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Bankausweis veranlaßt die Nichteinberufung der Kammer. Die Monarchisten machen die größten Anstrengungen um noch weitere fünf Stimmen. — Der Finanzminister beabsichtigt zur Deckung des Defitits von 150 Millionen keine neuen Steuern, aber eine proportionelle Erhöhung sämmtlicher Steuern vorzuschlagen. Am Tage vor dem Zu-
sammentritt der Kammer wird der Minister den
Generalbericht über die finanzielle Situation ver⸗ öffentlichen.
— Das„Mémorial diplom.“ erfährt aus guter Quelle, daß Graf Chambord die großen europäischen Cabinete benachrichtigt, er habe im Falle seiner Thronbesteigung nicht die Absicht, die Politik der großen Mächte oder den Status quo der territorialen Verhältnisse Europas zu stören. Graf Chambord denke weder mehr an eine Wieder⸗ herstellung der weltlichen Macht des Papstes, noch an Restauration in Italien oder Spanien; er protestire entschieden gegen derartige Anschläge, die man ihm beimesse.
— Eine am 25. October stattgehabte Ver- sammlung bonapartistischer Deputirter beschloß, formellen Protest gegen die Restauration der Monarchie einzulegen. Es wurde eine Commission zur Aufnahme des Sitzungs⸗ Protokolls gewählt. Wie es heißt, waren bereits 25 Beitritts-Erklär⸗ ungen erfolgt, doch werden die Listen nicht ver⸗ öffentlicht.
Trianon. In dem Prozeß Bazaine wurden am 24. d. mehrere Zeugen verhört. Sonst ereig⸗ nete sich kein Zwischenfall.
Belgien. Brüssel. Aus Paris ersahren wir, daß der Kriegsminisler die militärische Be— setzung des ehemaligen Palais Bourbon angeordnet hat, unter dem Vorgeben der Befürchtung, die Linke könnte den Versuch machen, in Paris eine Constituante zu bilden.
— Dem„Moniteur belge“ zufolge ist das Entlassungsgesuch des Arbeitsministers Moncheur angenommen und Advocat Becmaert zu dessen Nachfolger ernanut worden.
— Man schreibt der„Indépendance“ aus Paris: Sämmtliche Fractionen der Linken haben dem linken Centrum die Führerschaft zuerkannt. Dieses hält eine republikanische Regierung für den Fall des Rücktritts Mac Mahon's in Bereitschaft. Die Royalisten haben Rampont eine Pairie ange boten; vieselbe ward jedoch mit Entrüstung zurück⸗ gewiesen. Anderen Centrums- Mitgliedern ward Geld angeboten.
Großbritannien. London. Der Secretär bei der großbritannischen Botschaft in Wien, Ford, ist zum Geschäftsträger für Baden und Darmstadt ernannt worden.
Italien. Rom. Die Kirchenjunta hat den österreichischen Gesandten Grafen Wimpfen aufge⸗ fordert, von der Bibliothek des Jesuitenklosters, welche ursprünglich don einer sächsischen Prinzessin mit der Verpflichtung des Rückfalls an den Kaiser von Oesterreich den Jesuiten übergeben worden war, Besitz zu ergreifen.— Der Gesandte Bra— stliens, Penedo, ist beauftragt, mit dem Papste über die in Brasilien schwebende Kirchenfrage zu verhandeln.— Entgegenstehenden Journal-Mel— dungen gegenüber wird versichert, daß die Ge⸗ sandten von Großbritannien und Amerika keinerlei Protest gegen die stattgefundene Besetzung von Klöstern erhoben haben.
Amerika. Newyork. Es wird versichert, der Schatzsecretär Richardson habe die Einführung eines Münzsystemz nach dem Silberfuße vorge⸗ schlagen und werde mit diesem System in nächster Woche anfangen.
Aus Stadt und Land.
5 Schotten. Sountag den 12. October hielt der Zweigverein des Gustav⸗Adolph⸗Vereins des Bezirks Schotten seine diesjährige Jahresversammlung in der srtundlichen, neulich restautirten Kirche zu Eichselsachsen. Den Allardienst versah der Ortsgeistliche. Die Predigt hielt Herr Pfarrer Scriba von Burkhards. Nach der Predigt trat Herr Decan Kullmann vor den Altar und verlas den Jahresbericht über die Wirksamkeit des Vereins im Jahre 1872 mit einem Rückblick auf frühere Jahre und die gesammten Leistungen des Vereins seit seinem Bestehen. Der Seerelär unseres Zweigvereins, Herr Pfr. Schaub, war leider verhindert, an der Versammlung Theil
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118 nehmen, und den von ihm erstatteten Bericht zu ver⸗ lesen.
Wir entnahmen aus demselben, daß zwar die Mittel des Vereins fortwährend steigen, daß aber auch die Hülferuse von allen Seiten sich mehren, und die Ansprüche an den Verein in stetigem Wachsen begriffen sind. Am Schlusse des Gotiesdienstes wurde eine Beckencollecte an den Kirchenthüren erhoben, welche die Summe von 15 fl. 12 kr. ergab und der Gemeinde Herbstein als Liebesgabe bestimmt wurde. 155
Darmstadt. Der hiesigen Polizei ist es gelungen, den Spitzbuben, welcher vor einigen Monaten mit so großer Frechheit in das Schlafzimmer eines in der Casino— straße wehnenden Bankiers einstieg und daselbst eine goldene Uhr nebst Kette entwendete, in der Person eines hier in Arbeit stehenden Schuhmachergesellen zu ermitteln und in Haft zu bringen. Die gestohlenen Gegenstände waren schon bald nach Verübung des Diebstahls wieder beigebracht worden.
Darmstadt. Dem Vernehmen nach ist Lieutenant Zahn, welcher s. Z. in Goddelau 4 Dragoner an Bäume binden ließ, welche Strafe damals allgemeinen Unwillen erregte, zu mehrwöchentlicher Festungshast verurtheilt worden. Das Urtheil bedarf indessen noch der Bestätigung des Kaisers. 0
Darmstadt. In unserer Zeit, in welcher alle ihre Ansprüche steigern, darf es uns nicht wundern, wenn dieses auch Seilens der Bettler geschieht. Aeußerungen der Unzufriedenheit mit dem Empfangenen sind nicht selten und haben wir einen nicht uninteressanten Fall dieser Art hier zu erwähnen. In dem Weinlokal zur„Bockshaut! erschien kürzlich ein Individuum, das angeblich mit der fallenden Krankheit behaftet war und bettelte an mehreren Tischen. Als ihm einer der Anwesenden einen Kreuzer gab, besah er ihn mehrmals mit verdrießlichem Gesicht und gab ihn dann dem, der ihn beschenken wollte, mit den Worten zurück:„Geben Sie mir doch einen Sechser dafür, die anderen Herrn haben mir auch jeder einen Sechser gegeben.“
Eberstadt. Die Mitglieder der Decauatssynode Eber— stadt haben, am 23. d. M., in überwiegender Mehrheit nicht amtlich versammelt, gegen 2 Stimmenthaltungen ein stimmig erklärt, daß der von der Landessynode beschlossene Kirchenverfassungsentwurs das Recht der Gemeinden auf ihr Bekenntniß in keiner Weise beeinträchtigt.
Gimbsheim. Dieser Tage kam ein Knabe von 14 Jahren auf eine auffallende Art um sein Leben. Der⸗ selbe ging vom Kartoffel-Aus machen nach Hause, steckte den Hackenstiel in das weitgebundene Halstuch, um die Hacke dann auf den Rücken zu hängen. Damit dieselbe fester hänge, drehte er den Stiel um und angenblicklich fiel er nieder und war iodt. Sein Vater ging ungefähr 10 Schritte vor ihm her, merkte aber nicht das Geringste davon.
Mainz. Die Geschichte des kürzlich bei Schierstein geschossenen Seebunds ißt aufgeklärt. Derselbe gehörte einem Mainzer Menageriebesitzer, der das Thier nach Auf⸗ gabe seiner Menagerie nicht im Hause behalten und auch nicht lödten wollte; er hat daher am Samstag Abend den Seehund in Mainz beim Fischerthor in den Rhein geworfen.
Mainz. Die Affaire Wallot ist in ein neues Stadium getreten. Mit den letzten 8 Tagen hat sich das Fräulein Wallot aus ihrer Wohnung in Oppenheim entfernt, ohne daß irgend Jemand ihren Aufenthalt kannte; am 22. Oct. nun traf ein Telegramm von Edinburg ein, wonach sie in körperlich und geistig sehr heruntergekommenen Zu⸗ stande dort in den Straßen aufgegriffen wurde. Durch den deutschen Consul wurde ihre Identität constatirt, und sie nach ärztlicher Untersuchung sofort in eine Irrenanstalt gebracht bis zu ihrer Verbringung nach Deutschland. Fräu⸗ lein Wallot war bekanutlich von ihren Verwandten gegen ihren Willen in eine Irrenanstalt verbracht worden, wo— gegen der Staatsanwalt einschritt, da es überhaupt zweifel⸗ haft sei, ob Fräulein W. geisteskrank wäre.
Worms. Der Stadtiath hat in seiner Sitzung vom 23. Oct. beschlossen, daß das hier bestehende Pfand— haus-⸗Instaut am 1. Dec. l. J. geschlossen und aufgehoben werden soll.
Allerlei.
Frankfurt. An der neuen Brücke stellten 15 Mann ihre Arbeit ein und gingen fort.“ Der Grund war nicht eine Forderung um Lohnerhöhung, sondern weil ihnen die Zumuthung gestellt wurde, Nieten, welche sie schief eingeschlagen, wieder herauszumachen. Lieber verließen sie die Arbeit, als daß sie, wie es Pflicht gewesen, das⸗ jenige, was sie verdorben, wieder in Ordnung brachten. Ein Zeichen der Zeit.
Frankfurt. Ein Metzgerbursche wurde von seinem Meister zum Inkasso zweier über fl. 500 betragenden Rechnungen zu Kunden geschickt. Derselbe entledigte sich seines Auftrags ganz pünkilich, ist aber bis zur Stunde noch nicht zu seinem Meister zurückgekehrt.
Kassel. Der„Frankf. Ztg.“ schreibt man: Die Hausfrauen der Siadt Kassel sind auf ein probates Mittel verfallen, um der enormen Preissteigerung für Bukter, Eier, Geflügel ꝛc. ein kategorisches Halt zuzurufen. In einer abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, die zu Markte gebrachten Victualien nur bis zu einem gewissen Maximalsatze zu bezahlen. Zuwiderhandelnde werden mit der Strafe der Infamie belegt.
Koburg Die Koburger Regierung fordert wieder— holt zum rechtzeitigen Umtausch der auf Grund des Ge⸗ setzes vom 22. Januar 1849 ausgegebenen Koburger Kassen⸗Anweisungen gegen dergleichen neue auf, welche nach Maßgabe des Gesetzes vom 30. Juni 1870 herge⸗
Personenzug bei der Einfahrt in den Thüringer Bahnhof auf einen dort baltenden Güterzug. Ein Bremser blieb auf der Stelle todt, der Locomotivfübrer wurde erheblich verwundet, einzelne Passagiere contusionirt. Locomotive, Tender und einige Güterwagen wurden zertrü t.
Hamburg. Das Dampfschiff Goethe, Capitän J. A. Wilson, von der Adler⸗Linie, am 14. Oktober vi Newyork abgegangen, ißt nach einer Reise von 9 Tage 8 Stunden am 24. Oktober, 9 Uhr orgens, in Plymt 0 angekommen, und hat nach Landung der Verei ten⸗ Post und der füc England bestimmten Passagiere die Reise via Cherbourg nach Hamburg sortgesetzt. Dasselbe über⸗ bringt 69 Passagiere und volle Ladung.
München. Nordendballe ein 14 Jahre alter Junge, welcher vor einiger Zeit seinem Lehrmeister entlausen, ausgerüstet mit Doppelpistole, Munition, einem sog. Räuber buche und einem Buche über Garibaldi, von der Gendarmerie ge— troffen und arrettirt; über den Zweck dieser Ausrüstung befragt, machte der kleine Rinaldo kein Hehl daraus, daß er beabsichligte, im Verein mit zwei Altersgenossen die „heimkehrenden Bauern zu erschrecken und ihnen das Geld abzunehmen.“ 0 Wien. Eine nicht üble Anekdote erzählt„Uestökös“ vom Grafen Emanuel Andrassy. Als der Graf aus dem süd lichen Asien zurückgekehrt war und seine Freunde ihn zu einer Jagd einluden, sagte er:„Bah, meine Freunde, ich bin jetzt so gewohnt, auf Tiger zu jagen, daß eine Jagd, die nicht lebensgefährlich, kein Inseresse mehr für mich hat.“„Nun dann kannst Du geirost mit mir kommen,“ versetzte einer der Jäger,„denn ich habe gestern erst auf der Jagd meinen Schwager angeschossen.“
Bukarest. Hier sand am 12. Oct. in der Wagen⸗ remise einer Kaserne eine Explosion statt. In der Remise standen mehrere Kanonen mit gefüllten Munitionskarren, und einer fing durch die weggeworfene Cigarre eines Sol- daten Feuer. Die Remise flog in die Luft, fünf Soldaten blieben augenblicklich todt und zwei wurden schwer verwundet.
Newyork. Brigham Joung, der Mormonen⸗Prophet, welcher sich im April c. von der Leitung der finanziellen Angelegenheiten der Heiligen vom jüngsten Tage wegen Altersschwäche zurückgezogen, hat dieselbe wieder über⸗ nommen. Es scheint, daß sein Nachfolger H. S. Eldridge die Angelegenheiten der„Zion Cooperative Mercantile Instilution“ nicht zur Zufriedenheit des Propheten geleitet bat, und daß es dieser daher für nothwendig findet, di Leitung wieder zu übernehmen.
Ausstellung Wetterauer Industrie⸗ Erzeugnisse zu Friedberg.
Die Ausführung dieses Unternehmens bis 1875 zu verschieben, war das Ansinnen gestellt worden, in einer Weise und aus Gründen, die dem Cuvmits nicht gleichgiltig sein durften. Also mußten Verhandlungen stattfinden. Am 24. d. M. hat indessen das Comité beschlossen, die Aus- stellung jedenfalls im Sommer 1874 vorzunehmen und Alles, was damit zusammenhängt, energisch zu betreiben. Diese Entschließung ist erfreulich und wird gute Früchte tragen; denn„dem Muthigen gehört die Welt“ d. h. Energie und Beharrlich⸗ keit bringen mehr fertig, als die Zaghaftigkeit. Wer letzterer ergeben, der kommt immer zu spät oder zu kurz. Eingedenk dieser Wahrheit, wird das Ausstellungs⸗Comité seine Aufgabe in der aller⸗ ernstesten Weise und ohne Säumen betreiben, Noch im Laufe dieser Woche soll die Ver— öffentlichung des Ausstellungsprogramms geschehen. Hernach haben sich die Aussteller zu melden und, was die Hauptsache ist, seiner Zeit sehens- und empfehlenswerthe Waaren zur Ausstellung zu bringen, damit diese ihren Zweck erfüllt: Wir wollen zeigen und beweisen, was die Wetterauer Industrie leisten kann. In diesem guten Sinne mögen die Wetterauer Handwerker einmal herz- haft Reclame machen. Eine jede Industrie ist immer nue das, was ste selbst aus sich macht. In der Vereinigung läßt sich dabet aber ohne Zweifel mehr erreichen, als im Einzelnen 5in der Zersplitterung. Aus der Wekterauer Industrie kann noch Einiges gemacht werden; denn obgleich in den letzten Jahren ein merklicher Fortschritt bereits eingetreten, so läßt sich doch noch Vieles viel besser machen. Hierzu soll unsere Ausstellung anregen und aufmuntern. Die hiesigen Hand⸗ werker erkennen bereits diese wichtige Aufgabe unseres Unternehmens. Das Verstehen einer Aufgabe ist der Anfang ihrer Lösung. So möge es auch hier und die Wirkung davon die sein, daß das hier und da noch schwankende Ver- trauen befestigt werde. Nichts mehr als diefes Hünscht man auch in den Kreisen der Consumenten.
stellt worden sind. Diese Scheine werden mit dem 1. Juli 1874 völlig werthlos.
Leipzig. Am 24. October Abends e stieß ein
Am 22. Oct. wurde in ber Nähe der
Aus denselben erklärte jüngst erst ein Mann, der Herz und Sinn für ein gesundes, reges volks⸗
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