— Ein Erkenntniß des nun verschmolzenen Ober- Appellationsgerichts hierselbst vom 21. März hat in der Untersuchung wider den Bischof zu Hildesheim wegen ungesetzlicher Anstellung eines Geistlichen auf die Nichtigkeitsbeschwerde des An⸗ geklagten die Abweisung derselben beschlossen.
Köln. Daß sich nur 761 Familien und selbsiständige Personen in die Gemeindeliste der Altkatboliken einzeichneten, rührt zum Theil daher, weil das Gerücht eirculirte, es werde nach der Constituirung der„katholischen Pfarre“ eine Kirchensteuer ausgeschrieben werden. Daß der Altkatholiken mehr in unserer Stadt vorhanden sind, erhellt daraus, daß in dem bisherigen Ver- zeichniß mehrere Hundert Personen eingetragen sind, welche bisher an dem altkatholischen Cultus Theil nahmen, aber in der neuen Liste fehlen.
— 28. April. Gestern wurde der Erzbischof wegen ungesetzlicher Anstellung von Geistlichen abermals in eine Geldbuße von 200 Thalern, event. zwei Monate Gefängniß verurtheilt. Eine höhere Strafe wurde über den Rector, F. J. Gerharts, von Ründeroth wegen ungesetzlicher Vornahme von geistlichen Amtshandlungen ver- hängt: eine Geldbuße von 250 Thaler oder drei Monaten Gefängniß. Es lag nämlich eine Wieder— holung vor. Beide Verurtheilte befinden sich von demselben Tage an bierselbst in Haft. Das Ge— richt hatte einen Caplan von Eupen als Zeugen gegen den Erzbischof vorgeladen; da derselbe aber trotz mehrmaliger Wiederholungen der Ladungen nicht zum Termin erschien, so wurde er dieser Tage von einem Gendarmen herbeigeholt und, da er auch jetzt sein Zeugniß verweigerte, einfach in Arrest gesteckt.
Karlsruhe. Der national ⸗ liberale Verein veranstaltet in Ausführung eines früheren Be⸗ schlusses Vorträge zur Verbreitung von Volks- bildung. Für das Unterland hat man zunächst Herrn J. Schulze von Mainz gewonnen, der in Heidelberg und in Mosbach sprechen wird.
Metz. Der Gerichtshof von Zabern hat das Erkenntniß gegen den Bischof Foulon von Nancy gefällt und den Prälaten in contumaciam zu 50 Thaler Geldbuße verurtheilt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 28. April Das Abgeordnetenhaus erledigte heute das Kloster⸗ gesetz bis§. 16. Angenommen wurden die Amende- ments, daß zur Errichtung eines Ordens oder zur Ansiedlung eines Klosters ein Reichsgesetz erforber⸗ lich ist; serner, daß in die inländischen Klöster nur österreichische Staatsbürger eintreten und Vor steher sein dürfen. Im Laufe der Debatte erklärte der Cultusminister, die Regierung könne diesen Abänderungen nicht zustimmen.
Schweiz Bern, 27. April. Die gestern stattgehabten Nachwahlen zum Großen Rath sind im ganzen Canton fast durchweg liberal ausgefallen.
Genf. Das protlestantische Cultusgesetz wurde mit einer Majorität von 82 Stimmen ange- nommen, ebenso das Gesetz betreffs der directen Wahl des Administrationsrathes. Die politische Majorität mit 20 Jahren sowie die Erhöhung der Besoldung der Staatsräthe wurde verworfen.
Frankreich. Paris, 27. April. Eine Depesche aus Cairo vom heutigen Tage meldet, daß die Suezeanal⸗Frage nunmehr beendet ist und Hr. v. Lesseps sich den Entscheidungen der Psorte unterwirft.
Großbritannien. London. Der Kaiser von Rußland hat die Einleitung der Corporation der City von London zu einer großen Festlichkeit in der Gaäildhall angenommen. Am 16. Mai wird auch der Kaiser in Begleitung der Prinzen und Prinzessinnen des Königs Hauses einem Feste im . 5 beiwohnen, das dem Vernehmen nach alle früheren derartigen Festlichkei i Schatten stellen soll. ene
— Man versichert, daß ein Agent des Don Carlos hier angekommen sci, welcher dessen Inte ressen bei der britischen Regierung vertreten und eine Anlethe abschließen soll.
Spanien. Madrid. General Prima de Rivera ist hier eingetroffen. Nachrichten aus Val⸗
maseda vom 24. d. zufolge sind 2000 Carlisten seit acht Tagen mit der Unpassirbarmachung der Uebergänge des Flusses Cadagna beschäftigt. Dem General Velasco ist mit 10 castilianischen und drei asturischen Bataillonen die Vertheidigung der Uebergänge anvertraut.
— Vom nördlichen Kriegsschauplatz liegt nichts Neues vor. In Chelva(Provinz Valencia) sind 5000 Carlisten eingerückt.
St. Jean de Luz. Die spanische Regier⸗ ungsflotte ankerte auf der Rhede von Santander. Die Formirung eines dritten Armeecorps in Laredo, unter General Concha, ist fast vollendet. Concha begab sich Sonnabend nach Santona. Die Car- listen haben Waffenvorräthe zur See über Bermeo erhalten und ihre Stteitkräfte an der französischen Grenze vermehrt.
Amerika. Newyork. Der Mississippi ist abermals ausgetreten und überschpemmte das Thal des Onachita sammt der Stadt Monroe und 27 Plantagen. Tausende von Menschen sind in der größten Noth.
Aus Stadt und Land.
Bad⸗ Nauheim. Seit seinem Bestehen hat es der bicsige Kurverein sich zur Aufgabe gemacht, durch Her⸗ stellung von Promenaden, Verschönetung und Bequemlich⸗ keiten Fremden wie Einheimischen den Aufenthalt so an⸗ nehmlich wie möglich zu machen und in dieser Richtung bereits Wesentliches geleistet. Der Verein hat in diesen Bestrebungen nicht nach gelassen, obschon er wiederholt er- fahren mußte, daß das von ihm Geschaffene meistens durch den Vandalismus der böswilligen Jugend zerstört und beschädigt wurde. Die herannahende Bade-Saison gibt Veranlassung, die biesigen Anlagen dc. wiederholt unter den Schutz des Publikums zu stellen und werden nament⸗ lich die Eltern und Lehrer dringend ersucht, die Kinder vor Beschädigungen der dem öffentlichen Schutze anver— trauten Anlagen und Gegenstände eindringlichst zu warnen und diese Warnung gleichzeitig auf das Ausheben und Zerstören der Nester der Singvögel auszudehnen.(Auch für Friedberg zu empfehlen. Die Red.)
Bad⸗Nauheim. Mit dem 1. Mai beginnt die Bade⸗Saison und finden von diesem Tage ab die regel⸗ mäßigen Copcerie der Kurkapelle in bekannter Weise stalt. Von dem neuen Kapellmeister dürfte nur Vorzügliches zu erwarten sein.
Hungen. Bei der jetzigen Steigerung der Holzpreise dürfle es nicht unwichtig sein, daß zwei neue Beaunkohlen⸗ werke erschlossen sind, eines in Langsdorf und eines in Utphe.
Gießen. Am Samstag⸗Vormitiag ½1ʃ1 Ubr warde Herr Hauptmann Heydacker von dem hier garnisenirenden Regiment auf dem Seltersweg vom Schlage gerührt und war sofort eine Leiche.
Gießen. Gulem Vernehmen nach ist beim Aus⸗ schachten eines Brunnens am Hardtberge ein Braunkohlen⸗ lager entdeckt worden. Die Kohlen sollen recht schön brennen.
Darmstadt. Der Verein für Verbreitung von Volks⸗ bildung wird in den bevorstehenden Pfingsiferien wieder einen Zeichnencursus für Lehrer unter der Leitung des Herrn Professors Kumpa veranstalten. Der Cursus wird am 26. Mai l. J. beginnen und 10 Tage dauern. Die⸗ jenigen Lehrer, welche an dem Cursus Theil zu nehmen beabsichiigen, haben sich bei Herrn Professor Kumpa dahier schriftlich anzumelden und dabei ihre Wünsche bezüglich
elwaiger Subvention zu erkennen geben.
Ein Gauner von feinem Aeußern prellte vor einigen Tagen verschiedene Leute mit einem stark be⸗ schnittenen Doppel Friedrichsd'or. So ließ er sich beispiels⸗ weise 12 Cigarren à 3 kr. geben und da man sich weigerte, das beschädigte Goldstück für voll, d. h. zu 20 fl. zu nehmen, sagte er, daß er kein anderes Geld bei sich habe, er wolle jedoch gleich wieder kommen und die Sache be— richtigen. Bei dem Vorurtheil, daß ein Schubjack auch im Aeußeren zu erkennen sein müsse, sind ihm solche Stückchen leicht geworden. Man wartete auf die Wieder⸗ kehr des„noblen“ Herrn, aber vergeblich.
Worms. Vor einiger Zeit gewahrte der Maschinen⸗ führer des Zuges von Rosengarten über Gernsheim nach Darmstadt in der Nähe der letzten Station dieser Strecke, daß zwei Kinder auf dem Bahnstrange lagen und schliesen und konnte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen bringen und die Kinder vor dem sicheren Tode reiten. Vom Großherzog wurde ihm die Verdiensimedaille zuerkannt.
Allerlei.
Hanau. Das Mainthal-Sängerfest wird am 5. Juli dahier staufinden. An dem Mainthal-Sängerbunde be- theiligt sind die Gesangvereine von Aschaffenburg, Seligen— stabt, Darmstadt, Offenbach, Homburg v. d. H., Nauheim, Friedberg und Hanau; es wird zweckmäßig sein, daß wir dieses für alle Bie, welche in die betreffenden Verhältnisse nicht näher eingeweiht sind. vorausschicken. Der Festplan bestimmt: Morgens Empfang der ankommenden Sänger, gemeinschaftliches Frühstück, Generalprobe, Miltagessen, Versammlung zum Zug durch die Stadt nach dem Schau⸗ platz des eigentlichen Concertes; nach demselben gesellige Vereinigung in passenden Räumlichkeiten und Einquarfie⸗ rung der Auswärligen, welche man auf über 400 Sänger berechnet. Dem Hauplfestiage folgt noch eine Nachfeter:
Mainz.
Mocgens, 6. Juli also, Reveille, Frühstück, Berathung geben wolle,
der eigentlichen Sängerbunds beziehungen in den betreffen⸗ den Ausschüssen u. s. w. Mikiags allgemeiner Ausflug (nach Wilbelmsbad).
Frankfurt. Wie wir hören, finden im zoologischen Garten keine Sechskreuzer-Tage mehr statt. An ihre Stelle treten Zwölfkreuzer⸗-Tage, deren erster nächsten Sonntag(Vormittag) ist.
Heidelberg. Wir haben einen durch Feuer ent⸗ standenen Verlust zu beklagen, den keine Versicherungs⸗ gesellschaft zu ersetzen vermag. Als Geheimrath Bunsen am 22. d. eine halbe Stunde, nachdem er sein Schreib. zimmer verlassen, in dasselbe zurückkehrte, standen die auf dem Büteau liegenden Papiere in hellen Flammen. Wie schnell auch das Löschen erfolgte, es war zu spät! Die Arbeit von vier Jahren war vernichtet! Herr Bunsen, legte gerade letzte Hand an eine Schrift, welche in der nächsten Woche zur Druckerei wandern sollte, und hatte Concept und Reinschrift neben einander liegen lassen: so ist denn Beides von den Flammen zerstört worden, über deren Enistehung nur eine Muthmaßung existirt. Es lagen Zündhölzer verstreut umher, deren eines, wohl durch Sonnenstrahlen erhitzt, in Brand gerieth.
Würzburg. Wie uns mitgetheilt wird, befindet sich unter Jenen, die das Freiwilligen⸗Examen bestanden haben, auch ein Schreinergeselle. Wir haben Erkundigung ein⸗ zogen und erfahren, daß sein bisheriger Meister ihn für den solidesten und fleißigsten Arbeiter erklärte, den er je in einer Werkstätie gesehen; und trotzdem daß derselbde seiner Hauptverpflichtung so gewissenhaft nachkam, trieb er in seinen freien Stunden auf Anregung und unier Anleiiung des Volksbildungsvereins so fleißig Geschichte und Geographie und verlegte sich auf die Ausbildung in der deutschen und französischen Sprache und Mathematik mit solchem Eifer, daß er sich getrost diesem bekanntlich seyr schwierigen Examen unterziehen konnte. Es hat auf diese Weise der Volksbildungsverein eine sichtbare Frucht getragen. Der junge Mann— Weck mit Namen aus Homberg a. d. O.— hat nach eigenem Geständnisse im ginzen Jahre keinen halben Gulden für Wirihshausbesuch ausgegeben, da er alle seine freien Abendstunden mit Lectüre in der Volksbibliothek zugebracht hat. Würden recht viele ihn zum Muster nehmen, dann würde die sociale Frage bald eine friedliche Lösung erhalten!
Leipzig. Wie der„Volkesiaat“ meldet, ist, auf Grund des in einer allgemeinen Versammlung von Schub⸗ macher⸗Gehülfen gefaßten Beschlusses, am Sonnabend den 18. April den hiesigen Schuhmachermeistern die Arbeit aufgekündigt worden, und die förmliche Arbeitseinstellung wird am nächsten Sonnabend den 25. April erfolgen Von 400—450 arbeitenden Gehülfen sollen, wie es heißt etwa 250 am Strike theilnehmen.
Berlin. Fürst Bismarck soll kaum wieder zu erkennen sein, so hat die Krankheit auf ihn eingewirkt. Allerdings trägt der Umstand zur totalen Veränderung desselben bei, daß et seit seiner Erkrankung das Rasirmesser nicht hat an sich kommen lassen, er trägt daher einen stattlichen Vollbart, der aber so weiß ist, daß eben daher das ganz veränderte Aussehen des Kanzlers rührt— ob er auch eine Perrücke trägt, wie neulich gemeldet wurde, war für den Augenzeugen, von dem diese Mittheilung herrührt, nicht bemerkbar, da der Fürst die Miluärmütze tcug. (Uebrigens hatie bekanntlich Bismaick in früheren Zeiten ebenfalls einen stattlichen Voll bart.)
Berlin. Vielsach hat man hier auf den Straßen ein altes zerlumptes Weib gesehen, schmutzig und häßlich, das mit der Kiepe auf dem Rücken, mit der Hacke in der Hand, im Unrath wühlend, sich ihr kärgliches Brod er⸗ warb. Gegen Abend wankie sie in der Regel durch die Straßen, denn sie war um diese Zeit stets betrunken. Die Schuljugend begleitete sie gewöhnlich mit dem banalen Ausruf:„Die Frau Regierungsräthin ist de——!“— Diese Frau batte einst bessere Tage gesehen, sie war eine feingebildete Person und die Gattin eines Regierungsraihs. Ein Febliritt von ihrer Seite trennte die Ehe. Bald nachyer sank sie von Stufe zu Stuse, war anfangs eine gefeierte Schönheil der deni- monde, dann wurde sie eine Besucherin des alten Colosseums und der Villa vor dem Oranienburger Thor, bis sie endlich bis zum„Türken⸗ Kellet“ an der neuen Promenade derabsank. Die Leiden⸗ schaft und die Trunksucht führten sie ihrem letzten Gewerbe in die Arme. Sie slarb bieser Tage hoch betagt auf einem Bündel Lumpen, den ihr ein mitleidiger Plroducten⸗ händler, für den sie Knochen suchte, in einem Stalle ge⸗ währt hatie.
Königsberg i. Pr. Der aus dem freiherrlich Roihschild'schen Marstall in England von der Regierung für 35,000 Tylr. angekaufte Vollbluthengst Marsworih, welcher zuerst nach dem Landgestüt in Graditz vei Torgau übergeführt worden war, ist in voriger Woche durch einen tralehner Beamten abgeholt und nach dem Landgesiilt Trakehnen gebracht worden. Es ist dies das theuerste Thier, welches jemals in dem altberühmten litthauischen Gestüt vorhanden gewesen und zur Zucht benutzt worden ist. Das nächstiheuerste ist der vor Jahr und Tag aus dem nunmehr aufgelösten gräflich Renard'schen Gestüt angekaufte Vollbluthengst Adonis, welcher 22,000 Thlk. gekostet hat.
New Pork. Ein Bankbeamter kam zu einem her⸗ vorragenden Advocaten und sagte:„Ich habe ungefähr 100,000 Dollars unterschlagen, dies ist aber noch nicht entdeckt; was soll ich thun?“—„Gehen Sie in Ihre Bank zurück und stehlen Sie noch 100,000 Dollars, daun kommen Sie wieder zu mir“, antwortete der Advocat. Der Beamte that, wie es ihm der Advocat geheißen. Der Letztere schrieb sodann an die Direction, daß sein Client 200.000 Dollars unterschlagen habe, aber die Hälfte zurück wenn die Affaire vertuscht werde. Die
zur Verste
Bußba
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