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ein Compromiß anzubahnen. Die Commissions verhandlungen mit der Regierung werden fortgesetzt.

DerSpener'schen Zeitung zufolge be⸗ rechtigen die stattgehabten Conserenzen zwischen der Regierung und den Commisstons⸗ Mitgliedern zu der begründeten Hoffnung, daß ein neuer Com promiß über die Kreisordnung eine große Mehr⸗ heit des Abgeordnetenhauses vereinigen wird.

Trotz aller eirculirenden Gegengerüchte glaubt ein Correspondeat derKöln. Ztg. ver⸗ sichern zu können, daß der Rücktritt irgend eines Mitglieds des Ministeriums für die allernächste Zeit zwar nicht zu erwarten stehe, daß aber wohl im Laufe der wieder beginnenden Session eine oder die andere Veränderung im Ministerium mehr als wahrscheinlich sei.

Nach derVossischen Zeitung sollen zur Armirung der Küsten⸗Befestigungen ein neues 28 Centimeter-Geschütz, welches laut Probe zwölf. zöllige Panzerplatten durchschlägt und ein zwölf⸗ zölliges Krupp'sches Ring Hinterladungsgeschütz, welches Geschosse von 666 Pfund mit 114 Pfund Pulverladung versendet und wahrscheinlich vierzehn⸗ zöllige Panzerplatten durchschlägt, verwendet werden.

Seitens des Handelsministers wird dem Landtage kurz nach dem Beginn der Session ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, welcher einen Kredit von 120 Mill. Thaler zu Eisenbahnzwecken in Anspruch nimmt.

Wie bereits gemeldet, bleibt der Großh. hess. Minister⸗Präsident, Hr. Hofmann, einstweilen acereditirter Gesandter beim königl. preuß. Hofe. Der bisherige Geschäftsträger Dr. Breidert be- sorgt die laufenden Geschäfte. Außerdem wird der zum Bevollmächtigten bei dem Bundesrath ernannte Ministerialrath Dr. Neidhart in der Regel hier anwesend sein und voraussichtlich für

etwaige Spezial⸗Verhandlungen committirt werden.

Der Bundesrath hat dem Gesetzentwurf über die Veräußerung der Tabaks-Manufactur in Straßburg seine Zustimmung ertheilt.

12. Nov. Bei der heute erfolgten Er- öffnung des Landtages im Weißen Saale des königlichen Schlosses waren etwa 100 Mitolieder beider Häuser, darunter die Präsidenten derselben, anwesend. Geheimerath Zitelmann überreichte dem Grafen Roon die Thronrede, welche derselbe verlas. Die Rede kündigt am Schlusse Vorlagen an, welche bestimmt sind, die Beziehungen des Staates zu den Religionsgesellschaften nach verschiedenen Richtungen hin klar zu stellen und fährt dann fort: Vor Allem werden Sie wiederum mit der Umgestaltung der bisherigen Kreiseinrichtungen be- faßt werden. Die Regierung Sr. Majestät ist fest durchdrungen von der Nothwendigkeit, die Reform, deren Ausführung durch Bereitstellung der dazu erforderlichen Geldmittel erleichtert wird, als Grundlage der Lösung mannichfacher anderer Aufgaben des Staates ins Leben zu rufen. Es wird Ihnen ein Entwurf der Kreisordnung vor⸗ gelegt werden, in welchem unter Festhaltung der wesentlichen Grundlagen des früheren Entwurfs eine Reihe von solchen Veränderungen vorgeschlagen ist, deren Nothwendigkeit oder Zweckmäßigkeit sich aus den bisher stattgefundenen eingehenden Be⸗ rathungen ergeben hat. Die Regierung Seiner Majestät hofft zuversichtlich, eine allseitige Verein- barung über diesen Entwurf zu erreichen, und ist entschlossen, die Durchführung der bedeutsamen Aufgabe durch alle Mittel, welche die Verfassung der Monarchie an die Hand gibt, zu sichern. Hierauf brachte der Präsident des Herrenhauses, Graf Stolberg, ein dreifaches Hoch auf den Kaiser und König aus, in welches die Versammlung leb- haft einstimmte.

Die Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde um 2 Uhr durch den Präsidenten v. Forckenbeck mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser und König eröffnet. Nach der Bildung eines provi⸗ sorischen Bureaus erfolgte die Verloosung in die Abtheilungen, wobei die Anwesenheit von 245 Mit- gliedern constatirt wurde.

Das Herrenhaus wählte den Grafen Stol⸗ berg mit 79 von 85 Stimmen zum Präsidenten, den Geh. Justizrath Plötz mit 77 von 85 Stimmen

engerer zweiter Wahl mit 41 gegen 38 Stimmen, welche auf Bernuth sielen, zum zweiten Vicepräsi⸗ denten gewählt.

In derNat. Ztg. wird positiv be⸗ hauptet, dem Ministerkonseil am Freitag habe eine eingehende Auseinandersetzung des Ministerpräst ⸗· denten über die Herrenhausreform vorgelegen und dem Gedanken ihrer Nothwendigkeit hätten sich sowohl die Minister als insbesondere der Kron prinz und Se. Majestät der Kaiser und König angeschlossen, für welchen es maßgebend gewesen sein soll, daß Preußen mit dem jetzigen Herren- hause unmöglich seiner Stellung in Deutschland genügen kann. 5

Nach derSpen. Ztg. wird der Aus- gang der Conferenz wegen der Kreisordnung von parlamentarischer Seite als befriedigend bezeichnet und auch die Fortschrittspartei werde sich zum Kreisordnungsentwurf im Ganzen zustimmend verhalten.

Im Reichsmünzgesetz vom 4. Dez. 1871 ist vorgeschrieben, daß die noch umlaufenden alten Goldmünzen deutschen Gepräges auf Reichskosten eingezogen werden sollten. Das Reichkanzleramt ist dieser Aufgabe gegenwärtig näher getreten. Es hat an die verbündeten Regierungen ein Rund schreiben erlassen, worin sie aufgefordert werden, hierher mitzutheilen, welche Arten alter Goldmünzen ihres Staates noch im Umlaufe sind und zu welchen muthmaßlichen Beträgen.

Göttingen. Die Diphtheritis tritt hier, wie fast jedes Jahr um diese Zeit, in einzelnen Fällen auf und hat dieser Tage den Prorector der Universität, Professor Dr. Clebsch, als Opfer gefordert.

Ausland.

Frankreich. DasJournal offiziel sucht in einem längeren Artikel den Nachweis zu führen, daß die von einigen Blättern angestellten Be rechnungen der mit der Deportation der Com- mune⸗Verurtheilten verbundenen Kosten durchaus unrichtig seien. Die Kosten dieses Transports, die man zuerst auf 82, dann noch auf 27½ Mil- lionen Francs angegeben hatte, berechnet das amt liche Blatt auf rund 8 Millionen.

In Frankreich scheint die Regierung endlich müde geworden zu sein, sich durch lächerliche und gefährliche Proclamationen von Generälen à la Ducrot compromittiren zu lassen. Sie hat näm- lich eine aus den Zeiten des Kaiserreichs stammende Verordnung wieder aufgefrischt, wonach kein Truppenbefehlshaber einen Tagesbefehl oder son⸗ stige Proclamationen erlassen darf, ohne dieselben vorher dem Kriegsministerium vorgelegt zu haben.

Die Handelsverträge, die dem englischen folgen werden, sollen genau nach dem Muster des selben ausgearbeitet werden. Die Ratification des genannten Vertrags ist in diesen Tagen zu er warten. Alle Officiösen melden, daß die Bot- schaft des Präsidenten Thiers gegen Mitte oder Ende dieser Woche verlesen werden wird. Die Kammer solle vorher ihr Bureau ernennen. Die Botschaft wird die Finanzfrage erörtern. Un⸗ mittelbar darauf wird, nach Angabe desSiecle, der Finanzminister Goulard seinen Bericht über die Drei⸗Milliarden⸗Anleihe einbringen. Das ge⸗ nannte Blatt weiß zu melden, daß bereits mehr als die Hälfte der Anleihe effectiv an den Staats⸗ schatz eingezahlt ist.

Während sämmtliche Blätter der östlichen Departements über die Ordnung und Präeision, mit welcher die deutschen Truppen die Räumung der Haute-Marne und Marne ausführten, ihre Anerkennung aussprachen, muß dagegen das in Vitry le Frangais erscheinendeEcho de la Marne zu seinem Leidwesen berichten, daß die dortigen, nach dem Abzuge der Preußen unbewacht gelassenen, Baracken sogleich von diebischer Hand geplündert und neben andern Gegenständen mehrere wollene Decken gestohlen worden seien.

Versailles, 11. Nov. Nationalversamm- lung. Präsident Grévy legt das an ihn gerichtete Schreiben des Prinzen Napoleon vor. Wolonceki stellt den Antrag, daß für die Elsaß⸗Lothringer eine Summe bewilligt werde, welche der für die

zum ersten Vicepräsidenten. Graf Brühl wurde in

von der Invasion betroffenen Departements votirten

gleichkomme. Morgen wird die Versammlung die Mitglieder des Prässdial-Büreaus wählen. Ge. rüchtweise verlautet, daß Changarnier morgen über die Rundreise Gambetta's interpelliren werde. Großbritannien. Aus London wird gemeldet, daß am 11. d. eine große, 24 Stunden dauernde Feuersbrunst die Getreidespeicher in der Upper Thamas⸗Street total eingeäschert hat. Be. trächtliche Getreidevorräthe sind zerstört. Der Schaden beziffert sich auf 100,000 Pfd. Sterling. Amerika. Der Telegraph meldet von einer furchtbaren Katastrophe, welche die reiche ameri⸗ kanische Seestadt Boston betroffen. Eine Feuers. brunst, welche 20 Stunden währte, hat am 10. d. Abends alle Gebäude auf einem Raume von 70 Morgen eingeäschert. Das Innere der Börse, des Postamtes ist ausgebrannt, die Trinithkirche gänzlich zerstört. Außerdem wurden vorzugeweist Geschäftshäuser und Speicher mit Wolle, Leder und Trockenwaaren von dem Unglüßk betroffen, Man hofft, daß der Schaden 100 Mill. Dollar nicht übersteigen werde. Mehrere Personen sind umgekommen, viele verletzt. Um Mitternacht, nach⸗ dem man glaubte Herr des Feuers zu sein, griff dasselbe nochmals heftig um sich und zwar ver anlaßt durch eine Gas- Explosion und verzehrt noch sechs weitere Speicher.

Der Brandschaden in Boston wird in einem Telegramm vom 12. d. auf nur 80 Mill. Doll. geschätzt. Dortige Capitalisten mit reichen Mitteln find am Meisten betroffen. 930 Geschäfts⸗ häuser, 60 Wohnungsgebäude sind eingeäschert, Zeitungsmeldungen zufolge können die hiesigen Versicherungsgesellschaften 50 pCt. der Versiche⸗ tungssumme tragen. Die Besorgniß wegen Finanz schwierigkeiten ist geschwunden. Es trifft allseitig Hülfe ein. Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt⸗ theile wird vorbereitet.

» Friedberg, 13. Nov. Während sich vorgestern schon der nahe Winter durch das erste mit Regen vermischtt leichte Schneegestöber ankündigte, war gestern in den nord. östlichen Abhängen des Taunus bereits eine dünne Schnee schichte sichtbar und der kahle und kalte Vogelsberg halt es sich nicht nehmen lassen, mit seinen weithin leuchtende schneebedeckten Höhen sein althergebrachtes Vorrecht bei den Beginne der Wintersaison zu wahren. Heute schueit es indessen auch in den Niederungen der Wetterau ganz lui und wir sehen ein Bild des Winters vor uns aufgerolll

Homburg. Der hiesige Gemeindevorstand bat zun Kurdirector Hrn Schultz⸗Leitershofer von Berlin ernannt,

Frankfurt. Den Unternehmern der Franksfurke Pferdeeisenbahn, Herrn de la Hault und Dörner zu Brüssel ist, wie wir hören, jetzt auch die Concession für Anlage und Betrieb der projektirten Pferdeeisenbahn von Bocken⸗ heim nach Rödelheim ertheilt worden.

Darmstadt. Die bei Griesheim angestellten Vor⸗ arbeiten um unsere Residenz von dort aus mit den nöthigen Wasser zu versehen, sollen auf ein günstiget Endresultat schließen lassen. Der Justizpalast, eine neut Zierde unserer Stadt, wird in Kürze vollständig unte Dach sein; ein Gleiches gilt von dem Saalbau.

Arnsberg. Prinz Friedrich Wilhelm v. Wittgenstein⸗ Hohenstein(Bruder des regierenden Fürften) wurde vol dem hiesigen Appellationsgerichte wegen Mißhandlung eing im schwangeren Zustande sich befindenden Frau zu viel Wochen Gefängniß verurtheilt.

Vom Bodensee. Die berüchtigte Hochstaplerii Bertha Weiß von Insterburg, welche im vorigen Jahn u. A. im Breslauer barmherzigen Brüderkloster in Männer kleidern mehrere Wochen als Novize zugebracht, dan unter Verübung eines bedeutenden Diebssahls heimlit entflohen war und durch diese That viel von sich reden gemacht hatte, ist am 23. vorigen Monats in Bregen verhaftet worden. Dieselbe hatte sich nämlich in Hoch grumbach bei einem Bauer als Knecht vermiethet un! nach achitägigem Dienste unter Erbrechung eines Kasteng und Mitnahme von Geld und Kleidern ihres Dienst gebers und eines Knechtes sich geflüchtet, war sogleich abe verfolgt und arretirt worden. Nach Constatirung ihreh Geschlechts gab sie an, in einem Findelhause zu Goness. bei Paris geboren zu sein, woselbst sie den Namen Andre erhalten, als Knabe auferzogen worden sei und ihr ganze Leben unter diesem Namen und als Mann zugebrach habe. Schließlich gelang es, sie als die berüchtigte Bertha Weiß zu entlarven. Sie hat in Folge dessen ein ziemlih umfassendes Geständniß abgelegt und namentlich ihre gu einstudirte Rolle des gebrochenen Deutschsprechens aufe geben. Außer dem bezeichneten Diebstahle hat sie bereit bekannt, daß sie auch einen Diebstahl am 9. Septembel in Eriskirch, Oberamt Tettnang, und unter dem Namen Leboeuf einen andern Diebstahl in Einsiedeln begangel habe. Das Sündenregister dieser durchtriebenen Hochstap⸗

lerin dürste sich noch um ein Bedeutendes vermehrei wenn ihre Antecedenzien an's Tageslicht kommen sollles da doch mit Bestimmtheit angenommen werden kan

daß sie seit dem 18. October 1871, als dem Tage ihrel heimlichen Entfernung von Breslau, sich vagabundiren

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