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1871.

Dienstag den 28. März.

M37.

berhessischer!

nzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Der Schlust der Annahme von Einsendungen für den nächsterscheinendenAnzeiger ist

Morgens 7 9 8 Uhr.

Alle späteren Einläufe müssen für eine andere Nummer zurückgelegt werden.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Großberzogliche Regie- rungsblatt Nr. 11 enthält:

I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Organisation der Ersatzbehörden betreffend.

II. Oeffentliche Anerkennung einer edlen Tbat. Am 20. September v. J. war das jährige Söhnchen des Maurers Theodor Rappinger zu Welsenau daselbst in den Rbein gefallen und schon eine Strecke weit vom Strome sortgerissen worden, als der auf einem benachbarten Zimmerplatz arbeitende Zimmermann Jacob Frieß aus Darmstadt die Gefahr, in welcher das Kind schwebte, bemerkte, sofort völlig angekleidet in den Rhein sprang, auf das im AUntersinken begriffene Kind zuschwamm, basselbe erfaßte und unter großer Anstrengung mit Hülfe zines ihm vom Ufer zugehaltenen Breites glücklich lebend un das Land brachte. Seine Königliche Hoheit der Großberzog haben dem Jacob Frieß für diese menschen⸗ reundliche, mit Muth und eigener Lebensgefahr ausge⸗ führte That, neben einer Geldprämie, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für Retiung von Menschen⸗ leben Allergnädigst zu verleihen geruht.

III. Bekanntmachung Groß herzoglicher Provinzial Direction Oberhessen, die Aufbringung der Mittel zut Destreitung der Bedürfnisse der Landjudenschaft der Provinz Ober hessen für 1871 beireffend.

IV. Nachweisung der in dec Großherzoglich Hessischen Münze zu Darnistadt seit dem Abschluß der Münzcon⸗ wention vom 25. August 1837 bis zum Schlusse des Jahres 1870 staltgehabten Großh Hessischen Ausmünzungen.

V. und VI. Uebersicht der für das Jahr 1871 ge⸗ mehmigten Umlagen zur Besireitung der Bedürfnisse der üsraelitischen Religionsgemeinden der Kreise Bensheim und Friedberg.

VII. Uedbersicht der für das Jahr 1871 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communalbedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Darmstadt.

VIII. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Wroßherzoglich Hessischen Ludwigs ⸗Universität zu Gießen im Sommerhalbjahre 1871 gehalten und am 17. April ihren Anfang nehmen werden.

Se. Maj. der deutsche Kaiser haben weiter nmachstehenden Angehörigen der Großherzoglichen 25.) Division Allerhöchst verliehen: 1) des eiserne Kreuz zweiter Klasse am schwarz weißen Bande: Vom 1. Inf.⸗Regt.: dem Sergeant Her mann Vöglin, den Corporalen Georg Benz und Wilh. Selbst, dem Gardist Valentin Wernher. Vom 2. Inf.⸗Regt.: den Hauptleuten Friedrich Kröll und Heinr. Leiß, dem Lieutenant Heinrich Scharch, dem Gefreiten Ludwig Volk, dem Ser- geant Christ. Döring, dem Musk. Phil. Reichard, dem Corp. Gg. Lehr und Vice-Feldwebel Heinr. Deberer. Vom 1. Jäger-Bat.: dem Hauptm. Herm. Nau, dem Gardejäger Friedr. Zeitinger, dem Zugefeldwebel Phil. Glock. Vom 3. Inf. Regt.: dem Corp. Joseph Köhler, dem Gefreiten Thr. Rückert, dem Musk. Adam Mergenthaler. Vom 4. Inf. Regt.: dem Lieutenant Gustav Jellarius, dem Musk. Adam Reuter, dem Musk. Peter Wilhelm, dem Sergeant Carl Pfeiff, dem Jorp. Carl Seibert, dem Musk. Gg. Metzler Vom 2. Jäger-Bat.: dem Sergeant Peter Morgolf und dem Jäger Jonas Kahn. Vom 1. Reiter-Regt.: den Gefreiten Peter Sattler und Jacob Allendorf. Vom 2. Reiter-Regt.: dem Rittmeister Wilhelm Schmidt von Osten, dem bevauxleger Joh Möller, dem Sergeant Georg Müller, dem Gefr. Jacob Oberhahn. Von der Feld-Artillerie: dem Hauptm. Eduard David ohn, dem Wrieor

Kanonier Johann Diehl, dem Corp. Johannes Backhaus. Von det Pionnier-Comp.: dem Pionnier Adam Bastian. Vom Sanitäts- Detachement: dem Gefr. Valentin Falter. 2) das eiserne Kreuz am weißen, schwarzgerän⸗ derten Bande: dem Kriegsrath Niepoth, Vorstand der Intendantur, dem Feldoberstabsarzt Dr. Fuchs vom 1. Feldlazareth, dem Feldstabsarzt Dr. Metzler vom 6. Feldlazareth, dem Feldstabsarzt Dr. Schäfer vom 1. Jäger-Bataillon, dem Assistenzarzt Dr. Willbrand vom Sanitäts-Detachement, dem Assi stenzarzt Dr. Köhler vom SanitätsDetachement, dem Feld- Magazin-Rendanten Grönrich, dem Oberpostsecretär Kromm.

Berlin. Das vom General Fabrice unterm 21. d. an Jules Favre gerichtete deutsche Tele gramm bringen die französischen Blätter amtlich, aber unrichtig übersetzt. Das Telegramm hat gelautet:Excellenz benachrichtige ich ergebenst, daß Angesichts der Pariser Ereignisse, die mehr fach die Nichteinhaltung der Vereinbarungen zur Folge hatten, im diesseitigen Interesse Folgendes verfügt wird: Das Obercommando der Armee vor Paris untersagt die Annäherung an unsere Linien vor den von uns besetzten Forts, verlangt die Herstellung des zerstörten Telegraphen bei Pantin und wird Paris feindlich behandeln, sobald weitere Handlungen versucht werden, welche mit den mit der französischen Regierung getroffenen Vereinbarungen und Friedenspräliminarien im Widerspruche stehen. Der Versuch, die Enteinte wieder zu armiren, würde die sofortige Eröffnung des Feuers von Seiten der von uns besetzten Forts zur Folge haben.

Breslau. Wie dieSchles. Ztg. meldet, soll hier dem Kaiser-König Wilhelm bei Lebzeiten ein ehernes Standbild gesetzt werden. Hamburg. Auf der Cuxhavener Rhede haben die französische FregatteHeroine, die CorvettenFinisterre undMinerva, drei Transportdampfschiffe und ein Aviso geankert. Diese Schiffe sind zur Rückbeförderung der fran zösischen Kriegsgefangenen bestimmt.

Coburg. DieLeipz. Ztg. meldet von einem Gebietsaustausche in Thüringen:Dem Vernehmen nach sollen die jetzigen Verhältnisse dazu mit benutzt werden, die vielen in Thüringen noch befindlichen Enclaven zu beseitigen, nament lich die seit länger als einem halben Jahrhundert zwischen der hiesigen und der bayerischen Regie- rung obschwebenden, für beide Theile oft störenden Territorial-Differenzen in dem vom Königreich Bayern ganz eingeschlossenen Amtsbezirke endlich auszugleichen, und zwar dadurch, daß dieser nur etwa 4000 Seelen haltende Bezirk gegen anderes dem Herzogthum Coburg angrenzendes Land an Bayern abgetreten werden soll.

Aus München wird derAugsburger Abend zeitung mitgetheilt, der König sei im Begriff, dem Kaiser Wilhelm die deutsche Krone weiland Ludwigs IV.,des Bayers, anzubieten. Straßburg. Der Geburtstag des Kaisers Wilhelm ist auch hier durch eine glänzende

Gefr. Ernst Minier, dem Sergeant militärische Feier und mit einem Feuerwerk, be Beck, dem Corp. Ludwig Stahl, dems gangen worden.

Ausland.

Frankreich. Paris. Von den Wällen der Enceinte der Faubourgs Belleville und Ménil- montant sind einzelne Flintenschüsse auf preußische Patrouillen gefallen. Die Regierung in Versailles sandte sofort eine Erklärung in das preußische Hauptquartier, worin gegen jeden Act der Feind seligkeit protestirt wird. Durch solche Acte würden auf die schuldlose Bevölkerung die Vergehen einiger Wahnsinnigen zurückfallen.

23. März. Das Centralcomite hat be- schlossen, alle in Paris anwesenden Soldaten in die Nationalgarde einzuverleiben. Die Maires und Adjuncten von Paris haben folgende Er nennungen verfügt: Admiral Saisset, Obercomman⸗ dant der Nationalgarde; Oberst Langlois, Chef des Generalstabs; Oberst Schölcher, Obercomman⸗ dant der Artillerie. Admiral Saisset hat gegen wärtig sein Quartier auf dem Börsenplatz. Die Mairie in der Rue Drouot und die Mairie des ersten Arrondissements sind von Nationalgarden des Quartiers besetzt. Viele Mobilgarden des Departements der Seine befinden sich in den Bataillonen des Centrums; man bemerkt auch Zuaven darunter. Mehrere Bataillone des Seine departements verlangen Waffen, um die Insur genten zu bekämpfen. Die Insurgenten auf der Place VBendome haben Barrikaden errichtet, um einen etwaigen Angriff zurückzuweisen. Die Börse ist geschlosen. Man versichert, General Ducrot sei von den Truppen füstlirt worden.

24. März. DasJournal offiziel des Revo⸗ lutionscomites meldet: Menotti Garibaldi ist einge- troffen und hat im Stadthaus sein Quartier ge nommen. Das Centralcomite entschied in seiner Sitzung am Donnerstag: Sämmtliche Journalisten, welche zur Revolte und zur Verachtung der Volks- souveränetät aufgereizt hätten, unter Anklage zu stellen; der Maire Clémenceau sei zu verhaften; Menotti Garibaldi zum Oberkommandanten von Paris und der gesammten Streitkräfte der Commune zu ernennen; die Regierungsmitglieder in An- klagezustand zu versetzen; mit allen Mitteln sei die Besetzung der widerspenstigen Arrondissements von Paris zu bewerkstelligen; das Gebäude der Bank sei zu schließen und Schießscharten darin anzubringen.

24. März. Der Geist des Widerstandes gegen die Insurgenten gewinnt an Ausdehnung. Saisset wurde ermächtigt, zurückkehrende National- garden zu amnestiren. Saisset's Corps besteht aus 10,000 gut bewaffneten Soldaten. Man erwartet einen Zusammenstoß in der Nähe der Börse. Unter den Rebellen gibt sich Zwiespalt kund. Ein unzufriedenes Bataillon hat mit Mi- trailleusen- Batterien Paris verlassen und Fort Issp besetzt. Das Centralcomite soll einem Friedens-

compromiß zuneigen, jedoch der Gewalt den äußersten Widerstand entgegensetzen wollen. 24. März, 9 Uhr Abends. Die Nach-

richten vom Nachgeben der Regierung zu Versailles verschlimmert die Lage der besitzenden Classen noch mehr. Dieselben fahren fort, von Paris abzureisen.

Admiral Saisset hat eine Proclamation erlassen, in welcher derselbe anzeigt, daß er im