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Einverständnisse mit den Deputirten des Seine departements und der Maires von der Regierung und der Rationalversammlung folgende Zuge ständnisse erlangt hat: 1) volle Anerkennung der municipalen Freiheiten; 2) das Recht, sämmtliche Offiziere der Nationalgarde sowie den Oberkom mandanten zu wählen; 3) die Abänderung des Gesetzes bezüglich der Verfallfrist von Wechseln und 4) ein Mietbgesetz, welches den Miethern von Wohnungen bis zum Miethpreis von 1200 Fr. große Begünstigungen bietet. Saisset fügt hinzu, er werde auf seinem Ehrenposten ausharren und die Ausführung der Gesetze überwachen.

Die Insurgenten haben neue Barrikaden in der Rue de la Paix, Rue Castiglione bis zur Rue Rivoli und zu den Tuilerien errichtet. Die Preußen verschanzen das Lager von St. Maur vor Vincennes.

Das Centralcomite erklärt in einer Procla mation, daß die Ernennung Menotti Garibaldi's zum Obercommandirenden der Streitkräfte der Commune freudig begrüßt wurde. Eine große Anzahl Geschütze ist am 23. d. auf dem Platze vor dem Stadthaus aufgefahren worden; der Platz ist mit starken Barrikaden umgeben. Die Insurgenten nahmen zwanzig mit Munition be ladene Wagen weg, welche für Marseille bestimmt waren.

25. März, 11 Uhr Vormittags. Die Lage ist heute nicht so zufriedenstellend, wie gestern Abend. Die Sprache desJournal offictel und des officibsen Organs des Comites läßt das schließliche Scheitern der Unterhandlungen befürchten. Man versichert, daß die Majorität des Central Comites zu einer Verständigung geneigt sei, aber unter dem Drucke der exaltirteren Elemente neue Forderungen gestellt habe, welche den Abbruch der Verhandlungen unvermeidlich erscheinen lassen. Das Comite besteht auf der Vornahme der Wahlen am Sonntag. Die Barrikaden stehen heute noch.

25. März, 1 Uhr. Noch ist nichts zu Stande gekommen. Die Nationalgarden des 1. und 2. Arrondissements haben Besehl erhalten, ihre Wachsamkeit zu verdoppeln. Eine Prokla⸗ mation des Admirals Saisset sagt, daß er heute den Oberbefehl über die Nationalgarde übernehme; er hofft zu einer Verständigung Aller auf dem Boden der Republik zu gelangen, sei aber ent schlossen, wenn nöthig, sein Leben einzusetzen, um die Ordnung, die Achtung gegen Personen und Eigenthum zu vertheidigen.Schenkt mir Ver trauen, schließt die Proklamation,die Republik wird gerettet sein.

25. März, Abends 9 Uhr. Die Unge⸗ wißheit war heute des Tags über groß. Um 6 Uhr Abends erschien eine Proklamation, unter- zeichnet von sämmtlichen 20 Maires und Adjuncten, sowie allen in Paris anwesenden Mitgliedern der Assemblee. Es wurde darnach das Einvernehmen getroffen, daß Morgen, Sonntag, das Pariser Volk zur Wahl von 90 Communalmitgliedern schreite, um die Republik zu retten, ohne Blut zu vergießen. Assy will daraufhin aus dem Central- Comite zurücktreten. Paris blieb den ganzen Tag ruhig. Die Barrikaden wurden theilweise ab getragen. a

Eine Proklamation des Centralcomites, von sämmtlichen Mitgliedern desselben unterzeichnet, ist erschienen. Es heißt in derselben:Unsere Pflicht ist in dem Augenblick erfüllt, wo die an⸗ geordneten Wahlen morgen stattfinden, nach welchen wir abtreten müssen.

DerCri du peuple bestätigt, daß es zwischen den Maires und dem Comite zu einem Einverständniß gekommen ist.

Das JournalNouvelle République, offciöses Organ des Comites, sagt: Paris will selbst regieren, die Departements haben sich vor ibm zu beugen. Dasselbe Blatt findet das Comite nicht energisch genug; es hätte die Blätter, welche Veracptung gegen die Revolution predigen, sosort unterdrücken müssen. Ein Tagesbefehl des Generals Charette aus Rennes vom 19. d. sagt: Die Provinz muß sich vertheidigen und die Ord nung und Autorität schützen. Der General ver langt, daß die Legion der Freiwilligen des Westens

sofort verstärkt werde und sich beeile, alle Männer von Herz, welche die Ordnung, die Familie und Religion vertheidigen wollen, zum Abschluß auf zurufen.

dieIndependance belge hört von einem Gerüchte, Menotti Garibaldi habe die Füssilade auf dem Vendomeplatz commandirt, während sein Bruder Ricciotti die Revolution in Lyon betreibe.

Die Insurgenten haben bei den Bäckern und Metzgern Nequisitionen erhoben; man befürchtet, auch Privathäuser möchten geplündert werden.

Versailles, 23. März. Gestern hielt die Nationalversammlung eine geheime Sitzung. Die selbe soll beschlossen haben, daß die Municipal wahlen noch vor dem 10. April stattfinden. Man beginnt von energischen Maßregeln gegen Paris zu sprechen. Man will sich an die National und Mobilgarden der Departemens wenden.

Das Gerücht geht, in Lyon sei die Commune proclamirt und die rothe Fahne von Neuem aufgepflanzt. Leflö soll seine Demission zurückgezogen haben, Ladmirault zum Comman- danten von Paris bestimmt sein.

23. März, Abends. Die Insurgenten hielten einen nach Versailles bestimmten Eisen bahnzug mit Gefangenen durch Aufziehen des! Haltesignals an, befreiten die Gefangenen und verhafteten die Estorte. Das 69. Regiment, welches in dem Luxemburg-Palast eingeschlossen war, entfloh mit der Bagage und drei Kanonen. Die Insurgenten verfolgten dasselbe vergebens; es erreichte glücklich Versailles und wurde hier enthusiastisch empfangen. Die Offiziere wurden befördert. Es heißt, im Centralcomite sei Zwiespalt ausgebrochen. Die Stadt ist ruhig. In der letzten Nacht wurden mehrere Stadtsergeanten auf Befehl des Centralcomites erschossen. Ueber fünf entflohene Jourkalisten wurde das Todesurtheil gefällt.

24. März. Emissäre der Rebellen, welche die Truppen aufzuwiegeln versuchten, wurden ver haftet. Die Deutschen haben in Fort Romainville schweres Geschütz in Position gestellt. Es wird versichert, daß der Kaiser Wilhelm niemals ein willigen werde, daß das Blut deutscher Soldaten für die Wiederherstellung der Ordnung in Paris vergossen werde.

25. März. Thiers erließ folgendes Cir cular an die Präfekten, Unterpräfekten, General Prokuratoren, alle Militär- und Civilbehörden: Tie Ordnung ist im größten Theile Frankreichs aufrecht erhalten. In Lyon ist dieselbe wieder bergestellt. In Marseille ist die Ordnung nicht beunruhigend gestört gewesen. In Paris hält die Ordnungspartei der Umsturzpartei Stand. Die Rückkehr zur Ruhe macht sich bereits bemerk bar, was man der Intervention der Maires ver dankt. Die Armee in Versailles ist mit allem Nöthigen reichlich versehen und verstärk sich täg- lich beträchtlich. Zahlreiche Cavallerie ist gestern angekommen. Alle aus der Armee geschiedenen Befehlshaber kehren fortdauernd zurück und bieten der Regierung ihren Degen an. Die National versammlung, täglich versammelt, ist einig mit der Regierung. Wir können der Bevölkerung nur Ruhe rathen. Mäßigung ud der feste Entschluß, die Ordnung zu erhalten, werden die Republik retten, welche nur durch die Anarchie gefähr det wird.

Der Mont Valcsérien ist nicht in den Händen der Insurgenten. Die Versailler Regierung hat 480 bespannte Geschütze und 83 Mitrailleusen zu ihrer Verfügung. In den Versailler Regie- rungskreisen ist man geneigt, noch vierzehn Tage abzuwarten, ob die Insurrection in sich selbst zerfällt, ehe man zum ernsten Angriff schreitet.

Ueber den Ausbruch der Revolution in Lyon wird Folgendes mitgetheilt: Die Emeute ist in der Nacht vom 22. auf den 23. März in den Vorstädten ausgebrochen. Die Nationalgarden der Vorstädte bemächtigten sich der Forts Croix rousse, Borteaux und Guillotière, sowte des Hotel

Stadthaus die rothe Fahne aufgepflanzt. Die 0 Nationalgarde leistete keinen Widerstand. Weiteren Berichten aus Lyon zufolge hat Riciotti Garibaldi

den Oberbefehl über die Aufrührer übernommen. Die Aufrührer haben sich im Stadthause ver⸗ schanzt und vor demselben Kanonen aufgepflanzt.

Lyon. In der Affaire Arnauld(derselbe wurde bekanntlich vor einigen Monaten elendiglich gelyncht) ist das Urtheil gefällt worden. Die Angeklagten Deloche, Jas, Ballaz und Bouveret wurden zum Tode, die Angeklagten Morel, Fournler und Gadoux zu Zwangsarbeit, und die Ange klagten Brouyas, Chol und Brack zur Depor tation verurtheilt. 33 Angeklagte wurden frei gesprochen.

25. März. Die Ordnung ist durch die Intervention der Nationalgarde, welche sich der

Partei der Versailler Regierung angeschlossen, wieder hergestellt. Belgien. Brüssel. Es wird berichtet,

daß eine Erhebung der Araber in Algerien statt gefunden hat. Aga Mockrani von Medina steht an der Spitze des Aufstandes und sucht alle Kabylen in denselben hineinzuziehen. Privatbriefen zufolge soll Mockrani mit 40,000 Mann 25 Meilen von Algier slehen und sich des ganzen Südens von Algerien bemächtigt haben. Fran zösische Truppen sind nach Setif und gegen die Kabylen entsendet.

Donaufürstenthümer. Bukarest. Am Abend des 22. d. stürmte der Pöbel den Saal, in welchem die hier lebenden Deutschen den Ge burtstag des deutschen Kaisers feierten, und de molirten ihn in Gegenwart des deutschen General- consuls v. Radowitz. Mehrere Verwundungen fielen vor.

Auf die Interpellation des preußischen General-Consuls wegen der stattgefundenen Gewalt thätigkeiten gegen Deutsche wurde der Polizei präfekt entlassen. Unter den vom Pöbel mittelst Steinwürfen verwundeten Personen soll sich auch der deutsche General-Consul Radowitz befinden.

25. März. In der gestrigen Sitzung der Kammer brachten 34 Deputirte einen Antrag auf Absetzung des Fürsten ein. Die Situation ist gespannt.

Amerika. Aus Wasbington kommt die Meldung, die Nachricht, daß General Sicklts, der amerikanische Gesandte in Madrid, die Weisung erhalten habe, Offerten für den Ankauf von Cuba und Portorico zu machen, entbehren jedweder Begründung.

VR. Friedberg. Während jetzt jeden Tag ein oder mehrere Züge mit aus dem Kriege heimkehrenden Sol⸗ daten, meist Landwehrleute und Reserven, darunter auch schon Cavalerie und Artillerie, unsern Bahnhof passiren, kommen auch immer noch zahlreiche Kranke und Verwun dete, zum Theil aus weit entfernten Lazarethen hier vor⸗ bei und zwar vom 1. bis 15. März in 15 Sanitäts⸗ Lazareth⸗Extrazügen zusammen 6423 Mann, und außer diesen mit jedem fahrplanmäßigen Nachmittagszuge eine größere oder kleinere Anzahl. Daß es eine schwere Auf⸗ gabe ist, für so viele Leute auch nur einigermaßen Etwas zur Erftischung zu beschaffen, bedarf keines Nachweises; laut controölirter Rechnung wurden zwar 393 fl. 37 kr. von dem Mathildenstifte in dieser ersten Hälfte des Monats beigetragen, aber was will das unter so viele? Es erscheint darum dringend geboten, nicht nachzulassen im Beisteuern; das Schlimmste ist ja, so Gott will, vorüber, und wollen wir nicht nachlassen, um das begonnene Werk auch durch⸗ zuführen. Das Comite im Bahnhof nimmt Gaben jeder Art gern und mit Dank entgegen.

Frankfurt. Dieser Tage ereignete sich unweit der Neckarbahnbrücke ein bedauernswerthes Unglück. Die Frau eines daselbst mit seinem Fahrzeug haltenden Ruhrschiffers halle ihe 15 Monate altes Kind, mit welchem sie kurz vorher von einem Spaziergang zurückgekehrt war, auf das Verdeck des Schiffes gesetzt. Während sie mit ihrem Manne sprach, hatte sie weniger Acht auf das Kind. Dasselbe tutschte fort und stürzte, ohne daß die Eltern es wahrnahmen, geräuschlos in den Main. Erst als sie das Kind nicht mehr sahen, wurde es ihnen klar, welches Un⸗ glück sie betroffen. Man machte nun alle Anstrengungen, um wenigstens die kleine Leiche zu finden, jedoch vergeblich; statt ihrer jand man die Leiche eines Mannes. Nach dem Grade der Verwesung mußte selbige schon mehrere Wochen im Wasser gelegen haben.

Kassel. Der Frachtgüterverkehr mit Ausnahme der Dienstgüter für Truppen sowie der unentbehrlichen Nah⸗

de Ville. Die Armee hat mit den Insurgenten fraternisirt. Die Emeute ist vollständig Herrin von Lyon. Präsect und Maire sind gefangen.

Die Commune wurde eingesetzt und auf dem!

rungsmittel nach einzelnen Nothstandsplätzen wird vom 26. d. ab an den meisten Bahnen eingestellt. Magdeburg. Der 100 jährige Geburtstag Zschokke's ist in Magdeburg, der Vaterstadt des Dichters, durch eine einfache, aber enzsprechende Feier begangen worden. In

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