Ausland.
Oesterteich. Pest. Von den ungarischen Reichstagswahlen, welche zu förmlichen Wahl schlachten mitunter wurden, sind 214 bekannt. Es wurden gewählt: 150 Deakisten, 47 Oppositionelle, 17 Achtundvierziger. Die Deakpartei gewann 38 neue Sitze, während die Opposition 12 derseben verloren hat.
Triest. Aus Alexandrien wird vom 16. d. gemeldet: Der Vicekönig hat seine Abreise nach Konstantinopel auf Dongerstag verschoben. Nubar Pascha wird ihn begleiten. Die Regentschaft über nimmt inzwischen der Kronprinz Tewfik Pascha.
Schweiz. Genf. Die Conferenz des Schiede⸗ gerichts begann am 25. d. M. um 3½ Uhr und endigte um 5 Uhr. Ueber die Verhandlungen herrscht noch stets absolutes Schweigen. Das Schiedsgericht hat sich bis zum Donnerstag 11 Uhr vertagt.
Frankreich. Paris. Die„Agence Havas“ meldet: Man versichert, die Unterhandlungen mit Deutschland haben ein befriedigendes Resultat er- geben. Offizielle Mittheilungen können mit Nächstem der Nationalversammlung gemacht werden. Thiers empfing am 26. d. die Delegirten der Finanz- Institute von Paris, welche dem Syndicat des Anlehens angehören.
Versailles, 25. Juni. Die Nationalver⸗ sammlung begann heute die Berathung der Ein- kommensteuer. Thiers erklärte, daß er Angesichts der vorherrschenden Meinung, wenn auch mit innerem Widerstreben, die Steuer auf die beweg lichen Werthe annehme.
— 26. Juni. Nationalversammlung. An- läßlich des Amendements Buffet's, welches nur eine temporäre Einkommensteuer vorschlägt, um die Staatsschuld allmählich zu tilgen, wiederbolt Thiers, die Regierung sei formell gegen eine Einkommen- steuer. Sie verwerfe dieselbe im Namen der Würde der Kammer, welche sie schon zurückge⸗ wiesen habe, im Namen der conservativen Politik, wozu er sich bekenne und immer bekennen werde, endlich im Namen der Ruhe des Landes. Thiers Worte wurden von der Versammlung günstig auf⸗ genommen. Die Discussion der Amendements wurde vertagt.
Türkei. Konstantinopel. Der Khedive ist am 15. d. hier eingetroffen. Der Jahrestag der Thronbesteigung des Sultans wurde mit einer glänzenden Illumination begangen, wobei sich ins⸗ besondere das Palais des Khedive und des Groß- veziers bemerkbar machten. Der Bosporus war feenhaft beleuchtet.
Amerika. Wasbington. Eine von bie; sigen Blättern veröffentlichte anscheinend ossizielle Erklärung betrachtet die Aueschließung der indi⸗ retten Ansprüche durch das Genfer Schiedsgericht als die praktische Rechtfertigung der Nichtzurück⸗ nahme jener Ansprüche und gleichzeitig als Lösung der ganzen Frage.
Homburg. Das kommenden 7. Juli flatifindende Feldbergfest wird nach den bis jetzt eingelaufenen An⸗ meldungen nicht allein von den Frankfurter und Taunus⸗ Turnvereinen, sondern auch von cheinischen Vereinen stark besucht werden. Bei dem Feste werden dieselben obliga⸗ torischen Uebungen, Steinstoßen, Hoch und Vocsprung 2c., wie auf dem deuischen Turnfest in Bonn vorgenommen. Hr. Bode vom Offenbacher Turnverein ist Opmann, das Preisgericht bildet der Verein in Homburg und den Aus⸗ schuß der Frankfurter Verein.
U Büdingen. Seit einigen Tagen sind fleißzi Hände mit den Vorarbeiten zur Fassung 15 0 lichen Schloßgarien befindlichen Salzquelleu beschäftigt, die kürzlich in dem ausführlichen Gulachten des Bank⸗ directors R. Ludwig zu Darmstadt als die am meisten salzige Stoffe enthaltende bezeichnen wurde. Das Wisser quoll reichlich aus der Erde hervor und mußten bercits mehrere Pumpen fortwährend arbeiten, dasselbe wegzu⸗ schaffen Jetzt ist nun ein neuer ebenfalls bestes Salz⸗ wasser entbaltender Zufluß von solcher Stärke duch die trennende Eroschichle durchgebrochen, daß die vereinigten Quellen nunmehr per Minute 5 Ohm Wasser liefern. Wir müssen abwarten, ob der neue Zufluß ebenso heil⸗ kräftiges Wasser enthält, als die zuerst zur Fassung be⸗ stimmte Quelle, und ferner, ob die in einer Tiefe von ca. 17 Fuß unter dem Bett des Seemenbachs herziehende Wasserader in Bezug auf Quantilät in den nächsten Tagen keine Abnahme zeigt. Sollte sich Beides erfüllen, so
um ein Beträchtliches ihrer Verwirklichung näher geführt. Wir werden gelegentlich auf die unser Städichen so nahe berührende Angelegenheit zurückkommen.
Ems. Man schreibt der N. A. Z. von hier: Wenn man im Bade Ems der Bahn solgend, vom Kurhause aus jenseits der Lahn, nach rechts sich wendet, so fällt in dem hohen Bergrahmen des lieblichen Bildes eine Spitze oder besser ein Kegel auf, der drei mächtige Eichen trägt. Diesem Berge hat man den Namen„der Bismarck“ beigelegt; die ganze Gegend kennt ihn schon unter dem Namen.
Boston. Nachdem das Riesenmusikfest seinen eng⸗ lischen, deutschen und französischen Tag gehabt, war der 4. Tag Oesterreich gewidmet. Die Damen Peschka Leuiner und Rudersdorff sangen, Godfrey's Musik⸗ Corps spielte. Der Chor bestand aus 16,000 Stimmen, mit Kanonen begleitung. Das Coloseum war zum Erdrücken voll, und der Erfolg sehr groß. Am 22. Juni hatten die Russen ihren Tag in dem Jubiläum und mit gleich großem Erfolge.
Einige volkswirthschaftliche Fragen. (Aus der Wetterau.) Immer in Folge vorliegender Bedürfnisse und daraus entspringender Wünsche, also aus dem Volke heraus und von dem Volk, werden volks⸗ wirthschaftliche Fragen auf die Tagesordnung gesetzt. So ist es mit der Arbeiterfrage gewesen und so wird es mit der Hypothekenfrage sein. Die in letzterer Hinsicht geschehene Agitation der Land⸗ wirthe im Kreise Hofgeismar(Petition an den Reichstag, daß der Staat, das Reich Hypotheken- Papiergeld ausgebe) ist zwar als solche, nicht aber in der Allgemeinheit ihrer Grundgedanken neu. Ich will mich hier indessen nicht berufen auf Anträge, welche verschiedenen Congressen der Internationale vorgelegen haben; denn das Gerede dieser Schwefel- und Petroleums bande bezweckt nicht die Reform, sondern den Umsturz, die Zer⸗ störung der wirthschaftlichen und sittlichen Funda ⸗ mente; ich will mich auch nicht berufen auf die dem letzten s. g. Friedensconereß vorgelegenen An, träge, wonach der Staat den Betrieb aller Eisen⸗ bahnen, aller Banken und aller Versiche⸗ rungsanstalten übernehmen möge; allein ich will die Priotität dieser Gedanken für andere Männer bervorheben, die nicht einem Friedens · oder Revolutionsbunde angehören, vielmehr in ruhiger Weise und gestützt auf Erfahrung und Beobachtung die bemerkten drei Projecte mit ge wissen Modifitationen allerdings auch als Heil⸗ mittel ansehen für mancherlei krankhafte Zustände des wirthschaftlichen und socialen Lebens, welche (die kranken Zustände) durch ihr Vorhandensein und durch die von ihnen verursachten Beschwerden die Massen der Unzufriedenen und Anhänger jener Volksverführer bedenklichst vermehren. Also dit Eisenbahnen, die Banken und die Ver⸗ sicherungen soll der Staat übernehmen! Sind diese Ideen ausführbar, practisch? Suchen wir uns darüber ins Klare zu setzen! Die Ver⸗ theidiger sagen: Die Eisenbahnen sollen nicht einem Bezirke, vielmehr einem großen Ganzen, einer Ge: sammtheit, Staat und Staaten dienen. Es ist darum einleuchtend, daß ihre Verwaltung besser in der Hand der größten Genossenschaft, des Staats liegt, als in der einer selbstsüchtigen Speculatione⸗ gesellschast. Was der Gesammtheit dient, muß centralisirt, was dagegen Einzeln en dient, muß decentralisirt(loealisitt) werden. Ein noch größeres Bedürfniß nach einbeitlicher Leitung als bei dem Post, und Telegraphenwesen liegt allerdings hin⸗ sichelich der Eisenbahnen vor. Je weiter das Eisen bahnnetz Vervollständigung findet, desto wünschens⸗ werther wird seine Vereinigung in der Hand des Staats. Der frühere Satz, daß Unternehmungen des Staats theuerer und doch schlechter seien, als private, hat für große außerlocale Unternehmungen jeine Berechtigung. Dagegen findet immer mehr eine allgemeine Anerkenuung der Satz: Je größer eine Vereinigung, desto billiger, verhältnißmäßig billiger ihre Verwaltung.— Wendet man diesen Satz auf das Bankwesen an, so denkt man zunächst daran, wie gut die Privatbanken ihre Chefs, Verwal⸗ tungsräthe und die Regierungscommissäre bezahlen, viel besser als hohe Staatsbeamte besoldet werden. Auch würden die Bankgeschäfte im Falle ihrer Besorgung durch Staatsorgane an Solldität nicht Noth leiden. Von der Schaffung eines Bank-
würbe baburch unsere schon lange schwebende Badeftage
monopols kann und soll nicht die Rede sein. Die
Privatbanken mögen fortbestehen, weil sie der In⸗ dustrie im Allgemeinen förderlich sind. Ob aber die Ausgabe von Banknoten, die im Volke von Hand zu Hand gehen, ob die Ausgabe dieser an sich werthlosen, aber dennoch große Summen aus. machenden Bankanweisungen, nicht als ein Allein. recht des Staats geltend zu machen, das ist eine andere und zwar höchst wichtige Frage. In Deulsch⸗ land sollen ohngefähr 200 Milionen Thaler in Banknoten im Umlauf sein. Denken wir uns den Plan einer Staatshypothekenbank ausgeführt in Verbindung mit dem Alleinrecht der Banknoten⸗ ausgabe, im zweifach nothwendigen Betrag jener Summe, so hätte das deutsche Reich hiervon eine Einnahme(4%) von jährlich 16 Millionen. Nach Abzug aller Verwaltungs und Unkosten würde davon ganz gewiß noch so viel übrig bleiben, daß die Abgaben von absolut nothwendigen Be, dürfnißgegenständen, wie von Salz, Kaffee u, ganz wegfallen und eine Ermäßigung der Grund- sowie der gewöhnlichen Gewerbesteuer eintreten köpnte. Aber wie ließe sich das Project einer Staats hypothekenbank ausführen? ich denke da⸗ rüber also: Nur die Staatshypotheken bank sei berechtigt, Banknoten auszugeben und zwar zu dem Belange, als sie Hypotheken auf Grundbe. sitz erhält; allein nicht mit Zangscours, sondern nur mit dem Rechte ihrer vollen Geltung bei allen Staatskassen seien diese Banknoten ausge stattet. Dieselben finden alsdann, wie jetzt das Staatspapiergeld, auch im Ausland Annahme und da selbst die Privatbanknoten seither viele Wegt ins Ausland fanden, so würde dieses noch meht bei den Staatsbanknoten der Fall sein. Den Inhabern der Banknoten steht kein Kündigungs⸗ recht zu, dieses ist vielmehr lediglich Sache der Hypothekenbank; die Hypo- thekenschuldner können in bestimmten oder beliebigen Raten die Kapitalien abtragen; jedoch wird der Zinsfuß zu 4% anzunehmen sein, da bei geringen Zinsen wohl Geld geliehen werden würde, um es wieder zu verleihen. Nach der überall in Deutsch⸗ land in Aussicht stehenden Regulirung der Grund steuerkapitalien(Reinerträge) kann der Staat dit bei dem Hypothekenwesen oft Verwirrung und Unzuverlässigkeit verursachenden Taxationen ganz beseitigen, indem derselbe etwa den zwanzigfachen Betrag der Reinerträge als den Kapitalwerth der Immobilien annimmt und darauf/ oder/ leiht; alle Lokalkassen des Staats können den Verkehr der Hypothekenbank mit dem Publikum ver mittel. und erleichtern in Betreff der Kapitalienauszahlung, deren Rückerhebung und Zinseneinziehung. Auf die Frage: was soll es mit den Kapitalien, welcht seither auf Immobilien standen geben? ist einfach zu antworten: Sie folgen ihrer seither schon vor · herrschend gewesenen Neigung und wenden sich der formirenden Industrie zu um dort mehr als 4% zu rentiren. Hierbei vollzieht sich eine, dem Anschein nach, sehr segensreiche Arbeitstheilung: die formirende Industrie benutzt den Privateredi und der Hauptzweig der sloffgewinnenden Industrie, die Landwirihschaft, benutzt den Staatseredit Indem aber der Staat der Landwirthschaft seinen Credit leiht, fördert er zugleich die Gesammtindu⸗
strie; denn die Landwirthschaft ist die Grundlage
aller Industrie, da die landwirthschaftlichen Pro duckte Verwandlungsstoffe und absolute Nahrungs mittel sind. Indem dagegen auf der andern Stite der Privatcredit mit seiner localen und individuellen Vielseitigkeit der formirenden Industrie zugewieser wird, findet zugleich auch eine sociale Pflicht ihre Erfüllung. Die Centralisation der Ar⸗ beiterbevölkerung in großen Städten kann nämlich, wenn sie wie seither fortschreitet, sehr verhängniß⸗ voll werden. Darum ist eine Vertheilung der Ju⸗ dustrie auf das ganze Land auch in dieser Hin ·
sicht höchst wichtig; denn durch sie geschieht eine
Decentralisation der Arbeiter bevölkerung.
Aus allen diesen wirthschaftlichen und sotialen
hochwichtigen Gründen sowobl als auch der Sichel“ heit der Staatshypothekenbank wegen kann und darf es dem Staat nicht gleichgültig sein, wenn dit Pfandobjecte und Schuldner Noth leiden oder gar zu Grunde gehen. Mit dieser Ueberzeugung
komme ich zu einem weiteren Gedanken der modernen


