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102. Im Verhältniß die metsten Blätter erscheinen in

der Rheinprovinz, nämlich 105, in Brandenburg 125 und in Schlesien 120, die wenigsten in Posen(36) und Pommern(56). In den außerpreußischen Theilen von Norddeutschland war die nambafteste Entwicklung in Mecklen durg(sie!) von 23 auf 51 und in Sachsen(von 81 auf 119). Einen wesentlichen Antheil an den Forischritten der Tagespresse bat die Entwicklung des Annoncen-Wesens, die don der Firma Haasenstein& Vogler ausging, welche 1862 zwei Burtaux batte und 1872 zwei und zwanzig Bureaux in Deuischland, Oesterreich und der Schweiz besitzt.

+1 Oeffentliche Vorträge. Zeigte der vorletzte dieser Vorträge eine edle deutsche Frau auf dem Thron, so sührte der letzte seine Zuhörer dabin, wo eine tüchtige deutsche Hausfrau sich das Scepter

nie ganz entwinden lassen wird, in die Küche. Herr Seminarlehrer Dr. Heid sprach über Feuer und Wafser in der Küche. Der Herr Reduer nennt dicse

Dinge Elemente der Küche, nicht in dem Sinne, als ob sie sog. Elemente, Grundstoffe seien, sondern weil sie die Haupthülfsmächte sind, mit denen alle Operationen in der Küche vollzogen werden, weßbalb ibre Natur und gegenseitigen Beziehungen von einer guten Köchin gekannt und verstanden werden müssen. Das Gebiet, worauf der Herr Redner mit diesem Thema seine zablreiche Zuhörer schaft fübrie, ist ein so reiches und in seinen Einzelbeiten se interessantes, daß der Berichterstattung die Versuchung nahe liegt, dabei allzu ausführlich zu werden. Begreif⸗ licherweise wird sie sich darauf zu beschränken haben, im Allgemeinen nur die Hauptpunkte des umfassenden, mit ebenso viel Fleiß als Umsicht und Eeschick ausgearbelteten Vortrags zu berühren und nur eins oder das andere vesonders Naheliegende bervorzuheben.

Nachdem der Herr Redner die Frage über die erste Bekanntschaft der Menschen mit dem Feuer und die Be zievung der griechischen und römischen Mythologie zu demselben erörtert und der bekannten, schon im griechischen Alterthum aufgestellten Zurückführung aller Naturerschei⸗ nungen auf Feuer, Wasser, Luft und Erde, als die ver⸗ meintlichen Elemente der Natur, Erwähnung gethan, ging er auf die Ansichten über die Natur des Feuers in der neueren Zeit über, we die Anfänge unseter beutigen Naturwissenschaft beginnen.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verschaffte sich die Meinung Geltung, in jedem verbrennenden Körper sei ein gewisses Etwas, was bei der Verbrennung entweiche, ein Stoff, dessen man aber nie habhaft werden konnte.

Erst nach wieder 100 Jahren verbreitete der Franzose Lavoisier Licht über die wahre Natur des Feuers. Auf ihm sußt die heulige Chemie mit dem Satz: das Feuer ist nichts als ein Vorgang, bei welchem sich Sauerstoff mit einem andern Körper zu einem neuen Körper ver⸗ bindet. Brennt also z. B. Phoephor, so verbindet sich Sauerstoff mit Phosphor zur Phosphorsäure. Wärme⸗

und Lichtentwickelung, also Feuer, zeigt sich dabei, da jene Verbindung eine besonders lebhafte it. Die geringere une größere Neigung des Sauersloffs, sich mit einem andern Körper zu verbinden, hängt von dessen niedeter oder höherer Temperatur ab, und die Temperatur, welche ein Körper haben muß, um mit dem Sauerstoff eine leb⸗ bafte Verbindung einzugeben, nennt man seine Entzün⸗ dungstemperatur. Holz kann durch Reiben nur mübsam auf diese Temperatur gebracht werden, beim Phosphor wird dies schon durch elnen Strich auf einer rauben Fläche bewirkt. Je ungebinderter und allseitiger der Zutritt des Sauetsteffs zu einer Flamme ißt, desio leb⸗ bafter und vollständiger die Verbrennung. Redner be leuchtete den Verbreunungsprozeß durch verschiedene Ver⸗ suche, und machte denselben anschaulich und anzichend durch Erläuterungen über die Gasverbrennung, über die Bun⸗ sen'scht Lampe, wodurch vollständige Verbrennung der Koblentheile erzielt wird, und durch zahlreiche praklische Winke über Anlage und Unterballung von Feuerunge⸗ stellen und Behandlung des Feuers in der Küche. Wir können diesen Theil des Vorttags nicht verlassen, ohne nochmals auf den Sauerstoff zurückzukommen. ½ der atmosphärischen Luft besteht aus Sauerstoff, in Wasser macht ser den bei weitem größten Bestandtheil aus. Seine Rolle im Naturhaushalt ist eine ungemein wichtige. Wie er die organischen Gebilde aufbauen hilft, so zerstört er sie alsbald wieder, sodald das Leben aus ihnen entwichen ist und veranlaßt Fäulniß und Verwesung, so daß er mit Recht der zerstörende Zahn der Zeit genannt werden kann. Daher z. B. die Sorge der Hausfrau, ihn abzuhalten von eingemachtem Gemüse, vom Eindringen in die Eier; da⸗ her das Aufbewahren des Fleisches in kalten Kellern, da seine Neigung zur Verbindung mit dem Fleisch mit der niedrigeren Temperatur desselben abnimmt.

Das Wasser, als die andete Hülfsmacht in der Küche, betrachtete der Vortrag unter zwei Gesichtspunkten, einmal in seinem Verbalten zu andern Körpern, nament- lich minetalischen, und dann in seinem Bethalten unter dem Einfluß det Wärme.

Hiet zog der Redner in den Kreis seiner Ecöcterungen die wichtigen Fragen über die auflösende Kraft, die das Wasser namentlich im erhitzten Zustand auf unsere Speisen

zu deren Garwerdung ausübt, über die verschiedenen Stoffe, die das Wasser unter Umständen aufgelöst enthält,

über die Anforderungen an ein gutes Trinkwasser, über die boͤchst schäblichen Beimischungen, die unser Trinkwasset oft mit sich führt, über die Reinigung und die beste Art der Ausvewahrung, sowie über die Prüsung desselben auf der Gesundheit schädliche Bestandtbeile ꝛc.

Zu dem Verhalten des Wassers unter dem Einfluß der Wärme üdergehend, erläuterte der Vortrag den wich⸗ tigen Vorgang des Siedens des Wassers, wie es sich dabei bis auf etwa 80 Grad Reaumur erhitzt, wie da⸗ gegen alle darüber hinaus gebende Wärme auf die Aus⸗ dehnung eines Tbeils des Wassers zu Wasserdampf ver⸗ wendet wird, und in welchem Zusammenbang die Größe des Luftdrucks auf die betressende Wasserflaͤche mit dem

rascher eintretenden ober verzögerten Sieben des Wasfexs flebt, Daran schloß sich die Erklärung des papinjanischen Topfes und die empfehlende Erwähnung des sogenannten norwegischen Topfes

Nach den S Schlußwor ten des Rebners hatte er sich's zur Aufgabe gemacht, zu zeigen, daß die Natur wissen⸗ schaft, abg⸗sehen von ihrem wissenschaftlichen Interesse, wie auf chemisch⸗technische Gewerbe, so auf die gewoͤhn⸗ lichen Verrichlungen in Küche und Haus ihren wohl⸗ thätigen Einfluß äußert. Kaum irgendwo zeigt sich dies augenfsälliger, als in den Ausschlüssen, die uns die Wissen⸗

schaft u. A. über den Vorgang des Kochens gibt. Wie vielsach noch werden aus Unkenniniß die Speisen verschlechtert durch übermäßiges Kochen des damit in Verbindung gebrachten Wassers; wie viel Brennmaterial wirb dabei noch zwecklos vergeudet zum Schaden für unsern Wohl stand und zum Nachtheil unserer Nachkom⸗ men! Denn ce wird einst, wie der Vortrag ernst betonte,

eine Zeil kommen, wo es mit den Brennmaterialien auf

Erden, o groß auch die Waldungen und so reich die Sieinkohlenlager noch sein mögen, auf die Neige gehen wird!

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