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diener umfassende Vorlage eingebracht werden, und man vermutbe nur, daß der Satz für die Abge- ordneten auf zwanzig Mark steigen werde.
— Der nichtamendirte Kreisordnungsentwurf wird dem Abgeordnetenhause demnächst zuerst vor- gelegt. Die Beschlüsse wegen Reorganisation des Herrenhauses sind im Staatsministerium noch nicht festgestellt.
— Die österreich⸗deutsche Kommissi n zur Be⸗ rathung sozialer Fragen tritt, wie jetzt von ver⸗ schiedenen Seiten gemeldet wird, am 5. November in Berlin zusammen. Die österreich⸗ ungarischen Mitglieder derselben begeben sich am 3. November nach Berlin, angeblich ausgestattet mit einem um⸗ fassenden, insbesondere statistischen Material.
— Wie man hört, begibt sich der General- Postdirector Stephan in nächster Zeit nach Eng- land, und zwar im Interesse der von ibm geleiteten Verkebrs⸗Anstalt, die er auch für den überseeischen Verkehr dem Publikum möglichst nutz- und dienst⸗ bar machen will.
— Durch den Kampf, welchen die Regierung jetzt gegen das Herrenhaus führt, ist dem öffent⸗ lichen Interesse der zwischen dem Staat und der katholischen Kirche schwebende Streit etwas entrückt worden. Die Waffen, deren sich der Staat be— dient, sind bekanntlich in Gesetzen zu suchen, deren Vorlage bevorsteht. Doch scheint die Regierung es nicht zu verschmähen, sich anderer Waffen zu bedienen, welche den Feind zwar nicht nieder- schlagen, aber immerhin unangenehm berühren. So deutet eine Circularverfügung des Oberpräsi⸗ diums der Provinz Schlesien an, daß durch die Peterspfennigsammlungen in den Schulen jetzt von oben eingeschritten wird. In einzelnen Mädchen- schulen, so lautet diese Verfügung, sollen Seitens der katbolischen Religionslehrer, resp. Schulvor⸗ steherinnen Peterspfennigsammlungen unter den Schülerinnen veranstaltet worden sein. Die Re— gierungen werden deßhalb ersucht, unter Mit— theilung der gemachten Beobachtungen sich wegen der in dieser Beziehung eventuell zu treffenden Anordnungen gutachtlich zu äußern.
Königsberg. Mehrere hiesige Blätter ver⸗ öffentlichen einen offenen Brief des altkatholischen Pfarrers Grune t an den Bischof von Erm⸗ land folgenden Inhalte: Der Bischof habe durch die Anerkennung der Infallibilität den Boden des Trientiner Concils verlassen, wodurch die bischöf-
liche Jurisdiction über Grunert erloschen sci. „Ich
erkläre öffentlich: Ich erkenne Krementz nicht mehr an als gottgesetzten katholischen Bischof, sondern nur als einen mit bischöflichem Character bekleideten Anführer einer irregeleiteten Partei, welche auf den Ruin der alten Wahrheit Christi
hinarbeitet. Ich weiß, daß die jetzige pseudokatho-
lische Hierarchie ein riesiger Leichnam geworden ist, mit seiner Fäulniß alles gesunde Leben ver- pestend. Ich weiß, daß die deutschen Bischöfe dem Fluch ihrer bösen That verfallen und unauf⸗ haltsam dem socialen und kirchlichen Ruin ent- gegeneilent, von rem Geiste Gottes verlassen sind.“
Kassel. Nach den„Hessischen Blättern“ sollen gegen mehrere Theilnehmer an dem am 20. August zu Ehren des Kurfürsten in Wilhelmshöhe ver—
anstaltsten Festessen Disciplinar-Untersuchungen
eingeleitet worden sein.
München. Nach einer Mittheilung der„A. Z.“ hat der Bischof von Speyer, Dr. v. Hane⸗ berg, dem König den bei dem Antritt seines Kirchenamtes an die Laien und den Klerus der Dibcese erlassenen Hirtenbrief vor einiger Zeit in Vorlage gebracht. Der König bat von dem In- halte dea selben Kenntniß genommen und in einem sehr huldvollen Handschreiben seine Befriedigung namentlich darüber ausgedrückt, daß aus jeder Zeile des Hirtenschreibens jene Milde der An- schauung spricht, von welchen allein Friede in reli giösen Dingen zu erwarten ist.
Ausland.
Frankreich. In Bordeaux wurde den conservativen Abgeordneten des Departements, den Anhängern einer fustonistischen constitutionellen Monarchie, von ihren Freunden ein Banket ge— geben. Reden hielten, außer den Vorsitzenden des
Stadi, die für alles mit dem Fortschrilt Zusammenhängende, aber auch für alles Neue, sich rasch degeistert, die Con⸗
Bankets, die Abgeordneten Princeteau, Herzog Decazes und Carapon⸗Latour; sie sprachen den Wunsch aus, daß der Tag kommen möge, da man auf die Gesundheit des Königs und der Prinzen des Hauses Frankreich werde trinken können.
Belgien. Brüssel. In der Conferenz zur Besprechung der Lage der Juden in Rumänien gaben die rumänischen Delegirten die Erklärung ab, daß sie selbst die Initiative ergreifen und eine Petition um Verleihung der staatsbürgerlichen und politischen Rechte an die rumänische Kammer richten wollten. Die Conferenz stimmte dieser Maßnahme vollständig bei. Die Massen-Aus wanderung nach Amerika sei aufgegeben, weil die rumänischen Juden mit größter Zähigkeit an ihrem Vaterlande hängen. Die Conferenz beschloß die Errichtung von Schulen in Rumänien und die Errichtung eines internatio- nalen einheitlich organisirten Executiv-Comites. Als Vorort wurde Wien gewählt.
Amerika. New⸗ Jork. Der Dampfer „Missouri“ ist auf der Fahrt von Newypork nach Havanng während eines Sturmes nahe Abaco verbrannt. Säummtliche Offiziete, sowie 25 Passa— giere kamen um's Leben. Im Ganzen sind 80 Per⸗ sonen umgekommen.
D Friedberg. Aeußerem Vernehmen nach ist auf Veraulassung Großh. Kreisamts Friedberg in Folge Ver⸗ fügung Großh. Ministeriums des Innern das Großh. Kieisbauamt Friedberg zur Vertilgung der Feldmäuse auf dem ganzen chausseebaufiscalischen Terrain angewiesen und dasselve Ansinnen an die Verwaltung der Main⸗ Weser⸗Babn gerichtet worden. Es muß dies um so freu⸗ diger begrüßt werden, als es gerade die Dämme, Bö— chungen und Gräben der Chausseen und Bahnkörper sind, welche den Feldmäusen zum ungestörten Schlupfwinkel vorzugsweise dienen.
Bad⸗ Nauheim. Auf den 3. December ist eine ordentliche und außerordentliche Generalversammlung der hiesigen Kurhaus ⸗Actien⸗Gesellschaft einberufen. Auf der Tagesordnung steht: Gesellschaftsbericht der Direction und des Aussichtsraths nebst Bestimmung der Dividende, Wahl der Liquidatoren der Gesellschaft, Berathung und Beschluß⸗ nahme über die Verhandlungen mit dem hessischen Fiscus bezüglich der der Gesellschaft zu leistenden Entschädigung.
Frankfurt. Nach Mittheilungen aus Berlin hat ein dortiges Consortium von Finanzmännern die der Firma Ferdinand Flinsch gehörige Peniger Papierfabeik für die Summe von 1 Million Tbaler erworben, um dieselbe in eine Actiengesellschaft umzuwandeln. Das ge⸗ naunte Etablissement nimmt unter den vom Gesammt⸗ hause Flinsch(in Leipzig und Frankfurt a. M.) geführten fünf Papierfabriken die erste Rangstufe ein, ja es dürfte auf unserem Continent wohl nur in der Thode'schen Actien⸗Papierfabrik in Heinsberg eine ebenvürtige Rivalin haben. Von der riesigen Leistungsfähigkeit der Peniger Fabrik zeugt der Umstand, daß sie allein an einige große Verlagsinstiiute und Buchdruckereien Berlins jährlich für über eine halbe Million Thlr. Papiere liefert.
Offenbach. Am Donnerstag Abend sprach hier Prof. Dr. Michelis aus Braunsberg vor einer sehr zahl reichen, den verschiedensten Ständen und Glaubensrichtungen angehörigen Zuhs erschaft über„die Pflicht des deutschen Gewissens gegenüber den römischen Anmaßungen“. In den nächsten Tagen soll nun hier cine Besprechung auf⸗ geklärter Katholiken über die weiter zu ihuenden Schritte slatisinden, und es wird sich donn zeigen, ob in unserer
stituirung einer altkatholischen Gemeinde zu Stande kommt— — Am Tage zuvor sprach Prof. v. Schlag inweit aus Gießen sehr anregend über die Pacifie-Bahn, und zwar wurde mit diesem Vortrage der diesjährige Cyelus der vom Kaufmännischen Vereine veranstalteten Vorlesungen eröffnet. N
Darmstadt.
Das auf dem Schlachtfeld von
Gravelotte den Gefallenen der hessischen Division zu errichtende Denkmal ist ein ruhender Löwe in Erz
auf einem Sandsteinpostament, dessen vier Seiten mar⸗ morene Gedenktafeln enthalten; dasselbe ist beretts vollendet und soll am 9. d. feierlich eingeweiht werden.
ö Darmstadt. Die hiesige Diakonissenanstalt Elisa⸗ bethenstift hat die Zahl ihrer Pflegerinnen seit dem Ent, stehen der Anstalt don 3 auf 73 erhöht, wovon 18— 24 sich hier befinden, während die übrigen in verschiedenen Orten des Landes, namentlich in Worms und Oberhessen thälig sind.
Darmstadt. Im Jahre 1864 wurde einem hiesigen Geschäftsmanne aus seiner Wohnung eine erhebliche Summe baaren Geldes und zwar mittelst Einbruchs entwendet und der Thäter von dem Schwurgerichishofe zu einer Zuchthausstrafe von 2½ Jahren verurtheilt. Dieser Tags wurde dem Bestohlenen die gewiß seltene Ueberraschung zu Theil, daß ihm sein gestohleues Geld nebst Zinsen bei Heller und Pfennig zurückvezahlt wurde.
Biebrich. Der hier wohnhafte, auch in weiteren Kreisen als tüchtiger Geschäftsreisende bekannte Hr. Kuß fand am Mittwoch Abend in den Fluthen des Rheines einen plötzlichen Tod. Zur Heimreise wollte er das den
war dasselbe eben abgestoßen. Herr Kuß glaubte 2
durch einen mächtigen Sprung zu erreichen, stürzte und wurde von den Wellen begraben. Aus der Pfalz wird gemeldet, daß sich im Canton Dahn die Wildschweine wieder sehr häufig zeigen, und auch Wölfe durch nächtliche Streifereien die Schaspferche be⸗
Nacht mit den Schafen auf dem Felde zu bleiben.
menden Confiscalionen. Vor einigen Tagen wurden in einem Hause allein 500 Pfd. Bufter mit Beschlag belegt, und vorgestern wurde eine Händlerin vom Polizeigericht in eine Geldbuße von 15 Thlrn. und Confiscalion der
Butter(für etwa 100 Thlr.) verurtheilt. Die Waare
enthielt nur 25 pCt. Butter und bestand größtentheils
aus Pferdefett.
Allerlei über Versicherungswesen. Die im Lause dieses Jahres auffallend zahl⸗ reich stattgehabten größeren Brände, darunter auch mehrere. in unserer Provinz, wie in Heidelbach,
denes zu denken. Vor Allem drängt sich uns die
allein auf dem Lande, sondern auch in Städten eine nicht geringe Anzahl selbst sehr intelligenter Leute, die dieselbe vollständig ungenützt lassen, nicht be denkend, daß auch sie jeden Augenblick von dem Unglück heimgesucht werden können, daß auch sie den
größter Sorglosigkeit leben sie dahin in ihrem ver⸗ blendeten Sinne denkend:„Was kann dir passiren, du mit deinem Haus gehst vorsichtig mit Feuer und Licht um, wozu also diese unnöthigen Ausgaben, da man so heut' zu Tage schon genug bezahlen muß* Wer schützt aber bei der allergrößten Vorsicht im Harse diese Kurzsichtigen vor Zufälligkeiten aller Art(die Ursache der meisten Brände bleibt uner⸗ mittelt), vor der Rache schlechter Menschen, vor Nachbarbrand, vor Blitzschlag und endlich vor dem Spielen der Kinder mit Feuerzeug, dem eine sehr große Anzahl der Brände ihren Ursprung verdanken? Hiergegen sind wir mit der gerühmten Vorsicht schlecht bestellt! f
Es gibt ferner eine große Anzahl, die nicht so verblendet sind, die gerne versichern würden, wenn ihr Herz nicht zu sehr an dem Mammon
Gulden jährliche Mehrausgabe zu sparen, geben sie den ganzen oder den größten Theil ihres Ver⸗
eine Karte. Eutweder haben diese Leute ganz falsche Vorstellungen und wissen nicht, daß dit Prämien heut' zu Tage so ungemein billig sind oder sie verstehen nicht zu rechnen. Die üblichen Prämien der Gesellschaften variiren für gewöhn⸗
liche Risiken in Stadt und Land von 1½—2 fl.
von 1000 fl. Versicherungs⸗Capital, je nach Lage, Bauart, Gewerbebetrieb und Nachbarschaft. Ein gewöhnlicher landwirthschaftlicher Betrieb nach den bei uns ortsüblichen Bauverhältnissen ohne gefahr erhöhende Nachbarschaft zahlt gewöhnlich von
Landwirth 3000 fl. versichert, so hat er jährlich 4—5 fl. zu zahlen, eine Ausgabe, die unmöglich lästig fallen kann. Einsender dieses möchte sich nun die Frage erlauben:„Ist es besser die 4 fl. jährlich zu sparen und dagegen sein ganzes Hab und Gut auf's Spiel zu setzen, dem Zufall an- heimzugeben und in fortwährend beunruhigenden Sorgen zu leben, zu riskiren binnen 1 Stunde, die jeden Augenblick eintreten kann, an den Bettel⸗ tab gebracht zu sein, die Errungenschaft des Fleißes, vielleicht eines Menschenalters zerstört zu sehen und dafür den Fluch seiner Kinder zu erndten, oder ist es besser die 4 fl. jährlich zu zahlen und dagegen sorgenfrei und beruhigt sich Abends schlafen zu legen, bei Ausbruch eines Brandes, sei es wo es will, keine Angst ausstehen zu müssen und falls das Unglück ihn selbst betrifft, schadles gehalten zu werden, das beruhigende Gefühl in sich zu
Verkehr zwischen Mainz und der Taunusbabn vermittelnde Dampfboot benutzen. Am Landungsplatze angekommen,
Cöln. Daß die Butterversälschung sich zur förmlichen 1 Calamität gestaltet hat, beweisen die fast täglich vorkom⸗
Frage auf:„Wie kann man sich gegen derartige Unfälle einzig und allein vor Schaden bewahren?“ und es gibt hierauf nur eine Antwort:„Indem man seine sämmtliche Habe bei einer soliden Feuer- versicherungs-Anstalt in Versicherung gibt.“ Tro dem nun hierzu so mannigfache Gelegenheit täglich geboten ist, findet man merkwürdiger Weise nich“
hing, wenn es nichts kosten würde. Um ein paar
1000 fl. 1½ 1 ½ fl.; wenn also der betreffende
Hopfgarten Kreis Alsfeld ꝛc., geben uns Verschie⸗
unruhigen, so daß sich die Schäfer schon weigern, übern
Wechselfällen des Lebens unterworfen sind. In
mögens Preis und setzen ihre ganze Existenz auf 9
tragen, du hast deine Pflicht als braver Haus“


