mit einem Anhänger der freisinnigen Richtung zu besetzen. Die dafür in Aussicht genommen: Per sönlichkeit, Dekan Schellenderg in Lörrach— ein Bruder des rühmlichst bekannten kürzlich verstor⸗ benen Dekans in Mannheim— hat auf dringen⸗ des Zureden angenommen und wird ohne Zweifel bald vom Großherzog ernannt werden.
Metz, 16. Jan. In der heutigen Sitzung des Bezirkstages haben fünf weitere Mitglieder den Eid in die Hand des Bezirks-Präfidenten abgelegt. Die Zahl der vereidigten Mitglieder des Bezirkstages beträgt jetzt 23.
Ausland.
Schweiz. Bern, 15. Jan. Trotz der in Bonsol befindlichen zwei Scharfschützen⸗Compagnien sind neue Ruhestörungen vorgekommen. Man er- wartet jetzt ein ernstliches Einschreiten.
— 16. Jan. Der Bundesrath hat heute beschlossen, den Protest der schweizerischen Bischöfe gegen die Aufhebung der Nantiatur ad acta zu legen,
5 Frankreich. Paris. Officibs wird er⸗ klärt:„Noch immer sind über unsere auswärtigen Beziehungen die unwahrscheinlichsten Gerüchte im Umlauf. Wir können in dieser Hinsicht nur wiederholen, daß die auswärtige Politik der Re— gierung ausschließlich eine Politik des Friedens ist. Die Regierung weiß, daß das Land den Frieden will und seiner bedarf; man kann also sicher sein, daß die Regierung nichts thun wird, wodurch dieser Friede, den sie aufrechterhalten will, und schlechterdings aufrechterhalten muß, in Frage gestellt werden könnte. Es ist dies die Meinung des ganzen Cabinets.“
— Der„Assemblée nationale“ zufolge hat der Commandant des Evolutions-Geschwaders von Toulon Befehl erhalten, die Panzer- Corvetten „Reine Blanche“ und„Jeanne d' Are“ und die Aviso-Dampfer„Vigie“ und„Tanger“ nach den spanischen Gewässern abgehen zu lassen.
Versailles, 15. Jan. Die Nationalver- sammlung discutirte das Amendement Millaud, nach welchem die Maires in allen Gemeinden durch die Municipalräthe ernannt werden sollen. Das Amendement wird verworfen.
— 16. Jan. Die Nationalversammlung setzte heute die Discussion des Maires-Gesetzes fort und genehmigte den Artikel 1 desselben, welcher das Recht, die Maires zu ernennen, der Centralbehörde verleiht. Verschiedene Amendements wurden ver- worfen.
— 17. Jan. Nationalversammlung. Ducarre von der Linken beantragt ein Amendement, nach welchem die Regierung gehalten sein soll, die Maires ans den Municipalräthen zu wählen. Broglie bekämpft das Amendement, indem er aus führt, daß der Regierung das Recht zustehen müsse, die Maires auch außerhalb der Municilparäthe zu wählen. Das Amendement wird mit 343 gegen 329 verworfen.(Erregung.) Feray vom linken Centrum schlägt ein Amendement vor, nach welchem die Maires nur in den Gemeinden unter 3000 Einwohner ausschließlich aus den Munipal- räthen genommen werden sollen. Nachdem zwei Abstimmungen zweifelhaft geblieben, wird in der dritten die Inbetrachtnahme des Amendements mit 341 gegen 336 abgelehnt.(Lebhafte Erregung.) Die Sitzung wird aufgehoben.
Marseille. Hier sind siebzehn Individuen unter der Anschuldigung verhoftet worden, an der Plünderung des erzbischöflichen Palastes von Autun während des Kriegs von 1870 Theil genommen zu haben. Bei einem der Verhafteten ist die Uhr des Bischofs gefunden worden.
Holland. Amsterdam, 16. Januar. Die äußeren Befestigungen des Kraton sind, wie dem hiesigen„Neuter'schen Bureau“ unterm heutigen Tage aus Penang gemeldet wird, von den Hol— ländern genommen worden. Die bisher noch be— standene Verbindung der Atchinesen mit den inneren Festungswerken des Kraton ist abgeschnitten. Die Verluste der Holländer sind noch nicht bekannt
Spanien. Madrid, 15. Jan. Die In- surgenten-Fübhrer Contreras, Salvez, Ferrey, die ganze Junta und zahlreiche Flüchtlinge sind in
Oran auf dem Dampfer„Ardeche“ nach Algier eingeschifft. Die Fregatte„Numancia“ ist von den französischen Behörden dem Admiral Chicarro ausgeliefert worden. Viele Flüchtlinge sind noch in den Militär ⸗Casernen und den Hospitälern internirt.
— 16. Jan. In Barcelona ist die Ruhe vollständig wiederhergestellt. Der Oberst Martinez ist gegen die Carlisten, welche Calellas besetzt haben, mit 4 Bataillonen und Artillerie aufgebrochen.
— 16. Januar. Die französische Panzer- Fregatte„Savoie“ hat in Mers el Kebir Station genommen. Das Transportschiff„Ardeche“, welches Morgens zur Ueberführung der Flüchtlinge nach dem Fort Arzew, nicht, wie gemeldet, nach Algier, abgesegelt war, ist nach Mers el Kebir zurückge— kehrt und hat Contreras und seinen General- stabschef Ferrey zurückgebracht, die im Residenz— schlosse des Divisionsgenerals von Oran internirt werden sollen. Der Sohn Galvez', Constantini, welcher schwer verwundet ist, hat im Militärhos- pital zu Oran Aufnahme gefunden. Galvez wird im Fort Saint Gregoire internirt. Die„Numan- cia“ wird morgen an den Admiral Chicarro aus- geliefert, falls nicht ein Gegenbefehl eintrifft. Die Galeeren Sträflinge werden an die spanische Regierung ausgeliefert werden.
Italien. Rom, 15. Jan. Das Gerücht über die gefährliche Erkrankung des Cardinals Antonelli ist als unbegründet zu bezeichnen. Car- dinal Antonelli leidet schon länger an Gicht— schmerzen, der Zustand ist aber keineswegs besorg⸗ nißerregend. Morgen findet ein Consistorium statt.
— 16. Januar. Der Artikel der Nordd. Allg. Ztg., betreffend den Einfluß und die Stellung Frankreichs zum Ultramontamismus mit Bezug auf die ferneren Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich hat in klerikalen Kreisen tiefen Ein- druck hervorgebracht. Der Osservatore Romano veröffentlicht demgemäß eine inspirirte Note, in welcher Preußen beschuldigt wird, den Handschuh zum Kampf auf Leben und Tod hinzuwerfen, und hofft, daß Frankreich nicht aufhören werde, seine Pflicht als älteste Tochter der Kirche und Be— schützerin des Papstes zu thun.
Rußland. Petersburg. Von hier wird der„Bohemia“ von den letzten Anstrengungen der moskowitischen Partei berichtet, um den Fürsten Gortschakoff noch vor der Ankunft des Kaisers von Oesterreich zu stürzen. Ich gebe Ihnen diese Nachricht, wie sie von dem officiösen Prager Blatt gebracht wird, ohne einen Comentar daran zu knüpfen.
Amerika. Rio de Janeiro. Die sud⸗ amerikanische Post bringt nach London die Nach— richt, daß am 2. d. der gegen die Staatsgesetze sich anflehnende Bischof von Pernambuco verhastet worden ist. Am 27. December ist die telegra⸗ phische Verbindung zwischen Rio de Janeiro, Bahia, Pernambutco und Para eröffnet worden.
Buenos Ayres. Von hier wird vom 16. Dec. gemeldet, daß Lopez Jordan vollständig geschlagen und der Bürgerkrieg in Entre Rivs beendigt ist.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 17. Jan. Seit September vor. Jahres besteht auch dahier ein Kaufmännischer Verein, und hielt derselbe gestern Abend im Saale des Promenadehauses zum Gedächtniß der Wiedererrichtung des Deutschen Reiches eine kleine Gedenkfeier ab. Zwei mit außerordentlichem Fleiße und gutem Gedanken ausgearbeitete Vorträge der Herren Emil Schmall und Edmund Wetter über die Ent— wicklung des deutschen Nationalbewußiseins und die Ent stehung des Deuischen Reiches fessellen die Aufmerksamkeit der Zuhörer in hohem Grade. Zwischen Reden, Vorträgen ernsten und humoristischen Inhalts, sowie Vorträgen des hiesigen Zitherclubs verschwanden den Festiheilnehmern rasch und angenehm die Abendstunden. Wir wünschen dem jungen Verein, welcher Bildung und Fleiß als Fundamentalgrundsätze aufgestellt hat, alles Wohlgedeihen, damit die ihm angehörenden jungen Leute als tüchtige Männer, geschult an Körper und Geist ihrem spälerem Berufe auch als tüchtige Geschäftsleute vorstehen können. Sehr zu wünschen wäre es, wenn von Seiten der Prin— cipale dem Vereine etwas mehr Ausmerksamkeit geschenkt würde, denn nichts kann doch einem Principal erwünsch ler sein, wenn er Arbeiter in seinem Geschäfte hat, die, anstati im Bierhause herumzulungern und allerhand Allotria zu treiben, hübsch in einer Gesellschaft sind, wo es ihnen möglich gemacht wird, durch Lesen und Anhören von Vorträgen ihren Geist heranzubilden.
Offenbach. Schon geraume Zeit kamen hier und in Frankfurt verschiedene Diebstähle mittelst Einschleichens in Geräth⸗, Magd⸗ oder Bobenkammern vor, welche, man sollte glauben, Local-Kenntniß in jedem Hause voraus⸗ setzten. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß bei den Bestohlenen Verdacht gegen bestimmte Personen erweckt wurde, ber aber glücklicherweise durch die elfrigsten Be⸗ mühungen unserer Polizei beseitigt wurde. Es gelang dieser nämlich, die Diebin in der Person einer arbelts⸗ scheuen Fabrik⸗ Arbeiterin aus dem Bayerischen zu ent⸗ decken und dieselbe hinter Schloß und Riegel zu bringen. Bei einer in deren Logis vorgenommenen Visitation wurden eine Menge gestohlener Kleider vorgefunden und in Beschlag genommen. Hier soll dieselbe eiwa 8—10 Diebstähle be⸗ gangen und bereits eingestanden haben.—
Allerlei.
Ems, 12. Jan. Soeben durchläuft eine Schreckens⸗ kunde die Stadt: Ein hiesiger Einwohner ist mit einer Dame auf der Lahn eingebrochen und ertrunken. Derselbe hatte ungefährdet vom jenseitigen linken Ufer mit einer Dame, die hier zum Besuche weilt, die Eisdecke pasfürt und wollte nach Beaufsichtigung der Eisarbeiter wieder ebenso hinüber, als die Dame an seinem Arme einbrach und ihn mit sich hinabzog. Schon hatte man durch die Eisarbeiten für die Keller Hacken und Stangen zur Hand und die Unglücklichen erreicht, als von den Arbeitern mehr als ein halbes Dutzend nachkollerte und sie wegen eigener Lebensgefahr alle Beihülse aufgeben mußten. Ein jäher Schrei der Armen, und als die tief eingesunkenen Arbeiter noch im Wasser mit der Lebensgefahr ringend, sich um⸗ sahen, waren K. und die Dame verschwunden. Soeben hat man die Leichen den tief getroffenen Angehörigen gebracht.
Berlin. Im zoologischen Garten sind in Folge des
Genusses von Fleisch eines rotzkranken Pferdes mehrere
Raubthiere erkrankt und bereits drei Löwen und ein Tiger verendet.
Bremen. Die„Deutsche Auswanderer⸗Zeitung bringt in ihrer letzten Nummer einen Hülferuf für die durch furchtbare Ueberschwemmungen in Brasilien(in den Colonien von San Leopoldo, in der Provinz Rio Grande do Sul) hart betroffenen deutschen Colonisten-Familien und dortigen Landbewohner. Die verheerende Gewalt der Fluthen hat nach den erwähnten Miitheilungen Alles zer⸗ stört, was Fleiß und Strebsamkeit der Leute sich erworben und geordnet. Die Häuser sind weg gerissen, die grünen Saaten in Sand und Schlamm begraben, das Vieh er⸗ trunken und von den Fluthen fortgeführt, Mühlen, Bren- nereien, Ziegeleien— Alles liegt in Ruinen. Viele Menschen verunglückten bei dem Uebersetzen über die zu reißenden Strömen angeschwollenen Bäche und Flüsse, und in Porto Alegre, der Hauptstadt von Rio Grande do Sul, mußten alle Schiffe und Dampfer, welche man zut Verfügung hatte, im Hafen und an den Ufern des Guahyba kreuzen, um Menschen, welche sich auf Kähne, Breiier, Bäume und Dächer geflüchtet, zu retten. Unter den so hart Geprüften befinden sich Tausende unserer Landsleute, an deren Wohlthätigkeitssinn in den Kriegsjahren 1864, 1866, 1870%71 nicht vergeblich appellirt wurde; ebenso spendeten die deutschen Colonisten von Porto Alegre reich⸗ lich, als der Nothruf von den Ueberschwemmten an der Ostsee erscholl. In Bremen hat sich deshalb ein Comite gebildet, das sich die Aufgabe gestellt, Gaben für die Ueber⸗ schwemmten entgegen zu nehmen und an Ott und Stelle zu befördern. An der Spitze desselben steht Hr. J. A. Albers, Langenstraße 44.
Verloosungen.
4proc. vormals Nassauisches Staatsan- lehen. Wiesbaden, 12. Dec. 1873. Zur Rückzahlung auf den 1. April 1874. Lit. N. à fl. 100. Nr. 457 1076 1086 1096 1300 1390 2099 2358 2805 2815 2825 2958 2968 2978 3314 3337 4294 4330 4451 4461 4491 4501 4511 5009 5019 5127. Lit. O. à fl. 200. Nr. 512 642 789 794 1021 1052 1465 1514. Lit. P. à fl. 500. Nr. 691 701 1509 1623 1759 1769 1779 2140 2150 2160 2210 2743 3400 3410 3530 3540 3550 3849 3905 4281 4370 4728 5640 3650 6058 6068 6159 6370 6380 6773 6784 7186 7544 7554. Lit. Q. à fl. 1000. Nr. 95 105 1307 1367 1936 1966 2071 2200. Zur Rückzahlung auf den 1. October 1874. Lit. N. à fl. 100. 193 203 328 338 348 1126 1349 2124 2134 2280 2400 2686 2696 3030 3268 3957 3967 3977 3987 3997 4576 5228 5420 5678. Lit. O. à fl. 200. Nr. 117 470 595 675 999 Lit. P. à fl. 500. Nr. 855 865 1197 1499 1684 2303 2313 2572 2583 2593 2630 3958 3968 3978 4001 4519 4529 4614 4624 5114 5124 5134 6474 6787 7284 7374 7384 7394 7404 7530 7540 7560 Lit. Q. à fl. 1000. Nr. 445 455 616 638 648 658 772 960 1182 1202.
Petersburg, Prämien⸗Ziehung
14. Januar. Bei der heutigen
der russischen Prämien-Anleihe von
1846 fielen: 200,000 Rubel auf Nr. 29 Serie 1643;
75.000 Rubel auf Nr. 24 S. 2440; 40,000 Rubel auf Nr. 6 S. 6257; 25,000 Rubel auf Nr. 28 S. 3491; je 10,000 Ruvel auf Nr. 24 S. 10575, Nr. 27 S. 3425 und Nr. 38 S. 742; je 8000 Rubel auf Nr. 11 S. 16027, Nr. 28 S. 8457, Nr. 2 S. 5361, Nr. 34 S. 6556 und Nr. 24 S. 17287; je 5000 Rubel auf Nr. 28 S. 3602, Nr. 32 S. 6355, Nr. 43 S. 18086, Nr. 25 S. 19289, Nr. 39 S. 11194, Nr. 24 S. 2638, Nr. 48 S. 13084 und Nr. 3 S. 6924.
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