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folgende Mittheilung gerichtet: Da die schwere Krankheit, welche den Sultan Murad seit dem zehnten Tage seiner Thronbesteigung befallen und seitdem stets zugenommen hat, ihn in die offenbare Unmöglichkeit versetzt hat, die Zügel der Regierung länger in Händen zu behalten, so ist kraft Fetva des Scheikh⸗ül Islam in Gemäßheit der Gesetze, welche die Ausübung der Souveränetät im türkischen Reiche regeln, Sultan Abdul Hamid II. zum Kaiser der Türkei ausgerufen worden. Abdul Hamid begab sich gestern in den Palast Topkapu, woselbst er von allen Ministern und Würdenträgern empfangen wurde. Nach Verlesung des Fetva, durch welchen Murad V. aus Gesundheits-Rück⸗ sichten des Thrones entsetzt wird, fand die feier— liche Anerkennung und Ausrufung des Sultans Abdul Hamid statt. Derselbe begab sich hierauf, von den Zurufen der Truppen und Volksmassen begleitet, unter Geschützdonner in den Palast. Damat Pascha wurde zum Palast-Marschall er⸗ nannt. Ex⸗Sultan Murad ist im Palast Tscheragan internirt worden.
— 1. Sep. Gutem Vernehmen nach hat der Ministerrath die Beschlußfassung über Einstellung der Feindseligkeiten ausgesetzt, um zuvor noch nähere Kenntniß über die Absichten der Mächte zu erlangen.
— Am 1. und 2. Sept. wurde zur Feier der Thron⸗Besteigung Abdul Hamid's illuminirt; die türkischen und fremden Schiffe sind beflaggt. Die Feierlichkeit der Schwertumgürtung soll am 8. d. stattfinden.— Ali Saib Pascha schreitet in Verbindung mit Achmed Ejub Pascha zum Angriff auf Alexinatz vor.
— Bezüglich der Erlangung einer allgemeinen Waffenruhe besteht nach Constantinopeler Nach— richten völlige Uebereinstimmung zwischen den Instructionen der Vertreter der Großzmächte.
— 1. Sept. Die Thronbesteigung Abdul Hamids ist gestern den biesigen Botschaftern der Mächte amtlich notificirt. Alle Minister, mit Aus- nahme des zum Palast-Marschall ernannten Mahmud Damat Pascha, sind in ihren Stellungen verblieben. Es herrscht die vollständigste Ruhe. Heute findet bei dem englischen Botschafter Elliot eine Con- ferenz der Vertreter der Pariser Vertragsmächte über die Vermittelung des Friedens zwischen der Pforte, Serbien und Montenegro statt, bezüglich welcher dieselben gleichartige Instructionen erhalten haben.
— Der„Pol.“ Corr.“ wird vom 1. Sept. gemeldet: Hinsichtlich der Friedens Bedingungen steht noch immer die Forderung der türkischen Regierung von Garantien gegen künftige Friedens- störungen von Seiten Serbiens im Vordergrunde. Definitiv entschieden hat sich bereits der Minister⸗ Rath für die Forderung, daß die serbischen Eisen⸗ bahnen von der türkischen Regierung zu erbauen seien, da Serbien keine Gewähr für den Bau bieten könne. Die Pforte ist über die Nachrichten aus Rußland und das Zuströmen von russischen Freiwilligen nach Serbien beunruhigt und be— schäftigt sich in Folge dessen mit dem Gedanken der Donausperre. Heute hat der österreichische Bot⸗ schafter Graf Zichy den Sultan Abdul Hamid durch den ersten Botschafts⸗Dragoman beglück⸗ wünschen lassen; morgen empfängt der Sultan die Patriarchen der christlichen Confessionen. Einem unverbürgten Gerücht zufolge soll der vormalige Großvezir Mahmud Nedim Pascha aus der Ver⸗ bannung zurückberufen werden.
— 2. Sept. Der Angriff der Montenegriner auf Bilek war nur zum Scheine unternommen. Die Expeditien Mukhtar Paschas behufs Ver— proviantirung von Bilek ist vermuthlich gelungen; derselbe ist Nachts nach Trebinje zurückgekehrt und heute mit 1000 Mann nach Banjani aufgebrochen. Djeladin Pascha ist mit 5000 Mann in der Richtung gegen Bilek marschirt.
Rumänien. Bukarest, 1. September. Das„Amtsblatt“ dementirt die Mittheilung des Journals„Timpul“ über einen blutigen Zusammen⸗ stoß zwischen Volk und Truppen auf dem Coto⸗ roceni-Felde; der Vorfall redueirt sich darnach einfach auf einen Stteit zwischen Gendarmen und
einigen Genie⸗Soldaten, wobei die Polizei rasch; die Ordnung wieder herstellte.
Griechenland. Athen. Die Regierung hat wiederholt bei der Pforte gegen die Anstedelung von Tscherkessen in den benachbarten türkischen Provinzen Einspruch erhoben.
Rußland. Petersburg. Die„Pol. Corr.“ meldet von hier vom 31. August: Heute hat in den hiesigen Wechsel-Comtoirs die Aus- gabe der neuen serbischen Anleihe von 12 Mill. Fres. begonnen; der Preis der Obligationen be- trägt 15 Rubel al pari; das Publicum drängt sich stürmisch zum Kaufe.
— Die von französischen Blättern gebrachte Nachricht, daß Prinz Napoleon zu den Manövern eingeladen und ihm ein russisches Regiment zuge- dacht sei, ist unbegründet.
Amerika. New Nork, 2. September. Der Prätendent Don Carlos hat sich nach Europa eingeschifft.— Aus Monroe(Luisiana) werden Unruhen gemeldet. Eine Bande von Negern be— drohte die Stadt. Die Weißen zogen ihnen ent⸗ gegen und verlegten ihnen den Weg. Die Neger weigern sich, die Waffen abzulegen. Die Weißen sammeln sich. Bisher ist kein Blut vergossen.
— Die Demokraten des Staates Rew-Nork baben Seymour zum Candidaten ihrer Partei für den Gouverneur-Posten ernannt; dieselben faßten zugleich im Anschluß an das Programm von St. Louis verschiedene neue Resolutionen, worin sie sich gegen Zusätze zur Verfassung aus⸗ sprechen und die Erklärung erlassen, daß jede Race und Farbe zwar auf Schutz Anspruch habe, aber gegen den Befehl des Kriegs-Seeretärs, Truppen nach dem Süden zu senden behufs Einschüchterung der Bervölkerung und Ueberwachung der Wahlen, protestirt werden müsse. Die Republikaner von New⸗ANersey haben eine Resolution gefaßt, welche die schleunigste Wiederaufnahme der Baarzahlung fordert.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 30. August. Montag den 2. Octbr. l. J., Vormittags 9 Uhr, werden die Sitzungen des Schwur— gerichts vom 4. Quartal unter dem Vorsitze des Hof— gerichts-Rath Muth eröffnet werden und sind in der heuligen Sitzung die Haupigeschworenen in solgender Ord— nung ausgeloost worden: 1. Joh. Wilh. Jäger, Landwirth von Ober⸗Hörgern. 2. Th. Hofmann II., Landwirth von Wetterfeld. 3. Chr. Wagner II., Oeconom in Gießen. 4. Johs. Rock, Landwirth von Groß-Eichen. 5. Fr. Rud. Kratz, Eisenhändler von Laubach. 6. P. Kröll, Gastwirth von Bad⸗Nauheim. 7. Johs. Bopp II., Schildwirih von Vonhausen. 8. K. Schlörb J., Müller von Schoen. 9. Johs. Herber III., Müller von Angersbach. 10. Johs. Peter Schneider, Fruchth. von Borsdorf. 11. C. Nispel II., Gutsbesitzer von Gedern. 12. H. Stein IX., Landwirth von Stumpertenrod. 13. Johs. Kunkel I., Bürgermeister von Eschenrod. 14. A. Sartorius, Mäkler von Lich. 15. L. J. Bär, Fruchth. von Lang-Höns. 16. K. Kauf⸗ mann, Kaufm. von Schotten. 17. Frhr. Ferd. v. Nordeck zu Rabenau von Groß⸗Buseck. 18. A. Löwentbal, Frucht⸗ händler von Nieder-Wöllstadt. 19. C. Lang, Müller von Romrod. 20. Johs. Krömmelbein V., Bierbrauer von Lauterbach. 21. Bernh. Schwarz, Cigarrenfabrikant von Reichelsheim. 22. G. Reitz, Bürgermeister von Södel. 23. A. Gemmer II., Bürgerm. von Zell. 24. J. Him mel⸗ reich, Bürgermeister von Ober⸗Eschbach. 25. S. Hirsch⸗ horn, Kaufmann von Friedberg. 26. F. W. H. Hock, Müller von Rendel. 27. A. Finger, Ellenwaarenhändler von Lauterbach. 28. H. Becker I. von Londorf. 29. Gg. H. Wahl, Landwirth von Strebendorf. 30. V. Struth II., Wachstuchfabrikant von Lauterbach.
Partenheim.„Das ist der Fluch der bösen That.“ Einem Einwohner unseres Nachbardorfes N. passirte fol⸗ gendes Malheur: Derselbe war dieser Tage hier gewesen, um bei einem Handelsmanne von hier seine Schuld zu tilgen. Da es schon spät in der Nacht war, als er sich von hier entfernte, hatte er draußen vor dem Dorfe in einem Garten schöne Gurken bemerkt.„Diese müssen mit!“ dachte unser Held, stieg in den Garten, brach die Gurken in ein Tuch, und, o Schicksal—— ließ die Papiere, welche ihm der Handelsmann zurückgegeben hatte — liegen. Der Besitzer des Gartens fand dieselben und trug sie selbstverständlich auf die Polizei.
Fränkisch⸗Crumbach, 30. Aug. Gestern Abend sieben Uhr wurde Kürschner Johs. Hähnlein von hier, Wittwer seit vorigem Jahre, im 76 Lebensjahre stehend, mit Elisabeth geb. Kleinhöhl aus Biebesheim am Rhein getraut.
Allerlei.
Coblenz. Man wird sich erinnern, daß vor einigen Monaten ein Italiener hier aufgegriffen wurde, der bei
seinen Vernehmungen wiederhol! die El klärung abgab, daß er die Absicht hegte, den seiner Vermuthung nach
damals hier anwesenden Reichskanzler zu ermorden. Nach langen und vielfachen Verhandlungen ißt es endlich ge⸗ lungen, über diesen Menschen und sein früheres Treiben
Auskunft zu erhalten. Aus Ober ⸗Italien gebürtig, ift
derselbe zuerst in einem Tabaks- und ähnlichen Geschäfte
seiner Heimath thälig gewesen, trat dann in ein damals
in Masnz garnisonirendes österreichisches Insanterie-Regi⸗ ment ein, desertirte aber bald und betrieb die Landstreicherei in einem solchen Maße, daß er verschiedentlich mit den Gesetzen in Conflict kam. wieder angemeldet, desertirte er abermals und ging nach Palästina, wo er sich von einem schismatischen Bischofe die Priesterweihe ertheilen ließ. In der Eigenschaft als katho⸗ ischer Geistlicher trieb er Jahre lang Humbug, indem er in verschiedenen Ländern, auch in Deuischland, sich als solcher gerirte und die geistlichen Funktionen mit und ohne Zu⸗ stimmung seiner Confratres ausübte, dabei natürlich aber auch die Gelegenheit nicht versäumte, sich den nöthigen Lebens⸗Unterhalt in schwindelhafter Weise zu verschaffen. Es ist kaum glaublich, wie dieses ohne jeglichen Beruf und ohne alle Bildung gebliebene Subject die Geistlichkeit so lange und in so leichtfertiger Weise hatte täuschen können. Bei seiner Vernehmung und der jetzt geschlossenen gerichtlichen Untersuchung ließ er nicht undeutlich durch⸗ blicken, daß ibm für das Gelingen seiner ruchlosen That eine reichliche Geld Belohnung in Aussicht stände. Daß derselbe übrigens nach überstandener Gesängnißstrafe über die Landesgrenze transportirt wird, ist selbstverständlich.
Metz, 28. Aug. Am Freitag sind beim Zollamt im hiesigen Bahnhof 50 Hektoliter spanischen Weines wegen constatirter Fälschung desselben mit arsenikhaltigem Fuchsin mit Beschlag belegt und der Polizeibehörde zur weiteren Untersuchung der Sache überwiesen worden. Zugleich meldet der„Courr. de la Mos.“, daß letzten Dienstag in Nancy 5000 Liter gefälschter Weine gleichfalls conftscirt worden seien. Hoffentlich wird die Sticherheilsbehörde hüben und drüben den sauberen Giftmischern das Hand⸗ werk gründlich zu legen wissen.
Leipzig, 29. Aug. Soeben durchläuft die Kunde von einem mitten in unserer Stadt verübten Raubmorde die Stadt. Arbeitern, die auf dem Neumarkt, einer unserer belebiesten Straßen, mit Kohlenabladen beschüäftigt waren, schien es, als ob dort in einem Uhrmacherladen etwas passirt sei. Sie holten einen Schutzmann und drangen mit diesem in den Laden, wo man den unglück⸗ lichen Verkäufer, einen Gehülfen, in seinem Blute schwim⸗ mend fand. Er konnte nur noch die Worte„Drei—
drei— drei—“ hervorbriugen und verschied nach einer—
halben Stunde. In der Stadt herrscht große Aufregung über diesen Vorfall.
Berlin. Als der am 26. August um ½4 Uhr von Berlin abgehende Schnellzug der Berlin-Potsdam⸗Magde⸗ burger Eisenbahn in der Station Jerxheim eintraf, ver- mißte man den Schaffner Messing. Nach längerem Suchen fand man denselben auf dem Verdeck eines Waggons mit zerschmettertem Schädel todt vor. Der Unglückliche hatte, wie zweifellos anzunehmen ist, sich während der Fahrt erhoben, vermuthlich um seinen Platz zu wechseln, dabei aber vergessen und in der Dunkelheit übersehen, daß der Zug in dem Viaduct, den er vor der Station Jerxheim zu passiren hat, sich befand. Messing war ein lüchliger Beamter und der Sohn des ältesten Portiers am hiesigen Potsdamer Bahnhof.
Bremerhafen. Seit dem 26. Aug steht der circa zwei Meilen von bier entfernte große Wald Holurburg bei Bederkesa in hellen Flammen, ohne daß es bis jetzt möglich gewesen, das Feuer zu löschen. Da der Unter⸗ boden des Waldes aus einem Torfmoore besteht, so brennt das Feuer unterirdisch bis zu acht Fuß Tiese und es ge⸗ währt einen schrecklichen, dabei doch wieder wunderbar schönen Anblick, zu sehen, wie die alten Baumriesen, deren manche viele hundert Jahre alt find, nachdem ihnen der Boden unter den Wurzeln weggebrannt ist, umstürzen und mit furchibarem Krachen in die prasselnde Gluth fallen. Eine Compagnie Soldaten ist aus Stade eingetroffen, um durch Auswerfen von Laufgräben das Feuer zu begränzen. Entstanden ist dasselbe in Folge des unseligen Moorbrennens.
Bologna, 1. Sept. In den letzten Tagen fand die Assisenverhandlung gegen den Marquis v. Montegazza statt, welcher s. Z. Wechsel in bedeutendem Betrage auf den Namen des Königs und des Kronprinzen fälsch te. Der Gerichtshof verurtheilte ihn als alleinigen Fälscher der Unterschriften des Königs und des Kronprinzen zu achtjähriger Gefängnißstrafe.
Semlin. Auf der Kerer Puszta im Somogyer Comitat wurde am 24. August gegen 3 Uhr Nachmittags ein sehr heftiges Erdbeben verspürt, welches von Sturm und Regen begleitet war. Die ältesten Bäume wurden wie schwache Stäbchen geknickt und Gebäude, aus solidestem Material erbaut, erbebten in ihren Grundvesten. Einigemal wiederbolten sich die Erdstöße, der Sturm aber tobte eine halbe Stunde. Nachdem in der Natur die Ruhe wieder eingetreten war, bol sich ein trauriger Anblick dar. Ein großes Gebäude, die Stallungen und der Getxeidespeicher waren ganz zerslört, mehrere Heuschober und Fruchttristen umgeworfen, ein Schasstall ganz zertrümmert. Leider ist auch ein Menschenleben zu beklagen; ein 20jähriges Mädchen fiel dem Sturm zum Opfer, und drei Schafhüter wurden lebensgefährlich verletzt; auch an Vieh kam eine größere Anzahl ums Leben.
Handel und Verkehr
Grünberg, 2. Sept. Die Preise auf unserem heutigen Fruchtmarkte beiragen: Waizen 11 M. 77 Pf.; Korn 10 M. 21 Pf.; Gerste 8 M. 92 Pf.; Hafer 9 M. 23 Pf.; Molter— M.— Pf.; Erbsen 10 M.— Pf.; Linsen— M.— Pf.; Samen 16 M. 80 Pf.; Karloffeln
Bei dem Regimente freiwillig
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