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dessen Kern Königsberg bilden würde. Künlich nun sind mehrere Offiziere des großen General- stabe in Königsberg gewesen und haben Ver- messungen angestellt. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Beherrschung des Pregels gerichtet sein.

Kiel. DieKieler Ztg. meldet, daß der Kaiser am 16. September in Kiel eintreffen werde, um dem Stapel-Lauf des PanzerschiffesFriedrich der Große beizuwohnen.

Erfurt. Wie vor Kurzem der Vorstand der Nordhausener, so hat jetzt auch der Vorstand der Erfurter Kreis-Synode ein sehr tolerantes Ausschreiben über die Civilehe erlassen. In dem selben wird dem Staate voll und ganz das Recht zugestanden, eine gültige Ehe abzuschließen. Als⸗ dann heißt es weiter:Es würde nun einen Mangel an kirchlichem Sinne und eine Gering schätzung des kirchlichen Segens, der einer für die ganze Lebenszeit geschlossenen Verbindung in den Wechselfällen des Lebens nie fehlen kann und darf, verrathen, wenn die kirchliche Trauung nach Aufhebung des Zwanges von Seiten des Staates nicht nachgesucht würde. Es ergeht daher an unsere Glaubens-Genossen die herzliche Bitte und Ermahnung, die gute, von unsertn Vätern ererbte Sitte bewahren, die kirchliche Trauung beibehalten und in jedem Falle nachsuchen zu wollen.

Köln, 18 Aug. Bazaine hat uns heute Mittag verlassen, um sich nach Spaa zu begeben, wo seine Gemahlin nebst seinen drei Kindern weilt.

Crefeld, 18. Aug. Der volkswirthschaft⸗ Congreß überwies den Punkt II. der Tagesord- nung(Berechnung der Kosten des Eisenbahnbaues und Betriebes und ihres Verhältnisses zu einander) an eine Commission, sprach sich bei der Discussion der Eisenbabn-Tarif Frage für möglichste Freiheit der Tarlfirung aus und erklärte die gesetzliche Regelung der Frage, inwieweit Dritten die Mit- benutzung von Eisenbahn- Einrichtungen einzu räumen sei, für wünschenswerth.

19. Aug. Der volkswirthschaftliche Con- greß bielt heute seine letzte Sitzung. Zur Be rathung standen die Banken und die Banknoten- Frage. Der Congriß sprach sich für Einschränk ung der Banknoten-Emmission durch Contingen- tirung oder höhere Besteuerung der Banken aus, ferner für Errichtung einer Reichs- Centralbank und Beseitigung der Privatnoten⸗Banken.

München, 19. Aug. Der Kaiser und der Kronprinz von Oesterreich sind heute Morgen) Uhr zum Besuche der Prinzessin Leopold hier eingetroffen; der Aufenthalt des Kaisers und des Kronprinzen wird zwei Tage währen.

20. Aug. Der Kaiser von Oesterreich hat sich heute Vormittag zum Besuche des Königs von Bayern nach Schloß Berg begeben.

Carlsruhe. Die Vollziehung der bekannten neuesten Ministerial⸗ Verordnung hat schon be gonnen; bereits ist gegen einige Neu-Priester Untersuchung eingeleitet; andere sollen polizeilich an der Ausübung kirchlicher Funktionen verhindert worden sein. Es wird berichtet, daß die Curie in einem Erlaß an dieselben sie angewiesen habe, nur der Gewalt zu weichen; jedenfalls ist sicher, daß die angehenden Seelsorger dasMartyrium der Unterwerfung vorziehen. Es verlautet auch, daß sie entschlossen seien, nach Oesterreich und Amerika auszuwandern, wenn sie in Baden ihren Beruf nicht realisiren könnten.

Mannheim, 17. Aug. Im Amtslocal des großherzoglichen Schlosses dahier versammelten sich heute die Rhein⸗Schifffahrts⸗ Bevollmächtigten zur Eröffnung der diesjährigen ordentlichen Session; für Baden der Geh. Rath Muth, für Bayern der Staatsrath Weber, für-Elsaß⸗Lothringen der Regierunge-Rath Metz, für Hessen der Ministerial- Rath Dr. Neidhardt, für Niederland der Ministe⸗ rial⸗Rath Dr. Verkerk⸗Pistorius, für Preußen der Geh. Ober⸗Regierungs⸗-Rath Jebens. Wie man hört, werden auch die Strombau⸗Techniker einbe⸗ rufen werden, um die Pläne der vier neuen stehen⸗ den Brücken zu prüfen, welche auf dem Ober- Rhein, und zwar bei Germersheim, Neuburg, Breisach und Hüningen, und der beiden projec⸗ tirten Brücken, die bei Arnheim und Nymwegen

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darnach, falls der Wasserstand günstig, die Strom Befahrung von Basel bis in das Meer vornehmen.

Kaiserslautern, 18. Aug. Bischof Rein- kens, welcher gestern in Heidelberg, heute in Mannheim die Firmung der altkatholischen Kinder vornahm, wird dem Vernehmen nach zu gleichem Zweck auch die Pfalz bereisen.

Straßburg. In Klein⸗-Rossel hat unter den dortigen Grubenarbeitern ein Aufstand statt gefunden. Am Montag stellten sie die Arbeit ein und Dienstag rückten sie tumultuirend vor das Direellons⸗Gebäude, warfen die Feuster ein und beschädigten in jeder Weise das Aeußere; die Grubenbeamten mußten flüchten. Gegen Abend war die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt. Die Hauptanführer, sämmtlich ans Groß-Rossel, sind des Landfriedenebruchs angeklagt und werden vor das Kreisgericht in Straßburg gestellt.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Trotz telegraphischen Protestes des Prager Erzbischofs vorbot die Regierung auf Grund der Religions- Gesetze dem sächsischen Ablegaten Forwerk die Vornahme geistlicher Handlungen in Böhmen.

DieTages Presse bezeichnet die Meld- ung desPesti-Naplo, daß Oesterreich die spanische Regierung bereits anerkannt habe, als verfrüht. Auch diePresse bezweifelt die bereits erfolgte Anerkennung Seitens Oesterreichs, da die Verhandlungen der Mächte hierüber noch schweben.

20. Aug. In Folge mehrtägigen hestigen Regens ist gestern der Wasserstand der Donau rapid gestiegen. Bis 12 Uhr Nachts stieg das Wasser fortwährend. In der Leopoldstadt wurden die Keller mit Wasser gefüllt. Seit Morgens 5 Uhr findet kein weiteres Steigen statt.

Frankreich. Paris. General Laval hat die Untersuchung in der Angelegenheit der Ent weichung Bazaine's beendet. DieAgence Havas will wissen, daß die meisten Civil Wächter sich als Mitschuldige herausgestellt hätten und Bazaine das Gesängniß durch den gewöhnlichen Ausgang verlassen babe.

Marseille. Die in den letzten Tagen wegen der September-Ereignisse von 1870 festgenommenen Versonen befinden sich in strengster geheimer Haft. Man läßt Niemanden zu ihnen, und die Lebens- mittel, welche Verwandte ihnen zusenden, werden genau durchsucht. Einer der Verhafteten, der Fabrikant Paulin Marin, ist wieder in Freiheit gesetzt worden, dagegen wurde eine andere Person, der ehemalige Polizei-Secretär Bardin, eingezogen.

Laval, 18. Aug. Marschall Mac Mahon, gestern bier eingetroffen, hat beute die Sehens würdigkeiten der Stadt in Augenschein genommen. Die Leinenweber haben ihm ein Bouquet offerirt. Der Marschall ließ die Garnison Revue passiren. Gestern Abend waren die öffentlichen Gebäude und die Quais illuminirt.

Belgien. Brüssel. Der BerlinerPost zufolge haben die Delegirten bei der Brüsseler Conferenz das russische Programm aufgegeben und ihren respeetiven Regierungen das Resultat ihrer Berathungen betreffs der Erweiterung der Genfer Convention zur definitiven Ratisieation übermittelt.

Holland. Haag. Der König genehmigte die am 28. Juli gemeldete Ministerliste. Die Publikation der Ernennungen erfolgt bei der am 26. August stattfindenden Rückkehr des Königs.

Großbritannien. London. Die Kohlen- gruben⸗ Arbeiter der schottischen Grafschaften Fife und Clackmannan haben die ihnen proponirte Lohn Herabsetzung von 15 Procent zurückgewiesen, die Entlassung der Arbeiter durch die Grubenbesitzer ist deßhalb wahrscheinlich.

Spanien. Madrid. Die amtlicheGaceta publicirt eine Verordnung über die Beschlagnahme carlistischer Güter. Die Festung Urgel ist durch Verrath in Tristanys Hände gefallen.

Asien. Hongkong. Von hier wird telegraphisch gemeldet: China hat Japan aufgefordert, die Insel Formosa binnen Frist von 3 Monaten zu räumen, und trifft für den Fall der Ablehnung umfassende Kriegs Vorbereitungen. Die chinefischen Zeitungen

erbaut werden sollen. Die Hydrotechniker werden

betrachten den Krieg als unvermeidlich. In Japan ist eine friedlichere Auffassung der Lage vorherrschend.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Das Marburger Tageblatt bringt folgende für uns Friedberger interessante Notiz: Die Divisions⸗ und Corps⸗ Manöver werden Anfangs k. M. in der Gegend zwischen Gießen und Friedberg abgehalten und mit einem Angriff auf letztgenannte Stadt und deren Erstürmung schließen.

Friedberg. Am 14. August brannte es in Grünberg. Die letzte Nummer des dorligen Anzeigers bringt nun nachfolgendesschöne Gedicht, das die Redaction des Blattes jedenfalls nur des gelungenen Versmaßes wegen brachte und das auch wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: Der Brand am 14. August 1874.

Was tönt' so klagenb durch die Lüfte? Was schreckie Grünberg's Bürger all: Es ist das Sturmes Läuten, Es ist des Feuerrufes Schall!

Feuer! Furchtbar tönte auch der Ruf, Durch unsere Straßen, Gassen; Zur Brandstätte strömt das Volk Hin in dichtgedrängien Massen.

Angstvoll sieht es hier das Element Ohne Fesseln sich bewegen, Nichts hemmt sein freies Wesen, Knisternd strömt es ihm entgegen. Doch hier auch zeigten Grünberg's Bürger Die allerschönste Nächstenlieb', Fremden Schmerz zu lindern, Verband ja all ein gleicher Trieb.

Denn bald, durch Gottes gnäd'ge Führung War man des Feuermeeres Herr; Daß sich's würde weiter wälzen, Stand' jetzt nicht zu befürchten mehr. Dir, unser Gott, gehört der Dank, Ja Dir allein gebührt die Ehr'; Denn sauste der Sturm hinein, Wie Mancher ging betrübt einher!

Darmstadt, 19. August. Vorgestern brannten in dem benachbarten Pfaffen⸗Beerfurth zwei gefüllte Scheunen nebst Nebengebäuden ab. Das Feuer soll durch mit Streichhölzer spielende Kinder enistanden sein.

Mainz. Im letzten Jahre wurde die Schiffbrücke von 1,500,661 Personen Militär nicht gerechnet passirt. Diese einzige Zahl legt die Nothwendigkeit der Erbauung einer festen Brücke auf das Schlagendste dar.

Allerlei.

Friedberg. Unsere Leser kennen aus dem Aufrufe, den wir brachten, das entsetzliche Unglück, das den Wald⸗ arbeiter Dirion bei Saarburg traf, während derselbe im Walde arbeitete. Herr Obetfötster Eichhoff veröffentlicht nun die Mittheilung, daß der arme Dixion endlich durch den Tod von seinen Leiden erlöst worden ist.

Frankfurt, 20. Aug. Gestern wurde von einem jungen Maurer aus Kelkheim in der Nähe der neuen Brücke ein Act scheußlicher Roheit verübt. Derselbe begegnete zwei Kindern im Alter von 56 Jahren, welche sogenanntes Pferdches spielten. Im Vorübergehen packte er das eine Kind zuerst am Ohr und als sich dies sträubte, warf er es hin, zog es eine Strecke Wegs auf dem Pflaster fort, wodurch es im Gesicht und am Kopf, der voller Beulen war, beschädigt wurde. Das Publikum verfolgte den ausreißenden Bengel und übermittelte ihn zur Bestrasung der Polizei. Die betreffenden Eltern haben bereits den Strafantrag gestellt.

Frankfurt. Unser zoologischer Garten hat durch die Fertigstellung des gegen 100 Fuß bohen Wasser⸗ und Aussichtsthurmes eine neue und wesentliche Zierde erhalten, denn derselbe verleiht dem Ausblick von der Terrasse über den Weiher erst einen würdigen imposanten Abschluß. Der Thierbestand wird fortwährend vermehrt und schon jetzt finden sich alle Behausungen auf das reichhalligste desetzt und die weiten Rasenplätze auf das mannichfaltigste mit Thieren aller Art belebt. In der letzten Zeit kamen ein Paar zierliche Zebu oder in dische Buckelochsen an, welche sich durch einen Höcker in der Gegend des Wiederrists auszeichnen. Auch eine Sammlung amerikanischer Schlangen ist eingetroffen und hal in Ermangelung eines Schlangenhauses einstweilen im Vogelhause Unterkunft gefunden. Der Teich, welcher außer seinen Schaaren von Schwimmvögeln Tausende von hier gezüchteten jungen Karpfen enthält, bietet stets einen äußerst unterhaltenden Anblick, besonders aber ziehen die beiden Seehunde, welche eine Abtheilung des Weihers bewohnen, durch ihr lebhaftes Schwimmen und Tauchen in dem stets strömenden Wasfer die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich.

München, 17. Aug. Am Samstag ist ein junger Chemiker, welcher sich damit abgab, in wissenschaftlichem Interesse die Wirkung von Giften und Gegengisten an sich zu erproben, an den Folgen eines derartigen waghalsigen Unternehmens gestorben. l

Nürnberg. Von hier wird unterm 19. d. M. ge⸗ schrieben: Gestern Nachmittag ereignete sich in Starnberg ein gräßliches Unglück. Als der Zug 305, von Mühlihal kommend, um Uhr Nachmiliags im Begriffe stand die Münchener Ueberfahrt in Starnberg zu übersetzen, be⸗ merkte man ein auf dem Geleise laufendes, 4jähriges Kind. Obgleich der Zug nur noch wenige Schritte von dem Kinde entfernt war, stürzte die Wechselwärtersfrau Möfxtel dem Zug enigegen, um das Kind noch zu retten. Allein es war zu spät. Die Maschine erfaßte Beide die arme Frau war alsbald, gräßlich perstümmelt, eine Leiche, das Kind erlag gesten Abend seinzn Wunden.

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