in Anspruch nehmen darf.— Denn an Feind schaft und Neid fehlt es der neuen Ordnung der Dinge nicht. Sie finden sich nicht blos außerhalb unserer Gränzen, sondern auch innerhalb derselben, umal in den Bestrebungen eines irre geleiteten Socialismus und des Ultramontismus. Das 7. Fest des Mainthal⸗Sängerbundes und die weitere Wirksamkeit desselben werden dazu beitragen, ächte Vaterlandsliebe auch fernerhin zu pflegen zum Heil unseres Volkes. Einen tiefen Eindruck auf die Festversammlung machte es, als der Redner mit dem Hinweis auf den Herrn der Geschicke der Menschen schloß, der uns gnädig beschieden das, wessen wir uns freuen und der es erhalten werde, so lange wir uns dessen würdig zeigen.
An das Festconzert schloß sich die von den Festjungfrauen vollzogene Schmückung der Fahnen der Bundesrereine unter einer mit feurigem Schwung vorgetragenen Ansprache des Vicepräst⸗ denten des Festes, Herrn Hofg.-Adv. Trapp IV.
Dieselbe betonte gleichfalls die veredelnde Kraft des deutschen Gesangs, markirte dessen Verdienst um die Erhaltung des deutschen Einheitsgedankens, wie lange Jahre derselbe vor allseitiger Verfol- gung Schutz gefunden im Hafen der deutschen Männergesangvereine und wie der theure Hort des deutschen Liedes in alle Zukunft gehütet wer- den müsse von Allen, denen die Erhaltung der höchsten Geistesgüter des deutschen Velkes und dessen Ruhm und Größe am Herzen liege. Durch den von schöner Hand vollzogenen Schmuck ihrer Fahnen mit den jungfräulichen Farben des neuen deutschen Reiches sollten darum ebensowohl die trefflichen Leistungen der verbündeten Vereine ge⸗ ehrt als auch dem deutschen Männergesang über— haupt eine Huldigung dargebracht werden.
Ein Spaziergang in den Schloßgarten, zu welchem von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog huldvollst Zutritt gestattet war, diente zur will- kommenen Erholung, die recht zu genießen es lei— der an Zeit gebrach, da das Festprogramm an das um 8 Uhr beginnende Bankett erinnerte. Dort entwickelte sich mit Anbruch der Nacht ein buntwogendes, von keinem Zwischenfall getrübtes fröhliches Treiben, bei welchem Ansprachen(unter welchen die leider von dem Berichterstatter nicht gehörte Rede des Herrn Seminarlehrers Stamm zu erwähnen ist), Musik, Gesang und Toaste in reichem Kranze aufeinander folgten. Wer hätte Alles behalten mögen! Ist auch nicht vonnöthen. Gar Manches hat seine Aufgabe vollauf erfüllt, wenn es dem Augenblick in rechter Weise gedient, und daß dies hier geschehen, bezeugte die fröhlich gehobene Stimmung der Festmenge, so daß es den Bäumen des Platzes, deren Wipfel zur stiller Nachtzeit sonst nur von den sanften Strahlen des Mondes geküßt und vom linden Windhauch be⸗ wegt werden, gar eigenthümlich feenhaft zu Muthe gewesen sein mag, wenn sie auf den Glanz der Gasflammen und das lustige Gläserklirren blickten, zu dem sie selbst zwar nicht„Posten“, wohl aber „Pfosten“ haben stehen müssen. Seid unbesorgt, ihr biederen Kinder der Natur; alle Knechtschaft ist vorübergehend, und auch ihr sollt euch selbst wieder zurückgegeben werden.
Nicht achtend der Ermüdung waren die Fest⸗ genossen am folgenden Morgen in frischer Lust bereit zum Spaziergang nach dem nahen Nauheim, der unter den munteren Klängen der Schellhaas⸗ schen Kapelle angetreten wurde. Den Glanzpunkt desselben bildete der Aufenthalt auf dem Johannis- berg, wo der Quell des edlen Gerstensaftes wie der Strom der Rede unversiegbar schien, und der jüngere Theil der Festgenossenschaft sich bis zum Tanz an steilem Walkabhange erheiterte. Der um 12 Uhr von Gießen kommende Zug hatte Mühe, die Schaar der Fröhlichen in Friedbergs gastliche Mauern zurückzuführen.
Und nun darf einer lieblichen Nachfeier nicht vergessen werden, die unter dem Zelte des Bankett- platzes in den Nachmittagsstonden des 2. Festtags stattfand, bis die Abendzüge uns unsere Gäste entführten. Verherrlicht wurde dieselbe nicht nur durch die Musik der noch durch einige fremde Musikgenossen verstärckten Dilettanten und der Schellhaas'schen Kapelle, sondern auch durch die
trefflichen Gesanges vorträge der Aschaffenburger,
Offenbacher, Darmstädter und hiesigen Sanges- brüder, sowie namentlich durch ein Piston Solo, unter Begleitung eines Streichquartetts vorgetragen von einem Aschaffenburger Sänger. Rauschender Beifall wurde diesen Leistungen zu Theil. In urgemüthlicher Stimmung verkündete der Rede Mund, was das Herz bewegte, und so folgten ein Wort der Huldigung den Manen des Herrn Hofgerichts Advokaten Trapp III., des edlen Mitbegründers des Mainthal-Sängerbundes— und Toaste auf unsere lieben Gäste, auf den Festpräsidenten Herrn Seminarlehrer Wahl und Herrn Musikdirektor Mickler und ihre erfolg— reichen Bemühungen um das Gelingen des Festes, auf Herrn Bauaccessisten Schnitzel, den un— eigennützigen Schöpfer der Festhalle, auf die Fest⸗ dichter, als die Dolmetscher unserer Gefühle, auf die lieblichen Harmonien des Dilettantenvereins, auf die in kurzer Zeit zu Wege gebrachten treff lichen Leistungen der Kapelle Schellhaas, und— —— man entschuldige das Vergessene oder nicht Gehörte.
„Zum Abschied“ hatte einer unserer Festdichter ein köstliches Lied nach der Weise:„Es reiten drei Reiter ꝛc“ gedichtet, das beim Scheiden unserer Gäste gesungen wurde und demselben eine edle Weihe gab.
Ehe wir indessen hier Abschied von dem Feste nehmen, sei noch ein kurzer Rückblick auf dasselbe gestattet.
Es war vor Allem ein Gesangfest, das sich seiner Aufgabe bewußt und den hohen Zwecken des Mainthal-Sängerbundes würdig war, den deutschen Männergesang zu pflegen als eine wirk. same Kraft zur Herausbildung und Verherrlichung dessen, was das drutsche Gemüth Großes und Edles in sich birgt, als ein Schatz, von dem der Deutsche nie läßt, und führte auch der Wander- stab ihn in die fernsten Länder. Darauf beziehen sich die Worte des von Herrn Hofgerichtsabvokat Curtman ausgebrachten Toastes, wenn er von der civilisatorischen volksbildenden Mission der Gesangvereine spricht, von der Herausbildung des Gefühls, Veredlung des Herzens, Erweckung des Zartsinns zur Bannung der Unholde der Rohheit und Streitsucht, der Herzenshärtigkeit und Frivolität.
Und auch in dieser Beziehung darf mit hoher Befriedigung auf das Fest zurückgeblickt werden. Die Einzelchöre wie die unter der gewandten Lei tung des Herrn Musikdirektors Mickler trefflich ausgeführten Gesammtchöre legten Zeugniß ab von den tüchtigen, theilweise überraschenden Leistungen des Mainthal-Sängerbundes. Unter den Ge— sammtchören dürften namentlich die Motette„Ehre sei Gott in der Höhe“ von Hauptmann, und „Friedenshymne“ von Kücken als besonders ge— lungen ausgeführt bezeichnet werden. Bei dem Schlußrefrain des letzteren Chores:„Oein sei die Ehre, dein ist die Macht!“ hatte auch unsere hie⸗ sige Schuljugend mit einzustimmen, was ihr auf ewig eine liebe Erinnerung bleiben wird.
Unser Gesangfest gestaltete sich aber, der Zeit lage entsprechend, auch zum patriotischen Volksfeste. Die Gedanken an den Riesenkampf zwischen dem deutschen Volke und seinem Erbfeinde, an die glückliche Einigung unseres Vaterlandes, an die Erhaltung der ehrfurchtgebietenden Stellung unseres Volkes jedem Feinde gegenüber durchzittern heutzutage jeden guten Deutschen und mußten auch unserm Feste ihr Gepräge aufdrücken. Dieses Gepräge zeigte sich in der Wahl des Festsoncert— Programms, wie nicht minder in den gehaltenen Fest⸗Reden und poetischen Begrüßungen, durch welche wie ein rother Faden die innige Wechsel⸗ beziehung sich hindurchzieht zwischen dem deutschen Männergesang und den großen Interessen unseres Vaterlandes. Möge es immer so sein, daß wo deutsche Männer zu edlen Zielen sich vereinen, auch die rechte Beziehung auf das gemeinsame Wohl des Vaterlandes nicht fehle.
— Das 7. Fest des Mainthal⸗Sängerbundes ist verllungen. Wie man aber in der Ferne seiner gedacht und auf telegraphischem Wege ihm Grüße gesandt(vom„fränkischen Sängertag“ in Nürn-
berg, von Herrn Schröder in Darmstadt und f unserm Mitbürger Herrn Roßbach aus Zürich), wie es in Festgedichten der Offenbacher und Darm,
man lange noch mit Freude an das Friedberger Fest und unser Städtlein zurückdenken. Der ein, müthige Ausdruck hoher Befriedigung mit dem
selben in öffentlichen Blättern, wie der allseill!)]
ausgesprochene Dank unserer heimgekehrten Gäst lassen uns dies hoffen.
Ein letztes Hoch dem Mainthal⸗ Sängerbunde!
Friedberg. Der neuesten Nummer der Darm. städter Zeilung liegt eine officielle Liste der Verluste be Großherzoglich-Hessischen(25.) Division im Feldzuge von 1870— 1871 bei, welche außer dem vollständigen Ver zeichniß der Gefallenen, an Krankheiten Verstorbenen, Ver wundeten und Vermißten, eine Uebersicht über die Vir theilung der Verluste auf die einzelnen Schlachten un! größeren Gefechte, eine summarische Zusammenstellung aller Verluste nach den einzelnen Truppentheilen geordnet(ol zu den Compagnien ꝛc.) sowie eine Nachweisung der Kran heitsformen, welchen die an Krankheiten verstorbenen erlagen Dieselbe ist zu dem Preise von 12 kr. von der Buchhanb⸗ lung des Staatsverlags zu beziehen.
Frankfurt. Veim Ausgraben des ersten Wasser, pfeilers an der neuen Brücke wurde unter dem Schlamm auf einer Lettenschicht ein Kahn aus Eichenholz gefunden, der, nach der Construction zu urtheilen, mindestens bel 300 Jahren im Flußbett gelegen haben muß. Mit bei Versetzung der Steine im Strompfeiler ist begonnen; die
selbe wird nächste Woche so weit gefördert sein, daß mag den Pfeiler vom Ufer aus sehen kann.— Auf dem„großen
Bleichgarten“ ist man augenblicklich mit dem Aufschlagen eines Riesencircus für die Gesellschaft Renz beschästigt,
Frankfurt. Eine auf dem Kettenhofweg wohnende Familie nahm ihren Sommer-Aufenthalt in dem nahm Homburg und wurde daselbst mit einem Herrn von höchff feinen und liebenswürdigen Manieren bekannt. Es dauert nicht lange, so hatte er sich eine ziemliche Kenniniß über die häuslichen Verhälmisse der Familie verschafft, auf Grund deren er zu operiren begann. Er stellte sich näm lich in der betreffenden Behausung auf dem Kettenhofe ein, gab sich der daselbst hausenden Magd als den Bruben ihres Dienstherrn zu erkennen, welcher aus Berlin ang kommen sei, zeigte eine Karte vor und forderte den feinen
Ballanzug ihres Herrn und sonstige Kleidungsstücke, d
er nach Homburg mitbringen solle. Die Magd entgeg nell
zwar, daß sie nicht wüßte, in welchem Schranke die 1 ihres Herrn sich befänden, auch keinen Schlüssel besitze. De:
Pseudobruder hatte aber auch hierfür Rath; er bezeichne ganz genau den Schrank und ließ für das Oeffnen durch einen Schlosser sorgen. Nun wurde Alles ausgekramg das Beste mitgenommen und fich höflichst empfohlen. Di Magd, welcher die ganze Affaire doch sonderbar vorkam, schrieb des andern Tages an ihre Herrschaft den ganzen Vorfall und es stellte sich dadurch heraus, daß die Hern, schaft das Opfer eines raffinirten Betrügers geworden win
Hanau. Die Strafkammer des hiesigen Kreisgericht verhandelte und urtheilte am 23. d. über ein grauefsvoll! Verbrechen, das einen wahrhaft entsetzenden Einblick in menschliche Verruchtheit darbot, um so wehr, als den Thäter kaum das 16. Lebensjahr erreicht hat. Dersells ein Dienstjunge aus den Bergen des Kinzigthals seitwärke Salmünster und Steinau, stand unter der Anklage, Ende Januar d. J. eine alte, alleinwohnende Wittwe dortigen Gegend in der Absicht, zu deren Geld zu kommen, er mordet zu haben. Das umfassende, bis in die geringsten, Einzelheiten von dem Knaben so kalt und gemessen, all handle es sich um einen Andern, abgegebene Geständ nl zeigte sowohl die wohlbedachte Ueberlegung im Entschluß als eine wahrhaft bestiale Grausamkeit in der Ausführung Das Gericht sprach die bei dem jugendlichen Alter daß Verbrechers nach dem Gesetz zulässige höchste Strafe vom 15 Jahren Gefängniß aus, nachdem, ein seltenet Fall der Vertheidiger selbst erklärt hatte, auf ein anderes Cc gebniß nicht plaidiren zu können. 2
P. Frankfurt a. M., 75. Juli. Hatte man auch für diese Woche eine Mindereinnahme der östreich. Staatz bahn von beiläufig 200,000 fl. vorausgesehen, so wu man doch nichts weniger als angenehm überrascht, al! der Telegraph eine solche von 255,000 meldete. Eim Viertel Million Minderein ahme! Sollte man da noch al eine Liebhaberei für dieses Effect glauben? Und doch hielle! sich heule die Actien auf 353 ½, ein Kurs der zu del fortwährend schlechten Geschäftsresullaten offenbar bn Widerspruch steht. Das fühlt auch die Speculation gam gut und hält deshalb die Finger davon, wenigstens zel wo die nächste Zukunft des Marktes überhaupt so unge, wiß ist. Crebitactien und Lombarden verkehrten ebenfall⸗ nur sehr schwach, erstere bei 3465 /, letztere bei 218. Wen! nicht in den verschiedenen Effecten des Kurszettels kleinen Posten für Privatrechnung an- und verkauft würden, 10 dürfte man den ohnedies schwach besuchten Börsensaal bel ganz schließen, die eigentlichen„Wacher“ lassen ohnedier nichts von sich hören. Am meisten Geschäft war eigen lich in französ. Anlehensresultaten, die massenweis vel
kauft und einen weiteren Rückgang bis 30 Cenbimes W
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städter Vereine begrüßt worden ist,— so wir!
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fuhren. Das Arbitragegeschäft ist auch gleich Null, da du
Verhältnisse der Verluste demselben hindernd im We
stehen, wenn die Kurse nicht größere Avancen aufzuweise)
haben. Oestreich. und Deutsche Bahnen flau, nur bay 1 Banken ohne Verkehn
alte Ost eine Kleinigkeit höher.
Das
Belt.
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5 1 1


