spricht den Hinterbliebenen verstorbener Militärs nur dann eine Penstion zu, wenn der Tod inner- halb Jahresfrist erfolgt. Als ein tiefrührendes Moment mag es gelten, daß jener todtkranke Offizier, dessen Sohn gleichfalls vor dem Feinde siel, wiederholt das sebnliche Verlangen nach seinem eigenen Tode aussprach, damit durch die Pension seine Frau und Töchter von den Sorgen des Daseins befreit würden. Es kam indessen anders. Der Offizier starb einige Zeit nach Verlauf eines Jahres, und die Witwe verlangt nun von der Befürwortung des Abgeordnetenhauses, was der strenge Buchstabe des Gesetzes nicht zuläßt. Die Commission mußte zur motivirten Tagesordnung schreiten, empfiehlt aber in den Motiven den außer- gewöhnlichen Fall einer Beurtheilung an com- petenter Stelle, welche humane Rücksichten gebieterisch verlangen. Die Commissäre der Regierung sprachen sich in demselben Sinne aus und stellten eine Aenderung des betreffenden Passus im Gesetze in Aussicht.
— Die„Prov.⸗Corresp.“, die Kreisoldnung besprechend, sagt: Die Regierung des Königs ist nach wie vor überzeugt, daß sie mit der Durch⸗ führung der angebahnten, ächt freisinnigen Reform gerade im gegenwärtigen Moment eine unzweifel⸗ hafte Pflicht ihres conservativen Berufs übte. Die Regierung rechnet mit vollster Zuversicht darauf, daß bei der nunmehr beginnenden schwierigen Aufgabe der praktischen Ausführung des Gesetzes die conservativen Kräfte des Landes eben so willig wie die liberalen Kreise aus Patriotismus sowohl wie aus eigenem Juteresse ihr zur Seite stehen und ihre ganze Kraft hineinwerfen werden, um in den neuen Zuständen sich oben an der Spitze der Bewegung und des Einflusses zu halten.
— Das vorgenannte Blatt schließt einen die Zustände Frankreichs besprechenden Artikel: Aus den neuesten Anzeichen geht hervor, daß beide Theile den Wunsch einer erneuten Verständigung hegen. Die öffentliche Meinung Frankreichs und Europas wird es sicher mit Befriedigung begrüßen, wenn ein dauerndes Einvernehmen zwischen der Nationalversammlung und Thiers und neue Bürg⸗ schaften für einen festen Bestand der Dinge in Frankreich gewonnen werden.
— Die Rückkehr des Reichskanzlers nach Berlin wird zwischen dem 15. und 20. d. M. erwartet.
— Dem Abgeordnetenhause blieb die neue Präsidentenwahl für diese Session erspart. Herr v. Forckenbeck ist als Oberbürgermeister von Bres⸗ lau allerdings für das Herrenhaus präsentirt worden, dagegen ist jetzt als gewiß anzusehen, daß er bis zum Schlusse der Session nicht in das Herrenhaus eintreten wird.
— Das aus Herrenhauskreisen von der„Kreuz⸗ zeitung“ gemeldete Gerücht, wonach der Minister des Innern ein Entlassungsgesuch an den Kaiser eingereicht hätte, wird von der„Nordd. Allg. Ztg.“ als grundlos bezeichnet.
Aus dem Elsaß. In den letzten Tagen trafen, wie man der„Karlsr. Ztg.“ meldet, die ersten Baarsendungen zur Abzahlung der noch rück ⸗ ständigen 200 Millionen der driften Milliarde ein. Die Gelder werden gegen Quittung des Ober⸗ präsidenten, der hiezu von Seiten des Reichskanz⸗ lers bevollmächtigt ist, in Straßburg in Empfang genommen, um alsbald an ihre Bestimmungsorte weiter transportirt zu werden.— Aus zuver- lässiger Quelle verlautet, daß die Fortdauer der Lehrwirksamkeit der Ordensschwestern und Ordens⸗ brüder durch ein fast einstimmiges Gutachten der Schul⸗Inspetoren befürwortet wurde. Das Desi⸗ cit an Lehrkräften beträgt nämlich jetzt schon nahe an 250 Köpfe, und würde sich durch Abschaffung der geistlichen Lehrer weitaus mehr als verdoppeln, während keine Hoffnung vorhanden ist, dasselbe in den nächsten Jahren auch nur annähernd aus dem Laienstande decken zu können.
Ausland.
Oesterreich. Wien. Das Abgeordneten⸗ haus nahm am 12. d. die Sitzungen wieder auf. Die Abgeordneten von Tyrol und Voralberg waren äbwesend. Die Regierung legte Gesetzentwürfe zor, betreffend die Jorterhebung der Steuern für
das erste Quartal 1873 und die Rekrutenaus⸗ hebung für 1873, sowie einen Postvertrag mit Deutschland. Der nach Schluß der Sitzung zu⸗ sammengetretene Finanzausschuß genehmigte die Forterhebung der Steuern, wobei der Finanz- minister erklärte, daß demnächst ein Gesetzentwurf betreffs der definitiven Regelung der Beamtenge⸗ halte vorgelegt werden soll.
Frankreich. Nachrichten aus Paris vom 10. d. melden: Seit heute Abend 5 Uhr wüthet ein orkanähnlicher Sturm in Paris. Eine Masse Schornsteine sind von den Dächern heruntergestürzt. Die Seine ist fortwährend im Steigen. Die Quais in Bercy sind seit gestern Abend über⸗ schwemmt. In vielen Straßen steht das Wasser 1½ ͤ bis 2 Fuß hoch und die Bewohner müssen in Nachen nach ihren Häusern fahren. Von heute Morgen 9 bis Abends 5 Uhr, d. b. bis zum Ausbruch des Sturmes, regnete es fortwährend stark. Der Himmel ist aber immer noch mit dicken Wolken bedeckt.
— In der Nationalversammlung beantragte Lambert Saint Croix, die Petitionen wegen Auf⸗ lösung der Nationalversammlung am nächsten Sonn⸗ abend zu berathen. Gambetta unterstützte den Antrag und erklärte, daß die Linke mit Ungeduld der Berathung entgegensehe. Baragnon hoffte, daß am nächsten Sonnabend die Niederlage Derer, welche für die Auflösung der Nationalversammlung agitirten, besiegelt werden würde. Die Versammlung beschloß, daß die Berathung der Petitionen am Sonnabend stattfinden solle.
— Die republikanische Linke hat ein von 105 Mitgliedern unterzeichnetes Manifest erlassen, welches die Petitionen zu Gunsten der Auflösung der Nationalversammlung billigt und erklärt, daß die Linke für die vollständige Erneuerung der Versammlung stimmen werde, ohne die theilweise Erneuerung ganz auszuschließen. J
Belgien. In der Kammer kündigte Minister⸗ Präsident de Theux an, daß der König die Ent⸗ lassung des Kriegsministers angenommen und Herrn d' Aspremont⸗Linden mit der Vertretung des Portefeuilles betraut habe. Das Ministerium hält die Organisation der Armee vom Jahre 1870 und das Contingent von 12,000 Mann aufrecht und wird das bisherige System der Heeres ⸗Er⸗ gänzung beibehalten.
Amerika. Eine Feuersbrunsl in Newyork zerstörte das große Hotel in der fünften Avenue. 22 Personen vom Dienstpersonal der obersten Stockwerke sind in den Flammen umgekommen.
— Die Zahl der bei der Feuersbrunst im Hotel der fünften Avenue Umgekommenen beträgt, wie sich inzwischen herausgestellt hat, nur elf. Der Brandschaden wird auf 130,000 D. geschätzt.
7 Friedberg. Am 4. d. Mts. hielt das hiesige landwirthschafiliche C'sino seine zweite Versammlung im laufenden Wintersemester und feierte bei dieser Gelegen⸗ heit zugleich sein einjähriges Stiftungssest. Hr. Kreisassessor Haas warf einen Rückblick auf die seithetige Thätigkeit desselben und erinnerte an die verschiedenen Instilute, welche es in's Leben gerufen habe, wie die Produk enböcse, den Consumvetein, die Obstausstellung ꝛc. Es habe das Casino gewiß alle Ursache mit seinen Erfolgen zufrieden zu sein und müsse er nur wünschen, daß Alle, welche bei den verschiedenen Veschlüssen mitgewirkt hätten, auch den Instituten ihre Unterstützung zu Theil werden ließen. In der darauf folgenden Vorstandswahl wurde Herr Kreis⸗ assessor Haas zum Vorsitz nden und Herr Rückert als Schriftführer durch Acclamalion gewählt. Herr Director Gaul von Darmstadt referirte nun in einem längeren Vortrag über Viehversicherung und empfahl zum Schlusse die Ecrichtung eines Thierschutzvereins. Die Versammlung erachtete die Errichtung eines solchen Vereins für sehr ersprieß⸗ lich und betraute die Herren Direklor Steinberger, Dr. Born und Dr. Nücker mit einem Commissions⸗ gutachten für die nächste Versammlung. Der folgende Gegenstand, die Vertilgung der Unkräuter, wurde von Herrn Lehrer Welnel durch einen sehr eingehenden Vor⸗ trag eingeleitet. Der Herr Referent betonte, wie auf den Fluren eine Masse von Unkräutern vorkomme, welche den Culturgewächsen großen Schaden zusüglen; er besprach dann die verschiedenen Arten von Unkläutern, deren Eigen⸗ schaften und empfahl die Mitlel zu deren Bekämpfung. Der Vortrag bot des Intercssanten und Belehrenden recht viel dar und war die daran sich knüpsende Discusston eine recht lebhafte. Herr Rückert verbreitete sich ausführlich über die Vertilgung des Hederich und Herr Dr. Nücker über die der Quccke. Herr Seminarlehrer Wahl hielt von botanischem und wissenschafilichem Standpunkie die Unkeäuter für nothwendig, welche Ansicht jedoch zahlreichen
nicht mehr vorgenommen werben konnte.
Widerspruch fand. Die Zeit war indessen schon soweil vorgeschritten, daß der dritte Gegenstand der Tagesorbnung
Die nächsit Versammlung wird Samstag den 14. d. Mts., Abend
½7 Uhr, im Gasthaus„Zu den drei Schwertern“ fla“
finden und wird in dieser Versammlung Herr Dr. Born über die Maul⸗ und Klauenseuche und Herr General sekretär v. Langsdorff von Darmstadt über ländliche Creditwesen referiren. Letzterer Gegenstand hat gerabe in der Gegen wart erhöhte Bedeutung und wollen wir nicht verfehlen, auf denselben hiermit besonders ausmerksam zu machen.
= Bad⸗ Nauheim. Am 9. d. Mts. feierte det hiesige Lehrer Reuß seine silberne Hochzeit. Derselbe, welcher schon viele Jahre Präsident des hiesigen Turn vereins ist und sich um denselben durch seine ausgezeich⸗ nete Leitung große Verdienste erworben bat, wurde in Folge des allgemeinen Vertrauens, dessen er sich hier erfreut, in neuerer Zeit auch zum Dirigenten des hiesigen Gesangverelns ernannt. Nachdem dem Jubilar von ver— schiedener Seite Gratulationen und zahlreiche Geschenke den Tag über zu Theil geworden waren, wurde ihm am Abend von dem hiesigen Gesangverein ein Ständchen gebracht. Herr Lehrer Wagner, weicher hierbel die An sprache hielt, hob besonders hervor das friedliche Ver⸗ hältniß, welches zwischen dem Jubelpaar von jeher be⸗ standen, daß Jubilar sich stets mit Treue und unermüdlichem Eifer seinem Berufe hingegeben und deshalb derselbe der allgemeinen Theilnahme an dem heutigen Familienfeste sich zu erfreuen babe. Reöner schloß mit den herzlichsten Glückwünschen und einem Hoch auf das Jubelpaar, welches von dem sehr zahlreich versammelten Publikum mit dem größten Enihusiasmus aufgenommen wurde. Darauf überreichte ihm ber hiestge Gesangverein zwei silberne Leuchter, nachdem ihm schon vorher von dem biesigen Turnverein ein silbener Becher mit einem warmen Gralulationsschreiben überbracht worden war. Möge dieser Mann, der die Achtung und das allgemeine Vertrauen der hiesigen Bevölkerung genießt, noch lange Zeit unserer Stadt erhalten bleiben.
R. Bad⸗Nauheim. Die aus den Jahren 1870—71 zurückgekehrten Krieger Nauheims haben einen Verein gegründet, welcher den Namen deusscher Kriegerverein führt. Der Zweck des Vereins ist im Falle einer Mobil⸗ machung oder Erkcankung, die Mitglieder zu unterstützen. Gleichzeitig dient dem Publikum zur Nachricht, daß auch Ehrenmitglieder nach§. 9 jederzeit freundlichst aufge⸗ nommen werden können.
r Assenheim. Feuerwehr betr.— Von mehreren Seiten angeregt, hat sich dahier vor Wochen schon eine Anzahl junger Männer zusammengethan, um eine freiwillige Feuerwehr zu errichten, es will aber trotz der eifrigen Bemühungen Einzelner mit der ganzen Sache nicht recht vorwärts gehen. Es ist dies um so unerklär⸗ licher, als bekannt ist, daß die Staatsbehörden und ins⸗ besondere der Vorstand unseres Kreises mit besonderem und vollkommen richtigem Verständniß des Bedürfnisses unserer Stadtgemeinde dieses Beginnen nach Möglichkeit zu fördern sucht, als wie auch die Hohe Herrschaft hier⸗ selbst mit besonderem Genügen diese Rührigkeit in der Gemeinde begrüßt und noch nie einem gemeinnützigen Bestreben die hülfreiche Hand versagte. Es muß also eine demmung wo anders liegen, und nach einigem Umschauen glauben wir denn auch diese Hemmung in der allgemeinen Erfahrung gefunden zu haben, daß eben der Landbewohner einzuführenden Neugestaltungen viel schwerer zu änglich, viel zäher festhält am Althergebrachten. Man scheut da gar zu gerne zurück vor Ausgaben, deren eigentlicher Vortheil nicht sogleich in die Augen springt, und dieses ist ja wohl allerdings zum Theil auch bei Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr der Fall, man hört da gar oft sagen: ach, wir habrn auch gelöscht, wir haben es auch bei einem Brande nicht an uns fehlen 77 5 Ja, das ist gewiß wahr,— aber wie viel auch durch die zu große Hülfbereitwilligk it— verbrannt und zu Grunde geht, das sieht man erst, wenn man eine gut organisirte Feuerwehr in Thätigkeit sieht, da weiß Jeder, wo er anzugreifen hat, da baut sich am Hause unter der Hand so zu sagen eine Stiege von außen, da leeren sich von kundiger Hand geleitet in Ruhe die be⸗ wohnten Räume, und Speicher und Keller und Scheuer und Stall entleeren sich, während wieder andere Hände mit unermüdlichem Eifer die Spritzen bedienen und kühne Männer das entfesselte Element bekämpfen, rastlos vor⸗ schreitend, jeden Fuß ihm abzugewinnen suchend;— und gelingt es gar, ein bedrohtes Menschenleben dem sicheren, schrecklichen Tode zu entreißen, welch' erhebendes Gefühl durchdringt da die Mannschaft, welche doch freiwillig sich der Arbett, den Mühen und auch Gefahren hingibt! und wer, darf ich wohl fragen, wer will die Errichtung eines solchen Instüiuts hemmen?— Sind denn die Kosten so bedeutend? wird nicht vielleicht in einer Unglücksnacht, vor welcher euch die Vorsehung bewahren möge, der ganze Kostenpunkt gedeckt und aufgewogen durch rechtzeitige, energische und richtige Hülfe, die das Feuer niederdrückt, die eure Habe bewahrt, die ein Menschenleben gerettet?! — O zaudert nicht! erschwert den Männern, die sich dafür hergeben wollen, nicht die Sache, damit nicht ihr Muth, nicht ihr Gemeinfsinn erkalte! In der jetzt alles nivelltrenden Zeit soll man mit Freuden begrüßen ein Instiiut ächten Bürgersinns, das ist doch die Feuerwehr, denn nicht umsonst führt sie den Wahlspruch:„Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr!“— Also srisch ans Werk! und hoffentlich begrüßen wir recht bald die„Assenheimer freiwillige Feuerwehr“ als ein tüchtiges frisches Corps für Stadt und Umgegend. Dies wünscht von Herzen ein alter Feuerwehrmann.
senbulh, d
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Wor ben Jah Bataillon gegen ein Geschüße, sowie me Tages ba Nachmitta tin(trat dle Bede aten zt wurden. des Adend
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