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1872.
Donnerstag den 5. Dezember.
143.
Oberhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Betreffend: Die Besorgung niederer Kirchendienste von Seiten der Schullehrer.
Die Kreis⸗Schul⸗Commission Friedberg an die Schulvorstände des Kreises.
Mit Erledigung unserer Verfügung vom 18. v. M.— Amtsblatt ohne Nr.— sind noch viele im Rückstand, weßhalb wir dieselbe
in Erinnerung bringen.
Friedberg am 3. Dezember 1872.
Trapp.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Das Großherzogliche Regie- rungsblatt Nr. 50 enthält:(Schluß.)
VIII. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 18. October dem evang. Pfarrer zu Gettenau, im Dekanate Nidda, Heinrich Renner, die evang. Pfarrstelle zu Bechtolsheim, im Dek. Wörrstadt, zu übertragen; an dems. Tage die Landgestütsbeiknechte Johann Georg Glock aus Erfelden, im Kreise Groß-Gerau, und Philipp Lorenz Hering aus Wolfskehlen, im Kr. Groß-Getau, zu Landgestütsdienern zu ernennen; am 21. Oct. dem Pfarramtecandidaten Albert Junker aus Lich, im Kr. Gießen, die 1. evang. Schulstelle zu Lich, im Kr. Gießen, und dem früheren
Lehrer zu Biedenkopf, Christian Büttner, die Lehrerstelle
ür den Unterrricht in der französischen und englischen Sprache an der Stadtschule zu Butzbach zu übertragen; am 22. Oct. den Schullehrer an der evang. Schule zu Allmenrod, im Kr. Lauterbach, Peter Kauß, von der Uebernayme der demselben übertragenen evang. Schulstelle zu Heidelbach, im Kr. Alsfeld, zu entheben und demselben die evang. Schulstelle zu Bernefeld, im Kr. Grünberg, dem Schulleherer an der 3. evang. Schule zu Biebels— geim, im Kr. Groß-Gerau, Pbilipp Gerhardt, die 2, evang. Schulstelle daselbst und dem Schulamtsaspiranten Heinrich Corell aus Wahlheim, Schulstelle zu Hahnheim, im Kr. Oppenheim, zu übertragen. Am 17. October wurde dem Pfarrer Engelbert Rachor zu Lindenfels die katbolische Pfarrstelle zu Nieder Mörlen, em Dekanate Ockstadt, am 18. October dem Pfarrer Paul Pfeiffer in Fürfeld die katholische Pfarrstelle zu Unden⸗ zeim, im Dekanate Gau-Bickelbeim, am 17. November dem Pfarrer Weber zu Kirtorf die katholische Pfarrstelle zu Gernsheim, im Dekanate Gernsheim, und dem Kaplan Theodor Röder zu Bingen, die katholische Pfarrstelle zu Ostyofen, im Dekanate Osthofen, übertragen.
IX. Dienstentlassung. Seine Königliche Hoheit der Broßberzog haben allergnädigst geruht: am 2. Nov. den Assistenzarzt bei der Enibindungsanstalt zu Gießen, Dr. Tarl Drescher, auf sein Nachsuchen von seiner Dienststelle zu entlassen.
X. Versetzungen in den Ruhestand. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 8. October dem Landgestütsdiener Lorenz Schwärzel, am 21. Oct. den Schullehrer an der evang. Schule zu Gronau, m Kreis Bensheim, Johann Philipp Ackermann, auf sein Hachsuchen, am 24. Oct. den Expeditor auf der Station Zwingenberg der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn, Johannes Caplto, zuf sein Nachsuchen, am 13. November den Forstwarten er Forstwartei Einsiebel, Wildmeister Philipp Habich, uf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner lang— ährigen treuen Dienste— in den Ruhestand zu versetzen.
XI. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die 2. kath. Schulstelle zu Gundheim, im Kr. Worms, mit einem ährlichen Gehalt von 300 fl.; die erang. Pfarrstelle zu Obbornhofen, im Dekanate Hungen, mit einem jährl. Zehalt von 806 fl. 33 kr.; der Gesammtfamilie der zrhrn. v. Nordeck zur Rabenau steht das Präsentationsrecht zu bieser Stelle zu; die evangelische Schulstelle zu Ost⸗ eim im Kr. Friedberg, mit einem jährlichen Gehalt von 76 fl. 3½ kr. nebst 30 fl. sür Heizung des Schullokals,
nter der Verpflichtung zu einer jährlichen temporären Abgabe von 150 fl.; die 1.(vang. Schulstelle zu Mons⸗ eim, im Kr. Worms, mit einem jährl. Gehalt von 73 fl.; bie J. evangelische Schulstelle zu Altenstadt, im zr. Vilbel, mu einem jährl. Gehalt von 388 fl. 38 kr.; nd die evang. Schulstelle zu Wippenbach, im Kr. Nidda, nit einem jährl. Gehalt von 301 fl. 50 kr.
XII. Sterbefälle. Gestorben sinb: am 31. October
er kreisdiener Johannes Georg Kaiser zu Vilbel; am „Nov. der Schullehrer Adam Ferbert zu Neustabt; am 9. Nov. der Ober⸗Appellations- und Cassotions⸗Gerichts⸗ ath, Geheimerath' Karl Ludwig Friebrich Moriz on Ochsenstein zu Darmstadt.
„Aus Oberhessen. Der Club für Land- Birthe in Frankfurt hat an dle hessischen Land- dirthe ein„Mahnwort“ gerichtet, im Interesse er durch die Grundsteuer belasteten Landwirth—
im Kr. Oppenheim, die evang.“
schaft bei der Wahl für bessere Vertretung der landwirthschaftlichen Interessen zu sorgen.
Berlin, Die Zahl der neuernannten Herren— hausmitglieder beträgt 25. Berufen sind nach der „Spener'schen Zeitung“ folgende Großgrundbesitzer: v. Bethmann ⸗Hollweg Runowo, v. Neumann⸗ Wedern, vom Rath auf Lauersfort; Generale: Herwarth v. Bittenfeld, v. Holleben, v. Peucker, v. Stosch, v. Steinmetz; hohe Civilbeamte: der stellvertretende Staats secretär v. Balan, die Ge— sandten v. Eichmann, v. Magnus, Oberpräsident v. Bardeleben, Präsident Fritdberg, Unterstaats- secretär Bitter, Präsident v. Dechend, Präsident Günther, der Generalauditeur Fleck, Generalpost⸗ Director Stephan, die Ministerial-Direetoren v. Philippsborn und Schumann, der General— staatsanwalt Weber, Appellationsvicepräsident Hen- rici; von hohen nicht mehr activen Beamten die Staatsminister a. D. v. Patow und v. d. Heydt und der Unterstaatssecretär Sulzer.
— Dem Bundes rathe ist vom Reichskanzler ein umfassender Gesetzentwurf, betreffend das Unterrichtswesen in Elsaß-Lothringen, zugegangen, wonach das gesammte niedere und höbere Unter⸗ richtswesen unter die Aufsicht und Leitung der Staatsbehörden gelegt wird.
— 3. Dez. Das Abgeordnetenhaus trat unter Köller's Vorsitz in die erste Lesung des Gesetzes über den Staatshaushalt pro 1873 ein. Der Finanzminister betonte den Vorrednern Richter, Rickert und Lasker gegenüber die jetzige Vorlegung eines reiflich erwogenen Steuerplans, während die vorjährige vom Landtage abgelehnte Vorlage nur eine rasche Steuererleichterung zur Beseitigung der Mahl- und Schlachtsteuer herbeiführen sollte. Der Minister wies auf die in den Provinzialfonds liegende Steuererleichterung von drei Millionen hin, hob hervor, daß bei der Aufhebung der Lotterie und des Chausseegeldes, welcher Wunsch berechtigt sei, an eine Steuererleichterung und an Provinzialfonds nicht zu denken gewesen wäre. Nachdem der Justizminister auf eine Bemerkung Lasker's bezüglich des Gründungswesens kurz ent- gegnet und Rauchhaupt noch für die Vorlage ge— sprochen hatte, wurde der Antrag Richter's, den Etat an den Vorstand des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung zu verweisen, abgelehnt und der Etat mit großer Majorität an die Budget Com— mission verwiesen. Das Gesetz betreffs der Pro- vinzialfonds und der Rechenschaftsbericht über die Verwendung der Beihülfe für die Reservisten und Landwehrmänner wurden nach dem Wunsch des erkrankten Ministers des Innern von der Tages- ordnung abgesetzt. Es folgte die erste Lesung des Gesetzes über die Cautionen der Staatsbeamten, welches an die Justizeommission verwiesen wurde.
— Wie man mittheilt, wird dem Landtage demnächst von den Abgeordneten Lasker und Schmidt(Stettin) ein Antrag eingereicht werden, welcher fordert, daß denjenigen Orten, die während des letzten Krieges durch starke Belegung von Truppen nachweislich zu außergewöhnlichen Baar- auswendungen genöthigt gewesen sind, aus der französischen Kriegscontribution nachträglich eine
entsprechende Entschädigung gezahlt werde. Unter den Städten, welche für eine solche Vergütung ins Auge gefaßt sind, wird neben den verschiedenen durch das Halten von Kriegsgefangenen besonders in Anspruch genommenen Festungen auch Frankfurt am Main genannt.
Homburg v. d. H. Wie der„Taunus⸗ Bote“ vernimmt, hat der von der Bürgerver⸗ sammlung erwählte Ausschuß beschlossen, bei der nächsten Bürgerversammlung eine Petition an die Regierung vorzuschlagen, worin die Einführung der nassauischen Gemeinde-Ordnung erbeten wird.
München. Der König hat dem Comite für die Unterstützung der Nothleidenden an der Ostsee⸗ küste aus der Cabinetskasse 1000 Thaler zugestellt.
Straßburg. Eine kaiserliche Verordnung vom 20. November erklärt die Anlage einer Eisen⸗ bahn von Colmar nach dem Rheine auf Grund des Expropriationsgesetzes für dringlich.
— Der„K. Ztg.“ wird das Nachstehende über die Frequenz der Hochschule vom ersten und jetzigen Semester geschrieben: Ende August 212 im- matriculirte Studenten, 8 Hospitanten, zusammen 220 Hörer; gegenwärtig 396 immalriculirte Stu denten, 21 Hospitanten, zusammen 417 Hörer und mithin eine Zunahme von 197 Studirenden. Außerdem ist die Zahl der Professoren um 25 vermehrt worden. Die Professoren begnügen sich übrigens nicht damit, ihre obligatorischen Vor lesungen zu halten; drei derselben halten wöchent⸗ lich öffentliche, auch Damen zugängliche Vorträge. Es haben bereits 10 andere Professoren gleichfalls öffentliche Vorträge zugesagt.
Ausland.
Oesterreich. Die„Montags Revue“ meldet aus angeblich bester Quelle aus Pest, daß der Kaiser die Demission des Grafen Lonyay ange— nommen und den bisherigen Handelsminister v. Szlavy zum Ministerpräsidenten ernannt habez alle übrigen Minister blieben im Amte.
Schweiz. Der Nationalrath ist am 2. d. durch den Alterspräsidenten, Oberst Stehelin, er- öffnet worden. Derselbe betonte in der Eröffnungs- rede, daß zwischen der Vocksabstimmung vom 12. Mai und den Erncuerungswahlen ein Wider- spruch bestehe, daß aber die Revision nach er⸗ gangener Verständigung wieder aufgenommen werden solle. Die Abstimmungen müßten indeß nicht in globo, sondern abschnittsweise erfolgen.
— Der Delegirtenversammlung der freisinnigen Katholiken zu Olten am 1. d. folgte Nachmittags eine zahlreich besuchte Volksversammlung, auf der u. A. auch Reinkens redete. Außer mehreren organisatorischen Resolutionen wurden auch An- träge auf Wahrung der Gewissensfreiheit durch Bundesgesetz gegen die Einwirkungen des Clerus, über Gemeinde-Autonomie in Kirchen- Angelegen⸗ heiten sowie auf Aufhebung der päpstlichen Nun⸗ tiatur in der Schweiz angenommen.
Bern. Der Ständerath wurde gleichfalls mit einer Präsidialrede im Sinne der Bundesreviston eröffnet. Derselbe wählte zum Präsidenten Roguin von Lausanne, zum Vicepräsidenten Kopp von Luzern.


