pe st. Das„Amtsblatt“ gibt einen Ausweis über die Finanzlage des Jahres 1872. demselben stellen sich die Staatseinnahmen gegen den Voranschlag um 7,701,999 fl. ungünstiger, pie Staatsausgaben um 30,427,834 fl. günstiger. Im ersten Quartal 1873 sind die Staatseinnahmen um 4,376,268 fl. geringer als die präliminirten, die Staatsausgaben gegen den Voranschlag um 5,952,032 fl. günstiger.
— Dem„Pester Lloyd“ wird aus Petersburg telegraphirt, Bismarck und Gortschakoff haben am 5. d. mit dem österreichisch-ungarischen Gesandten conferirt, welcher hierauf einen Kourier nach Wien abfertigte. Gortschakoff und seine Kanzlei wird den Czar nach Wien begleiten. 85
Frankreich. Paris. Thiers soll seine Reise ganz aufgegeben haben. Es heißt, daß ihm
jetzt die Bereilung der Gesetzesvorlagen keine Zeit
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lasse, nach Anzin und Lille zu gehen; aber der Ausflug liegt bei günstiger Witterung und nach den Wahlen des 11. Mai trotzdem noch im Be⸗ reich der Möglichkeit.— Die ruhige Haltung der Majorität, außerhalb der Presse, gibt den Repu⸗ blikanern zu bedenken. Buffet scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Es soll vor Eröffnung der Sitzungen am 19. d. durchaus nichts unter⸗ nommen werden. Die Monarchisten wollen unter keinen Umständen durch ein übereiltes Vorgehen ihrerseits Thiers die Veranlassung bieten, vor Ein- tritt der Kammer irgend einen entscheidenden Schritt zu thun. Ihre Thätigkeit soll sich aber sofort, gleich am ersten Tage, entwickeln. Für den mög⸗ lichen Fall eines offenen Bruchs mit dem Präsidenten sei schon die militärische Persönlichkeit gefunden, die unter der Leitung des Herzogs v. Aumale den Uebergang zur Monarchie erleichtern sollte.
—„La Presse“ glaubt zu wissen, daß der Rück⸗ tritt des Handelsministers, wenn nicht schon eine vollendete Thatsache, so doch in nächster Zeit zu gewärtigen sei. Was seinen eventuellen Nachfolger betrifft, so kann das Blatt nur hinzufügen, daß die Herren Ozenne und Pouyer⸗Quertier es nicht sein werden.„La France“ wiederum hört, daß der Rücktritt des Unterrichtsministers, des Herrn Jules Simon eine entschiedene Sache sei. Was indeß diese letztere Angelegenheit betrifft, so hat man in der nächsten Umgebung des Unterrichts- ministere versichert, daß Herr Jules Simon auf alle Fälle bis zur Debatte über das Volksschul⸗ gesetz, sein„eigenstes Werk“, auf seinem Posten zu verbleiben entschlossen ist.
— Das officiöse„Bien public“ schreibt:„Seit einigen Tagen schreibt man von neuen Unter⸗ handlungen zwischen Frankreich und Deutschland. Die Einen geben Einzelheiten, die Anderen Be ⸗ richtigungen oder geheimnißvolle Dementis. In
der„Times“ finden wir eine Depesche, nach welcher der General v. Manteuffel und Herr v. Saint⸗ Vallier sich über eine Modification des letzten Vertrags besprechen sollten. Alle diese Gerüchte sind unwahr und ohne Begründung.
Holland. Haag. Ein Telegramm des General Gouverneurs der Colonien vom 6. d.
meldet, daß die Transportflotte am 7. d. von
Singapore abgehen sollte, der Zustand der Truppen befriedigend sei.
—„Dagblad“ erfährt, daß Thiers an den
Nach beim hiesigen Hofe accreditirten französischen Ge⸗
sandten, Marquis v. Gabriae, eine Depesche ge⸗ sandt habe, worin er versichere, daß, gleichviel ob ein Gesandter des Sultans von Atschin nach Frankreich komme oder nicht, letzteres sich immer als ein Freund Hollands zeigen werde. Thiers habe zugleich seine persönlichen Wünsche für den Erfolg der zweiten holländischen Expedition ausgedrückt.
Schweden. Stockholm. Wie bereits früher erwähnt, wird die Krönung des Königs und der Königin am 12. d. M. hier stattfinden. Die zur Krönung verlangte Bewilligung von 70,000 Rol. ist vom Reichstage schließlich doch noch angenommen worden.
Großbritannien. London. Nach einem Telegramme des„Daily Telegraph“ aus Petersburg, welches einer englischen Quelle entstammt, hätte der Chan von Khiwa erklärt, sich bedingungslos allen Forderungen Rußlands unterwerfen zu wollen.
Spanien Madrid. Bei der Brücke von Vera hat zwischen Carlisten und Regierungstruppen ein Gefecht stattgefunden, bei welchem die ersteren 50 Todte vetloren. 1
Italien. Rom, 6. Mai. Heute hat in der Kammer die Berathung des Klostergesetzes be⸗ gonnen. 40 Redner sind vorgemerkt, viele Depu⸗ tirte anwesend. Der Siegelbewahrer erklärte sich einverstanden, daß die Verhandlungen mit der Berathung des Ausschußentwurfs eröffnet würden, er stimme dem Entwurfe im Wesentlichen bei, be⸗ halte sich aber dessen Amendirung vor. Minister Lanza erklärte, daß er ein Amendement ein bringen werde.
— 7. Mai. In der heutigen Sitzung der Deputirten⸗Kammer wurde die Berathung über den Gesetzentwurf, betreffend die religiösen Körper schaften, ohne Zwischenfall fortgesetzt.
— Die alarmirenden Gerüchte über den Ge⸗ sundheitszustand des Papstes vom 6. Mal bestätigen sich nicht. Das Befinden desseiben ist zwar noch immer schwankend, hat sich aber nicht verschlimmert.
Rußland. Petersburg. Der amerika⸗ nische Gesandte am hiesigen Hofe, Ott, ist in Folge einer Erkältung gestorben. i
— Die berüchtigte Skopzen⸗Secte, die nament- lich in Moskau zahlreiche und sehr wohlhabende Anhänger zählt, ist dort wieder in ihrer ganzen Abscheulichkeit ans Tageslicht hervorgetreten und hat der russischen Gesellschaft zu ihrem Staunen den Beweis geliefert, daß das Skopzenthum in immer weiteren Kreisen Verbreitung gewinnt.
Amerika. Newpork. Nach hier einge⸗ troffenen Nachrichten hat die Bevölkerung von Louisiana bei Erhebung der Staatssteuern den Steuerempfängern bewaffneten Widerstand entgegen gesetzt und soll es verschiedentlich zu Blutvergießen gekommen sein.
— Die Unionstruppen von Neworleans haben Befehl erhalten, den Steuerempfängern hülfreiche Hand zu leisten.— Der Widerstand der Be⸗ völkerung von Louisiana dauert sort. Waffen⸗ läden sind geplündert worden.
— Die Aufregung in Neworleans dauert fort; auf den Gouverneur wurde ein Mordversuch gemacht, welchem derselbe jedoch entging.
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Buenos Ayres. In Paraguay brach eine
Revolution aus. Truppen zerstrevten die Insur⸗ 1
genten und nahmen 120 derselben gefangen. In Assuncion wurde der Belagerungszustand proclamirt. Asien. Sbanghai, 30. April. Der Kaiser von China hat seinen Ministern aufgetragen, das Ceremoniell bei Audienzen für auswärtige Ge⸗ sandte in Erwägung zu ziehen.— Der Dalai⸗ Lama von Tibet hat eine besondere Gesandtschaft an den kaiserlichen Hof in Peking angemeldet, um dem neuen Himmelssohne Huldigung und Tribut darzubringen.— Aus Kansuh, der westlichen Provinz China's, kemmt die Nachricht einer er⸗ neuerten Rebellion der Mohamedaner. Die Armee, welche jetzt in und um Tientsin lagert, erhielt Befehl, nach Kansuh abzumarschiren. Sie zählt 30,000 Maan, außer Offizieren und Beamten.
Friedberg. Bei dem nahen Fauerbach legte Herr Bernhard Becker von dort einen neuen Basaltsteinbruch an. Durch die Nachgrabungen wurde nun der Krater eines erloschenen Vulkans blosgelegt, und bietet gerade jetzt dem Besuchenden einen imponirenden Anblick. Kommen doch bereits die Geologen aus weiter Ferne sich dieses Anblicks zu erfreuen und wir machen deshalb unsere Wetterauer Leser darauf aufmerksam, sich diese Gelegen⸗ heit zu Nutzen zu machen, um ihre geologischen Kennt⸗ nisse zu erweitern. Ein Ausschieben des Besuchs wird nicht rathsam sein, da ein starker Regen genügt, den interessanten Anblick zu verwischen.
Worms. Der Tod und die Beerdigung eines reichen Juden in hiesiger Stadt, welcher verflossene Woche dahier gestorben und begraben wurde bildet das Tagesgespräch. Besagter Jude besaß ein bedeutendes Vermögen, lebte aber äußerst sparsam und zurückgezogen. In seiner Krankheit ließ er sich von den hiesigen barmherzigen Schwestern pflegen, verweigerte aber den Rabbiner vorzulassen. In seinem Testamente vestimmte er, daß er im schwarzen Frack, Glacehandschuhen und einem Cylinderhut auf dem Kopf in den Sarg gelegt sein wollte, was auch wirklich ge⸗ schehen ist. Seine Leiche sollte von 2 Juden, 2 Katholiken, 2 Protestanten und 2 Deutschkatholiken auf den Leichenhof getragen werden, wofür Jeder eine Belobnung von 3 fl. erhalten sollte. Nach der Beerdigung sollte jeder Träger nochmals 1 fl. erhalten, welchen er auf dem Heimwege vertrinken mußte. Das Testamen( wurde wortgetten aus⸗ geführt, nur erzählt man, hätten die Träger auf dem Heimwege nicht den einen, sondern alle vier Gulden vertrunken.
Kiel. Der Meteorstrom, welcher in der vorigen Woche in ganz Norddeutschland bemerkt wurde und an verschiedenen Stellen einzelne Meteore zur Erde nieder⸗ sandte, hat durch eine solche Feuerkugel in Schlutup bei Lubrik ein Feuer entzündet, das mehrere Häuser in Asche legte. Als kurz vor Ausbruch des Feuers, so schreibt man der„Kieler Zeitung“, zwei Travemünder Fischer in der Nacht in ihrem Boote die Trave aufwärts fuhren, sahen sie ein Meteor vom Himmel fallen und längs des Kirchthurms herunterschießen(das Haus, in dem der Brand entstand, liegt unmittelbar neben der Kirche) und hörten gleichzeitig einen Knall, über den auch der Bewohner des Hauses aus dem Schlaf er⸗ wachte; einige Momente nach der beobachteten Meteor⸗ erscheinung bemerkten sie schon das Feuer; jenen auffälligen Knall haben noch mehrere Bewohner des Ortes und der Nachtwächter desselben gehört. Man hat die Absicht, beim Aufräumen der Feuerruinen im Schutt sorgfältig nach einem Meteorfragment zu sorschen.
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