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1874.

Dienstag den 21. Juli.

M 85.

berhessischer Anzeiger.

Die Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag

Amtlicher Theil.

Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Deutschen Reiches publieirt worden:

Nr. 20. Erlaß wegen Abänderung des Bezirksumfangs mehrerer Oberpostoirectionen, Seite 103. Bekanntmachung, betreffend die Geschäftsanweisung für die Ver⸗

waltung des Reichs⸗Invalidensonds, Seite 104. Nr. 21. Verordunng, betreffend die Cautionen

verschiedener Reichsbeamten, Seite 109.

Bekanntmachung, betreffend das Verbot des Umlaufs der niederländischen

Halbgulden⸗ und der österreichischen und ungarischen Viertelguldenstücke, Seite 111. Bekanntmachung, betreffend die Außercourssetzung der säddeutschen Zweiguldenstücke, Seite 111.

Betreffend: Die ärztliche Untersuchung der in den Vereinigten Staaten von Amerika, sowie in Rumänien

lebenden militärpflichtigen Deutischen.

Friedberg am 17. Juli 1874.

Der Civil-Vorsitzende der Großh. Kreis-Ersatz-Commission an die Großh. Bürgermeistereien.

Nach Mittheilung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 11. d. M. zur Nr. M. d. J. 7598 ist zufolge eines Beschlusses des Bundesraths vom 22. Juni l. J. dem Dr. Theodor Tellkampf in New-Nork sowie dem Dr. Glück in Bukarest die Befugniß ertheilt worden, denjenigen in den Vereinigten Staaten von Amerika, beziehungsweise in Rumänien wohnbaften Angehörigen des deutschen Reichs, welche wegen körperlicher Gebrechen ihre Entbindung von der Ableistung der Militärpflicht nachsuchen wollen, nach Maßgabe der für die militärärztlichen Atteste bestehenden Vorschriften gültige Zeugnisse über ihre Diensttauglichkeit auszustellen.

Ich setze Sie hiervon zu Ihrem Bemessen in etwa vorkommenden Fällen in Kenntniß.

N B. b. Haas, Kreis- Assessor.

Deutsches Reich. Friedberg. Darmstädter Blätter bringen die für uns Friedberger hochwillkomme Nachricht, daß S. K. H. der Großberzog nächsten Donners. tag den 23. Juli sich zu längerem Aufenthalt nach Friedberg begeben wird. Darmstadt. Von angeblich unterrichteter Seite wird mitgetheilt, daß sich die Reichsregier⸗ ung lebhaft für das Zustandekommen der Bahn von Offenbach nach Darmstadt interessirt, da die selbe im strategischen Interesse liege. Durch diese Bahn können nämlich die Pulver Transporte aus der Pulver⸗Fabrik bei Hanau direct, ohne Franksurt zu berühren, nach dem Schießplatz bei Griesheim und durch die Ried⸗Bahn weiter nach den west lichen Reichs Grenz-Festungen befördert werden. Berlin. DieNordd. Allg. Ztg. bestätigt, daß der Justizministet wegen strenger Ueberwachung der ultramontanen Presse ein Rundschreiben an die Staatsanwaltschaften erlassen habe; in dem selben sei ausdrücklich auf die Wahrnehmung Bezug genommen, daß gesetzwidrige Handlungen, selbst schwere Verbrechen wie das Kissinger Atten tat, auf den verderblichen Einfluß der ultramontanen Agitation, namentlich in der Presse, zurückzuführen seien. Dasselbe Blatt hört von entschiedenen Weis ungen, die auf Grund der stattgehabten Minister Berathungen betreffs der Handhabung der Vereins- polizei gegenüber den Katholiken Vereinen in den letzten Tagen ergangen seien.

Aachen. Die Heiligthums-Fahrt nimmt ihren ruhigen und ungestörten Fortgang. Nach einer oberflächlichen Zählung der Pilger, welche am Samstag Nachmittag von 18 Uhr ins Münster und an den Reliquien vorbeigezogen, betrug die Zahl derselben 23,000. Aus 25 Städten Rhein- lands und Westfahlens waren die Gesellenvereine hier eingekehrt, welche am Nachmittage in statt- lichem Zuge mit ihren zum Theil prächtigen Fahnen durch die Stadt zogen. An den Thoren der Stadt waren zur Zählung der Einkehrenden von den städtischen Behörden angestellte Männer anwesend. Mit Bezug darauf glaubt dieGer- mania nicht zu hoch zu greifen, wenn sie die an diesem Tage in Aachen anwesenden Fremden auf 50 60,000 schätzt.

Braunschweig. Nach einer amtlichen Ver oronung wird die Rechnung nach Reichsmark für das Herzogthum Braunschweig vom 1. Januar 1875 ab eingeführt.

Kissingen, 16. Juli. Der Attentäter

verlautet, nichts Neues.

Kullmann ist heute Nachmittag 2 Uhr von hier

Gefängniß eskortirt worden. Pfarrer Hauthaler wurde Abends gleichfalls dahin eiygeliefert.

17. Juli. Ueber das Befinden des Fürsten Bismarck wird gemeldet: Die Heilung der Ver letzung schreitet fort und ist die Bewegung des Handgelenks abermals freier. Seit gestern konnten die Eisumschläge weggelassen werden. Die an strengende mündliche unb schriftliche Beantwortung

der in großer Zahl eingehenden Theilnahms-Be

zeugungen ist dem Fürsten ärztlich verboten. zeugung 3

Das Gerücht von der bevorstehenden Abreise des Fürsten Bismarck ist unbegründet. Derselbe wird mit Beginn der nächsten Woche statt

der beabsichtigt gewesenen Reit-Touren größere

Spazierfahrten unternehmen.

Ueber den Verlauf der nun eingeleiteten gerichtlichen Untersuchung gegen den Attentäter Der inhaftirte Vicar Hauthalker stellt jede Mitschuld an dem Attentate entschieden in Abrede und behauptet, daß er, auf seiner jährlichen Ausflugsreise begriffen, einen Abstecher von Schweinfurt nach Kissingen machte, um den Fürsten Reichskanzler zu sehen. Wie dieWien. Pr. erfährt, wurden bei dem in haftirten Priester die namhafte Baarsumme von 5000 fl. und zwei Fläschchen mit einer eigen thümlich riechenden Flüssigkeit der Beschuldigte bezeichnet sie als geweihtes Margarethenöb gefunden. Die Flüssigkeit wurde einem Chemiker zur Untersuchung übergeben.

17. Juli. Fürst Biemarck fuhr in Be gleitung des gestern hier angekommenen preußischen Ministers des Innern, Grafen Eulenburg, zum Bade auf die Saline und wurde von allen Seiten enthustastisch begrüßt.

Schweinfurt, 18. Juli. Das hiesige Tageblatt meldet, daß der von Kissingen in das Schweinfurter Bezirksgefängniß eingelieferte Pfarrer Hauthaler gestern Vormittag bereits wieder als völlig undetheiligt an dem Attentate gegen den Fürsten Bismarck freigelassen worden ist.

Stuttgart, 17. Juli. Gestern Abend konstituirte sich hier ein Verein für Leichen-Ver brennung mit mehr als 300 Mitgliedern, worunter viele Familien-Väter, unter dem Vorsitz des Ree tors des Polytechnikums, Professors Zech,

Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 15. Juli. Kaiser Franz Joseph soll, wie Privatbriese aus Ischl melden, die Nachricht vom Attentat gegen

nach Schweinfurt in das dortige Bezirksgerichts- Fürst Bismarck mit besonderer Theilnahme aufge-

nommen und noch vor seiner Ankunft in Wien ein directes Glückwunsch⸗Telegramm an den Kanzler nach Kissingen gerichtet haben.

Ischl, 16. Juli. Fürst Milan von Serbien hat beute Vormittag dem Kaiser Franz Joseph einen Besuch abgestattet. Morgen Vormittag reist der Fürst nach Salzburg ab.

Bad⸗Gastein, 16. Juli. Kaiser Wilhelm ist im besten Wohlsein heute Abend Uhr hier angekommen, von den Honoratioren und den zahl reich versammelten Kurgästen mit lebhaften Zurufen empfangen. Der Kaiser begrüßte im Salon die aufwartenden Behörden und angesebenen Kurgäste.

Carlowitz, 16. Juli. Der serbische Kirchen- Congreß wählte den Bischof von Ofen, Stoikowies, mit 63 Stimmen zum Patriarchen. Sieben ent hielten sich der Abstimmung. Die Sitzung wurde bis zur Entscheidung des Kaisers vertagt.

Frankreich. Paris. DieAgence Havas bestätigt, daß Fourtou in Folge der Meinungs- Verschiedenheiten innerhalb des Cabinets seine Demission gegeben habe; man hoffe indessen, daß derselbe sein Vorhaben nicht vor der Discussion am Montag ausführen werde.

18. Juli. DieAgence Havas meldet: Gerüchtweise verlautet, daß alle Minister ihre Demission gegeben haben. Es wird versichert, der Herzog v. Broglie sei mit der Bildung eines neuen Cabinets betraut. Andererseits sagt man, der Herzog v. Broglie habe die Neubildung des Cabinets zurückgewiesen, und wäre der Herzog v. Decazes damit beauftragt. In parlamentarischen Kreisen heißt es, daß Matthieu Bodet zum Finanz- minister ernannt sei. Wahrscheinlich wird der Antrag auf Vertagung der Discussion über die constitutionellen Vorlagen bis zum Winter einge- bracht werden.

Versailles, 15. Juli. Nationalversamm⸗ lung. Das Amendement Wolowski wird mit 338 gegen 325 Stimmen angenommen. Collin be antragt, daß jede Bestimmung, welche die Dauer der Amtsgewalt Mac-Mahon's in Frage stellen würde bei den Berathungen über den Entwurf der constitutionellen Commission ausgeschlossen werde. Die Dringlichkeit bierfür wird abgelehnt. Auf der Tagesordnung für die Sitzung am Montag steht die Diecussion über den Antrag Perier.

Holland. Haag. Hcemskerk, Mitglied des Staatsrathes, ist vom König mit der Bildung eines neuen Cabinete beauftragt worden.

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