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Großbritannien. London, 17. Juli. Der deutsche Kronprinz und der Prinz von Wales nahmen gestern an den Truppen Manövern bei Aldersholt Theil. Das Pferd des Prinzen von Wales stürzte, doch blieb der Prinz unbeschädigt. Der Herzog von Edinburgh besuchte gestern das deutsche Kronprinzen⸗Paar, welches Abends einem Diner bei Lord Granville beiwohnte.

17. Juli. Unterhaus. Der Unter⸗Staats- seeretär der Colonien, Lord Carnarvon, theilt mit, daß England bereit sei, die ihm angebotene Ab- tretung der Fidschi-Inseln anzunehmen, aber auf keinerlei Bedingungen eingehen könne. Die Be: dingungen, welche gestellt worden, seien für England unannehmbar. Der Gouverneur von Neusüdwales sei beauftragt, die Ansichten Englands den Be⸗ wohnern der Fisdschi-Inseln kundzutbun.

Spanien. Madrid, 17. Juli. Regier⸗ ungsnachrichten melden die Niederlage einer Car- listen Abtheilung bei Marce Bello. Luenca ver⸗ theidigt sich energisch gegen die Carlisten. Morgen gehen Ersatztruppen dorthin ab.

17. Juli. Es heißt, die Carlisten hätten 1600 Personen fortgeführt, in der Absicht, diese zu erschießen, wenn sie angegriffen würden. Imparcial sagt, es sei die Rede von einer neuen Aushebung von 100,000 Mann, welche aus der Alters⸗Classe Derer, welche 2335 Jahre zählen, genommen werden sollen.

Aus Stadt und Land.

Friebberg. Der Rechner des Volksbildungsvereins dabier erhielt am 18. d. durch die Herren Trapp und Münch von Herrn Ludwig Trapp in Londonaus Dank⸗ darkeit für die Erhaltung des Lebens Bis marck's zwölf Gulden zur Kasse des Vereins, welche Gabe den Geber ebensosehr als Patriot, wie als Freund seiner Vaterstadt und deren Hebung ehrt. Auch im vorigen Jahre batten wir von demselben Manne eine ebensolche Gabe für den Volksbildungsverein zu verzeichnen. Wir drücken dem Landsmanne ob solch echter Gesinnung dankbar die Hand!

Friedberg, 18. Juli. Wie wir vernebmen, wurde gestern in unserer Gegend auf Weisung von Franksurt nach vergrabenem Gelde gesucht und an der näher be zeichneten Stelle auch 700 Thlr. gefunden.

Wissels beim, 17. Juli. Heute Nachmittag 4 Uhr brach dahier auf dem Hose des Pachter Leonhardt Feuer aus, das in kurzer Zeit mehrere Stallungen einäscher te. Man vermuthet, daß das Feuer angelegt worden sei.

Gießen. Seit Mittwoch Abend wird eine 68 Jahre alte Bauersfrau von Wismar, welche hier in der Stadt bei einem Arzte und Apotheker war und darauf nach Hause gehen wollte, vermißt und nimmt man an, daß der Frau ein Unglück zugestoßen ist.

Gießen, 18. Juli. Gestern Nachmittag kam ein Bauernbursche von Hochelheim in ein hiesiges Eisenwaaren⸗ geschäft, um dort Einiges zu kaufen. Er legte während des Kaufs sein mit 7 Thlr. gefülltes Portemonnaje auf den Ladentisch und als er sich umwand te, war dasselbe verschwunden. Das Portemonnaie wurde später von dem Bauerndurschen bei einem hiesigen Einwohner wieder ab- geholt, dessen Frau dasselbe in dem Laden gefunden haben will.

Gießen, 18. Juli. Der Schwurgerichtshof der Pro⸗ vinz Oberbessen vom III. Quartal l. J. hat in den nach⸗ bemerkten Anklagesachen weitererkannt: Den 13. Juli, gegen Georg Gruner von Heldenbergen wegen Urkunden⸗ sälschung, Gefängniß von 9 Monaten. Den 14. Juli, gegen Regina Rhein von Allendorf, Königlich Preußischen Kreises Kirchhain, wegen vorsätzlicher Kindestödtung, Zuchthaus von 4 Jahren. Den 15. Juli, gegen Georg Wilhelm Weil von Echzell, wegen Meineids, Gefängniß don 9 Monaten, unter Aufrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren. Denselben, gegen Adam von der Lehr von Bellmuth, wegen Ver⸗ brechens wider die Sittlichkeit, Gefängniß von 6 Monaten. Den 16. Juli, gegen Conrad Müller von Oberlemp, im Königreich Preußen, wegen unternommener Verleitung zur Begehung eines Meineids, Zuchthaus von 1 Jahr, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren und dauernde Unfähigkeit desselben als Zeuge oder Sachverständiger vernommen zu werden. Den 17. und 18. Juli, gegen Andreas Simon und Consorten von Lauterbach, wurde wegen der auf Meineids gerichteten Anklage, nachdem das Verdict der Geschworenen auf Nichischuldig lautete, auf Freisprechung erkannt.

In der dritten-Woche endlich, werden noch folgende Fälle verhandelt werden: Den 20. Juli, Vorm. 9 Uhr, gegen Johann Heinrich Jungkuhrt von Hausen, im König⸗ reich Preußen, wegen Brandstiftung; Vertheid.: Advokat Briel. Denselben, Nachmittags 3 Uhr, gegen Wilhelm Scheerer von Alt⸗Buseck, wegen Urkundensälschung; Verth.: Advokat Thorwart. Den 21. Juli, Vormittags 8 Uhr, gegen Johann Conrad Silz und Ludwig Walther von Laubach, wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit; Verth.: die Advokaten Barth und Kraft. Den 22. Juli, Vorm. 8 Uhr, gegen Elisabetha Kleinschmidt von Leisewald, wegen Kindesmords; Vertheid.; Advokat Dr. Schwarz. Den

23. Juli, Vormittags 8 Uhr, gegen Elisabetha Formhals von Allendorf a. d. Lumda, wegen Diebstahls und Be⸗ trugs; Vertheid. Advokat Kraft.

Darmstadt, 18. Juli. In einer frequenten Wirth⸗ schaft wurde gestern Nachmittag ein Mann in polizeilichen Gewahrsam genommen, weil sich deutliche Symptome von Geisteskrankheit bei ihm gezeigt und er sogar Anstalten zum Selbstmord gemacht. Derselbe wird von der com⸗ petenten Behörde beobachtet.

Griesheim, 17. Juli. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr wurde in der Nähe der hiesigen Station ein Mann von dem Bahnzug überfahren. Wie man hört, ist der Verunglückte ein in Darmstabt arbeitender Bau handwerker.

Groß ⸗Umstadt, 15. Juli. DerOberwälder Bote schreibt: Soeben wird uns folgende wahrhaft haar⸗ sträubende Mittheilung: In dem benachbarten Semd, in der Dieters⸗Mühle, wollte gestern der hiesige Kaminfeger gehülfe fegen. An Ort und Stelle angelangt, findet er, daß die Besitzer nicht zu Hause sind. Aus dem oberen Slock aber ruft ihm, sein ganz verwilder tes, gänzlich mit grauem langem Haar verwachsenes Haupt aus einer Fensteröffnung streckend, ein Greis zu, er möge sich doch um Gotteswillen seiner annehmen; seine Angehörigen bielten ihn schon drei Jahre lang in Gefangenschaft. Er, der Kaminfegergehülfe, sei dann in den oberen Stock in den, von außen verschlossen gewesenen, von erstickenden Dünsten angefüllten Raum getreten, und habe da einen Anblick gehabt, daß ihm die Haare zu Berge gestanden. Ein Greis sei ihm weinend entgegengetreten, ohne jegliche Bekleidung, ausgenommen eine kurze, schmutzige Jacke, welche kaum bis zur Brust gereicht, vom Ungeziefer zer⸗ fressen, in durchaus verwildertem Zustande. Das Lager, welches ein Bett vorstellen solle, sei von altem vermoderten Stroh bedeckt gewesen, welches offenbar seit Jahr und Tag nicht gewechselt worden, eine AxtKatzenscherbe babe am Boden gestanden mit unkenntlichen Speiseresten und die Feder sträubi sich es niederzuschreiben in einer Ecke des Zimmers seien menschliche Excremente sichtbar gewesen, ein Beweis, daß sich dieses Menschenleben von dem eines Thieres kaum mehr unterscheide. Der Greis babe ihn gebeten, doch alle möglichen Schritte zu thun, daß er aus diesem Elende endlich erlöst werde. Der Kaminfegergehülfe erklärte sich bereit, diese Mittheilungen vor Gericht eidlich zu erhärten. Wir glauben nicht ver säumen zu dürfen, die Aufmerksamkeit der Behörden auf diesen Fall zu lenken.

Mainz. Ein junger Mann, Namens Pilliet, sollte im Auftrag des Metzgermeisters Eitingshausen einen von diesem gekauften Ochsen in Nieder-Olm abholen. Das Tbier zeigte, als es aus dem Stalle gebracht werden sollte, eine große Wildheit und man hatte viel Mübe, ihm die nöthigen Fisseln anzulegen. In dem Augen- blicke, als dem widerspenstigen Thier ein Strick um die Hörner gelegt werden sollte, senkte es den Kopf, stieß nach dem vor ibm stehenden jungen Mann und riß ibm den Leib auf. Der Unglückliche wurde in das hiesige Spital verbracht.

Worms, 16. Juli. Gestern kam ein fremder Hund in den Hof einer hiesigen Lederfabrik und biß dorten mehrere Hunde. Die Section des sosort getödteten Thieres stellte fesi, daß dasselbe von der Wutbkrankheit befallen war.

Framersheim, 13. Juli. Heute Mitiag gegen 1 Uhr brach in dem mit Heu überfüllten Stalle des Jacob Armbrüster dahier Feuer aus und brannte der Stall zu⸗ sammen. Der schuell herbeigeeilten Hülfe ist es zu ver⸗ danken, daß der Brand auf seinem Herd beschränkt blieb.

Allerlei.

Frankfurt, 19. Juli. Heute Nacht um 11½ Uhr beach impolel Westend-Hall Feuer aus, das binnen zwei Stunden den Dachstuhl des Gebäudes verzehrte, bis ihm durch energische Anstrengung der Lösch-Mannschaflen Einhalt geihan werden konnte.

Eisenach, 16. Juli. Gestern Nachmitag 5 Uhr wurde Fritz Reuter bestattet. Eisenach batte alle seine Leute von Rang und Stellung zum letzten Gange des entschlafenen Dichters entboten. Ja, dem einst wegen Hochverrath zum Tode Verurtheilten folgte beuie in wür⸗ diger Tbeilnahme das gesammie Offtzierkorps und der Vertreter des Großherzogs; die Militärkapelle spielte ihm den Trauermarsch. Petersen aus Hamburg hielt im Trauerhause und am Grabe die Gedächtnißreden so ge müthvoll und innig, wie Fritz Reuter dies verdiente. Die Burschenschaften hatten Deputationen und Lorbeer kränze geschickt; ebenso die Stadt Stavenhagen; aus Wismar war Reuter's Verleger, aus Weimar General lieutenant v. Loen gekommen. Vom Taauerhause bis zum Leichenwagen trugen die bier lebenden Dichter und Mitglieder des Gemeinderashes den Sarg; Reuter's Wiltwe geleitete den geschiedenen Gatten bis zur Gruft. Auch die obersten Klassen aller biesigen höheren Schulen waren dem Dichler auf dessen letztem Wege gefolgt.

Chicago. Der durch die Feuelsbrunst hier an⸗ gerichtete Schaden wird auf 4 Millionen Doll. veran⸗ schlagt, wovon Millionen versichert sind. New⸗York. Am 16. Juni ist nach derN.⸗M. St.⸗Z. ein Vergnügungszug, welcher von Polton nach Wilmington, N. C., fahren wollte, 800 Passagiere, Männer, Frauen und Kinder enthaltend, verunglückt. Vier Meilen von Milesville war in Folge anhaltenden Regens ein Durch⸗ laß eingestürzt und, ächt amerikanisch, davon keine Kunde gegeben worden. Ein Ruck, und Lokomotive, Tender, sowie sämmtliche Waggons mit den fröhlichen Passagieren stürzten aufeinander in die Lücke. Todte und Verwunderte gab es genug.

Der kalte Trunk bei erhitztem Körper.

Zu denjenigen medicinischen Erfahrungen, welche fast jeder Arzt hin und wieder macht, und über welche doch jeder, der sie noch nicht gemacht hat, mißtrauisch und zweiselnd sich äußert, gebört das plötzliche Auftreten gefährlicher Zufälle unmittelbar nach einem kalten Trunke bei erhitztem Körper(auf Bällen z. B.) oder die allmählige Entwickelung chronischer Leiden, welche die Betroffenen von einem solchen Trunke herleiten.

Trotzdem halten viele Aerzte die Furcht vor einem unvorsichtigen kalten Trunke für sehr über- trieben, obgleich sie selbst für ihre eigene Person ihr unterliegen. Letzteres aber mit Recht, Ersteres mit Unrecht, wie wir gleich sehen werden.

Bei plötzlicher Einführung einer erheblichen Menge kalter Flüssigkeiten in den Magen wirkt die Kälte durch die dünnen Magenwände hindurch nicht nur auf die feinen Magen Arterien selbst, sondern auch auf die zahlreichen Gefäße der dem Magen anliegenden Organe(Leber, Milz, Zwerch⸗ fell, Netz und vor allem der Darmschlingen) ver engend ein; durch diese umfangreiche Arterien-Ver⸗ engerung wird aber der arterielle Blutdruck plötz⸗ lich sehr bedeutend gesteigert, und eine solche plötz⸗ liche Steigerung kann wieder zu Zerreißungen, Zersprengungen von Gefäßen an deren schwachen Stellen führen, also zu Hirn-, Lungenblutungen 2e. Nun wird allerdings diese Wirkung durch eine gleichzeitige Veränderung der Athmung etwas modificirt. Es ist ja allgemein bekannt, wie tief man bei plötzlicher Benetzung der Haut mit kaltem Wasser einathmet, und zwar nicht blos beim Be⸗ spritzen des Körpers, sondern auch beim langsamen Einsteigen in ein kaltes Bad, also auch bei ver⸗ hältnißmäßig langsamer Benetzung größerer Haut- flächen. Dies erklärt sich eben dadurch, daß die Einwirkung der Kälte auf große Hautbezirke den arteriellen Blutdruck gleichfalls steigert, wie der kalte Trunk. In beiden Fällen scheinen, wie ge⸗ sagt, die tiefen Einathmungen ein compensatorisches Moment zu bilden, welches die Gefahren ver⸗ ringert, aber durchaus nicht ganz aufhebt. Da⸗ gegen werden die Gefahren erhöht: 1) wenn aus irgend welchen Gründen jene Veränderung der Athembewegung ausbleibt; 2) wenn durch Be⸗ schleunigung des Pulsschlages und gesteigerte Intensität des Herzschlages(z. B. nach heftigen Muskelanstrengungen, Gemüthsbewegung oder bei Herzhypertrophie oder entsprechendem Klappen⸗ fehler) der Blutdruck schon an und für sich hoch ist; 3) wenn im Gefäßsosteme irgend ein kranker Punkt selbst geringen Drucksteigerungen nicht mehr Widerstand zu leisten vermag; 4) wenn irgend welche pathologischen Prozesse, die selbst durch geringe Drucksteigerungen befördert werden, vor handen sind.

Ob die sehr verbreitete Meinung, daß andere kalte Getränke als Wasser alkoholhaltige Flüssig⸗ keiten weniger gefährlich seien, auf einem Irr⸗ thum beruht oder nicht, ist noch nicht festgestellt worden.

Landwirthschaftliches.

Eicheln als Futtermittel. Mehrseinig werden die Eicheln als ein Futtermittel empfohlen, dem bei Weitem noch nicht diejenige Aufmerksamkeit geschenkt werde, welche es verdiene. Der Gehalt an Nährstoffen der geschälten Eicheln beträgt 5% Prodeinstoffe, 68,8% stickstofffreie Extrakistoffe und 4,3, Fett. Der Unter⸗ schied zwischen den geschälten und ungeschälten Eicheln besteht vorzugsweise darin, daß letztere einen größeren Gehalt an Holzfaser und außerdem in den Schalen einen Bestandtheil enthalten, der dem Geschmacke mancher Thiere, vesonders dem Rindvieh, nicht zusagt. 100 Pfund un: geschälte Eicheln geben ungefähr 82 Pfund Kerne und 18 Pfund Schalen. Bei Verfülterung an Schafe(pro Stück ca. 2 Pfund täglich) hat man auf die Dauer die besten Erfolge erzielt; nur bei trächtigen Thieren hält man die ausgedehnte Anwendung der Eicheln, ihres hohen Gerbstoffgehaltes wegen, für unstatthaft. Dagegen em⸗ pfiehlt man sie um so mehr bei Großvieh und zwar nicht allein bei Rindvieh, sondern auch bei Pferden. Fohlen z. B., denen mehrere Monate hindurch unter anderem Futter größere Porttonen gestoßener Eicheln gereicht wur den, gediehen vortrefflich dabei. Daß sie für die Schweine ein äußerst schätzenswerthes Mastmatexrial bilden, ist eine schon längst bekannte und durch die Praxis oft bewiesene Thatsache. Einen ebenso hohen Werth sollen die Eicheln aber auch als Futter für das Federvieh besitzen. Wenn nun auch dieses Futtermittel nicht überall leicht zugäng⸗

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