mittheilungen über die Vollendung vieler Berichte gemacht waren, wurde die Wahl der Abgeordneten Heinrich Schmal⸗ bach IV. zu Crainfeld und Wilhelm Sturmfels von Ulfa, beide einstimmig gemäß den Ausschuß— anträgen für gültig erklärt. Bezüglich des Schreibens des Abg. Stüber an das Präsidium, betr. seine Ernennung zum ersten Direktor des Hofgerichts zu Darmstadt, hatte der Ausschuß beantragt: die Kammer wolle sich dahin aussprechen, daß wegen der mit Gehaltserhöhung verbundenen Ernennung des Hofgerichtsdirektors Stüber im 13. Wahl— bezirk der Provinz Starkenburg eine Neuwahl stattfinden müsse. Die Kammer nahm den Antrag einstimmig an. Es fand sodann die Ergänzungs- wahl des 2. Ausschusses für den ausgetretenen Abgeordneten Schaub statt und wurde mit 32 gegen 7 Stimmen Abg. Hirschhorn gewählt. Die Vorlage, die Erweiterung der Stadt Mainz betr. wurde nach einer längeren Rede des Abg. Dumont einstimmig nach den Ausschußanträgen angenommen. Die Vorlage, die Gehalte der Volksschullehrer betr., sowie die Vorstellungen mehrerer Gemeinden, mehrerer katholischen Organisten und des Landes- lehrervereins in gleichem Betreffe wurde auf An- trag des Abg. Schröder von der Tagesordnung abgesetzt und auf eine der nächsten Sitzungen verwiesen.— Nach dem von dem Abg. Kugler Namens des Finanzausschusses der zweiten Kammer erstatteten Bericht über den Entwurf des Finanz ⸗ gesetzes für die Jahre 1876 bis 1878 beantragt die Majorität des Ausschusses: in§ 1 des Finanz⸗ gesetzes für die Mark Einkommensteuerkapital den Betrag von 19 Pfennigen, für die Mark Grund ⸗ und Gewerbesteuerkapital den Betrag 16,8 Pf. einzustellen.— Die Minorität beantragt im§ 1 des Finanzgesetzes für die Mark Einkommensteuer⸗ kapital den Betrag von 20 Pfennigen, für die Mark Gewerbesteuerkapital den Betrag von 18,3 Pfennigen und für die Mark Grundsteuerkapital den Betrag von 15 Pfennigen einzustellen.— 19. October. 32. Sitzung der zweiten Kammer. Bezüglich des ersten Gegenstandes der Tages- ordnung: Die Recommunication der ersten Kam mer auf das Gesuch der Erbauung einer Zweig⸗ bahn von Stockheim nach Ortenberg, bean- tragte der Ausschuß den Beitritt zu den Be— schlüssen der ersten Kammer. Nach kurzer Debatte nahm die Kammer den Antrag an. Der Abg. Scriba brachte eine Interpellation ein, bezüglich des neuen Winter fahrplans der Main⸗Weser⸗Bahn, welche Ministerialrath Fink sofort mit einer Recht- fertigung der betreffenden Maßregel beantwortete. Behufs Erhöhung des Baufonds der Main⸗Weser⸗ Bahn hatte die Regierung anfangs 1,000,000 M. in das Budget eingestellt, welcher Betrag von der zweiten Kammer genehmigt war. Die erste Kam⸗ imer hatte beschlossen, dem Beschluß der zweiten Kammer nicht beizutreten, sondern nur 800,000 M. der Regierung zur Verfügung zu stellen. Der Ausschuß der zweiten Kammer beantragte Beitritt und nahm die Kammer diesen Antrag an. Bei der Vorlage, den Gesetzesentwurf, die Besteuerung der Bergwerke betr., hatte der Ausschuß Annahme des ganzen Gesetzesentwurfs mit Ausnahme des
Art. 3 beantragt. Zu Art. 3 war beantragt worden: In der zweiten Zeile statt 8 Pfennige „15 Pfennige“ zu setzen, im Uebrigen den Artikel anzunehmen. Die Kammer nahm bie einzelnen Artikel gemäß den Ausschußanträgen an. Der Antrag des Abg. Büchner, den Einlösungstermin der Hessischen Partial-Schuldscheine über fünfzig Gulden zu verlängern, fand Annahme mit allen gegen 7 Stimmen. Die Proposition, die Er— bauung von Schweineställen auf dem Dauern- heimer Domanialgute und Errichtung eines Frucht- speichers auf demselben betr., und die Vorlage, die Befreiung der Stadt Mainz von der Ent- richtung der Einregistrirungsgebühren für das ihr überlassenen Festungsgelände betr., fanden ohne Debatte einstimmige Annahme. Zur Vorstellung und Bitte der Steueraufseher: Bewilligung von Tagegeldern bei ihren auswärtigen Dienst-Ver— richtungen betr., hatte der Ausschuß beantragt, derselben zur Zeit keine Folge zu geben. Die Kammer nahm diesen Antrag einstimmig an. Bezüglich der Vorstellung und Bitte sämmtlicher Kreisveterinärärzte, ihre Gehalts verhältnisse betr., ging der Ausschußantrag dahin: die Kammer wolle der Regierung eine billige Neuregelung der Pferde- fourage-Vergütung empfehlen, der Vorstellung und Bitte in der formulirten Weise jedoch keine Folge zu geben, und wurde dieser Ausschuß⸗ Antrag angenommen.
— Die Majorität des Finanzausschusses der zweiten Kammer bat bezüglich der Forderungen für die Oberforst⸗ und Domainen Direction, unter wiederholter Ablehnung von 6800 M. für einen Director, 4400 M. für das Gehalt eines Rathes mit der Einschränkung zu verwilligen beantragt, daß dasselbe nur für, so lange vergeben werden kann, als die Stelle des juristischen Mitgliedes bei der Obersteuer Direction nicht vacant wird. Für die Oberbau⸗Direction und obere Bergbehörde stimmt der Ausschuß dem Beschlusse der ersten Kammer auf Bewilligung der Anforderung des Gehaltes für einen Rath dritter Classe, für den ersten Inhaber der Stelle, bei.
— 18. Oct. In einer gestern Abend von socialdemokratischer Seite einberufenen Volks ⸗Ver⸗ sammlung wurde der bekannte Agitator Most als Reichstags⸗Candidat für den Wahl-Kreis Darm- stadt⸗ Groß-Gerau aufgestellt. Bei der letzten Wahl brachte er es nur auf 1200 Stimmen.
Berlin. Der„Reichs⸗Anz.“ veröffentlicht die
kaiserliche Verordnung, durch die der Reichstag
auf den 30. October einberufen wird.
— In Betreff der Reichs⸗Justizgesetze bemerkt die„Prov. Corr“: eine Vereinbarung über die bestehenden Differenz-Punkte werde nach Lage der Verhältnisse erst im Reichstage angestrebt werden können. Auf Erzielung derselben und auf einen erfolgreichen Abschluß dieser bedeutsamen Arbeit werde nach wie vor das gemeinsame Streben zu richten sein.
— Der Staats-Gerichtshof verhandelte dieser Tage gegen den Dr. med. v. Rozycki wegen Hoch— verraths, bezw. vorbereitender Schritte zum Hoch- verrath. Der Angeklagte gehörte zu den elf Angeklagten— Dzialynski, Guttig und Genossen — welche im großen Polen-Processe des Jahres 1865 wegen Betheiligung an der russischen Revo— lution, die von der preußischen Regierung auch als gegen den Besitzstand des preußischen Staates gerichtet erachtet wurde, in contumaciam zum Tode verurtheilt worden waren. Mittlerweile hatte er sich im Auslande aufgehalten und war nur in Rücksicht auf die Erziehung seiner Kinder nach Preußen zurückgekommen, wo nun der Form wegen die Gerichts- Verhandlung von Neuem gegen ihn aufgenommen werden mußte, obgleich die Am- nestie von 1866 selbst im Falle einer Verurtheilung die Bedeutung des Erkenntnisses illusorisch gemacht haben würde. Doch kam es gar nicht zu einer Verurtheilung, da der Gerichtshof nicht annehmen zu können glaubte, daß der Angeklagte sich über
die letzten Ziele der revolutionären Bewegung klar gewesen sei. Unter diesem Gesichtspunkte erfolgte seine völlige Freisprechung.
Karlsruhe, 18. Oct. Die General Synode hat auf den Antrag Schellenberg's beschlossen, den Oberkirchenrath zu ersuchen, daß er einen neuen, den pädagogischen und sprachlichen An— forderungen entsprechenden und die Grund⸗Lehren der evangelischen Kirche enthaltenden Katechismus vorlege.
Allerlei.
Idstein. Der Eisenbahndamm bei Hof Henriettenthal geht mit raschen Schritten seiner Vollendung entgegen. Es ist dies auf der ganzen Strecke von Limburg über Niederselters und durch das Lorsbacher Thal nach Frank⸗ furt der bedeutendste und großartigste Kunstbau. Von dem Niederselterser Mineralbrunnen an tritt die Bahn in einen Bergabhang ein, durchfährt auf der Höhe des Berges einen tiefen Einschnitt und muß dann, um die gegenüberliegende Höhe zu erreichen, das in der Thalsohle 90 Meter breite Wiesenthal an der Stelle überschreiten, wo der Wörsbach nahe an den Hof Henriettenthal herantritt. Hier steigt nun der gewaltige Damm aus dem Thale bis zu einer Höhe von 30 Metern empor. Wie von Technikern be⸗ hauptet wird, stellt dieser an seiner Basis 300 Fuß breite und durch das ganze Wiesenthal hin 100 Fuß hohe Erd⸗ damm ein Gewicht von 13 Millionen Centnern dar. In gerader Linie wird er in seiner Breite von dem Wege, dem Wötsbach und einem Mühlgraben durchschnitten. In dem erstgenannten Durchlasse, der die Breite einer gewöhnlichen Chaussee hat, finden bei eintretendem Regen alle Arbeiter in Feld und Wiese ringsum eine bequeme Zufluchtsstätte. Oben auf der 290 Meter langen Dammkrone find jetzt 3 Locomotiven mit ihren Wagen in Thätigkeit, das Werk zu vollenden, dem Witterung besonders günstig war. Im nächsten Jahre denkt man die ganze Bahnstrecke von Lim⸗ burg nach Frankfurt dem Verkehre übergeben zu können, und die Aussicht von diesem Damm, der an Höhe die Kirchthürme des südlich gelegenen freundlichen Dorfes Wörsdorf wie des noͤrdlich gelegenen alten Burgfleckens Wallrabenstein überragt, wird zum Schönsten und In— teressantesten der ganzen Tour gehören.
Coblenz. Der Dampfer„Elsaß“ ist in der Nähe von Coblenz gesunken. Das Unglück ist indessen, wie die„C. Zig.“ erwähnt, nicht sehr bedeutend, da der Dampfer durch wasserdichte Wände in verschiedene Räume getrennt, und nur einer derselben voll Wasser gelaufen ist. Mittelst der Pumpen und geringer Nachhülfe hofft man, alsbald wieder flott werden zu können.
Rolandseck. In der Nähe von Rolandseck fand
man vor einigen Tagen beim Baggern im Sande des Rheines ein altes Schwert mit schwerem goldenem Griff, in dessen Klinge sogar Steine eingerostet waren. Nach Aussage eines Sachverständigen soll dasselbe aus der Zeit vor Karl d. Großen herstammen und, da die Steinchen sest eingerostet sind mindestens tausend Jahre im Rheine liegen. Cöln, 12. October. Ein Bewohner des hohen Nor— dens, der Eisbär des zoologischen Gartens, welcher seit, etwa vier Jahren mit seiner besseren Hälfte ein zwar brummiges, aber nicht gerade unfciedliches Leben führte gerieih heute Vormittag mit dieser plötzlich in einen heftigen Streit, der in einen Kampf auf Leben und Tod ausartete. Der Bär, von grimmiger Wuth erfaßt, griff die Bärin mit den Zähnen an, versetzte ihr mehrere Bisse in's Gesicht, schleppte sie dann in das gefüllte Wasser-Bassin und tauchte sie hier so lange unter, bis sie verendet war. Nachdem er seiner Gefährtin den Garaus gemacht, warf er sie noch eine Zeitlang wie einen Spielball in dem Zwinger hin und her und versuchte sie dann in den Absperrungsraum zu schleppen. Nur mit vieler Mühe gelang es, die Ge⸗ (tödtete dem fürchterlichen Gemahl zu entziehen.
Cöln. Vor einigen Tagen lief die mysteriöse Nach richt durch die hiesigen Zeitungen, es seien mehrere Eisen— bahnbeamte verhaftet worden; den Grund gab man nicht an. Wahrscheinlich hängt diese Notiz mit der Thalsache zusammen, daß vor dem nächsten Schwurgericht zwei sud⸗ alterne Eisenbahnbeamte erscheinen werden, weil sie sich (einer während der Fahrt) mit der Sittlichkeit auf ge spannten Fuß setzten.
Essen, 11. Oct. Heute Nachmittag trug sich hier in Folge Spielens mit einem Revolver ein bedauerns— werthes Unglück zu. Die in einer biesigen Buchandlung beschäftigten Commis Schmidt und Laufbursche Hubert, ersterer 20, letzterer 15 Jahre alt, besanden sich allein im Geschäftslocale ihres Principals. Schmidt spielte mit einem geladenen Revolver; ein Schuß entlud sich und von der Kugel in's Herz getroffen, sank Hubert todt nieder. Schmidt wurde verhaftet.
Bautzen. Hier macht gegenwärtig eine Spuk-Ge— schichte viel von sich reden. Allabendlich sammeln sich Hunderte von Menschen, zum Theil sogar aus den ge— bildeten Ständen, auf der Reichenstraße, um den Geist einer kürzlich verstorbenen alten Kaufmanus-Frau auf dem Dache ihres hinterlassenen Hauses zu sehen. Da der Zu⸗
drang der Menge mit jedem Abend stärker wurde, und skandalsüchtige Leute die Gelegenheit zu allerlei Ausschreit⸗


