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strebungen der Commune vertheidigt hat, ergreift Fürst Bismarck das Wort. spricht seine Befriedigung darüber aus, daß der
Reichstag der Versuchung widerstanden, Elsaß⸗
Lothringen für jetzt schon in festere Beziehungen
zu bringen und Details festzusetzen. Zunächst sei
den El sässern das deutsche Bürgerrecht und der freie Verkehr mit Deutschland zu geben. Nachdem Bismarck sich näher über die zukünftige Verwal⸗ tung der neuen Reichslande ausgesprochen, fährt er fort:„Da die Aufgabe, welche ich mir bei Uebernahme des preußischen auswärtigen Ministe⸗ riums stellte, nämlich die Herstellung des deutschen Reichs, in kürzerer Zeit erfüllt ist, als zu er⸗ warten war, so sehe ich meine politischen Ver⸗ pflichtungen gegenüber dem Vaterlande einiger⸗ maßen als erfüllt an, und wenn ich jetzt bei ab⸗ nehmender Gesundheit und Arbeitskraft vor solcher Arbeitslast nicht zurückschrecke, so leitet mich dabei ein gewisses Gefühl der Verantwortlichkeit für das Schicksal der Bewohner dieser Provinzen wegen des Antheils, den ich an ihrer Losreißung von Frankreich habe. Ich fühle mich berufen, ihr Advokat zu sein bei dem neuen Staatswesen, dem sie beitreten. Dazu bedarf ich des Entgegen kommens der betreffenden Länder, namentlich aber des vollen Vertrauens des Reichstages. Diesen Ausdruck des Vertrauens finde ich aber nicht in zwei vom Reichstage angenommenen Neubestim- mungen. Zunächst in der Verkürzung der Diktatur ⸗ periode. In anderthalb Jahren läßt sich viel Böses thun, aber nicht sehr viel Gutes. Ich bitte Sie, dem Verdacht nicht Raum zu geben, als ob das Bestreben vorhanden sei, eine schwerwiegende Verantwortlichkeit länger zu tragen, als noth⸗ wendig ist. Es wird zunächst Aufgabe sein, sich einen zuverlässigen Beamtenstand aus Eingebornen zu schaffen, welcher alle diejenigen Garantien hat, welche die Beamten bei uns haben. Ich möchte dringend bitten, die Befürchtungen aus alter Zeit bei Seite zu lassen. Als zweites Mißtrauens-⸗ votum bezeichnet der Redner das Amendement Lasker, wonach der Kaiser bei solchen Gesetzen, welche Elsaß⸗Lothringen mit Anleihen und Ga— rantien belasten. an die Zustimmung des Reichs- tags gebunden ist. Nachdem Fürst Bismarck her⸗ vorgehoben, daß bei den Friedensverhandlungen die Schuldenfreiheit von Elsaß-Lothringen erzielt worden sei, sagt derselbe, aus Mangel an den nöthigen Mitteln läge Straßburg noch heute im Schult; er habe deshalb sein Augenmerk darauf gerichtet, aus den französischen Kriegscontributionen erhebliche Zahlungen noch früher zu beantragen, als ausbedungen war. Dies sei dadurch erreicht worden daß man einen Theil der Zahlung in französischen Banknoten, die in Elsaß⸗Lothringen Pari ständen, annehme. Heute über acht Tagen würden 40 Millionen Francs in Mühlhausen, Straßburg oder Metz gezahlt werden, acht Tage später wieder 40 Millionen und am 15. Juli 45 Millionen. Ferner müßten von der zweiten Rate der Contribution, welche erst zu Ende des Jahres fällig sei, bereits 60 Tage nach Einnahme von Paris 125 Mill. Frs. bezahlt werden. Hierdurch sei man in der vortheilhaften Lage, alle Bedürf⸗ nisse, welche in franzößscher Münze zu decken seien, sofort decken u können. Man möge sich doch nicht dem Gedanken hingeben, als ob man Elsaß in localer Hinsicht von hier aus bevormunden könne. Die hier weilende Elsässer Deputation sei erstaunt über den Mangel an Vertrauen, den man hier- durch gegen die Elsässer bekunde. Fürst Bismarck erklärt zuletzt: Ich würde sehr bedarern, wenn Sie bei dem Amendement beharrten, ich werde dann bei dem Bundesrath beantragen, die Vor⸗ lage neu zu gestalten, so daß die persönliche Mitwirkung des Bundeskanzlers ausgeschlossen werde. Der Kaiser könne statt dessen einen ver⸗ antwortlichen Minister für Elsaß und Lothringen ernennen. Ich kann, schließt Fürst Bismarck, die Verantwortlichkeit für die Dictatur nicht über⸗ nehmen, wenn sie mir nicht mit vollem Vertrauen übergeben wird. Befreien Sie mich von diesem Votum, das ich nicht anders als ein Mißtrauens⸗ votum nennen kann. Nachdem Lasker ausgeführt, daß sein Antrag keineswegs ein Mißtrauensvotum
Der Reichskanzler.
gegen den Reichskanzler bezwecke, erklärt Fürst
Bismarck, er müsse trotz der Interpretation Lasker's
bei seiner früheren Erklärung beharren und bitten,
die bezügliche Bestimmung zu beseitigen, oder er
müsse bei dem Bundesrath den bereits erwähnken Antrag stellen und den 1 f. bitten, einen anderen verantwortlichen Minister für Elsaß⸗Lothringen zu ernennen.
Der Reichstag nimmt schließlich den Antrag Hohenlohe's an, wonach der Gesetzentwurf an die Commission zurückverwiesen wird.
— Wie man von hier der„Neuen freien Presse“ telegraphirt, soll auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers in den Bundesraths-Entwurf über die Verwendung der Kriegscontribution auch die Dotation für Bismarck im Betrage von einer Million Thaler aufgenommen werden. Moltke lehnte eine Dotation gleichen Betrages mit dem Bemerken ab, daß er sich durch die Erhebung in
den Grafenstand, besonders da derselbe auch auf,
seinen Neffen übertragen wird, reichlich genug be⸗ lohnt finde und die Bedürfnisse seines Alters durch die Pension hinreichend gedeckt sind. Ueber die beabsichtigten Dotationen für Werder und Man⸗ teuffel sind bestimmte Ansätze vorläusig nicht be⸗ kannt geworden.
— Die„Prov.⸗Corresp.“ schreibt: Nachdem der Friede endgültig gasclossen und der Aufstand in Paris bewältigt ist, kann die Regierung längst gehegte Wünsche betreffs der Rückkehr der Truppen zur Ausführung bringen. Zunächst ist der Rück, marsch des 5. und 7. Armeecorps, sowie der 17. Infanterie-Division befohlen und bereits ins Werk gesetzt. In unmittelbare Aussicht genommen Cnoch nicht befohlen) ist der Rückmarsch des Garde corps. der württembergischen Division und eines baperischen Corps. Für die Rückkehr des Garde— corps sind Vorbereitungen getroffen, daß die Rück- besörderung nach erfolgtem Befehle binnen 16 bis 18 Tagen erfolgen kann. Der Einzug in Berlin würde unter solchen Voraussetzungen etwa in der dritten Woche des Juni stattfinden. Feste Be⸗ stimmungen sind noch nicht hierüber erfolgt. Bei der gegenwärtigen Lage und der Absicht der Re- gierung betreffs der Beschleunigung der Contri— butionszahlung darf die baldige Rücklehr noch einiger anderen preußischen Corps in Aussicht ge⸗ nommen werden, deren nähere Bestimmungen noch vorbehalten sind.
— Der„Reichs ⸗ Anzeiger“ meldet über die Frankfurter Conserenz:„Am 20. Mai sind in Frankfurt am Main die Ratifications-Urkunden des zwischen dem deutschen Reiche und der fran⸗ zösischen Republik am 10. d. M. ebendaselbst ab⸗ geschlossenen Friedens zwischen dem Reichskanzler Fürsten v. Bismarck und den französischen Mi⸗ nistern Favre und Pouper⸗Quertier ausgetauscht worden. Durch die Auswechselung des zuvor von Sr. Majestäl dem deutschen Kaiser und König von Preußen in Berlin und am 18. d. durch die französische Nationalversammlung in Versailles ra- tificirten Friedensinstrumentes hat der etwa zehn⸗ monatliche Kriegszustans zwischen Deutschland und Frankreich seinen definitiven Abschluß gefunden.“
München. Das hiesige erzbischöfliche Ordi⸗ nariat hat verfügt, daß die Unterschrift der Adresse gegen die Unfehlbarkeit den Verdacht der Häresie begründe. Den Betreffenden soll, im Fall, daß eine Belehrung fruchtlos bleibt, die Spendung des Sacraments, insbesondere die Assistenz bei der Cheschließung, und die Zulassung als Pathe versagt werden. Notorische Unterzeichner der Adresse müssen öffentlich oder vor kirchlichen Zeugen wider⸗ rufen, widrigenfalls dieselben gleich den notorischen Agitatoren gegen das Concil als bewußte und hartnäckige Häretiker excommunicirt sind und für den Fall ihres Todes ein kirchliches Begräbniß nicht erhalten.
Straßburg. Ein Rescript des Reichs⸗ kanzlers vom 16. Mai gestattet den Personen, welche in Elsaß⸗Lot ringen gebürtig oder ansässig sind und während des Krieges durch eine Ver⸗ fügung der deutschen Behörden ausgewiesen wur— den, ungehinderte Rückkehr.
— Vom 27. d. M. an bis in die Hälste des Juni werden nach Angabe des„Nied. K.“ täg⸗
lich sechs Extrazüge mit aus dem südlichen Frank- oder in dessen Umgegend zu begeben.
reich zurückkehrenden deutschen Truppen 1. durch⸗ kamen.
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N Ausland.* Frankreich. Kae 25. Ma mal, Morgens. Unsere Ttuppen 1 diese Nacht das Hotel de Ville gend men. selben besetzten auch das Fort Montrouge. Die Die militärischen
Operationen werden von den drei Corps Aru und energisch verfolgt. Man hofft, die Unterwerfung von ganz Paris heute Abend zu erreichen. Die Armee entwickelt eine bewundernswerthe Energie; ihre Verluste sind sehr gering. Wie man versichert, wäre General Vinoy zum Gouverneur von Paris ernannt. Die Blätter melden, daß, Delescluze, Cluseret, Pyat und Ranvier gefangen genommen seien. Die officielle Bestätigung der Nachricht ist noch nicht erfolgt. Die Verwüstungen, welche verschiedene Viertel von Paris erlitten haben, sind beträchtlich. Viele Häuser sind arg beschädigt oder verbrannt. Man hofft, noch die Colonnade des Louvre zu retten. Feuerwehrmannschasten aus der Provinz sind telegraphisch nach Paris beordert. — Die Dreifaltigkeitskicche und das Stadt⸗ haus mußten erstürmt werden. Das Ministerium des Auswärtigen ist gleichfalls heruntergebrannt. — Nachts. Das Palais Royal und die Conciergerie, sowie Theile des Louvre brennen noch immer. Mac Mahon befindet sich auf dem Vendomeplatz. Die Straßen waren während der ganzen Nacht taghell durch die Feuersbrünste erleuchtet. — Die wenigen aus Versailles kommenden Nachrichten enthüllen in kurzen Zügen ein schreck⸗ liches Bild von den Ereignissen in Paris: Dichter Rauch bedeckt die ungeheure Stadt, ein unauf⸗ hörlicher Aschenregen fällt auf sie hernieder, die Atmosphäre ist mit einem starken Petroleumgeruch geschwängert. Dazwischen ertönt ein furchtbarer markerschütternder Knall: eins jener Monumente der Bau- oder Steinmetzenkunst, welche die einst lachenden Ufer der Seine umsäumten, ist wieder in die Luft geflogen. Dann die Verwirrung des Kampfes— man kann sich denken, mit welcher Wuth, welcher Verzweiflung, welcher Erbarmungs⸗ losigkeit er gekämpf: wird. Die Nacht bricht an, der Kampf ruht, denn die Truppen wollen nicht voran— da plötzlich geht eins nach dem anderen der herrlichen Gebäude im Herzen der Stadt in Flammen auf; die aufständische Bestie ist noch im Besitz eines großen Theiles der Cilé und be— hauptet ihre Macht, um sich und Alles in rauchenden Trümmern zu begraben. Die Tuilerien, der Louvre, das Stadthaus, der Senats- und der Staats- rathspalast, das Palais Rohal, der Justizpalast, das Finanzministerium, der Rechnungshof, das Palais de l'Elysee, das Marine-Ministerium— Alles ist entweder schon niedergebrannt oder steht in Flammen und Niemand weiß dem furchtbaren Elemente Einhalt zu thun. Glücklicherweise soll wenigstens der Louvre mit seinen reichen Kunst⸗ schätzen mindestens zum Theil gerettet sein. Die Unmenschen, die dieses Fürchterlichste über ihre Vaterstadt verhängen, erfrechen sich auch noch, ihre Schandthaten zu beschönigen: rothe Zettel werden aus Ballons herabgeworfen mit der Ankündigung: „unser Todeskampf wird fürchterlich sein.“ St. Deuis, 25. Mai, Vormittags. Fol- gende Depesche Thiers' an die Unterpräsecten ist hier eingetroffen:„Wir sind Herren von Paris, mit Ausnahme eines kleinen Theils. Die Tuilerien sind in Asche gelegt. Der Louvre ist gerettet. Das Finanzministerium und die Paläste am Quai d'Orsay sind angezündet. Wir haben 12,000 Gefangene gemacht. Der Boden von Paris ist mit Blut und Leichen bedeckt; dies entsetzliche Schauspiel wird eine Lehre sein. Dank der Weisheit der Generäle haben wir nur geringe Verluste. Belgien. Brüssel, 22. Mai. Unter den hiesigen Bonapartisten herrscht seit zwei Tagen große Erregung. Es scheint, daß diese Partei, die nach wie vor großen Anhang hat, einen Schlag ausführen will. Sicher ist, daß alle Ver⸗ waltungs- und Justiz⸗Beamten, welche nach dem 4. September abgesetzt wurden, auf vertrauliche Weise aufgefordert worden sind, sich nach Paris Uebersehen


